Steffen Reck
deutscher Filmeditor
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Steffen Reck (* 29. Mai 1956 in Radebeul) ist ein deutscher Puppenspieler, Theaterregisseur und Filmemacher. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Theater, Performance, Film und Bildender Kunst. Bekannt wurde er in den 1980er-Jahren als Mitbegründer der Berliner Gruppe Zinnober, die erste – und lange Zeit einzige – freie Theatergruppe in der DDR, aus der später das Theater o.N. hervorging.
Leben
Reck absolvierte von 1972 bis 1974 eine Ausbildung zum Facharbeiter für Bühnentechnik an den Staatstheatern Dresden. Es folgten Praktika am VEB DEFA-Studio für Trickfilme Dresden und am Staatlichen Puppentheater Dresden. Erste Regie- und Spielarbeiten zeigte er in der unabhängigen Künstlerszene in Dresden, u. a. Der enthirnte Ubu nach Alfred Jarry.
Von 1977 bis 1980 studierte Reck am Fachbereich Puppentheater an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Er gründete 1979 gemeinsam mit anderen Künstlern die erste freie Theatergruppe Zinnober in Berlin im Bezirk Prenzlauer Berg. Die Gruppe verband Puppen- und Objekttheater mit Performance, Musik und bildender Kunst und gilt mit dem Schwerpunkt autobiographisches Theater.[1][2]
Nach einem kurzen Engagement am Staatlichen Puppentheater Neubrandenburg 1980 ging Reck nach Berlin, um dauerhaft mit den anderen Zinnober-Mitgliedern zu arbeiten. Das unabhängige Theater stand bald nach seiner Gründung unter staatlicher Beobachtung und Bedrohung. Reck wurde immer wieder an seiner Regie-Tätigkeit gehindert, unter anderem durch wiederholte Einberufungen zur NVA-Reserve. Im Frühjahr 1988 flüchtete er aus der DDR. 1989 arbeitete Reck gemeinsam mit Einar Schleef am Schauspiel Frankfurt am Main.
Werk
Während seiner Zeit in Dresden arbeitete Reck mit dem Maler A. R. Penck zusammen, unter anderem bei der Aufführung von Künstlers Erdenwallen im Leonhardi-Museum Dresden.[3]
Im Jahr 1989 drehte Reck in Lüttich in Belgien eine Video-Dokumentation über den amerikanischen Komponisten und Medienkünstler Arnold Dreyblatt.[4][5]
Im Jahr 1990 entstand sein erster langer Film gesicherte ufer, produziert vom VEB DEFA-Studio für Trickfilme Dresden und ausgestrahlt im Südwestfunk. Der Film wurde 2023 in das Programm SAVE (Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen) der SLUB Dresden aufgenommen, in deren Archiv sich seither auch der filmische und schriftliche Vorlass von Steffen Reck befindet.
In den 1990er-Jahren übte Reck Lehrtätigkeiten als Gastdozent an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ aus und inszenierte am Puppentheater Chemnitz. Er entwickelte Performance-Projekte im Festspielhaus Hellerau[6] und erhielt mehrfach Stipendien der Stiftung Kulturfonds.
Filmografie (Auswahl)
- 1990: gesicherte ufer – Buch und Regie, Kamera Wolfgang Lindig, Ton Werner Philipp, Produktion VEB DEFA-Studio für Trickfilme Dresden; Erstsendung Südwestfunk (28. August 1990); 2022 Retrospektive „Umbrüche. Regieporträt Steffen Reck“ beim Filmfest Dresden (Kurator Dr. Claus Löser)
- 2014: Engelbecken – Essayfilm von Steffen Reck und Gamma Bak (80 min HD, Regie und Montage); Deutscher Wettbewerb Dok Leipzig 2014
- 2018: Großvaters Knie – Dokumentarischer Essayfilm (81 min HD, Regie, Montage, Produktion); Premiere 2019 Brotfabrik Berlin
- 2023: Weisse Blüten – Film von Steffen Reck mit Text von Denise Richardt, interpretiert von Ulrike Moneke;
- 2023: Len 1:0 – Fantasy-Kurzfilm über einen elfjährigen Jungen zwischen Spiel und Simulation
Weitere digitale Videoarbeiten u. a. Montage und Postproduktion für Filme von Gamma Bak (Born unfinished) und J. Jackie Baier (House of Shame, Julia).
Theater (Auswahl)
- 1979–1987: Mitbegründer und Mitglied der Gruppe Zinnober, Berlin
- 1993: Regie und Ausstattung Der Gruftwächter nach Franz Kafka (Hochschule „Ernst Busch“ / Theater am Halleschen Ufer, Berlin)
- 1995–1996: Ausstattung Don Juan kehrt aus dem Krieg zurück (Hochschule „Ernst Busch“)
- 1997: Performance In der Vermutung der Ampelfarbe Gelb (Festspielhaus Hellerau)[9]
- 1999: Performance zu Goethes Märchen mit Jochen Wermann
Ausstellungen (Auswahl)
- 1985: Bilder von der Elbe – Gemeinschaftsausstellung mit Jochen Wermann (Atelier Volker Henze, Berlin)
- 2008: trainee for job – Zeichnungen und Videoarbeiten (Atelier Dresdener Straße, Berlin)
- 2009: Performing Revolution in Central and Eastern Europe – New York Public Library for the Performing Arts (Zeichnungen und Dokumente)
- 2016: Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976 – 1989 – Martin-Gropius-Bau, Berlin (kuratiert von Christoph Tannert und Eugen Blume)
- 2018: Schritte / Linien – Videoarbeit „Ein Bild von der Heimat“ (Galerie am Amalienpark, Berlin)
Weblinks
- reckweb. (offizielle Website von Steffen Reck).
- Theater o.N. – Über das Theater