Strawbs
britische Rock- und Folkrock-Band
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Bandgeschichte
Bandleader, Gitarrist und wichtigster Songschreiber der Strawbs war Dave Cousins (1945–2025), der die Band im Jahr 1964 mit Tony Hooper (Gitarre) und Ron Chesterman (Kontrabass) unter dem Namen „The Strawberry Hill Boys“ gründete. Anfangs eher zum Bluegrass tendierend, entwickelte sich das Trio allmählich zu einer akustischen Folkgruppe, die jedoch im Unterschied zu vergleichbaren englischen Gruppen jener Zeit darauf verzichtete, traditionelle Songs in ihr Repertoire aufzunehmen. 1967 produzierten die Strawbs in Dänemark zusammen mit der späteren Fairport-Convention-Sängerin Sandy Denny das Album All Our Own Work, das lange unbeachtet blieb und erst 1973 veröffentlicht wurde. Als erste offizielle Langspielplatte gilt somit Strawbs von 1969, der im nächsten Jahr Dragonfly folgte. Danach kam es zur Umbesetzung mit einer Hinwendung zum Folkrock. Der neue Bassgitarrist John Ford löste Ron Chesterman ab, und Rick Wakeman (Keyboards) sowie Richard Hudson (Schlagzeug) erweiterten die Gruppe zum nunmehr fünfköpfigen Ensemble. Ford und Hudson kamen von der Rockgruppe Velvet Opera.[1] Ihren Einstand auf dem Plattenmarkt gab die neue Strawbs-Formation mit dem viel beachteten Livealbum Just a Collection of Antiques and Curios, einem Mitschnitt ihres ausverkauften Konzerts in der Londoner Queen Elizabeth Hall am 11. Juli 1970.[1]
Bis 1978 erschien jedes Jahr eine neue Plattenproduktion, wobei zunehmend progressive Elemente und Anleihen beim Art Rock den Musikstil prägten. Bandmitglieder in dieser Zeit waren Blue Weaver, der auch bei Amen Corner, Mott the Hoople und den Bee Gees mitspielte, sowie Dave Lambert, Brian Willoughby, Chas Cronk und John Hawken (auch bei The Nashville Teens, Renaissance, Spooky Tooth und Vinegar Joe).
Nach dem Album From the Witchwood (1971) verließ Wakeman die Gruppe, weil seine musikalischen Vorstellungen sich von denen Cousins’ entfernt hatten, und ging später zu Yes. Für ihn kam Blue Weaver, der zuvor auch bei Fair Weather gespielt hatte. Das im Januar 1972 veröffentlichte Album Grave New World bedeutete den Durchbruch und verkaufte sich auch in den USA mehr als 60.000 Mal. Danach stieg Tony Hooper aus, neben Cousins das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Ihn ersetzte Dave Lambert von der King Earl Boogie Band. Weil die Strawbs nun im Fernsehen auftraten und ihre Lieder in Popsendungen des Rundfunks liefen, warfen puristische Folkanhänger ihnen vor, sich von ihrer ursprünglichen Richtung entfernt zu haben.[1]
Den größten kommerziellen Erfolg erreichte die Gruppe 1973 (in der Besetzung Cousins, Lambert, Hudson, Ford und Weaver) mit dem Album Bursting at the Seams und dem ausgekoppelten Single-Hit Part of the Union, der in Großbritannien Platz 2 der Charts belegte und in Deutschland bis Platz 31 kam.[2]
Die zeitgenössische Kritik sah darin keinen künstlerischen Fortschritt. Carmen Doyle nannte das Album in der Musikzeitschrift Sounds ein „cleveres Machwerk auf Hitparadenniveau“, mit dem man rasch vertraut, ihrer aber ebenso rasch wieder überdrüssig werde. Die Melodien seien weniger sorgfältig gearbeitet als auf den früheren Alben, und das ironisch-politische Part of the Union wirke innerhalb des Albums wie ein Fremdkörper. Wer sich mit der Gruppe bekannt machen wolle, solle nach wie vor zum Vorgänger Grave New World greifen, der die Strawbs endgültig über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt gemacht habe.[3]
