Wikiwand AI

Stefan Oster

deutscher Salesianer, Theologe, römisch-katholischer Bischof von Passau From Wikipedia, the free encyclopedia

Stefan Oster SDB (* 3. Juni 1965 in Amberg) ist ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Ordenspriester der Salesianer Don Boscos und seit 2014 Bischof des Bistums Passau.

Stefan Oster SDB (2014)

Leben

Jugend und Studium

Nach seiner Grundschulzeit in Neunburg vorm Wald[1] und dem Abitur am Gymnasium Neutraubling absolvierte Oster beim Straubinger Tagblatt von 1984 bis 1986 eine Ausbildung zum Zeitungs- und Hörfunkredakteur und moderierte dann von 1987 bis 1988 für den Radiosender Charivari in Regensburg die Morningshow. Dort war er auch die erste Stimme, die am 9. Mai 1987 auf Sendung ging.[2]

Von 1988 an studierte er Philosophie, Geschichte und Religionswissenschaften in Regensburg, Kiel, an der University of Keele und der University of Oxford. Dabei nahm er von 1990 bis 1991 am Erasmus-Programm der Europäischen Union teil und erhielt von 1990 bis 1994 eine Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er schloss in Oxford 1993 mit dem Master und in Regensburg 1994 mit dem Magister artium ab.

In seiner Kindheit und Jugend übte Oster den Kampfsport Judo aus, später spielte er Tennis und Fußball.[3] Als junger Mann war er jahrelang mit einer Frau liiert.[4]

Ordenseintritt und erste priesterliche Tätigkeit

1995 entschied sich Oster, Salesianer Don Boscos zu werden. Die Salesianer sind eine Ordensgemeinschaft, deren Schwerpunkt die Arbeit mit jungen Menschen ist – in der Tradition des italienischen Priesters und Gründers Don Bosco (1815–1888). Oster ging 1995 für ein Jahr in das Noviziat des Ordens in Jünkerath und legte dort 1996 die erste Profess ab. Von 1996 bis 2000 studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern Theologie. Die Ewige Profess legte er am 24. Juli 1999 ab. Am 24. Juni 2001 weihte ihn Bischof Viktor Josef Dammertz zum Priester. Im Anschluss war er bis 2003 als Mitarbeiter in der Seelsorge der Pfarrei St. Don Bosco in Augsburg tätig.[5]

Wissenschaftliche Laufbahn

In der Zeit von 1999 bis 2021 gab er die Schriften II–VI von Ferdinand Ulrich heraus. 2003 wurde Oster an der Theologischen Fakultät der Universität Augsburg in Philosophie mit einer Arbeit über Ulrich, die Alois Halder betreute, promoviert.[6] Für diese Arbeit erhielt er 2003 den Albertus-Magnus-Preis der Diözese Augsburg und 2004 den Universitätspreis des Vereins der Freunde der Universität Augsburg.[7] Im Anschluss daran dozierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern im Fach Philosophie, insbesondere zur Erkenntnistheorie, Metaphysik, Sprachphilosophie, Dialogphilosophie und Philosophie der Person. Er forschte insbesondere zu Grenzfragen zwischen Philosophie und Theologie.

Im Jahr 2009 habilitierte sich Oster im Fach Dogmatik an der Theologischen Fakultät Trier. Die Habilitationsschrift behandelte das Verhältnis von Person und Transsubstantiation[8] und wurde vom damaligen Trierer Dogmatiker Rudolf Voderholzer betreut. Daraufhin wurde er in Benediktbeuern zum ordentlichen Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte ernannt. Als Dogmatiker wandte er sich vor allem den personal-dialogischen und theodramatischen (siehe Hans Urs von Balthasar) Fragen in der systematischen Theologie zu, insbesondere im Bereich der Christologie, Ekklesiologie und Mariologie. Die Liste seiner Veröffentlichungen ist auf seinem Blog zugänglich.[9]

Mit der Schließung der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Benediktbeuern im Juli 2013 endete seine dortige Professur. Oster dozierte weiterhin an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München – Abteilung Benediktbeuern. Zudem lehrte er auch an der LMU München.[10]

Bischof

Ernennung und Weihe

Bischofswappen von Stefan Oster

Am 4. April 2014 wurde Oster von Papst Franziskus zum 85. Bischof von Passau ernannt.[11] Seine Bischofsweihe erfolgte am 24. Mai im Stephansdom in Passau durch den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx. Mitkonsekratoren waren der Passauer Altbischof Wilhelm Schraml sowie der emeritierte Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser SDB, der der Vorvorgänger von Oster als Dogmatikprofessor in Benediktbeuern gewesen war.[12]

