Stephen Fienberg
kanadisch-US-amerikanischer Statistiker
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Stephen Elliot Fienberg (geboren am 27. November 1942 in Toronto; gestorben am 14. Dezember 2016 in Pittsburgh) war ein kanadisch-US-amerikanischer Statistiker.
Werdegang
Fienberg wuchs in Toronto auf und studierte nach dem Schulabschluss an der dortigen University of Toronto Mathematik sowie zunächst auch Physik und Chemie, ehe er dort 1964 mit einem Bachelor in Mathematik und Statistik abschloss. Anschließend setzte er sein Studium an der Harvard University fort, an der er 1965 einen Masterabschluss in Statistik erwarb und 1968 unter der Betreuung von Frederick Mosteller schließlich promoviert wurde. Im Anschluss erhielt er eine Stelle für Statistik und theoretische Biologie an der University of Chicago, wo er unter anderem mit William Kruskal zusammen arbeitete. 1972 wechselte er an die University of Minnesota in Minneapolis, an der er den Fachbereich für Angewandte Statistik leitete.
Nach acht Jahren dort folgte er 1980 einem Ruf auf eine Professur für Statistik und Sozialwissenschaft an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, an welcher er mit zweijähriger Unterbrechung bis zu seiner Emeritierung 2016 tätig blieb. Über die Jahre übernahm er dort auch zusätzliche Positionen am Fachbereich für Maschinelles Lernen, dem Security and Privacy Institute sowie dem Heinz College. 1984 wurde ihm ein Guggenheim-Stipendium verliehen. Von 1981 bis 1984 fungierte er als Vorsitzender des Fachbereichs für Statistik, von 1987 bis 1991 als Dekan des College für Geistes- und Sozialwissenschaften. 1991 verließ er die Universität vorübergehend und wurde Vizepräsident für Akademische Angelegenheiten an der York University in Toronto, ehe er zwei Jahre später wieder an die Carnegie Mellon Universität zurückkehrte.
Im Jahr 1999 nahm ihn die National Academy of Sciences als Mitglied auf, für die er bereits zuvor und auch weiterhin an zahlreichen Kommissionen und Berichten beteiligt war. Daneben war Fienberg Fellow der American Academy of Arts and Sciences, American Academy of Political and Social Science und der Royal Society of Canada. Innerhalb seines Fachgebiets war er zudem von 1996 bis 1997 Präsident der International Society for Bayesian Analysis und von 1998 bis 1999 Präsident des Institute of Mathematical Studies. In der American Statistical Association diente er als Vizepräsident. Darüber hinaus beriet er Behörden und Ministerien der US-Regierung und war häufig als Experte bei Anhörungen vor dem US-Kongress.
Fienberg war ab 1965 mit Joyce Fienberg verheiratet, mit der er zwei Söhne hatte. Neben der kanadischen erhielt er 1998 auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er starb nach schwerer Krankheit am 14. Dezember 2016 im Alter von 74 Jahren. Seine Frau Joyce fiel knapp zwei Jahre später dem Attentat in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh 2018 zum Opfer.[1]
Werk und Rezeption
Fienbergs Werk erstreckte sich auf die algebraische und multivariate Statistik, wobei er als Pionier im Bereich des Maschinellen Lernens gilt. Er entwickelte statistische Methoden insbesondere zur Analyse kategorialer Daten, wie loglineare Modelle, mit Anwendungsbereichen in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, unter anderem in der Forensik, Psychologie und Rechtswissenschaft. In diesem Kontext verfasste er zahlreiche Beiträge zum Gebrauch von Statistik in zivil- und strafrechtlichen Verfahren. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit bildete die Umfragemethodik, insbesondere im Kontext großer Befragungen wie dem Zensus.
Neben über 500 Fachartikeln und Berichten war er als Co-Autor oder Mitherausgeber auch an insgesamt mehr als 20 Büchern beteiligt. Mehrere seiner Werke galten bereits kurz nach Erscheinen als Standardwerke innerhalb des Feldes, wie das gemeinsam mit Yvonne Bishop und Paul W. Holland verfasste Discrete Multivariate Analysis: Theory and Practice oder sein Werk The Analysis of Cross-Classified Categorical Data. Laut Google Scholar wurden Fienbergs Veröffentlichungen bisher in rund 60.000 anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert, mit einem h-Index von 94.[2] Als Herausgeber begründete er zudem mehrere Buchreihen und fungierte als Mitbegründer und Chefredakteur mehrerer Fachzeitschriften, wie dem Annual Review of Statistics and Its Application und der Journal of Privacy and Confidentiality und CHANCE, darüber hinaus auch Chefredakteur der Annals of Applied Statistics. Daneben betreute er im Laufe seiner Karriere insgesamt 46 Doktoranden.
Für sein wissenschaftliches Werk verlieh ihm unter anderem das Komitee der Präsidenten der amerikanischen Statistischen Gesellschaften 1982 den COPSS Presidents' Award sowie die American Statistical Association 2000 den Wilks Memorial Award.
Werke (Auswahl)
- Mit Yvonne M. M. Bishop und Paul W. Holland: Discrete Multivariate Analysis: Theory and Practice. M.I.T. Press, 1975. Reprint von Springer, 2007.
- The Analysis of Cross-Classified Categorical Data. M.I.T. Press, 1980. Reprint von Springer, 2007.
- Mit Margo J. Anderson: Who Counts? The Politics of Census-Taking in Contemporary America. Russell Sage Foundation, 1999.
Literatur über Stephen Fienberg
- Alicia L. Carriquiry, Judith M. Tanur, William F. Eddy (Hrsg.): Statistics in the Public Interest: In Memory of Stephen E. Fienberg. Springer Cham, 2022, ISBN 978-3-03075459-4.
- Miron L. Straf und Judith M. Tanur: A Conversation with Stephen E. Fienberg. In: Statistical Science. Band 28, Nr. 3, 2013, S. 447–463, doi:10.1214/12-STS411.
- Robin Mejia: Stephen E. Fienberg (1942–2016). In: Nature. Band 542, Nr. 415, 2017, doi:10.1038/542415a.
- Larry Wasserman: Stephen Fienberg: Superman of statistics. In: PNAS. Band 114, Nr. 12, 2017, S. 3002–3003, doi:10.1073/pnas.1700160114.