Stephanie von Bismarck-Schönhausen

deutsche Öffentlichkeitsarbeiterin im Bereich Kindeswohl und Betriebswirtin From Wikipedia, the free encyclopedia

Stephanie Anna Charlotte Gräfin von Bismarck-Schönhausen (geschiedene Buhl-Freifrau von und zu Guttenberg; * 24. November 1976 in München) ist eine deutsche Autorin, Referentin, Moderatorin des Podcasts How Do We Manage? und Unternehmerin. Sie wurde als Ehefrau des CSU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg bekannt. Seit 2000 engagiert sie sich unternehmerisch und ehrenamtlich im Bereich der Internetaufklärung für Kinder und Jugendliche.

Stephanie von Bismarck-Schönhausen (2021)

Leben

Ausbildung

Bismarck-Schönhausen wuchs zweisprachig auf und spricht fünf Sprachen – neben Deutsch und Schwedisch auch Englisch, Französisch und Italienisch.[1] Sie besuchte in München das Theresia-Gerhardinger-Gymnasium am Anger bis zum Abitur.[2] Nachdem sie ursprünglich Künstlerin[1] hatte werden wollen, ging sie zunächst für ein knappes Jahr nach Paris und studierte an der Sorbonne Geschichte und Politikwissenschaft.[2] Danach absolvierte sie an der Lehranstalt des Deutschen Textileinzelhandels, der Fachakademie für Textil und Schuhe in Nagold eine zweijährige[2] textilwirtschaftliche Ausbildung, die sie als Textilbetriebswirtin BTE abschloss.[3] Ein Studium der Geschichte und Philosophie in Tübingen schloss sie nicht ab.[2] Nebenbei arbeitete sie bei Textil- und Modeagenturen in Köln, Düsseldorf und Paris.[1][4]

Engagement

Kinder- und Jugendschutz

Bismarck-Schönhausen engagierte sich von 2004 bis 2013 gegen Kindesmissbrauch[5] und betrieb ab 2006 Öffentlichkeitsarbeit für die international operierende Nichtregierungsorganisation Innocence in Danger, die gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und insbesondere gegen die Verbreitung von Kinderpornografie durch die Neuen Medien eintritt. Ab 2009 war sie Präsidentin des deutschen Vereins Innocence in Danger Sektion Deutschland e. V. mit Sitz in Berlin.[6] Bismarck-Schönhausen warb für den als gemeinnützig anerkannten Verein persönlich um Spenden, zum Beispiel bei Benefizveranstaltungen. Im November 2010 gewann sie bei Günther Jauchs RTL-Quizshow Wer wird Millionär? 500.000 Euro für den Verein. Als danach Medien kritisch über angeblich „intransparente Mittelverwendung“ berichteten, wies sie als Vereinspräsidentin die Vorwürfe zurück und reagierte mit einer Strafanzeige wegen „verleumderischer Aussagen“.[7]

Im September 2010 veröffentlichte sie zusammen mit Anne-Ev Ustorf das Buch Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen, in dem sie unter anderem über Porno-Portale im Internet aufklärt und falsche Vorbilder für Jugendliche anhand verschiedener Studien erörtert. In ihrem Buch heißt es „Pornos im Internet, Popsängerinnen in Bondage-Outfits und Topmodelshows im Privatfernsehen erschweren Kindern und Jugendlichen die Entwicklung eines positiven Körperbildes und einer ichbezogenen Sexualität“.[5] Weiterhin erläutert Bismarck-Schönhausen die Schwierigkeit eines Kindes, sich nach Missbrauch den Eltern anzuvertrauen. Dazu schreibt sie „Oft schweigen missbrauchte Kinder sogar aus Liebe zu ihren Eltern: Weil die Täter der Familie des Kindes schlimme Folgen angedroht haben, sollte der Missbrauch ans Licht kommen – oder weil die Kinder selbst aus Scham und Angst, den Eltern Leid zuzufügen, nichts erzählen mögen“.[8] Vor allem das Internet habe sexuellen Gewalttaten gegen Kinder eine allgegenwärtige Dimension verliehen.[8]

