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Strafjustizzentrum München

Gerichtsgebäude in München From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Strafjustizzentrum München bündelt in der Dachauer Straße die Standorte von allen in München ansässigen Staatsanwaltschaften und Strafabteilungen, bzw. -kammern der Ordentlichen Gerichtsbarkeit in einem Gebäude. Lediglich auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt München gibt es noch einen weiteren Hochsicherheitsgerichtssaal.

Strafjustizzentrum München, Neubau am Leonrodplatz (2021)

Untergebrachte Behörden und Gerichte

Folgende Behörden und Gerichte sind im Strafjustizzentrum untergebracht:

Mit dem im Juli 2026 abgeschlossenen Umzug in das neue Gebäude sind erstmals alle Standorte der Münchner Staatsanwaltschaften unter einem Dach[1]. Zuvor waren einzelne Abteilungen auf Außenstandorte ausgelagert gewesen.

Gebäude (seit 2026)

Bauphase

Der Spatenstich für das zu seiner Zeit größte öffentliche Hochbauprojekt des Freistaats Bayern fand am 25. November 2015 statt.[2] Der Neubau soll zum Leonrodplatz sieben Stockwerke hoch werden, während die rückseitige Bebauung mehrheitlich sechs- und fünfgeschossig werden soll.[3] Das neue Strafjustizzentrum gestaltet sich nach außen geschlossen und verfügt über drei Innenhöfe, die begrünt werden und zum Teil für die Anfahrt der Gefangenentransporte verwendet werden sollen. Die Außenfassade prägt eine dichte Fassadengliederung mit fast bodentiefen Fensterfronten, die zum Leonrodplatz durch einen verglasten Fassadenrücksprung aufgebrochen wird. Der Fassadenrücksprung erstreckt sich über zwei Stockwerke und gewährt von der Straße einen Blick in die Bibliothek.[4] Insgesamt 54 Sitzungssäle beherbergt der Neubau, von denen der größte Saal mit einer Fläche von fast 300 Quadratmetern zu den größten Sitzungssälen Deutschlands zählt.[5][6]

Auf die anfängliche Kritik am Standort des neuen Strafjustizzentrums, welcher im Gegensatz zum alten Standort über keine U-Bahnhaltestelle verfügt, will die Münchner Verkehrsgesellschaft mit dem Kauf neuer Trambahnen und einer Taktverdichtung reagieren.[7] Diese sind länger als die alten Fahrzeuge und können pro Zug 260 anstatt wie bisher 220 Menschen aufnehmen. Die neuen Trambahnen sollen ab 2017 eingesetzt werden.[8]

Ursprünglich sollte der Neubau bereits 2020 in Betrieb genommen werden, später wurde der Termin auf 2024[9] und dann auf 2026[10] verschoben. Im Mai 2026 wurde nach 10 Jahren Bauzeit der Neubau eingeweiht.[11] Der Umzug erfolgte im Juni/Juli 2026.[1]

Kosten

Der Neubau auf einer Fläche von rund 39.000 Quadratmetern an der Dachauer Straße, Ecke Schwere-Reiter-Straße wurde anfänglich mit 200 Millionen Euro veranschlagt.[12][13] Bereits 2015 zeichnete sich ab, dass das Bauprojekt teurer wird. Es wurde daraufhin „mit einem Investitionsvolumen von mehr als 305 Millionen Euro“ beziffert.[14][15] Mit Stand 2020 betrugen die Kosten „knapp 400 Millionen Euro“.[16] Zur Inbetriebnahme wurden Kosten von 434 Millionen Euro genannt.[17]

Kontroverse

Wegen der Drohung anarchistischer Gruppen gegen die ausführenden Architekten wurde deren Büro 2015 polizeilich überwacht.[18] Bereits in der Planungsphase des Neubaus wurden in der Umgebung Wände beschmiert, Scheiben eingeworfen und Fahrzeuge angezündet. Mehr als 300 Straftaten hat die Polizei den Gruppen zugeordnet, der Schaden liegt bei 350.000 Euro.[19] Im April 2019 nahmen Beamte von Zoll, Steuerfahndung und Polizei bei einer Kontrolle auf der Baustelle 14 Personen wegen des Verdachts auf Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung fest.[20]

Standort in der Nymphenburgerstraße (bis 2026)

Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße (2005)

Der Standort des Strafjustizzentrums München in der Nymphenburger Straße in München-Maxvorstadt war ein Justizgebäude, welches in den 1970er Jahren auf dem Gelände des 1881 errichteten[21] und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Arzberger Kellers erbaut und 1977 eröffnet wurde. Es beherbergte die Strafabteilungen des Münchner Amtsgerichts sowie der Landgerichte München I und II. Die Staatsanwaltschaft München I hatte ihren Sitz im selben Komplex in der parallel verlaufenden Linprunstraße in einem über einen Durchgang verbundenen Gebäude.

Beschreibung

Das Strafjustizzentrum war seit der Fertigstellung im Jahr 1977[22] ein Dienstgebäude des Münchner Amtsgerichts, der Landgerichte München I und II, des Oberlandesgerichts und nach einer Pause auch wieder des Bayerischen Obersten Landesgerichts. Entsprechend der Namensgebung befanden sich in den Räumlichkeiten nur diejenigen Abteilungen und Kammern, die mit Strafsachen betraut sind. Die zivilrechtlichen Abteilungen des Münchner Amtsgerichts sowie die zivilrechtlichen Kammern der Landgerichte verteilten sich auf andere Gebäude. Ziel des Strafjustizzentrums war, die Strafverfolgungsbehörden und die zuständigen Gerichte in einem Gebäude zu bündeln, um zügige und reibungslose Hauptverhandlungen zu gewährleisten. Das Strafjustizzentrum verfügte auf mehr als 35 Tausend Quadratmetern über 49 Sitzungssäle.[23] Über die Jahre war der Baukörper so baufällig geworden, dass ein Neubau in München-Neuhausen, südlich des Olympiaparks, errichtet wurde. Zu den auffälligsten Mängeln zählten „plötzliche Stromausfälle“, „marode Toiletten“, eine bröckelnde Fassade und die begrenzte Tragfähigkeit der Tiefgarage.[24][25]

Bedeutende Strafprozesse

Das Haus war Schauplatz vieler bedeutsamer Strafprozesse mit in der Öffentlichkeit bekannten Angeklagten, so dem Koch Alfons Schuhbeck und den Fußballern Jerome Boateng und Jens Lehmann. Zu Unrecht saß der Schauspieler Günther Kaufmann auf der Anklagebank.

Verhandelt wurden die Morde an Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer. Der NSU-Prozess gegen die Terroristin Beate Zschäpe und weitere Mitangeklagte vor dem zuständigen Senat am Oberlandesgericht dauerte mehr als 400 Verhandlungstage in über fünf Jahren. Der Mord am Inka-Trail 1997 wurde von der ARD im Jahr 2025 als Vierteiler im Fernsehen rekonstruiert. Der Prozess gegen den früheren SS-Wachmann John Demjanjuk führte im Mai 2011 zu dessen Verurteilung zum Mord an Zehntausenden Juden, ein Urteil, das wegen des Todes Demjanjuks 2012 nie rechtskräftig wurde.[26]

Einzelnachweise

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