Osters Wahlspruch lautet nach einem Wort des Hl. Augustinus: „Victoria Veritatis Caritas“ („Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe“). Sein Wappen ist von blau und silber geviert mit Herzschild. Er zeigt den Passauer Wolf als Symbol für das Bistum Passau. Die Einzelfelder zeigen die goldene gekrönte Maria von Altötting, einen flugbereiten roten Johannes-Adler, die schräggestellte rote Märtyrerpalme mit drei Steinen, Attribute des hl. Stephanus, Namenspatron des Bischofs und Dompatron von Passau, sowie drei goldene Nadelbäume als Verweis auf Johannes Bosco (ital. Bosco „Wald“) und auf den Bayerischen Wald, der einen größeren Teil des Bistumsgebietes ausmacht.[13] Das einfache Vortragekreuz ist die Wappeninsignie des Bischofs.

Der Bischofsstab, den Oster benutzt, gehört zum Bestand des Passauer Doms; er wurde in der Goldschmiedewerkstatt Gückel in Mühldorf am Inn hergestellt. Über einer Kugel aus Rosenquarz erhebt sich eine Krümme, in der zwei Elfenbeinfiguren stehen: der heilige Bruder Konrad von Parzham, der im Gebet vor der Altöttinger Madonna kniet.[14]

Das silberne Brustkreuz wurde von Ivan Wegleiter aus Meran entworfen. Es zeigt Christus als Guten Hirten 11,11 EU. An den Enden des Kreuzes ist der Wahlspruch des Bischofs eingearbeitet: Victoria veritatis caritas („Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe“).[15]

Osters Mitra wurde im Zisterzienserinnenkloster Thyrnau nach einem Entwurf von Äbtissin Mechthild Bernart gefertigt. Auf Vorder- und Rückseite befindet sich jeweils ein gesticktes Kreuz, das in den vier Ecken von je sieben Strahlen begleitet wird. Die beiden Zierstreifen tragen links das Wappen des Bistums Passau und rechts das persönliche Wappen des Bischofs.[16]

Osters Gehalt bemisst sich an der Besoldungsstufe B 6.[17] Es wird aus Geldmitteln gezahlt, die dem Bistum als Staatsleistungen im Rahmen des Bayerischen Konkordats vom Freistaat Bayern zur Verfügung gestellt werden.[18]

Überdiözesane Tätigkeiten

In der Deutschen Bischofskonferenz gehört Oster seit dem 20. September 2016 der Jugendkommission an, deren Vorsitzender er von 2016 bis 2021 war; seitdem ist er stellvertretender Vorsitzender.[19] 2021 wurde er zugleich als Mitglied der Kommission Ehe und Familie berufen.[20] Im September 2022 bestimmte ihn die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrem Sportbeauftragten („Sportbischof“).[21] Oster ist auch Mitglied der Bischöflichen Fachgruppe für Fragen des sexuellen Missbrauchs und von Gewalterfahrungen in der Deutschen Bischofskonferenz.[22]

Bei der XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ („Jugendsynode“), die im Oktober 2018 in Rom stattfand, wirkte Oster als Relator mit.[23] Zudem nahm Oster auf Einladung von Papst Franziskus an den Sitzungen der Weltsynode im Oktober 2023 und Oktober 2024 in Rom teil.[24]

Positionen (Auswahl) und Kontroversen

Synodaler Weg in Deutschland

Zentrale Reformforderungen des Synodalen Wegs sowie das geplante Monitoring zu deren Umsetzung lehnt Oster ab, da es seiner Ansicht nach die Auflösungserscheinungen in der Kirche beschleunigt, wie er Anfang Februar 2026 mitteilte. Der Graben zu denen, die am überlieferten Glauben festhalten wollten, werde „größer, die vermeintliche Mitte rückt immer mehr nach links – und die einfachen Gläubigen [...] werden mehr und mehr zu scheinbaren Extremisten am rechten Rand“. Zudem sprach er von einer drohenden „Selbstsäkularisierung“. Der Prozess habe sich auf die Eindämmung kirchlicher Macht konzentriert und ein möglicher „Sieg der Laien“ bedeute lediglich eine neue Form der „Klerikalisierung“ durch Kontrolle von Bischöfen und Priestern sowie den Zugriff auf finanzielle Mittel. Das werfe die Frage auf, ob es um ein synodaleres Miteinander gehe oder „doch nur um eine Umverteilung von Macht“.[25]