Bei der ersten Folge der RTL-II-Sendung Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder, die von Oktober bis November 2010 von Udo Nagel moderiert wurde, trat zu Bismarck-Schönhausen als Co-Moderatorin auf. In der von Innocence in Danger unterstützten, zehnteiligen Doku-Reihe gaben sich Schauspielerinnen um die Journalistin Beate Krafft-Schöning[9] in Internet-Chats als 13- bis 15-Jährige aus und erfüllten den Wunsch von Männern nach einem Treffen.[10][11] Bei der arrangierten Zusammenkunft wurden die Männer zur Rede gestellt und als potenzielle Straftäter angeprangert.[12] Nachdem einer der Männer identifiziert werden konnte, kam es zu vermehrter Kritik an der Sendung, dem Auftritt zu Bismarck-Schönhausen in dieser und zu Drohungen gegen ihre Person.[13][14] Bismarck-Schönhausen ist eine der prominentesten Befürworter von Sperrungen von Internetinhalten in Deutschland.[15]

Die Kinderorganisation Innocence in Danger teilte das Ende ihres Engagements am 18. Februar 2013 mit,[16] zehn Tage später nannte Bismarck-Schönhausen mangelnde persönliche Präsenz aufgrund ihres Umzugs in die USA als Begründung.[6][17]

Weiteres Engagement

Von Januar 2011 bis zum Oktober 2012 war Bismarck-Schönhausen Schirmherrin des Landesverbands Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.[18][19]

Bismarck-Schönhausen unterstützte die jährlich von der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie vergebene Auszeichnung für Engagement im Bereich Frühe Kindheit. Sie übernahm Botschaftertätigkeiten für den Karl Kübel Preis 2010, der an das Projekt Starke Kinder des Bildungsforums Mengerskirchen vergeben wurde.[20][21]

Digitale Bildung

Seit Januar 2019 setzt sich Bismarck-Schönhausen in mehreren Unternehmen im Bereich der Politik und Bildung ein.[22] Von 2019 bis 2023 kritisierte sie in verschiedenen Interviews das deutsche Bildungswesen. Bestandteile der Kritik waren unter anderem mangelnde Ausstattung an Schulen sowie fehlende Vermittlung von Medienkompetenzen. Sie forderte daraufhin unter anderem einen flächendeckenden Internetzugang samt Computern oder Tablets mit aktuellen Betriebssystemen[23] sowie die Einführung von Medienbildung als Kernkompetenz an Schulen.[24] Im Rahmen ihrer Aufklärungsarbeit hinsichtlich der Digitalisierung an Schulen hatte Bismarck-Schönhausen mehrere Gastauftritte im Fernsehen und in Podcasts[25][26] und veröffentlichte redaktionelle Beiträge, darunter im Focus Online.[27][28]

Im Jahr 2025 rief sie den Podcast How Do We Manage? ins Leben.[29]

Privates

Bismarck-Schönhausen ist die einzige Tochter der Schwedin Charlotte Kinberg (* 1951), die ein Unternehmen für Inneneinrichtungen leitete, und von Andreas Graf von Bismarck-Schönhausen (1941–2013). Väterlicherseits hat sie zwei ältere Halbschwestern.[3]

Am 12. Februar 2000 heiratete sie Karl-Theodor zu Guttenberg, der dem fränkischen Adelsgeschlecht Guttenberg entstammt. Das Paar hat zwei Töchter (geboren 2001 und 2002) und lebte in Berlin und in Guttenberg (Oberfranken).[30][31] Im Sommer 2011 zog Bismarck-Schönhausen mit ihrer Familie nach Greenwich[32] im US-Bundesstaat Connecticut.[33][34][35] Nach knapp zehn Jahren in den USA kehrte Bismarck-Schönhausen nach Deutschland zurück.[26]

