Suzanne Buisson
französische Widerstandskämpferin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Suzanne Buisson (geboren als Suzanne Lévy am 19. September 1883 in Paris; vermutlich gestorben im Juli 1944[A 1] im KZ Auschwitz) war eine französische Widerstandskämpferin.

Leben
Suzanne Buisson wuchs in Dijon in bescheidenen Verhältnissen auf.[1] Sechzehnjährig kehrte sie 1899 nach Paris zurück und besuchte dort die Université populaire.[2] 1905 trat sie der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) bei.
Ihr erster Ehemann, Charles Gibault, fiel 1914 im Ersten Weltkrieg und sie heiratete 1926 Georges Buisson[3], einen der Führer der der SFIO nahestehenden Gewerkschaft Confédération générale du travail. 1931 gehörte sie zur Delegation der SFIO beim Kongress der Sozialistischen Arbeiterinternationale in Wien.[1] Sie war einige Zeit im Comité national des femmes socialistes[A 2] tätig und arbeitete als Redakteurin des Le Populaire.[1] Sie vertrat auch offensiv feministische Thesen und forderte „die ewig minderjährigen“ Frauen „von allen häuslichen Pflichten zu befreien und sie zu emotional, wirtschaftlich und intellektuell unabhängigen Wesen zu machen“.[2]
Während der Fluchtbewegung von 1940[A 3] verließ Suzanne Buisson mit ihrem Ehemann Paris und flüchtete nach Lyon. Nach einem Treffen mit Léon Blum nahm sie wieder Kontakt zu ihren ehemaligen sozialistischen Bekannten auf, um Philippe Pétain und seinem Vichy-Regime die Stirn zu bieten. Sie schloss sich Libération Sud an und nahm Kontakt zu L’Insurgé auf, einer geheimen Widerstandsbewegung in der Region Lyon. 1941 war sie Mitbegründerin und Vorsitzende des Comité d’action socialiste (Sozialistisches Aktionskomitee). 1943 wurde sie im Auftrag der Parti socialiste clandestine (Geheime Sozialistische Partei) Verbindungsagentin zwischen der besetzten Zone und der freien Zone und war außerdem für die Beziehungen zur Parti communiste français (Französische Kommunistische Partei) zuständig.[2][1]
Sie wurde am 1. April 1944 in Lyon festgenommen.[2] Ihre Spur verliert sich, aber dank eines Briefes von Marie-Louise Eymard[4] weiß man, dass sie im Gefängnis Montluc inhaftiert war. Laut Marie-Louise Eymard gab Suzanne Buisson während ihrer Verhöre keine Geheimnisse preis. Am 12. Mai verließ sie das Gefängnis in Richtung Fresnes, nachdem sie gefoltert wurde. Am 28. Juni 1944 kam sie schließlich in Drancy an.[2]
Als Jüdin und Widerstandskämpferin wurde sie am 30. Juni 1944 mit dem Transport Nr. 76 vom Lager Drancy nach Auschwitz-Birkenau deportiert.[5] Es ist nicht gesichert was mit ihr bei ihrer Ankunft in Auschwitz geschah, aber sie kehrte von dort nicht zurück.[2]
Gedenken
Léon Blum würdigte sie am 2. Februar 1946 in Le Populaire:
„Sie war eine vollendete, vorbildliche Aktivistin, von der die Partei alles verlangen konnte, die sich vor keiner Aufgabe scheute und die darüber hinaus dank ihrer absoluten Hingabe und Selbstlosigkeit in der Lage war, alle Aufgaben zu erfüllen. [...] Im normalen Leben der Partei scheute sie keine Aufgabe, im Untergrundkampf schreckte sie vor keiner Gefahr zurück.“
In Paris ist ein Platz nach ihr benannt; in vielen weiteren Städten gibt es Straßen und öffentliche Einrichtungen, die ihren Namen tragen.
Literatur
- Jean-Marc Binot: 100 ans, 100 socialistes. B. Leprince, 2005, ISBN 978-2-909634-94-4, S. 67 ff.
- Chantal Dossin: Elles étaient juives et résistantes. ES éditions Sutton, 2018, ISBN 978-2-8138-1112-7.
- Serge Klarsfeld: Le Mémorial de la déportation des Juifs de France. Beate et Serge Klarsfeld Nouvelle édition, 2012.
- Gérard Da Silva: Suzanne Buisson : socialiste, féministe, résistante. L’Harmattan, 2018, ISBN 978-2-14-010734-4 (google.de).
Weblinks
- Justinien Raymond, Chantal Dossin, Claude Pennetier: BUISSON Suzanne. In: Le Maitron. (französisch).
- Les figures féminines de la Résistance à Lyon. In: Lyon femmes. 26. Januar 2025 (französisch).
- Kevin Alleno: Suzanne BUISSON, pionnière du féminisme et héroïne de la Résistance. In: Les archives du PS du Morbihan. (französisch).
- Suzanne Buisson. In: THE HISTORICAL MARKER DATABASE. 3. Mai 2025 (französisch).
- Angaben zu Suzanne Buisson in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- Sowohl die französische als auch die englische Sprachversion nennen als Todestag den 5. Juli, ohne dass dafür ein Beleg vorliegt.
- Das Comité national des femmes socialistes (so in der französischsprachigen Wikipédia abzurufen) war eine Unterorganisation der SFIO zur Gewinnung weiblicher Mitglieder.
- Die von den deutschen militärischen Erfolgen ausgelöste Massenflucht; siehe dazu erläuternd Exode de 1940 en France in der frankophonen Wikipédia