Studentenstreik in Paris 1229

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Der Studentenstreik in Paris 1229 begann im Frühling 1229 in der französischen Stadt Paris und erstreckte sich über zwei Jahre. Es handelte sich im Wesentlichen um einen Konflikt zwischen dem Bischof von Paris und Blanche von Kastilien, der Regentin des minderjährigen Königs Ludwig IX.

Vorgeschichte

Blanche von Kastilien

Die Universität von Paris war im Jahr 1200 gegründet worden und genoss europaweit einen ausgezeichneten Ruf. Sie wurde durch die Kirche verwaltet. Die Studenten benutzten Latein als Lingua franca und waren äußerlich durch die Tonsur erkennbar. Sie stammten aus unterschiedlichen Gegenden West-, Ost- und Nordeuropas, waren nach Nationes eingeteilt und gehörten mehrheitlich elitären oder aristokratischen Schichten an, da die Kosten für die Reise und den Aufenthalt an der Universität sowie die Studiengebühren für Unbemittelte unerschwinglich waren.[1]

Am Fastnachtsdienstag im März 1229, dem heutigen Mardi Gras, stritten sich in einer Kneipe im Faubourg Saint-Marcel einige angetrunkene Studenten mit dem Wirt wegen des Weinpreises. Am Tag darauf, dem Aschermittwoch, kamen einige von ihnen mit Holzknüppeln bewaffnet zurück, schlugen den Wirt und zerstörten das Lokal, worauf sich die Ausschreitungen auf die umliegenden Straßen im Quartier Latin ausweiteten. Da zu jener Zeit Studenten kirchlicher Gerichtsbarkeit unterstanden und nicht von weltlichen Gerichten belangt werden konnten, beschwerten sich Nachbarn zunächst bei kirchlichen Behörden, die sich sehr zurückhaltend verhielten.

Nun schaltete sich die Regentin Blanche von Kastilien ein und forderte Vergeltung. Die Universität gestattete der Stadtwache, die studentischen Randalierer zu bestrafen. Die königlichen Sergenten schritten mit unerwarteter Härte ein, fanden eine Gruppe von Studenten und töteten einige von ihnen. Ein englischer Chronist erwähnt, dass damals 300 Studenten in die Seine geworfen wurden.

Streik

Am 27. März 1229 begannen Professoren und Studenten der Pariser Universität einen Streik, der in der damaligen Terminologie als „cessatio“ bezeichnet wurde[2]. Da im Mittelalter die Universitäten nicht über eigene Gebäude verfügten, fiel es der Belegschaft leicht, sich an andere Orte zu begeben. Während zwei Jahren dozierten Pariser Professoren in anderen Universitäten, wie zum Beispiel an der Domschule von Reims, der Universität Toulouse, in Oxford oder Bologna.

Beilegung

Schließlich schritt Papst Gregor IX., der unter anderem in Paris studiert hatte, ein, um den Konflikt zu regeln. Er veröffentlichte am 13. April 1231 die Bulle Parens scientiarum (lateinisch für „Mutter der Wissenschaften“). Der Universität von Paris wurde das Streikrecht unter folgenden Bedingungen zugestanden:

  • Falls die Mietsteuer, d. h. die Begrenzung der Miete für Studentenheime nicht eingehalten wird;
  • Falls ein Professor oder Student verletzt oder getötet wird und dieser Person keine Gerechtigkeit widerfährt;
  • Im Falle einer ungerechtfertigten oder voreiligen Verhaftung von Studenten oder Professoren durch die weltliche Macht.

Von diesem Streikrecht wurde an der Sorbonne bis ins 15. Jahrhundert alle paar Jahre Gebrauch gemacht.

Die Bulle Parens scientiarum gilt im Bewusstsein der Pariser Universität als deren Magna Charta und führte zu mehreren Reformen in der mittelalterlichen Universität.

Einzelnachweise

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