Bismarck-Schönhausen und ihr Ehemann trennten sich im Winter 2022/2023.[36] Nach der Scheidung im April 2025[37] gab Stephanie den Namen zu Guttenberg auf und kehrte zu ihrem Geburtsnamen Bismarck-Schönhausen zurück.[38]

Ahnentafel

Vorfahren
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
32. Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck
 
 
 
 
 
 
 
16. Otto Fürst von Bismarck
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
33. Luise Mencken
 
 
 
 
 
 
 
8. Herbert Fürst von Bismarck
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
34. Heinrich von Puttkamer
 
 
 
 
 
 
 
17. Johanna von Puttkamer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
35. Luitgarde von Glasenapp
 
 
 
 
 
 
 
4. Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen (1901–1949)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
36. Anton Graf Hoyos
 
 
 
 
 
 
 
18. Georg Graf Hoyos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
37. Kamilla Gräfin Erdody de Monyorokerek
 
 
 
 
 
 
 
9. Marguerite Gräfin Hoyos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
38. Robert Whitehead, Erfinder des Torpedos
 
 
 
 
 
 
 
19. Alice Whitehead
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
39. Frances Maria Johnstone
 
 
 
 
 
 
 
2. Andreas Graf von Bismarck-Schönhausen (1941–2013)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
40. Anton Graf Hoyos (=36)
 
 
 
 
 
 
 
20. Georg Graf Hoyos (=18)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
41. Kamilla Gräfin Erdody de Monyorokerek (=37)
 
 
 
 
 
 
 
10. Alexander Graf Hoyos
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
42. Robert Whitehead, Erfinder des Torpedos (=38)
 
 
 
 
 
 
 
21. Alice Whitehead (=19)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
43. Frances Maria Johnstone (=39)
 
 
 
 
 
 
 
5. Melanie Gräfin Hoyos (1916–1949)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
44. Jean Ferdinand Markgraf von Loys-Chandieu
 
 
 
 
 
 
 
22. Henri Marquis de Loys-Chandieu
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
45. Louise Henriette de Treytorrens
 
 
 
 
 
 
 
11. Edmée de Loys-Chandieu
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
46. Edmond de Pourtalès
 
 
 
 
 
 
 
23. Agnes Gräfin von Pourtalès
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
47. Mélanie Renouard de Bussière
 
 
 
 
 
 
 
1. Stephanie Gräfin von Bismarck-Schönhausen (1976–)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
48. Carl Johan Kinberg (1820–1906)
 
 
 
 
 
 
 
24. Karl Johan Leonard Kinberg (1850–1924)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
49. Beata von Wowern (1824–1905)
 
 
 
 
 
 
 
12. Erik Waldemar Leonard Kinberg
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
50. Frederik Wilhelm Torngren (1819–?)
 
 
 
 
 
 
 
25. Mathilde Sophia Torngren (1847–1925)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
51. Stina Lena Zejlon (1823–?)
 
 
 
 
 
 
 
6. Professor Jan Pieter Oskar Kinberg (1922–1983), Technischer Direktor von Hasselblad
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
52. Franz Clemens Holzhans (1819–1819)
 
 
 
 
 
 
 
26. Franz Joseph Leonhard Holzhaus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
53. Sophia Antonette Bernhardine Wehage (1832–1880)
 
 
 
 
 
 
 
13. Julie Augusta Maria Holzhaus
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
54. Karl Theodor Wehmann
 
 
 
 
 
 
 
27. Anna Caroline Emilie Adelheid Wehmann
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
55. Theresia Reiter
 
 
 
 
 
 
 
3. Charlotte Margareta Kinberg (1951–)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
56. Carl Gustaf Nitzelius (1816–1897)
 
 
 
 
 
 
 
28. Gustaf Theodor Nitzelius (1855–1925)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
57. Maria Gustafva Andersdotter (1822–1905)
 
 
 
 
 
 
 
14. Erik August Nitzelius (1899–1975)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
58. Peter Månsson (1817–?)
 
 
 
 
 
 
 
29. Amanda Sofia Petersson (1860–1913)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
59. Cajsa Lena Petersdotter (1819–?)
 