Sexualmoral und Homosexualität

Im Mai 2015 schrieb Oster auf Facebook, dass auch „zwischen den Mitgliedern einer Gangsterbande [...] nicht selten ‚Werte‘ wie Verlässlichkeit, gegenseitige Fürsorge oder Loyalität hoch geschätzt“ würden. Der Hinweis auf solche Werte reiche daher keinesfalls zur Akzeptanz homosexueller Partnerschaften aus.[26] In Fragen der Sexualmoral muss man laut Oster gut begründen, „warum das, was vorher Sünde war, jetzt nicht mehr Sünde ist, sondern womöglich sogar gesegnet (also gutgeheißen) werden könnte“.[27]

Im Bezug auf die Sexualmoral der römisch-katholischen Kirche lehnte Oster 2014 homosexuelle Partnerschaften und deren kirchliche Segnung ab: Sexualität habe ihren „einzig legitimen Ort in einer Ehe zwischen genau einem Mann und einer Frau“.[28]

Ende Dezember 2023 schrieb Oster, dass durch das Papier aus dem Vatikan zur Segnung unverheirateter und homosexueller Paare (Fiducia supplicans) der Spielraum für die Seelsorge weiter werde, ohne dass an der kirchlichen Lehre etwas geändert werde. Bei der Neudefinierung dessen, was ein Segen sei, gehe es um ein Handeln außerhalb von Gottesdienst und Liturgie. In Deutschland bereits ausformulierte Texte und Rituale seien „ausdrücklich nicht erlaubt“. Weiter schrieb er: „Wer segnen will, müsste damit ja auch gutheißen (= bene-dicere), was all die Zeit vorher als Sünde galt und immer noch gilt. Geht das? [...] Dieser Zusammenhang ist nicht zwangsläufig.“ Er hoffe nun auf einen Debattenfrieden.[29]

Intersexualität

Oster legte im Dezember 2020 auch seinen Standpunkt zu verschiedenen Genderfragen, unter anderem Intersexualität, dar.[30] In einer Predigt Ende 2020 sagte er, es seien Menschen – „selbstverständlich mit aller Menschenwürde und allen Personenrechten ausgestattet“ –, bei denen das Fehlen der Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter eine „Beeinträchtigung“ sei. Die „Natur“ habe dabei „die Variante eines Menschen hervorgebracht, dem etwas fehlt“. Sie seien jedoch kein drittes Geschlecht. Die Predigt löste kontroverse Reaktionen aus, vor allem in den sozialen Medien. Kritisiert wurde unter anderem der Vergleich von Intersexualität mit angeborenen Beeinträchtigungen „etwa wenn jemand blind geboren wird oder mit einem Herzfehler, oder mit einer anderen Beeinträchtigung“.[31][32][33]

Frauenordination

Oster hat sich gegen die Priesterweihe für Frauen ausgesprochen. Zum „Geheimnis von Schöpfung und Erlösung“ gehöre, dass Jesus ein Mann war. Deshalb könne der Priester, der „in persona Christi“ handele, keine Frau sein.[34] Dem Frauendiakonat steht er kritisch gegenüber.[35] Auf dem Synodalen Weg in Deutschland stimmte Oster 2022 und 2023 sowohl gegen eine Überprüfung des Ausschlusses der Frauen vom Priesteramt durch den Vatikan als auch gegen den Zugang der Frauen zu der niedrigsten Ordinationsstufe, dem Diakonat.[33]

Zölibatsverpflichtung für Priester

Im Juni 2014 warnte Oster im Interview mit der Passauer Neuen Presse vor der Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester, da ein Priester die zölibatäre Lebensform Jesu nachahme; der tiefere Sinn darin gehe verloren, wenn der Zölibat zur Wahl gestellt würde. Jedoch werde er sich einer Entscheidung des Papstes für einen Wahlzölibat nicht verweigern, da der Zölibat kein Dogma sei, das unbedingt bestehen bleiben müsse.[28] Im März 2019 erklärte er, dass er verheiratete Priester für möglich hält.[36]

Interkommunion / Eucharistieempfang für wiederverheiratete Geschiedene

Oster kritisierte im Juni 2018 den Vorstoß einiger Bischöfe, protestantische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen zur Eucharistie zuzulassen. „Es ist richtig, dass wir niemanden von der Kommunionbank zurückweisen“, sagte er gegenüber KNA. Dennoch sei es wichtig, mit dem katholischen Eucharistieverständnis ernstzumachen. Eine Praxis, die die Ausnahme zur Regel mache, und konfessionsverschiedene Ehen generell als „schwere geistliche Notlage einzelner“ zu bezeichnen, lehnt Oster ab.[37]