Part of the Union löste in Großbritannien eine politische Debatte aus. Der New Musical Express titelte „Political row as unions rally to support Strawbs Hit Single“. Parlamentsabgeordnete nannten den Song „generally harmful“, andere sahen darin ein schlechtes Bild der Gewerkschaften gezeichnet, und bei der BBC gingen Beschwerden ein, weil sie ihn sendete. Die Gewerkschaften dagegen unterstützten das Lied und warben mit einer landesweiten Plakataktion um junge Mitglieder. Jack Jones von der Transport and General Workers’ Union lobte es ausdrücklich, ebenso ein Artikel im offiziellen Organ der Labour Party. Bassist John Ford sagte, der Song liege musikalisch nicht unbedingt auf der Linie der Band, man wolle die Leute aber mit Hilfe der Popmusik über die sozialen Zustände aufklären.[4]
Noch 1973 zerbrach diese Besetzung. Hudson und Ford verließen die Gruppe, um eine eigene Band zu gründen, Weaver kehrte zur Studioarbeit zurück. Cousins führte die Trennung auf musikalische Gegensätze zurück: Er habe seine langen Epen spielen wollen, die anderen ihre Popsongs.[5] Den Anstoß gab laut Sounds der Hit selbst: Ford und Hudson hatten Part of the Union ursprünglich unter einem Pseudonym veröffentlichen wollen, was Cousins ablehnte.[4] Wie Sounds im August 1973 meldete, wollte Cousins die Strawbs mit Dave Lambert und neuen Musikern fortführen.[6] Die neue Besetzung mit John Hawken (Keyboards), Rod Coombes (Schlagzeug), zuvor bei Stealers Wheel und Juicy Lucy, und dem Sessionmusiker Chas Cronk (Bass) veröffentlichte im August 1973 die Single Shine On Silver Sun und bereitete eine Europa- und USA-Tournee vor.[4] In Kopenhagen nahm sie das Album Hero and Heroine auf, das 1974 erschien.[5]
Anfang 2005 war die Gruppe als Acoustic Strawbs auf Tour durch England in der mittlerweile 24. Besetzung mit Cousins, Lambert, Hudson, Ford, Weaver und Willoughby.
2023 gaben sie ihr letztes Konzert und lösten sich anschließend auf.
Cousins, der Kopf hinter der Gruppe, verstarb im Juli 2025.
Diskografie
Alben
| Jahr | Titel | Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[2][7] (Jahr, Titel, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1970 | Just a Collection of Antiques and Curios (Live at the Queen Elizabeth Hall) |
— | UK27 (2 Wo.)UK |
— | |
| 1971 | From the Witchwood | — | UK39 (2 Wo.)UK |
— | |
| 1972 | Grave New World | — | UK11 (15 Wo.)UK |
US191 (5 Wo.)US |
|
| 1973 | Bursting at the Seams | — | UK2 (12 Wo.)UK |
US121 (9 Wo.)US |
|
| 1974 | Hero and Heroine | — | UK35 (3 Wo.)UK |
US94 (17 Wo.)US |
|
| 1975 | Ghosts | — | — | US47 (13 Wo.)US |
|
| Nomadness | — | — | US147 (6 Wo.)US |
||
| 1976 | Deep Cuts | — | — | US144 (5 Wo.)US |
|
| 1977 | Burning for You | — | — | US175 (4 Wo.)US |
|
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Weitere Alben
|
Livealben
Kompilationen
|
Singles
| Jahr | Titel Album |
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[2] (Jahr, Titel, Album, Platzierungen, Wochen, Auszeichnungen, Anmerkungen) |
Anmerkungen | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1972 | Lay Down Bursting at the Seams |
— | UK12 (12 Wo.)UK |
— | |
| 1973 | Part of the Union Bursting at the Seams |
DE31 (7 Wo.)DE |
UK2 (11 Wo.)UK |
— | |
| Shine On Silver Sun Hero and Heroine |
— | UK34 (3 Wo.)UK |
— | ||
Weitere Singles
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Videoalben
- 2002: Complete Strawbs: The Chiswick House Concert
- 2003: Strawbs Live in Tokyo / Grave New World, the Movie
- 2004: Acoustic Strawbs Live in Toronto
- 2009: Acoustic Strawbs – Live at Hampton Court Palace