 
 
 
 
 
 
7. Ulla Margareta Nitzelius (1926–)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
60. Nils Lindberg (1834–1909)
 
 
 
 
 
 
 
30. Carl Johan Lindberg (1862–?)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
61. Anna Maria Anna Maria (1834–1834)
 
 
 
 
 
 
 
15. Rut Valborg Cecilia Lindberg (1899–1981)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
62.
 
 
 
 
 
 
 
31. Christina Vilhelmina Wahlborg (1868–?)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
63.
 
 
 
 
 
 

Öffentliche Wahrnehmung

Bismarck-Schönhausen mit ihrem damaligen Ehemann bei der Verleihung der Quadriga (2010)

Als Bismarck-Schönhausens damaliger Ehemann, Karl-Theodor zu Guttenberg, das Amt eines Ministers besetzte, stieg die mediale Aufmerksamkeit gegenüber dem Ehepaar. Bis zur Plagiatsaffäre von Karl-Theodor zu Guttenberg wurden Bismarck-Schönhausen und ihr Ehemann in der Presse aufgrund ihres öffentlichen Auftretens mehrfach als die „Kennedys“ von Deutschland betitelt, nach John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline „Jackie“ Kennedy.[39][40]

Im Oktober 2010 gaben etwa 67 % aller Deutschen an, dass sie sich durch eine Repräsentation der zu Guttenbergs gut vertreten fühlen würden.[39]

Bismarck-Schönhausen reiste im Dezember 2010 mit ihrem Ehemann, dem damaligen Verteidigungsminister, nach Afghanistan zum Truppenbesuch; nach Aussage ihres Ehemanns tat sie dies „auf eigenen Wunsch“ und bezahlte selbst dafür. Sie war damit die erste deutsche Ministergattin, die ihren Ehemann in ein Krisengebiet mit deutschem Militäreinsatz begleitete. Der Besuch wurde von Medien und Politikern der Oppositionsparteien sowie vereinzelt der FDP als Selbstinszenierung teilweise scharf kritisiert.[41] Eine repräsentative Umfrage des ZDF-Politbarometers ergab eine Zustimmung für den Besuch von 64 %; 30 % empfanden die Teilnahme am Afghanistan-Besuch als falsch und 6 % hatten dazu keine Meinung.[42] Verteidigt wurde der Besuch unter anderem vom stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Schockenhoff, dem damaligen Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus sowie Peter Altmaier.[43] Der Bundeswehrverband verteidigte den Besuch ebenfalls.

Für das TV-Format Tatort Internet, schützt endlich unsere Kinder, welches 2010 auf RTL II ausgestrahlt wurde, erhielt Bismarck-Schönhausen vermehrt Kritik, insbesondere aufgrund des „reißerischen Effekts des Formats“.[11] Nachdem mehrere Folgen der Doku-Reihe ausgestrahlt wurden, hörte die Kritik nicht ganz auf, ließ jedoch nach.[11] Bismarck-Schönhausen bekannte sich Jahre nach der Kritik dennoch weiterhin zur Doku-Reihe und dem Ausstrahlungssender mit den Worten „Ich stehe noch heute dazu. Um Mitternacht auf Arte erreichen Sie zumindest nicht die richtige Zielgruppe dafür“.[22]

Auszeichnungen (Auswahl)

Schriften

Als Autorin:

  • Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen. Verlag Kreuz, Freiburg im Breisgau 2010, ISBN 978-3-7831-3485-8. (Mit Anne-Ev Ustorf)
  • Wir können das besser! Erziehung, Bildung und Leben in der digitalen Realität. Plassen Verlag, 2022, ISBN 978-3-86470-864-0.

Als Herausgeberin:

Einzelnachweise

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