Stephan Anpalagan
deutscher Theologe, Journalist und Musiker
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Stephan Anpalagan (* 3. Januar 1984 in Jaffna, Sri Lanka) ist ein deutscher Theologe, Journalist und ehemaliger Personalmanager.[1]
Leben
Stephan Anpalagan wuchs in Wuppertal auf[2] und erlangte 2003 das Abitur. Nach seinem Zivildienst in der Bergischen Diakonie Aprath[3] absolvierte er an der Ruhr-Universität Bochum das Studium der evangelischen Theologie und Anglistik, das er 2013 als Diplom-Theologe abschloss. Seine Diplomarbeit verfasste er über den Widerstand der Bekennenden Kirche im Nationalsozialismus.[4]
Im Anschluss an das Theologiestudium arbeitete er als HR-Manager und Personalleiter unter anderem für die Konzerne Bertelsmann und Würth.[5] Für MHP, der Unternehmensberatung des Porsche-Konzerns, leitete er sieben Jahre lang den Bereich „New Work“,[6] verfasste Artikel zur Zukunft der Arbeit[7][8] und unterstützte mit seinem Team Unternehmen bei der Personal- und Organisationsentwicklung.[9]
Journalistisches Wirken
Als Journalist und Autor schreibt Anpalagan zu den Themen Gesellschaft und Innenpolitik mit dem Schwerpunkt auf politischen Extremismus und dessen Anschlussfähigkeit an die gesellschaftliche Mitte. In seiner Kolumne für den Stern kommentiert er das innenpolitische Geschehen.[10] Für das politische Feuilleton der Zeit schreibt er über Heimat und Identität.[11] Gemeinsam mit der Journalistin Nicole Diekmann moderierte er für den SWR das Debattenformat „Gegen jede Überzeugung“.[12]
Darüber hinaus ist Anpalagan Mitglied der Jury des Grimme Online Awards[13] und Mitglied der Jury des Grimme-Preises.[14]
Stephan Anpalagan ist regelmäßiger Gesprächspartner für Radio- und Fernsehformate. Er ist wiederkehrend in Talkshows und Interviewsendungen zu sehen, wo er zur Zukunft der Demokratie, zum Kampf gegen Extremismus und zur Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements spricht.[15][16][17] Auf Veranstaltungen wie der Lit.Cologne,[18] den Römerberggesprächen[19] und den Weimarer Gesprächen[20] hält er Vorträge und moderiert Diskussionsrunden.[21]
Der Spiegel bezeichnete Anpalagan als „meinungsstarken Diskurs-Promi“,[22] Deutschlandfunk Kultur als “Gegengift zu den Stimmen, die den Diskurs in Deutschland nach Rechts verschieben wollen”.[23]
Auf digitalen Plattformen und sozialen Medien folgen ihm ca. 250.000 Menschen.
Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW
Stephan Anpalagan ist Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW, wo er Polizisten in den Fächern „Ethik“ und „Interkulturelle Kompetenz“ ausbildet.[24]
Auf den Tweet eines Polizeigewerkschafters, der Bodo Ramelow als „führenden Genossen der SED-Nachfolgepartei“ bezeichnete, antwortete Anpalagan mit den Worten, Mitglieder der „Gestapo-Nachfolgeorganisation“ sollten „kleinere Brötchen backen“.[25] Der Tweet wurde vielfach kritisiert, im medialen Diskurs erschienen aber auch Stimmen, die auf die historische Kontinuität zahlreicher NS-Sicherheitsbeamter in der Polizei der Bundesrepublik verwiesen.[26] Im Zuge ihrer Falschberichterstattung gaben Nius und der Axel Springer Verlag Unterlassungserklärungen an Anpalagan ab.[27]
Sonstige Engagements
Stephan Anpalagan ist Gründungsmitglied des PEN Berlin.[28]
Gemeinsam mit zahlreichen prominenten Stimmen unterschrieb er einen offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, mit der Forderung, der Ukraine im Kampf gegen den russischen Überfall weiterhin Waffen zu liefern.[29]
Für die Aktion „100 x Solidarität“, die sich für die Freilassung der in Belarus inhaftierten Regimegegner einsetzt, verfasste Anpalagan einen Aufruf zur Unterstützung der belarussischen Freiheitsbewegung.[30]
Bücher
Im Jahr 2023 erschien Anpalagans Buch „Kampf und Sehnsucht in der Mitte der Gesellschaft“ beim S. Fischer Verlag und wurde breit rezipiert. Die Berliner Zeitung bezeichnete das Werk als „historisch waches“ und „wichtiges“ Buch.[31] Der Kölner Stadt-Anzeiger erklärte die Lektüre des Buches zu „einem wichtigen Erkenntnisgewinn und einem guten Rüstzeug für die überhitzte Migrationsdebatte“ sowie zu einem „tauglicheren Beitrag zur Integration als die aufgewärmte Forderung nach einer Leitkultur.“[32] Der Journalist Nils Minkmar bezeichnete das Buch in seinem Newsletter als „ein aufklärendes, dabei durchaus schonungsloses, aber am Ende eben auch Mut machendes Buch“.[33] Die Bundeszentrale für politische Bildung nahm das Buch im Jahr 2024 in ihre Schriftenreihe auf und verlegt es seitdem in einer eigenen Ausgabe.[34]
Anpalagans zweites Buch „Für den Frieden. Widerruf meiner Kriegsdienstverweigerung“ ist am 27. Mai 2026, ebenfalls im S. Fischer Verlag, erschienen.[35]
Werke
Bücher
- Kampf und Sehnsucht in der Mitte der Gesellschaft. S. Fischer, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397198-9.
- Für den Frieden. Widerruf meiner Kriegsdienstverweigerung. S. Fischer, Frankfurt am Main 2026, ISBN 978-3-10-397757-8.
Aufsätze
- Verharmlosung, Hilflosigkeit, Verständnis. In Kleffner, Heike / Meisner Matthias (Hg.): Fehlender Mindestabstand. Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde. Herder, Freiburg im Breisgau 2021: S. 307–315, ISBN 978-3-451-39037-1.
- Einzelfälle. In: Feltes, Thomas / Plank, Holger (Hg.): Rassismus, Rechtsextremismus, Polizeigewalt. Beiträge für und über eine rechtschaffen(d)e, demokratische Bürgerpolizei. Schriftenreihe Polizieren. Polizei, Wissenschaft und Gesellschaft, Bd. 14. Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt a. M. 2021: S. 75–83, ISBN 978-3-86676-678-5.
- Wie fühlt es sich an, wenn man Sayed, Alaa oder Ahmad heißt? In Daniel, Matthias / Weichert Stephan (Hg.): Resilienter Journalismus: Wie wir den öffentlichen Diskurs widerstandsfähiger machen. Herbert von Halem 2022: S. 81–90, ISBN 978-3-869-62631-4
- Spiegelbild der Gesellschaft. In Kleffner, Heike / Meisner Matthias (Hg.): Staatsgewalt. Wie rechtsradikale Netzwerke die Sicherheitsbehörden unterwandern. Herder, Freiburg im Breisgau 2023: S. 224–235, ISBN 978-3-451-39596-3.