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Strawbs

britische Rock- und Folkrock-Band From Wikipedia, the free encyclopedia

The Strawbs waren eine britische Rock- und Folkrock-Band, die seit Mitte der 1960er Jahre zusammenspielte. Sie lösten sich 2023 auf.

The Strawbs, 2012

Bandgeschichte

Bandleader, Gitarrist und wichtigster Songschreiber der Strawbs war Dave Cousins (1945–2025), der die Band im Jahr 1964 mit Tony Hooper (Gitarre) und Ron Chesterman (Kontrabass) unter dem Namen „The Strawberry Hill Boys“ gründete. Anfangs eher zum Bluegrass tendierend, entwickelte sich das Trio allmählich zu einer akustischen Folkgruppe, die jedoch im Unterschied zu vergleichbaren englischen Gruppen jener Zeit darauf verzichtete, traditionelle Songs in ihr Repertoire aufzunehmen. 1967 produzierten die Strawbs in Dänemark zusammen mit der späteren Fairport-Convention-Sängerin Sandy Denny das Album All Our Own Work, das lange unbeachtet blieb und erst 1973 veröffentlicht wurde. Als erste offizielle Langspielplatte gilt somit Strawbs von 1969, der im nächsten Jahr Dragonfly folgte. Danach kam es zur Umbesetzung mit einer Hinwendung zum Folkrock. Der neue Bassgitarrist John Ford löste Ron Chesterman ab, und Rick Wakeman (Keyboards) sowie Richard Hudson (Schlagzeug) erweiterten die Gruppe zum nunmehr fünfköpfigen Ensemble. Ford und Hudson kamen von der Rockgruppe Velvet Opera.[1] Ihren Einstand auf dem Plattenmarkt gab die neue Strawbs-Formation mit dem viel beachteten Livealbum Just a Collection of Antiques and Curios, einem Mitschnitt ihres ausverkauften Konzerts in der Londoner Queen Elizabeth Hall am 11. Juli 1970.[1]

Bis 1978 erschien jedes Jahr eine neue Plattenproduktion, wobei zunehmend progressive Elemente und Anleihen beim Art Rock den Musikstil prägten. Bandmitglieder in dieser Zeit waren Blue Weaver, der auch bei Amen Corner, Mott the Hoople und den Bee Gees mitspielte, sowie Dave Lambert, Brian Willoughby, Chas Cronk und John Hawken (auch bei The Nashville Teens, Renaissance, Spooky Tooth und Vinegar Joe).

Nach dem Album From the Witchwood (1971) verließ Wakeman die Gruppe, weil seine musikalischen Vorstellungen sich von denen Cousins’ entfernt hatten, und ging später zu Yes. Für ihn kam Blue Weaver, der zuvor auch bei Fair Weather gespielt hatte. Das im Januar 1972 veröffentlichte Album Grave New World bedeutete den Durchbruch und verkaufte sich auch in den USA mehr als 60.000 Mal. Danach stieg Tony Hooper aus, neben Cousins das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Ihn ersetzte Dave Lambert von der King Earl Boogie Band. Weil die Strawbs nun im Fernsehen auftraten und ihre Lieder in Popsendungen des Rundfunks liefen, warfen puristische Folkanhänger ihnen vor, sich von ihrer ursprünglichen Richtung entfernt zu haben.[1]

Den größten kommerziellen Erfolg erreichte die Gruppe 1973 (in der Besetzung Cousins, Lambert, Hudson, Ford und Weaver) mit dem Album Bursting at the Seams und dem ausgekoppelten Single-Hit Part of the Union, der in Großbritannien Platz 2 der Charts belegte und in Deutschland bis Platz 31 kam.[2]

Die zeitgenössische Kritik sah darin keinen künstlerischen Fortschritt. Carmen Doyle nannte das Album in der Musikzeitschrift Sounds ein „cleveres Machwerk auf Hitparadenniveau“, mit dem man rasch vertraut, ihrer aber ebenso rasch wieder überdrüssig werde. Die Melodien seien weniger sorgfältig gearbeitet als auf den früheren Alben, und das ironisch-politische Part of the Union wirke innerhalb des Albums wie ein Fremdkörper. Wer sich mit der Gruppe bekannt machen wolle, solle nach wie vor zum Vorgänger Grave New World greifen, der die Strawbs endgültig über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt gemacht habe.[3]

Part of the Union löste in Großbritannien eine politische Debatte aus. Der New Musical Express titelte „Political row as unions rally to support Strawbs Hit Single“. Parlamentsabgeordnete nannten den Song „generally harmful“, andere sahen darin ein schlechtes Bild der Gewerkschaften gezeichnet, und bei der BBC gingen Beschwerden ein, weil sie ihn sendete. Die Gewerkschaften dagegen unterstützten das Lied und warben mit einer landesweiten Plakataktion um junge Mitglieder. Jack Jones von der Transport and General Workers’ Union lobte es ausdrücklich, ebenso ein Artikel im offiziellen Organ der Labour Party. Bassist John Ford sagte, der Song liege musikalisch nicht unbedingt auf der Linie der Band, man wolle die Leute aber mit Hilfe der Popmusik über die sozialen Zustände aufklären.[4]

Noch 1973 zerbrach diese Besetzung. Hudson und Ford verließen die Gruppe, um eine eigene Band zu gründen, Weaver kehrte zur Studioarbeit zurück. Cousins führte die Trennung auf musikalische Gegensätze zurück: Er habe seine langen Epen spielen wollen, die anderen ihre Popsongs.[5] Den Anstoß gab laut Sounds der Hit selbst: Ford und Hudson hatten Part of the Union ursprünglich unter einem Pseudonym veröffentlichen wollen, was Cousins ablehnte.[4] Wie Sounds im August 1973 meldete, wollte Cousins die Strawbs mit Dave Lambert und neuen Musikern fortführen.[6] Die neue Besetzung mit John Hawken (Keyboards), Rod Coombes (Schlagzeug), zuvor bei Stealers Wheel und Juicy Lucy, und dem Sessionmusiker Chas Cronk (Bass) veröffentlichte im August 1973 die Single Shine On Silver Sun und bereitete eine Europa- und USA-Tournee vor.[4] In Kopenhagen nahm sie das Album Hero and Heroine auf, das 1974 erschien.[5]

Anfang 2005 war die Gruppe als Acoustic Strawbs auf Tour durch England in der mittlerweile 24. Besetzung mit Cousins, Lambert, Hudson, Ford, Weaver und Willoughby.

2023 gaben sie ihr letztes Konzert und lösten sich anschließend auf.

Cousins, der Kopf hinter der Gruppe, verstarb im Juli 2025.

Diskografie

Alben

Weitere Informationen Jahr, Titel ...
Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[2][7]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  UK  US
1970 Just a Collection of Antiques and Curios
(Live at the Queen Elizabeth Hall)
— UK27
(2 Wo.)UK
—
1971 From the Witchwood — UK39
(2 Wo.)UK
—
1972 Grave New World — UK11
(15 Wo.)UK
US191
(5 Wo.)US
1973 Bursting at the Seams — UK2
(12 Wo.)UK
US121
(9 Wo.)US
1974 Hero and Heroine — UK35
(3 Wo.)UK
US94
(17 Wo.)US
1975 Ghosts — — US47
(13 Wo.)US
Nomadness — — US147
(6 Wo.)US
1976 Deep Cuts — — US144
(5 Wo.)US
1977 Burning for You — — US175
(4 Wo.)US
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Weitere Alben

  • 1969: Strawbs
  • 1969: Strawberry Music Sampler No. 1
  • 1970: Dragonfly
  • 1973: All Our Own Work (mit Sandy Denny)
  • 1978: Deadlines
  • 1987: Don’t Say Goodbye
  • 1990: Preserves Uncanned
  • 1991: Ringing Down the Years
  • 1995: Heartbreak Hill
  • 2001: Baroque and Roll
  • 2001: Strawberry Music Sampler No.1
  • 2002: Blue Angel
  • 2005: Painted Sky
  • 2006: A Taste of Strawbs (Box mit 5 CDs)
  • 2007: Alive in America
  • 2008: The Broken Hearted Bride
  • 2009: Dancing to the Devil’s Beat
  • 2011: Hero & Heroine in Ascencia
  • 2012: Of a Time

Livealben

  • 1992: Greatest Hits Live!
  • 1995: In Concert
  • 1999: Concert Classics – Volume 6
  • 2005: Live at Nearfest 2004
  • 2010: Live at the BBC Vol. One: In Session
  • 2010: Live at the BBC Vol. Two: In Concert (2 CDs)
  • 2011: Acoustic Gold (Acoustic Strawbs Live)
  • 2013: Recollection: Live 1970
  • 2026: A Glimpse of Heaven: Radio & TV Sessions 1966-1984 (5 CDs + 1 Blu-ray)

Kompilationen

  • 1973: Strawbs & Dave Cousins (mit Dave Cousins)
  • 1974: Strawbs by Choice
  • 1974: Early Strawbs (2 LPs)
  • 1977: Classic Strawbs (2 LPs)
  • 1978: The Best of Strawbs
  • 1983: Strawbs
  • 1992: A Choice Selection of Strawbs
  • 1997: Halcyon Days – The Very Best of the Strawbs
  • 1998: Ringing Down the Years / Don’t Say Goodbye … (2 CDs)
  • 2002: The Collection
  • 2002: Tears and Pavan – An Introduction to Strawbs

Singles

Weitere Informationen Jahr, Titel Album ...
Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[2]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  UK  US
1972 Lay Down
Bursting at the Seams
— UK12
(12 Wo.)UK
—
1973 Part of the Union
Bursting at the Seams
DE31
(7 Wo.)DE
UK2
(11 Wo.)UK
—
Shine On Silver Sun
Hero and Heroine
— UK34
(3 Wo.)UK
—
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Weitere Singles

  • 1968: The Man Who Called Himself Jesus
  • 1968: Oh How She Changed
  • 1968: Or Am I Dreaming
  • 1968: Poor Jimmy Wilson
  • 1970: Forever
  • 1971: Witchwood
  • 1971: Where Is This Dream of Your Youth
  • 1972: Benedictus
  • 1972: Here It Comes
  • 1974: Hero and Heroine
  • 1974: Round and Round
  • 1974: Hold On to Me (The Winter Long)
  • 1974: Grace Darling
  • 1975: Lemon Pie
  • 1975: Little Sleepy
  • 1976: I Only Want My Love to Grow in You
  • 1976: So Close and Yet so Far Away
  • 1976: Charmer
  • 1977: Back in the Old Routine
  • 1977: Keep On Trying
  • 1977: Heartbreaker
  • 1978: Joey and Me
  • 1978: New Beginnings
  • 1978: I Don’t Want to Talk About It
  • 1979: The King (mit Maddy Prior)
  • 1988: Let It Rain

Videoalben

  • 2002: Complete Strawbs: The Chiswick House Concert
  • 2003: Strawbs Live in Tokyo / Grave New World, the Movie
  • 2004: Acoustic Strawbs Live in Toronto
  • 2009: Acoustic Strawbs – Live at Hampton Court Palace

Einzelnachweise

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