Straßenbahn Brest

Straßenbahn der französischen Stadt Brest From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Straßenbahn Brest (französisch Tramway de Brest) ist ein am 23. Juni 2012 neu in Betrieb gegangenes Straßenbahnsystem in der zweitgrößten Stadt der Bretagne. Sie ist der Nachfolger eines Straßenbahnnetzes, das von 1898 bis 1944 in Brest betrieben wurde. Am 14. Februar 2026 wurde die zweite Linie eröffnet.

StadtBrest
Eröffnung23. Juni 2012
BetreiberKeolis Brest
Schnelle Fakten Basisinformationen, Staat ...
Straßenbahn Brest
Bild
Alstom Citadis 302 an der Haltestelle Liberté der Linie A
Basisinformationen
Staat Frankreich
Stadt Brest
Eröffnung 23. Juni 2012
Betreiber Keolis Brest
Infrastruktur
Streckenlänge 19,4 km
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem 750 V DC Oberleitung
Haltestellen 39
Betrieb
Linien 2
Takt in der HVZ 7,5 min
Reise­geschwindigkeit 20 km/h
Fahrzeuge 20 Citadis 302,
8 Citadis 305
Höchst­geschwindigkeit 70 km/h
Statistik
Fahrgäste 45 000 pro Tag (Prognose)
Netzplan
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Die erste Straßenbahn

Pont National über die Penfeld mit Straßenbahntriebwagen (1900)
Straßenbahn auf dem Pont National (vor 1905)
Triebwagen an der Place des Portes (etwa 1907)

Im Jahr 1898 wurden die ersten beiden Strecken der Straßenbahn Brest eröffnet. Das Netz war bis zur Bombardierung der Stadt im Jahr 1944 in Betrieb.[1] Ab 1947 verkehrten dann Oberleitungsbusse in der Stadt. Diese verkehrten auf drei Linien, wofür 30 Fahrzeuge zur Verfügung standen. Ab 1963 wurden zur Modernisierung des Wagenparks dieselbetriebene Omnibusse angeschafft. Ab 1965 wurde der Ein-Mann-Betrieb auf den Omnibussen eingeführt, während die Obusse weiterhin mit zwei Fahrern besetzt werden mussten. Aus Gründen der Personaleinsparung wurde deshalb der Obusbetrieb am 9. November 1970 eingestellt.[1]

Die zweite Straßenbahn

Die Idee, eine neue Straßenbahn in Brest zu bauen, brachte 1984 Georges Lombard auf. Bei einer konsultativen Volksabstimmung im Jahr 1990 wurde der Bau einer neuen Straßenbahn allerdings abgelehnt. Erst François Cuillandre, der seit 2001 Bürgermeister von Brest ist, nahm die Straßenbahn in sein Wahlprogramm auf.[2]

Linie A

Weitere Informationen Linie A ...
Linie A
km
0,00 Gleisende 89 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel rechts
0,12 Überleitstelle 87 m
U-Bahn-Bahnhof
0,16 Porte de Plouzané 86 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
0,21 Überleitstelle 86 m
U-Bahn-Abzweig geradeaus, nach links und von linksU-Bahn-Betriebs-/Güterbahnhof Streckenende und quer
0,24 Depot und Werkstätten 85 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
0,95 Fort Montbarey 91 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
1,48 Keranroux 96 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
2,10 Coat Tan 97 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
2,60 Vali-Hir 95 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
3,24 Polygone 83 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
4,00 Dupuy de Lôme 62 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
4,57 Les Capucins 52 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
4,77 Überleitstelle 52 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
4,94 Saint-Exupéry 51 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
5,23 Mac Orlan 40 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
5,63 Recouvrance 23 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
5,72 Überleitstelle 17 m
U-Bahn-Brücke über Wasserlauf
5,87 Pont de Recouvrance Penfeld (Hebebrücke) 4 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
6,02 Überleitstelle 17 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
6,18 Château/Kastell Seilbahn nach Ateliers 32 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
6,59 Siam 41 m
U-Bahn-Abzweig geradeaus und nach linksU-Bahn-Strecke von rechts
U-Bahn-KreuzungU-Bahn-Abzweig quer und nach rechts
6,92 Gares – CHU La Cavale 50 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
6,97 Liberté/Frankiz 53 m
U-Bahn-Abzweig geradeaus und ehemals von rechts
7,00 von Gares als Bauvorleistung, nicht genutzt 53 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
7,26 Jean Jaurès 61 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
7,31 Überleitstelle 68 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
7,55 Saint Martin 76 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
7,93 Octroi 90 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
8,29 Pilier Rouge/Pilier Ruz 99 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
8,80 Place de Strasbourg 102 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
9,35 Menez Paul 84 m
U-Bahn-Überleitstelle / Spurwechsel links
Überleitstelle 72 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
9,93 Europe/Europa 70 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
10,35 Pontanézen 83 m
10,66 84 m
U-Bahn-Haltepunkt / HaltestelleU-Bahn-Strecke
11,35 Eau Blanche 72 m
U-Bahn-Haltepunkt / HaltestelleU-Bahn-Strecke
11,87 Kerlaurent 79 m
U-Bahn-Kopfbahnhof StreckenendeU-Bahn-Strecke
12,54 Porte de Guipavas 74 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
11,08 Mesmerrien 82 m
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle
11,62 Kergaradec/Kergaradeg 84 m
U-Bahn-Kopfbahnhof Streckenende
12,34 Porte de Gouesnou 94 m
Schließen

