Würzburger Stein
Weinberg, Weinbaulage
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Der Würzburger Stein ist eine deutsche Weinbaulage nördlich der Stadt Würzburg.

Geographie

Die Steillage erstreckt sich im Südhang muschelförmig nördlich der Stadt Würzburg auf dem für das Maindreieck typischen Muschelkalkboden, liegt auf einer Höhe von 210 bis 270 Meter ü. NN, umfasst 85 Hektar und hat eine Hangneigung zwischen 30 und 65 Prozent. Der Würzburger Stein ist die größte zusammenhängende Einzellage Deutschlands.
Die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg durchquert den Stein im Steinbergtunnel.
Der Stein-Wein-Pfad
Durch die Lage verläuft der Stein-Wein-Pfad, ein rund vier Kilometer langer Rundweg. Nach Angaben der Stadt Würzburg ist er als liegende Acht angelegt, verläuft über Asphalt und befestigte Weinbergswege und weist steilere Abschnitte sowie Treppen auf. Entlang des Weges informieren Tafeln über Weinbau und Weinkulturerbe am Würzburger Stein.[1]
Geschichte
Zur ersten Pflanzung der Silvaner-Rebe in Würzburg kam es 1665 durch den Ebracher Abt Alberich Degen. 1726 beschloss der Würzburger Rat, dass herausragende Stein-Weine nur noch in mit Stadtsiegel versehenen gläsernen Bocksbeuteln mit einem Hohlmaß von 1,22 Litern abgefüllt werden durften.[2][3] Im Weinkeller des Bürgerspitals lagert ein 1540er Steinwein, der seine Qualität als „Jahrtausendwein“ der Dürre in Mitteleuropa 1540 verdankt.[4] Der englische Weinkritiker Hugh Johnson verkostete diesen Weißwein 1961 und erklärte, dass er „noch lebendig“ sei und „sogar seinen deutschen Ursprung ahnen“ ließe. Dann oxidierte er aber sehr schnell im Glas. Hugh Johnson weiter: „Er gab seinen Geist auf und verwandelte sich zu Essig in unseren Gläsern.“
Eigentümer

Der Würzburger Stein gehört heute ungefähr zu jeweils einem Drittel den drei Würzburger Traditionsweingütern Bürgerspital, Juliusspital und Staatlicher Hofkeller. Kleinere Parzellen sind im Besitz des Weinguts am Stein Ludwig Knoll, des Weinguts Meintzinger und des Weinguts Reiss.[5] Das Mittelstück, die "Würzburger Stein-Harfe", ist ausschließlich im Besitz des Bürgerspitals und gehört weinrechtlich nicht zur Einzellage "Würzburger Stein", sondern stellt eine eigenständige Einzellage dar.[6]
Wein
Laut Johnsons Weinführer zeichnen sich die Weine aus dem Würzburger Stein durch eine markante, rauchige Mineralität aus, die von den Muschelkalkböden herrühre. Sie ähnelten darin den weißen Burgunderweinen aus Chablis. Große Eleganz und eine subtile, zitronige Frucht mit Anklängen an exotische Früchte gehörten ebenfalls zu den besten Steinweinen.[7]
Literarische Erwähnung
Die seltene Konstellation von Hangneigung, Hangrichtung, Geländeform und Flussnähe bietet optimale Bedingungen, wie dieser volkstümliche Vierzeiler erkennen lässt:
- Zu Klingenberg am Main,
- zu Bacharach am Rhein,
- zu Würzburg auf dem Stein,
- da wächst der beste Wein.
Johann Wolfgang von Goethe schrieb in einem Brief an seine Frau Christiane über den Würzburger Stein: „Kein anderer Wein will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein Lieblingsgetränk abgeht.“
Von Heinrich von Kleist, Ricarda Huch und Kurt Tucholsky ist ebenfalls bekannt, dass sie das Zusammentreffen von Fluss, Lage und Wein schätzten. Letzterer schreibt in seinem in der Vossischen Zeitung am 18. November 1927 unter dem Pseudonym Peter Panter veröffentlichten Reisebericht Das Wirtshaus im Spessart über den Steinwein: „so etwas von Reinheit, von klarer Kraft, von auf gesammelter Sonne und sonnengetränkter Erde war noch nicht da“.[8]
Siehe auch
Literatur
- Schmitt Alfred: Würzburg und der Wein. In: Klaus M. Höynck, Alexander von Papp (Hrsg.): Würzburg. 1300 Jahre Stadtleben zwischen Bildung und Bürgertum, Kirche und Kultur. Echter, Würzburg 2003, ISBN 3-429-02532-X, S. 158–163.
- Herbert Kriener: Die Weinlage – Der Würzburger Steinberg. In: Andrea Czygan, Michael Deppisch: 100 Gründe, Mainfranken zu lieben. Main-Post, Würzburg 2007, ISBN 978-3-925232-24-4, S. 188.