Stettiner Grenzrezess

Grenzvertrag zwischen Sweden und Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Vertrag von Stettin, bzw. Stettiner Grenzrezess, vom 4. Mai 1653[1.1] legte einen Streit zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden bei, die beide nach dem Aussterben des lokalen Hauses Greifen während des Dreißigjährigen Krieges die Nachfolge im Herzogtum Pommern beanspruchten. Die Ansprüche Brandenburgs basierten auf dem Vertrag von Grimnitz (1529), der den brandenburgischen Hohenzollern das Erbrecht im Falle des Aussterbens des pommerschen Greifengeschlechts zugesichert hatte. Die Ansprüche Schwedens beruhten auf der Stettiner Allianz (1630), der Schweden die militärische Kontrolle über das Herzogtum gesichert hatte. Die Parteien hatten sich im Westfälischen Frieden (1648) auf eine Teilung des Herzogtums geeinigt und mit dem Vertrag von Stettin die tatsächliche Grenze zwischen den Teilgebieten festgelegt. Vorpommern wurde zu Schwedisch-Pommern, Hinterpommern zu Brandenburgisch-Pommern.

Das ehemalige Herzogtum Pommern (Mitte) wurde nach dem Vertrag von Stettin im Jahr 1653 zwischen dem Schwedischen Reich und Brandenburg aufgeteilt. Schwedisch-Pommern („Vorpommern“) ist blau, Brandenburgisch-Pommern („Hinterpommern“) orange dargestellt.

Hintergrund

Schwedisch-Pommern (Vorpommern) innerhalb des Schwedischen Reiches (grün). Die Daten geben das Jahr an, in dem Schweden die jeweiligen Gebiete erworben und verloren hat (in Klammern).

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Schweden 1630 das Herzogtum Pommern besetzt. Der letzte Greifen-Herzog Bogislaw XIV. starb 1637, sein Herzogtum sollte an Brandenburg vererbt werden, das seine Ansprüche auf den Vertrag von Grimnitz stützte. Mit der Stettiner Allianz hatte Bogislaw sich 1630 allerdings mit Schweden verbündet.[2][3][4]

Während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden von 1648 wurde über Pommern verhandelt. Pommern sollte nun zwischen Brandenburg und Schweden aufgeteilt werden.[3] Verhandlungen auf dem Nürnberger Exekutionstag legten 1650 grob die Gebiete fest, die unter die Kontrolle Schwedens bzw. Brandenburgs gelangen sollten.

Vertrag

Die genaue Grenze wurde 1653 im Vertrag von Stettin festgelegt, der das Herzogtum Pommern entlang einer Linie östlich der Oder teilte. Die Gebiete westlich dieser Linie (Vorpommern, einschließlich Stettin) verblieben bei Schweden und wurden daher als schwedisches Pommern bezeichnet. Die Gebiete östlich der Linie (Hinterpommern) sollten an Brandenburg übertragen werden. Die Hälfte der Zolleinnahmen der hinterpommerschen Städte stand auch nach dem Rückzug Schwedens weiterhin Schweden zu.[5][1.1]

Die Grenze sollte von der brandenburgisch-pommerschen Grenze nach Norden verlaufen, wobei die Komturei Greifenhagen und die Komturei Wildenbruch bei Schweden verblieben. Nach Verhandlungen wurde Brandenburg ein Zugang zur Ostsee zugestanden, Schweden erhielt jedoch die Kontrolle über Cammin, Stettin, Stralsund und Rügen. 1651 wurde die Grenze von einer Kommission festgelegt. Danach wurde noch über Zoll- und Finanzfragen verhandelt, was den Abschluss des Vertrages bis Mai 1653 verzögerte.[1.1]

Am 19. Juli 1653 trat in Stargard der erste Landtag in Brandenburgisch-Pommern zusammen.[1.2] 1654 war der Rückzug der Schweden aus Hinterpommern abgeschlossen.[1.3]

Bedeutung im europäischen Kontext

Der Vertrag festigte die Kontrolle Schwedens über die Odermündung in Ergänzung zur im Westfälischen Frieden ebenfalls gewonnenen teilweisen Kontrolle über die Unterläufe der Weser und der Elbe. Damit kontrollierte Schwedens die Mündungen aller großen deutschen Flüsse mit Ausnahme des Rheins. Das schwedische Pommern wurde zum wichtigsten territorialen Stützpunkt Schwedens in Deutschland.

Grenzkorrekturen von 1679 und 1720

Die im Vertrag vereinbarte Grenze wurde nach dem Schwedisch-Dänischen Krieg im Vertrag von Saint-Germain-en-Laye (1679) leicht nach Westen verschoben.[1.4] Nach dem Großen Nordischen Krieg gewann Brandenburg-Preußen im Vertrag von Stockholm (1720) weite Gebiete nach Westen bis zu den Flüssen Peene und Peenestrom.[1.5]

Siehe auch

Literatur

  • Derek Croxton, Anuschka Tischer: The Peace of Westphalia: A Historical Dictionary. Bloomsbury Academic, 2002, ISBN 0-313-31004-1 (englisch).
  • Gerhard Heitz, Henning Rischer: Geschichte in Daten. Mecklenburg-Vorpommern. Koehler & Amelang, Münster, Berlin 1995, ISBN 3-7338-0195-4.
  • Margaret Shennan: The Rise of Brandenburg-Prussia. 1995, ISBN 0-415-12938-9 (englisch).

Einzelnachweise

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