Susanne Markos-Pusztai
ungarisch-deutsche Medizinerin
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Susanne Markos-Pusztai (* 25. März 1926 in Budapest) ist eine ungarisch-deutsche Medizinerin und ehemalige Hochschullehrerin für Mikrobiologie. Sie war die erste Frau, die sich an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen habilitierte und die erste ordentliche Professorin der Fakultät sowie die Gründerin des Instituts für Immunologie und zugleich die erste Frau im Amt der Institutsdirektoren.[1]
Leben und Wirken
Nach ihrem Abitur am Baár-Madas-Mädchengymnasium in Budapest studierte sie ab 1944 Medizin an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, das sie 1949 mit dem medizinischen Examen abschloss. Bereits ein Jahr zuvor und bis 1950 war sie als Assistentin am Institut für Mikrobiologie der Universität eingesetzt worden. Von 1954 bis 1957 erhielt sie eine Anstellung als wissenschaftliche Assistentin im Laboratorium der Anstalt für Geistes- und Nervenkrankheiten. Während dieser Zeit legte sie im Jahr 1956 ihre Promotion zum Dr. med. ab.[1]
Das Jahr 1956, das durch den Ungarischen Volksaufstand geprägt war, hatte auch maßgeblichen Einfluss auf Susanne Markos-Pusztai, die mittlerweile mit einem Immunologen verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter war. Obwohl ihr Mann die Flucht aus Ungarn in Betracht gezogen hatte, entschied sie sich zugunsten ihrer kleinen Tochter zunächst im Land zu bleiben. Sie wechselte an das Staatliche immunologische Forschungsinstitut „Human“ in Budapest, wo sie von 1957 bis 1960 als stellvertretende Abteilungsleiterin und von 1961 bis 1970 als Wissenschaftliche Abteilungsleiterin fungierte. Dennoch geriet die Familie sowohl unter dem sowjetischen Regime, das den Aufstand niedergeschlagen hatte und Säuberungswellen durchführen ließ als auch unter dem moskautreuen neuen Ministerpräsidenten János Kádár massiv unter Druck. Als schließlich der ältesten von mittlerweile zwei Töchtern, obwohl Jahrgangsbeste ihrer Klasse, die Aufnahme ins Gymnasium verwehrt wurde, weil sie nicht zur „Arbeiterklasse“ zählte, entschied sich die Familie letztendlich für die Flucht aus Ungarn und sie flohen im Rahmen eines Jugoslawienurlaubs über Österreich nach Deutschland.[1]
Schnell erhielt das Ehepaar dank zahlreicher Kontakte neue Stellenangebote und während ihr Mann als Chefarzt für Gefäßchirurgie am Marienhospital Aachen eine Anstellung fand, wurde Susanne Markos-Pusztai 1970 als Oberärztin in der Abteilung Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Aachen übernommen und habilitierte sich bereits ein Jahr später an der medizinischen Fakultät der RWTH Aachen. Dort wurde sie am 5. Juli 1971 als Privatdozentin für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie eingesetzt und am 25. Mai 1972 zur außerplanmäßigen Professorin ernannt. Zum 1. Januar 1980 folgte die Ernennung zur ordentlichen Professorin und am 1. Januar 1987 zur Universitätsprofessorin. Am 1. April 1991 wurde Susanne Markos-Pusztai emeritiert.[2]
Markos-Pusztai forschte unter anderem über das Einfrieren von Stammzellen aus dem Knochenmark zum Zwecke der Transplantation oder über das Auftreten verschiedener Autoantikörper und die Funktion von Suppressorzellen, die als regulatorische T-Zellen bezeichnet werden und Angriffspunkt moderner Immuntherapien sind.[1] Diese Ergebnisse flossen ein in mehreren gemeinschaftlich mit anderen Wissenschaftlern publizierten Fachaufsätzen.[3]
Schriften (Auswahl)
- Failure of Correlation between in vitro and in vivo Effect of T and B Cell Mitogens in the Mouse, Zeitschrift für Immunitätsforschung: Immunobiology, 1977, doi:10.1016/S0340-904X(77)80027-4
- S Markos-Pusztai et al.: Immundefektsyndrom bei Morbus Crohn, Springer 1978
- S Markos-Pusztai et al.: Gefrierkonservierung autologer und allogener peripherer Stammzellen (CFU-c) zur Rekonstitution geschädigter Hämatopoese nach Cytostatikatherapie, De Gruyter 1981
- S. Markos-Pusztai, I. Degener: Diphtherie-Erkrankungen: Mikrobiologische Diagnostik und epidemiologische Beobachtungen, Thieme 1981
- S. Markos-Pusztai et al.: Kasuistischer Beitrag zur autologen Retransfusion von Lymphozyten und Stammzellen bei Knochenmarkdepression unter der zytostatischen Behandlung des Mammakarzinoms, Gynäkologisch-geburtshilfliche Rundschau 1981
- S. Markos-Pusztai et al.: Einfluß der Retransfusion autologer Lymphozyten und Stammzellen auf die Immunkompetenz zytostatisch behandelter Patientinnen mit Mammakarzinom, Springer 1981
- S. Markos-Pusztai et al.: Neopterinbestimmungen zum Screening von Spongiosaspendern, Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie, 1990 doi:10.1055/s-2008-1039595
- S. Markos-Pusztai et al.: Escherichia coli of human origin binds to carcinoembryonic antigen (CEA) and non-specific crossreacting antigen (NCA), National Library of Medicine, 1990 doi:10.1016/0014-5793(90)80603-g
- S. Markos-Pusztai et al.: Binding of Escherichia coli and Salmonella strains to members of the carcinoembryonic antigen family: differential binding inhibition by aromatic alpha-glycosides of mannose, National Library of Medicine, 1991, doi:10.1128/iai.59.6.2051-2057.1991
- S. Markos-Pusztai et al.: The putative role of members of the CEA-gene family (CEA, NCA an BGP) as ligands for the bacterial colonization of different human epithelial tissues, National Library of Medicine, 1990 doi:10.1016/s0934-8840(11)80775-9
- S. Markos-Pusztai, G. Gillissen: Cefoxitin-Sensibilität von Serratia-Stämmen, Springer 2005
Weblinks
- Madeleine Gullert: „Ohne Arbeit ist kein Leben“: RWTH-Pionierin Susanne Markos-Pusztai wird 100, in: Aachener Zeitung vom 25. März 2026