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Steganographia

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Steganographia ist der Titel eines im Jahr 1500 handschriftlich verfassten und 1606 gedruckten, zwei- bzw. dreibändigen Werkes des Theologen und Schriftstellers Johannes Trithemius. Die unvollendet gebliebene Arbeit etablierte als erstes Buch den Begriff Steganographie als die Kunst oder Wissenschaft der verborgenen Speicherung oder Übermittlung von Informationen. Die Bücher sind als Anleitung zum Gebrauch mehrerer Dechiffrierungstechniken konzipiert.

Titelblatt der Steganographia in der Ausgabe von 1606

Geschichte

Die Steganographia entstand acht Jahre vor der sechsbändigen Polygraphia, die Trithemius Kaiser Maximilian gewidmet hatte. Trithemius schloss das erste Buch der Steganographia am 27. März 1500 ab. Mehrere Chiffrierbeispiele der Erstfassung der Steganographia datierte Trithemius auf die Jahre 1498 und 1499. In beiden Bänden werden jeweils unterschiedliche Verschlüsselungssysteme vorgestellt. Ein dritter Band blieb Fragment. Es ist dem Kurfürsten Philipp von der Pfalz gewidmet. Trithemius gab abweichende Angaben zum ursprünglich geplanten Umfang der Steganographia. In seinem Brief an Arnold Bostius vom Frühjahr 1499 betonte er, dass insgesamt vier Bücher erscheinen sollen. In späteren Werkverzeichnissen nach 1507 berief Trithemius sich auf acht geplante Bände.

In einem Brief, der auf das Frühjahr 1499 datiert, und an den Genter Karmeliter Arnold Bostius gerichtet ist, verwies Trithemius in emblematischen Worten auf die geplante Schrift: Das Werk sei dazu angetan, die Welt in Erstaunen zu versetzen. Es soll Themen streifen, von denen Nichteingeweihte noch nie etwas gehört hätten. Daneben betonte Trithemius, dass es mithilfe des geplanten Werkes gelingen könnte, einem Menschen die Grundzüge der lateinischen Schriftsprache in wenigen Stunden beizubringen. Der Brief gelangte nicht an den kurz zuvor verstorbenen Bostius, sondern wurde abgefangen und veröffentlicht. In der Folge verbreitete sich das Gerücht, Trithemius würde an einem schwarzmagischen Werk arbeiten.[1]

Trithemius ließ das Werk ungedruckt, stattdessen konzentrierte er sich in den folgenden Jahren auf die Veröffentlichung der bedeutenderen Polygraphia. Handschriften der Steganographia kursierten erst nach 1550. Eine erste Urteil über das Werk des Abtes publizierte der französische Philosoph Charles de Bouelles (auch Bovillus), der in einem Brief an Germanus de Ganay über einen Besuch im von Trithemius geleiteten Kloster Sponheim berichtet. Er hatte die Steganographia studieren können und betonte die magische Bedeutung des Werkes. Diese Interpretation blieb lange Zeit maßgeblich und wurde von anderen kommentiert. Daneben kann nachgewiesen werden, das auch Johann Weyer im Besitz einer Handschrift der Steganographia war. Er hatte den Text bei Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim abgeschrieben, der 1510 Trithemius in Würzburg besucht hatte und ihm testamentarisch das Konvolut seiner unveröffentlichten steganographischen Schriften hinterlassen hatte[2]. Ein weiterer Rezipient der Handschrift von Trithemius war der Mathematiker Jacques Gohory.