Zur Frage des Sakramentenempfangs für wiederverheiratete geschiedene Katholiken sagte Oster, die Beichte sei der geeignete Weg, sich für den Kommunionempfang zu disponieren. Einen „automatischen Anspruch auf die Absolution“ gebe es jedoch nicht. Der „jetzt schon nicht so selten[e]“ Empfang der Kommunion in eigener Verantwortung könne jedoch nach der Lehre der Kirche und „einem strengen Wort des Apostels Paulus“ bei fehlender Disposition schädlich für den Empfangenden sein. Die Kirche habe auch die Verantwortung, „die Glaubenswahrheiten über die Sakramente Ehe und Eucharistie nicht zu verdunkeln“. Da jeder Fall anders sei, könne es aber „[v]erbindliche, allgemeine Vorgaben für die seelsorgerliche Praxis der Begleitung des Einzelfalls“ nicht geben.[38]

Schirmherrschaft des Lebensrechtskongresses

Oster übernahm 2024 die Schirmherrschaft des Lebensrechtskongresses, der vom 9. bis 11. Mai 2025 in Schwäbisch Gmünd stattfand. Er sagte, es bedürfe neuer Wege, um Schwangeren in schwierigen Lagen Alternativen zur Abtreibung aufzuzeigen. Einer der Veranstalter des Kongresses ist der Bundesverband Lebensrecht (BVL), der den jährlichen „Marsch für das Leben“ organisiert, der jedoch auch innerhalb der Kirche umstritten ist. Laut Kritikern des Kongresses handelt es sich um ein Treffen radikaler Abtreibungsgegner, die reaktionäre Ansichten vertreten.[39]

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche

Nach Bekanntwerden einer Studie zum Missbrauchsskandal sagte Oster 2018 in einer Videobotschaft, vieles sei „systemisch“ gewesen: „Allzu häufig ging es zuerst oder vor allem um den Schutz der Institution Kirche oder um den Ruf des Priestertums.“ Er stellte die Frage, ob man in der Lage sei, „auch ein System zu verändern, das eher zum Selbstschutz als zum Opferschutz neigt“. Man brauche „eine radikale Form der Selbstkritik“.[40]

Im November 2021 forderte Oster, man müsse an das Thema „intensiver drangehen“. Das bisher Erreichte in der Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche müsse jedoch stärker herausgestellt werden.[41]

Auszeichnungen und Ehrungen

Publikationen (Auswahl)

  • Mit-Mensch-Sein. Phänomenologie und Ontologie der Gabe bei Ferdinand Ulrich. Karl Alber, Freiburg 2004, ISBN 3-495-48126-5 (Dissertation).
  • Person und Transsubstantiation. Mensch-Sein, Kirche-Sein und Eucharistie – eine ontologische Zusammenschau. Herder, Freiburg 2010, ISBN 978-3-451-32292-1 (Habilitationsschrift).
  • als Hrsg. mit Bernhard Klinger: Person-Sein vor Got. Theologische Erkundungen mit dem Bischof von Passau. Herder, Freiburg 2015, ISBN 978-3-451-34762-7.
  • als Hrsg. mit Peter Seewald: Gott ohne Volk? Die Kirche und die Krise des Glaubens. Droemer, München 2016, ISBN 978-3-426-30103-6.
  • Passauer Sonntagsbibel. Die Lesungen der Sonn- und Feiertage mit Betrachtungen von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI. und Kunstwerken aus dem Bistum Passau. Schnell + Steiner, Regensburg 2019, ISBN 978-3-7954-3466-3.
  • Das Credo. Eine Gebrauchsanweisung für das Leben. kbw Bibelwerk, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-460-25603-3.
  • mit Rudolf Gehrig: Den ersten Schritt macht Gott. Über Erfüllung, Berufung und den Sinn des Lebens. Verlag Herder, Freiburg 2021, ISBN 978-3-451-39122-4.
  • als Hrsg. mit Johannes Brantl: Christus ist unter euch. Zur Aktualität des II. Vatikanischen Konzils, Festschrift für Bischof Rudolf Voderholzer. Friedrich Pustet, Regensburg 2024, ISBN 978-3-7917-3538-2.
Commons: Stefan Oster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks