Stetteria

Gattung der Familie Desulfurococcaceae From Wikipedia, the free encyclopedia

Stetteria ist eine 1997/1998 von Beate Jochimsen et al. erstbeschriebene Gattung von Archaeen in der Klasse Thermoprotei (ursprünglich „Crenarchaeota“ genannt).[2][1][3] Die genauere Zuordnung innerhalb der Klasse ist noch in der Diskussion (Stand Dezember 2025):

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Stetteria
Systematik
Reich: TACK (Thermoproteati)
Stamm: Thermoproteota
Klasse: Thermoprotei
Ordnung: Acidilobales
Familie: Acidilobaceae
Gattung: Stetteria
Wissenschaftlicher Name
Stetteria
Jochimsen et al. 1998[1][2]
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Bis heute (Stand 27. Dezember 2025) gibt es in der Gattung nur eine einzige Art (Spezies): Stetteria hydrogeno­phila (monotypisch).[2][1][3]

Beschreibung

Stetteria hydrogenophila (mit Referenzstamm DSM11227) ist eine Spezies hyperthermophiler, streng anaerober Archaeen der Klasse Thermoprotei (früher „Crenarchaeota“ genannt). Der Stamm wurde aus dem Sediment eines marinen Hydrothermalsystems in der Paleochori-Bucht[5] der Insel Milos, Griechenland, isoliert. Die Zellen sind gramnegative, unregelmäßige bis scheibenförmige Kokken mit einem Durchmesser von 0,5–1,5 μm, die eine Archaeen-Geißel (Archaellum) tragen und zytoplasmatische Ausstülpungen mit einer Länge von bis zu 2 μm bilden können. Der Stamm DSM11227 wächst optimal bei 95 °C, einem pH-Wert von 6,0 und einer NaCl-Konzentration von 3 %. Der Organismus wächst mixotroph auf Peptid-Substraten. Er benötigte elementaren Schwefel als externen Elektronenakzeptor (kann durch Thiosulfat ersetzt werden). Darüber hinaus ist sein Wachstum vollständig von der Anwesenheit von molekularem Wasserstoff (H2) abhängig. Als Stoffwechselprodukte wurden Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2), Acetat und Ethanol identifiziert. Der G+C-Gehalt der DNA beträgt 65 mol%. Die Abhängigkeit dieses Organismus sowohl von Wasserstoff als auch von Schwefel während des Wachstums auf Peptidsubstraten unterschied Stetteria von allen anderen bis 1997 beschriebenen Arten der Thermoprotei („Crenarchaeota“).[2]

Systematik

Die derzeit akzeptierte Taxonomie basiert auf der List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN)[1] und dem National Center for Biotechnology Information (NCBI),[3] Stand: 27. Dezember 2025:

Gattung Stetteria Jochimsen et al. 1998(L,N)[2]

  • Spezies Stetteria hydrogenophila Jochimsen et al. 1998(L,N)[2] [Staphylothermus hydrogenophila(N)] (Typusart(L))
    • Stamm 4ABC alias DSM 11227 oder JCM 10135(L,N)

Etymologie

Der neulateinische Gattungsname Stetteria ehrt den Mikrobiologen Karl Otto Stetter[1] (* 16. Juli 1941 in München) für seine Verdienste um die Erforschung extremophiler Organismen; insbesondere der thermophilen Archaeen (Archaeenzentrum der Universität Regensburg).[2]

Das Art-Epitheton hydrogenophila ist ebenfalls neulat. und setzt sich zusammen aus hydrogenum Wasserstoff, wörtlich ‚etwas, das Wasser produziert‘ (durch Verbrennen), ursprünglich von altgriechisch ὕδωρ hýdōr, deutsch Wasser und γεννάω gennáō, deutsch produzieren; der Suffix -phila kommt von altgriechisch φῐλῐ́ᾱ phĭlĭ́ā, deutsch Liebe, ‚liebend‘. Damit bedeutet ‚hydrogenophila‘ soviel wie ‚Wasserstoff liebend‘: für das Wachstum benötigen diese Mikroben Wasserstoff.[1]

Weiterführende Literatur

  • Siegfried Burggraf, H. Huber, Karl O. Stetter: Reclassification of the crenarchael orders and families in accordance with 16S rRNA sequence data. In: International Journal of Systematic Bacteriology. 47. Jahrgang, Nr. 3, 1. Juli 1997, ResearchGate:13992515, S. 657–660, doi:10.1099/00207713-47-3-657, PMID 9226896 (englisch).
  • Wolfram Zillig, Karl O. Stetter, David Prangishvilli, Werner Schäfer, Simon Wunderl, Davorin Janekovic, Ingelore Holz, Peter Palm: ​Desulfurococcaceae, the second family of the extremely thermophilic, anaerobic, sulfur-respiring Thermoproteales. In: Zentralblatt für Bakteriologie Mikrobiologie und Hygiene: I. Abt. Originale C: Allgemeine, angewandte und ökologische Mikrobiologie, Band 3, Nr. 2, Mai 1982, S. 304–317; doi:10.1016/S0721-9571(82)80044-6 (englisch).
  • Kathleen R. Noon, Rebecca Guymon, Pamela F. Crain, James A. McCloskey, Michael Thomm, Julianne Lim, Ricardo Cavicchioli: Influence of Temperature on tRNA Modification in Archaea: Methanococcoides burtonii (Optimum Growth Temperature [Topt], 23°C) and Stetteria hydrogenophila (Topt, 95°C). In: Journal of Bacteriology, Band 185, Nr. 18, September 2003, S. 5483–5490; doi:10.1128/JB.185.18.5483-5490.2003, PMC 193749 (freier Volltext), PMID 12949100 (englisch).

Einzelnachweise

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