Trithemius musste zwischen 1509 und 1514 zu den über ihn kursierenden Gerüchten Stellung beziehen und veröffentlichte eine heute verschollene Schrift. Sie entsprach wohl dem zuvor der Polygraphia beigegebenen apologetischen Prolog, in dem Trithemius betonte, nur mit der „natürlichen Magie“ (lat. Magia naturalis) zu arbeiten. Dabei verglich er sich mit den in ihrer Zeit ebenfalls umstrittenen Autoren Albertus Magnus und Giovanni Pico della Mirandola. Noch 1515 ließ Trithemius die Polygraphia abschreiben, um dem inzwischen zum Bischof von Orléans aufgestiegenen Germanus de Ganay von der Richtigkeit dieser Aussage zu überzeugen. Vollständig konnte sich Trithemius durch diesen Vorstoß allerdings nicht vom Vorwurf der Anwendung von Magie befreien. Er selbst bezeichnete die Steganographia als sein bedeutendstes kryptografisches Werk.[3]

Die Drucklegung der Steganographia erfolgte erst knapp 100 Jahre nach dem Tod des Autors. Die Steganographia wurde 1606 in Frankfurt am Main gedruckt. Schnell wurde das als häretisch bezeichnete Buch kritisiert. Es geriet 1609, unmittelbar nach der Zweitauflage von 1608, auf den Index. Der Jesuit Adam Tanner und der Benediktinerabt Sigismund Dullinger bemühten sich 1615 in zwei Veröffentlichungen um die Verteidigung des Werkes[4][5] . In der Folge gelang eine Rehabilitierung der Arbeit. Daraufhin tauchte das indizierte Buch auch bei anderen Gelehrten auf. So beschäftigte sich Herzog August von Braunschweig-Wolfenbüttel unter dem Pseudonym Gustav Selenus in seinen Cryptomenytices von 1624 der Steganographia[6]. Weitere Rezipienten waren Juan Caramuel y Lobkowitz, Jean d’Espières, Athanasius Kircher, Kaspar Schott und Wolfgang Ernst Heidel.[7] Die Steganographia erlebte ihre letzte Neuauflage 1676 durch Wolfgang Ernst Heidel[8], Zweitauflage 1721.

Inhalt

Die Steganographia in der Ausgabe von 1621

Die Steganographia behandelt die Techniken, mit der man Nachrichten verschleiern kann. Ein Prolog betont die Rechtgläubigkeit des Autors. Im ersten Band hat Trithemius einige Briefe von Bekannten und Freunden eingefügt, anhand denen er die Techniken vorführt. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Fiktionen, die niemals an die jeweiligen Empfänger geschickt wurden. Der Band ist in 32 Kapitel eingeteilt, die den Buchstaben des hebräischen Alphabets entsprechen. „Jedes Kapitel wird durch einen vorangestellten Geisternamen bestimmt, ein hebräisches Wort, das aus der Kabbala genommen ist.“[9] Das Kapitel schließt mit einem Buchstaben oder einer Zahl ab, hinter der die jeweils angewandte Codierung zu verstehen ist. Lediglich das letzte Kapitel wiederholt nur noch die bereits etablierten Inhalte und ist mit einigen Hinweisen für die Anwendung des Gelernten versehen.

Die Dechiffrierung der Texte erfolgt durch die Streichung des jeweils ersten und letzten Wortes der Codierung. Vom zweiten, vierten, sechsten usw. Wort muss nur der zweite, vierte sechste usw. Buchstabe als gültig erachtet werden. Es handelt sich um eine doppelte Dechiffrierung. Zunächst muss die Dechiffrieranweisung Anwendung finden, ehe die Entschlüsselung der Nachricht erfolgen kann. Hierzu wird beispielsweise von der im ersten Schritt dechiffrierten Nachricht nur der erste Buchstabe eines jeden Wortes ausgewählt. Andere Codes verweisen darüber hinaus auf die Teile des Textes, die nach der Dechiffrierung Gültigkeit besitzen oder in welcher Reihenfolge die gültigen Wörter zu ermitteln sind.

