Stiftung Zollverein
Stiftung zur Erhaltung des UNESCO-Welterbes Zeche und Kokerei Zollverein in Essen
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Die Stiftung Zollverein wurde 1998 von der Stadt Essen und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet, Zustifter ist der Landschaftsverband Rheinland. Die am 8. Dezember 1998 anerkannte Stiftung Zollverein ist eine gemeinnützige rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts und unterliegt der Aufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf.


Seit dem Jahr 2008 ist sie alleinige Trägerin des Welterbes und übernahm in der Folge die Aufgaben der Entwicklungsgesellschaft Zollverein mbH, die zuvor für die Entwicklung und Vermarktung des Standorts zuständig war. Des Weiteren wurde die Stiftung Ruhr Museum integriert und die Kokerei von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur an die Stiftung Zollverein übertragen.
Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist Christoph Tesche.
Zweck und Aufgaben
Unter dem allgemeinen Ziel der Förderung von Kultur und Denkmalpflege hat die Stiftung Zollverein, im Sinne der Stiftungsgeber, mehrere Aufgaben.
- Sie ist verantwortlich für den dauerhaften und denkmalgerechten Erhalt der historischen Anlagen.
- Im Sinne der UNESCO-Richtlinien hat sie für die Erschließung der Welterbestätte zu sorgen. Das bedeutet, den Ort physisch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Barrieren abzubauen und die notwendige Infrastruktur zu schaffen sowie die Bedeutung des Industriekomplexes durch zielgruppenorientierte Vermittlungsformate zu verdeutlichen.
- Eine weitere Aufgabe der Stiftung ist, in Übereinstimmung mit der Erklärung der UNESCO zu Welterbestätten in städtischen Agglomerationen, das Umfeld positiv zu beeinflussen.[1] Mit dem „Quartiersmanagement“ bindet die Stiftung Zollverein die Nachbarschaft, im Rahmen von Veranstaltungen und Kooperationen, aktiv mit ein. Ihr Wirken soll günstigen Einfluss auf die lokale Wirtschaft, das Freizeitverhalten und das Stadtklima vor Ort haben.
- Die Stiftung ist verpflichtet verantwortungsbewusst und nachhaltig zu agieren. Dies bezieht sich unter anderem auf ihre Auswirkungen auf die Umwelt, die möglichst positiv beeinflusst werden soll, aber auch auf wirtschaftliche Belange. Die zur Verfügung gestellten Möglichkeiten und Mittel sollen effektiv eingesetzt werden, um die anderen Aufgaben (mit) zu finanzieren. Aus diesem Grund werden verschiedene Flächen und Räume kommerziell verwertet.
Diese Aufgaben beeinflussen sich gegenseitig und bei gelegentlich auftretenden Zielkonflikten, zum Beispiel detailgetreuer Erhalt contra Zugänglichkeit (auch für Menschen mit Behinderung) und zeitgemäßer Vermittlung, werden die jeweiligen Auswirkungen abgewogen. Hierbei orientiert sich die Stiftung an einzuhaltende Vorgaben des Denkmalschutzes und der UNESCO, an rechtliche Bestimmungen des Landes und des Bundes sowie an Handlungsempfehlungen externer Fachleute (z. B. von ICOMOS-Monitoren).[2]
Die Stiftung Zollverein hat ihren Sitz auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein, seit 2013 im ehemaligen Direktionsgebäude in der Bullmannaue 11 in Essen-Stoppenberg. Das 1906 errichtete Gebäude beherbergte 80 Jahre lang die Verwaltung der Zeche Zollverein.
Kritik
Von Seiten der Denkmalpflege und Forschung wurde bemängelt, dass die Stiftung Zollverein weitreichende Aus- und Umbauten der Zeche Zollverein betrieb, die die Authentizität der Zechenanlage untergruben.[3] Im Fokus der Kritik standen ein Gebäudeaufsatz auf der Kohlenwäsche und ein Riesenrad im Bereich der Ofenanlage. Die damals Verantwortlichen reagierten auf die Vorwürfe und so wurde der stark kritisierte Gebäudeaufsatz des Büros Diener & Diener aus Basel, welcher zuvor der Siegerentwurf eines von der Internationalen Bauausstellung Emscher Park ausgeschriebenen Machbarkeits-Wettbewerbs war, nicht verwirklicht.[4] Stattdessen wurden die Architekten Heinrich Böll und Hans Krabel mit dem Umbau der Kohlenwäsche beauftragt. Nach der notwendigen Sanierung, Teile der Kohlenwäsche hatten ihre anfangs geplante Lebensdauer von 60 Jahren erreicht und waren in einem sehr schlechten Zustand, sowie dem damit einhergehenden Umbau, welcher dem von Rem Koolhaas vorgeschlagenen Gestaltungsansatz „Erhalt durch Umnutzung“ folgte,[5] wurde die tatsächliche Umsetzung anschließend mehrfach von Fachgremien und Experten ausgezeichnet.[6] Das Riesenrad, welches auch von Seiten der UNESCO beanstandet wurde, wird seit 2025 abgebaut und wird Ende 2026 komplett entfernt sein.
Als „negative Wertschätzung der historischen Kulturlandschaft als Weltkulturerbe“ und als das „Ende jeder historischen Grundlagenforschung, die eine professionelle denkmalpflegerische Konzeption (…) vor Ort hätte vorbereiten können“, wurde auch kritisiert, dass die Stiftung Zollverein keine Geschichts- und Denkmalarbeit durchführe. Der Denkmalpfleger Henry Cleere, Repräsentant des International Council on Monuments and Sites, sagte zu Beginn der 2000er Jahre: „Ich habe das Gefühl, die Leute vergessen, warum Zollverein auf der Welterbeliste steht.“[7] Seitdem baute die Standortvermittlung die Vermittlungsangebote kontinuierlich aus und errichtete neue Stationen und Schaumodelle in dem historischen Denkmalpfad. Die technischen Anlagen und historischen Gebäude werden, bei Rücksprache mit den Denkmalbehörden, durch kontinuierliche Maßnahmen erhalten und für neue Aufgaben ertüchtigt. Mittlerweile besuchen in- und ausländische Delegationen Zollverein, um sich über die Erhaltung, Vermittlung, Transformation und wirtschaftliche Nutzung historischer Industrieanlagen zu informieren und am 14. und 15. Oktober 2021 richteten die Stiftung Zollverein und Deutsche UNESCO-Kommission sogar gemeinsam den internationalen Kongress Industrielles Welterbe. Chancen und Verantwortung auf der Zeche im Essener Norden aus.[8]