Stilblüte

Sprachlicher Missgriff From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Stilblüte bezeichnet man Formulierungen, die durch einen Missgriff in der Wortwahl oder Wortstellung, durch Versprecher oder durch Mehrdeutigkeit ungewollt komisch wirken.[1] Viele angebliche Stilblüten sind Phantasieprodukte bzw. wenig gelungene Neologismen.

Doppeldeutigkeit: Straftaten der Polizei oder der Allgemeinheit
Bahnhofsvorplatz Limburg, November 2004

Eine spezielle Form der Stilblüten sind Kathederblüten.[2]

Beispiele

„Pass sauber!“ anstelle von „Bitte sauber halten!“, durch Übersetzungsfehler
Bulgarisches Schild in einer Beetanlage
„Unbedingter“ statt „Unbefugter“
  • Falsche Wortwahl (lexikalischer Fehler) – siehe auch Kindermund:
    • „Bevor der Mann seine Angel in den See warf, machte er am Haken einen dicken Köter fest.“ (Statt Köder.)
    • „Er ist eine echte Konifere.“ (Statt Koryphäe.)
    • „Freundliche Minen zu Beginn der Tarifrunde“ (statt Miene).
    • Bruno Labbadia: „Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert.“ (Statt stilisiert.)
  • Unsinnig kombinierte Metaphern: „So pionierhaft sich diesbezüglich der amerikanische Pfad zu gestalten wusste, so eklektisch eigen wurde der europäische beschritten. Letzterer befindet sich wiederkehrend am Scheideweg.“[3]
  • Falscher Satzbezug: „Wenn meine Mutter große Wäsche macht, helfen wir ihr, indem wir sie in einen Korb legen, auf den Speicher tragen und aufhängen.“
  • Falscher inhaltlicher Bezug: „Für solche faulen Ausreden müssen Sie sich einen Dümmeren suchen, aber den werden Sie kaum finden.“
  • Doppeldeutigkeit (Mehrdeutigkeit): „Leider bekomme ich keine Katze, weil meine Mutter einen Vogel hat.“
  • Groß-/Kleinschreibung fehlt in der Aussprache: „Sie standen an den Hängen und Pisten …“ (1959, Sportreporter Heinz Maegerlein).
  • Übersetzungsfehler, beispielsweise in Deutsch als Fremdsprache: „Eine Verkühlung hat uns alle ergriffen.“ Auch maschinelle Übersetzung kann zu Stilblüten führen.
    • Ein sogenannter falscher Freund verleitet zu einer falschen, doppeldeutigen beziehungsweise schiefen Übersetzung, zum Beispiel englisch actually als „aktuell“, nicht korrekt „eigentlich/tatsächlich“.
    • Einige küchenlateinische Stilblüten sind vermutlich im Lateinunterricht entstanden; Beispiele:
      • “Se ex pulvere fecit.” – „Er machte sich aus dem Staub.“ (Korrekt: „Er erschuf sich aus Staub.“)
      • “Vera fides rara est.” – „Vera ist selten treu.“ (Korrekt: „Wahre Treue ist selten.“)
  • Absicht: „Es ginge schon, aber ’s geht nicht“ (Karl Valentin). Oder „Es muss was passieren, aber g’schehn darf nix“ (1994, Theo Waigel). – Siehe auch Wortspiel.

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Stilblüte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen

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