Trithemius chiffrierte seine Chiffrieranleitungen, die nicht mit den eigentlichen Chiffrierungen zu verwechseln sind, wie folgt (mitsamt der als Großbuchstaben abgedruckten, signifikanten Zeichen):
„parmesiel oShUrMi delmuson ThafLoIn peano ChArUsTrEa melani LiAmUmTo colchan PaRois madin MoErLaI bulre ATlEoR don mElCoUe peloin, IbUtSiL meon mIsBrEaTh alini DrIaCo person. TrIsOlNaI lemom aSoSlE midar iCoRiEl pean ThAlMo, asophiel IlNoTrEoN baniel oCrImOs esteuor NaElMa besrona ThUlAoMoR fronian bElDoDrAiN bon oTaLmEsGo merofas ElNaThIn bosramoth.“

und ergibt:
„Sum tali cautela ut prime litere cuiuslibet dictionis secretam intencionem tuam reddant legenti.“ (lat. Ich bin vorsichtig, sodass [nur] der erste Buchstabe jedes Satzes die geheime Leseabsicht erkennen lässt.). „oshurmy“ (= „sum“) ist ein nur der editio princeps eigener Druckfehler, alle Abschriften, z. B. Fulda[10], haben „ochurmy“, i. e. „cum tali cautela ...“ (lat. mit der folgenden Vorsichtsanweisung, dass die Anfangsbuchstaben jedes Wortes dem Lesenden die geheime Mitteilung erschließen.). „cum tali ...“ ist die Chiffrieranweisung für den ersten Modus „Pamersiel“ in der Steganographia von 1500.

Im zweiten Buch überlagert Trithemius den Chiffrierungen des ersten Buches monoalphabetische Substitutionen. Insgesamt handelt es sich um 24 Chiffriermodi, ihre Struktur ist an die Stunden des Tages angelehnt. Die Kapitel sind verschiedenen Herrschern über die Elemente unterstellt, mittels derer Anfangsbuchstaben Trithemius das jeweils verwendete Substitutionsalphabet andeutet, z. B. bedeutet der Herrschername Danzur in Buch II/3, dass Klartext-A durch Chiffre-D usw. ersetzt wird. Kern des Systems ist die schrittweise Verschiebung der Alphabetanfänge. Die substitutionslosen Chiffrierungen der drei Schlusskapitel ergänzen jene des ersten Buches. Dem dritten, unvollendeten Buch zufolge komme der Sender ohne Buchstaben und Boten aus.[11] Das fast fünfhundert Jahre lang unverständlich gebliebene dritte Buch der Steganographia wurde erstmals 1996 von Thomas Ernst entschlüsselt.[12][13] Im Zuge seiner Darstellung des dritten Buches der Steganographia hat Thomas Ernst auch erstmals den Text und Chiffrierschlüssel von Heidels polyalphabetischer Darstellung dechiffriert.[14][15]

Exemplare

Vom vielrezipierten Text der Steganographia ist kein Autograph bekannt, doch haben sich zahlreiche Abschriften erhalten; zwei davon (Halle und Leiden[16]) sind deutsche Übersetzungen. Die meisten Abschriften entstanden zwischen 1550 und 1601. Codex poet. et phil. 4o 63, ff. 1r-75r in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart vereinigt Abschriften der Erst- und Zweitfassung der Steganographia. Ferner ist das Werk in London in den Sammlungen des British Museum zu finden. Zwei weitere Handschriften haben sich in der Bibliotheca Apostolica Vaticana in Rom[17] und in der Hessischen Landesbibliothek Fulda[18] erhalten. Weitere Abschriften befinden sich in Aberystwyth[19], Edinburgh, Halle, Hamburg, Kopenhagen, Oxford und New York.[20] Exemplare von Berners Drucken der Steganographia von 1606, 1608, 1621 und Heidels Ausgaben von 1676 und 1721 haben sich in vielen Bibliotheken erhalten. Die handschriftlichen und gedruckten Quellen sind nie miteinander abgeglichen worden, und alle Digitalisate beruhen entweder auf den textlich fehlerhaften Drucken oder Herzog Augusts II. stark bearbeiteter Fassung von 1624. Eine erste moderne, kritische und kommentierte Edition der Steganographia ist in Auszügen online verfügbar.[21]

Literatur

Commons: Steganographia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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