Der Bau der heutigen Linie A wurde im Jahr 2004 von den Abgeordneten des Verdichtungsraums Brest beschlossen. Die Baukosten wurden auf 300 Millionen Euro veranschlagt, die Inbetriebnahme sollte am 23. Juni 2012 erfolgen.[3] Der Gleisbau begann im März 2010. Eine Besonderheit des Straßenbahnnetzes von Brest besteht darin, dass die Information dreisprachig auf Französisch, Englisch und Bretonisch erfolgt. Dies umfasst sowohl die Ansagen, Zielanzeigen, Haltestellennamen als auch die Fahrpläne.

Bauträger

Bauherr der Straßenbahn ist die SemTram im Namen und auf Rechnung des Kommunalverbandes Brest métropole océane. Es handelt sich um ein Konsortium der Unternehmen SEM du TCSP (SEM du transport en commun en site propre de la communauté urbaine de Brest) und Egis Rail. Die SEM du TCSP ist ein Gemischtwirtschaftliches Unternehmen mit einem Kapital von 150 000 €, gegründet im April 2006 gemäß Beschluss vom 16. Dezember 2005.[4] Ihre Aufgabe ist die Sicherstellung des Projektmanagements der Bauarbeiten für die erste Linie der Straßenbahn Brest. Sie umfasst die folgenden sieben Partner:[5]

Finanzierung

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf 290 Millionen Euro (Stand 2006), die sich wie folgt aufteilen:[5]

  • Ingenieurleistungen und Projektmanagement: 53 Millionen Euro
  • Bau des Betriebshofs: 19 Millionen Euro
  • Kauf des Rollmaterials: 63 Millionen Euro
  • Kunstbauten: 7 Millionen Euro
  • Gleisbau und Ausrüstung: 156 Millionen Euro

Die Finanzierung erfolgt durch die städtische Transportsteuer (versement transport), durch Kredite, Zuschüsse des Staats und der Region, Einnahmen des Verkehrsbetriebs und Werbung.[5]

Streckenverlauf

Die Strecke verläuft längs einer Achse von Südwest nach Nordost. Ausgehend von der Route du Conquet im Südwesten erschließt sie die Viertel Saint-Pierre-Quilbignon und Recouvrance und überquert dann die Hubbrücke Pont de Recouvrance (die umfassend erneuert wurde).[6] Im Ortsteil Recouvrance verläuft die Strecke mit einer Steigung von 8,59 % auf der Rue Saint Exupéry, dies ist die größte Steigung, die in einem französischen Straßenbahnnetz befahren wird.[7] Nach der Hubbrücke folgt sie der Rue de Siam bis zum Place de la Liberté von wo aus sie der Rue Jean-Jaurès hinauf bis zum Place de Strasbourg folgt. Hier verzweigt sich die Strecke: ein Ast verläuft zum Gewerbegebiet Kergaradec, der andere nach Froutven.

Haltestellen

Streckenband an der Haltestelle Château/Kastell

Die Linie bedient 28 Haltestellen auf einer Strecke von 14,3 Kilometern, das entspricht einem mittleren Haltestellenabstand von 500 Metern.[8][9]

Die endgültigen Haltestellennamen wurden ein Jahr vor der Eröffnung der Straßenbahn am 22. Juni 2011 bekanntgegeben, mit Ausnahme der Haltestelle Polygon.[10]

Alstom Citadis 302 im Probebetrieb (2011)

Linie B

Zwei grün-schwarz-grau lackierte moderne Straßenbahnfahrzeuge mit etwas unterschiedlicher Frontgestaltung im Bereich einer ebenerdigen Haltestelle mit Seitenbahnsteigen. Links im Bild steht ein Wohnblock.
Citadis 302 (links) und Citadis 305 (rechts) an der Haltestelle Rives de Penfeld am Eröffnungstag der Linie B

Der Kommunalverband Brest Métropole Océane gab im Februar 2010 bekannt, dass bereits Studien für den Bau einer zweiten Strecke begonnen wurden. Bürgermeister François Cuillandre fügte außerdem hinzu: „Wir sind überzeugt, dass man die zweite Strecke fordern wird, sobald die erste in Betrieb ist.“

Die Linie B wurde am 14. Februar 2026 eingeweiht.

Streckenverlauf

Die Linie B ist 5,1 Kilometer lang und verläuft vom Nordwesten über das Stadtzentrum in Richtung Hafen. Die Fahrzeit zwischen der Endhaltestellen Gares am Bahnhof und CHU La Cavale am Universitätsklinikum Cavale Blanche beträgt 17 Minuten. Am Place de la Liberté wird die Linie A gekreuzt, wobei die Bauvorleistung von 2011 genutzt wurde.[11] Am Universitätsklinikum gibt es eine Abstellanlage für zwei Fahrzeuge und einen Schrägaufzug von der Haltestelle zum Eingang.[12] In früheren Planungen war dort noch ein vollständiger Betriebshof vorgesehen. Um die durch verschiedene Krisen aufgetretenen Kostensteigerungen teilweise zu kompensieren, wurde jedoch stattdessen der Betriebshof Plouzané an der ersten Strecke erweitert.[13]

Frühere Planungen, die Linie als Tram-Train nach Relecq-Kerhuon oder sogar bis Landerneau oder Morlaix zu führen, wurden nicht weiterverfolgt.[14]

Während des Baus der ersten Strecke im Jahr 2011 waren bereits verschiedene Vorleistungen erbracht worden, um den Bau der zweiten Linie ohne gravierende Störung des Betriebs auf der ersten zu ermöglichen: So war am Place de la Liberté die rechtwinklige Gleiskreuzung zum Boulevard Clemenceau[15] und eine Weiche für die Verbindung beider Strecken vorhanden.[16]

Jedoch stellten sich größere Probleme als beim Bau der ersten Strecke, insbesondere der Umbau des Place Albert I. und seines Tunnels sowie die Querung der Robert Schuman-Brücke und der Villeneuve-Brücke. Auf der Villeneuve-Brücke ist die Strecke eingleisig.[12]

Als mögliche Alternative für die zweite Linie wurde ein gemeinsamer Streckenabschnitt vom Hafen zum Place Albert I. diskutiert, von wo ein Ast über den Universitätscampus, Bellevue, die Handelsschule zum Krankenhaus Cavale Blanche entlang der jetzigen Buslinie 5 verlaufen wäre. Der zweite Ast wäre entlang der Rue Paul Doumer, dem Boulevard Léon Blum verlaufen und hätte dann die Viertel Kerichen, Lambézellec und Loscoat erschlossen.[17]

Haltestellen

Die Linie B bedient elf Haltestellen, darunter jeweils eine am Bahnhof, der Universität und am Universitätsklinikum (CHU Brest). Einige Haltestellennamen wurden im Rahmen der Bürgerbeteiligung festgelegt.[13]

Rollmaterial

In Brest werden fünfteilige Niederflur-Multigelenkwagen der Typen Citadis 302 und Citadis 305 eingesetzt. Beide Typen können im gesamten Netz eingesetzt werden.

Am 29. Mai 2008 wählte eine Jury aus 123 Menschen die Gestaltung der für die erste Strecke beschafften Citadis 302 aus. Die Wagen sind anisgrün lackiert, der Innenraum ist himbeerrot und blau gestaltet. Das äußere Design erinnert an die Form einer Welle, mit großen Glasflächen.[18]

Nachdem Brest die Gestaltung seiner Züge Dijon überlassen hatte, wo im Herbst 2012 auch ein Straßenbahnnetz in Betrieb gegangen ist, unterzeichneten Brest und Dijon am 27. November 2008 eine Vereinbarung zur gemeinsamen Beschaffung des Rollmaterials, um einen Auftrag über 53 Züge anstelle von nur 20 Zügen allein für Brest ausschreiben zu können.[19][20][21]

Am 15. September 2009 wurde von den Kommunalverbänden der Großräume Brest und Dijon bekannt gegeben, dass Alstom die Ausschreibung für die Lieferung der Straßenbahnwagen (20 für Brest, 33 für Dijon) zu einem Gesamtpreis von 106,5 Millionen Euro gewonnen hat. (42,6 Millionen Euro für Brest und 63,8 Millionen Euro für Dijon) Dies sei eine Ersparnis von 24 % verglichen mit den ursprünglichen Ansätzen und fast 30 % im Vergleich zu kurz zuvor unterzeichneten Verträgen, wie zum Beispiel in Marseille, gaben die Abgeordneten beider Kommunalverbände bekannt.[22]

Auch für die Deckung des Mehrbedarfs durch die zweite Strecke entschied sich Brest Métropole für eine Gemeinschaftsausschreibung, nun mit Besançon und Toulouse. Im April 2023 wurde der Auftrag ebenfalls an Alstom vergeben. Für die Straßenbahn Brest umfasst die Bestellung acht Citadis 305 zu einem Preis von 28,3 Millionen Euro.[23] Der erste Wagen wurde im September 2025 ausgeliefert.[24]

Siehe auch

Commons: Straßenbahn Brest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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