Stilrudern
Wettbewerbsdisziplin im Rudersport
From Wikipedia, the free encyclopedia
Stilrudern ist eine Ruder-Wettkampfdisziplin, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Frauenrudern entwickelt wurde, da Frauen in den Anfangszeiten des Rudersports nicht an Ruderregatten teilnehmen durften. Es galt allgemein als unschicklich und medizinisch „höchst bedenklich“, wenn Damen sich sportlich betätigten.[1] Bewertet wurden der Ruderstil, nicht wie beim Rennen die Schnelligkeit der Boote. Eine Punktwertung erfolgte, ähnlich wie beim Eiskunstlauf, durch Schiedsrichter für die Körperarbeit und die Blattführung der Ruderinnen, wobei die „saubere Ruderarbeit“ durch Wind und Wellen stark behindert werden konnte. Auf fließenden Gewässern betrug die Strecke für Stilrudern gewöhnlich fünfhundert Meter stromab, dann dem Wenden, fünfhundert Meter stromauf.
Geschichte
Stilruderwettkämpfe fanden erstmals 1919 statt, dem Gründungsjahr des Deutsche Damen-Ruder-Verband (DDRV).[2] Im ersten Jahr wurde in Skullbooten gerudert, ab 1920 in A-Gigs. Bewertet wurden unter anderem Ästhetik, Durchzug, Beinarbeit, Wasserarbeit und Rhythmus.[3] Generell konnte „ab 1911 in Kleidern gerudert werden. Ab 1920 waren nach langen Kämpfen endlich ‚Sportbeinkleider‘ (Hosen) gestattet. Allerdings wurde zunächst über dem Sportanzug noch ein langer, abknöpfbarer Rock getragen, der erst im Boot abgelegt wurde.“[4] Ein Foto aus der Anfangsphase des Stilruderns zeigt die Damen des Zürcher Ruderclubs (DRC) in langen Hosen.[5]
In der Blütezeit Anfang der 1930er-Jahre gab es über 3.000 Stilruderinnen, die in 50 Vereinen organisiert waren.[3] Die letzten Stilruderwettbewerbe wurden 1969 in der Bundesrepublik (Deutsche Meisterschaften)[6] bzw. 1963 in der DDR[7] ausgetragen.
Bei der Internationalen Bodenseewoche 2012 wurde eine Wiederbelebung des Stilruderns ausprobiert, allerdings durch Männer in Fantasiekostümen.[8]