Sumerische Königsliste

literarisches Keilschrift-Dokument mit der fiktiven Darstellung altorientalischer Herrscherdynastien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die sumerische Königsliste (abgekürzt auch SKL) ist ein antikes sumerisches Werk, das sumerische und akkadische Herrscher aus der Zeit vom Ende des vierten bis zum Beginn des zweiten Jahrtausends v. Chr. mit Namen, Herrschaftsort und Dauer der jeweiligen Regentschaft enthält. Vermutlich diente sie dazu, die Hoheitsansprüche verschiedener Königreiche und Stadtstaaten im südlichen Mesopotamien zu untermauern. Niedergeschrieben ist sie in sumerischer Sprache auf dem Weld-Blundell-Prisma, einem Keilschrift-Tonquader. Die Abfassung der sumerischen Königsliste wird frühestens in die Regierungszeit des Utuḫengal (Ende des dritten Jahrtausends v. Chr.), spätestens in die Isin-Epoche (Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr.) datiert.[1]

Das Weld-Blundell-Prisma mit der sumerischen Königsliste, ca. 1800 v. Chr., Ashmolean Museum, Oxford

Die Liste enthält auch eine Erwähnung der Sintflut:

„… Und dann kam die Flut. Nach der Flut kam das Königtum vom Himmel herab. Und das Königtum war in Kiš. …“

Deutsche Übersetzung[2]

Quellenlage

Die sumerische Königsliste ist von mehreren Schriftträgern überliefert. Der vollständigste und umfangreichste Text liegt in der Form eines Weld-Blundell-Prismas vor, benannt nach dem Forschungsreisenden Herbert Weld Blundell, der sechs Prismen 1922 aus dem Irak mitgebracht hatte. Das viereckige Prisma mit der sumerischen Königsliste wurde in der babylonischen Stadt Larsa am Euphrat gefunden, aber wahrscheinlich wurde es in Isin oder Nippur etwa um 1800 v. Chr. hergestellt. Das Objekt mit der Inventarnummer AN1923.444 befindet sich im Ashmolean Museum in Oxford.[3] Dabei handelt es sich um einen Tonquader, dessen vier in Keilschrift beschriebene Seiten jeweils 20 cm hoch und 9 cm breit sind. Der Quader ist mittig-vertikal durchbohrt, so dass er mit einer entsprechenden Aufhängung rotiert werden konnte. Es nennt die Namen der Könige, ihren Herrschaftsort und die jeweilige Dauer der Regentschaft.[4]

Die beschriebenen Herrscher

Die Königsliste ist eines der wichtigsten Zeugnisse zur sumerischen Geschichte und Chronologie. Problematisch ist jedoch, dass alle dargestellten Dynastien in einer chronologischen Abfolge gezeigt wurden, auch wenn die Dynastien – die sich meist nur auf Stadtstaaten oder lockere Oberhoheiten beschränkten – zum Teil gleichzeitig regierten.[5] Ebenfalls problematisch ist das Fehlen einiger wichtiger Dynastien, wie etwa der 2. Dynastie von Lagasch mit einem so bedeutenden Herrscher wie Gudea.

Die Königslisten wurden auch während der Herrschaft der Babylonier und Assyrer fortgeführt und reichen bis in die Zeit der Arsakiden im 2. Jahrhundert v. Chr.

Sumerische Könige (Stadtstaaten) „nach der Flut“:

Literatur

Commons: Weld-Blundell Prism – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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