Suzanne Perrottet
Schweizer Tänzerin und Pädagogin
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Suzanne Perrottet (* 13. September 1889 in Rolle; † 10. August 1983 in Zürich) war eine Schweizer Tänzerin, Tanz- und Bewegungs-Pädagogin, Choreografin und Musikerin.
Leben
Perrottet erhielt eine Ausbildung zur Violinistin am Genfer Konservatorium bei Émile Jaques-Dalcroze, später auch in seiner Spezialklasse für Rhythmische Gymnastik (Diplom 1909). Auf Kur im Sanatorium „Weißer Hirsch“ bei Dresden, in dem die Patienten gemäß lebensreformerischen Prinzipien gepflegt wurden, lernte sie Rudolf von Laban kennen und lieben. Zwischen ihr, Laban und seiner Frau entwickelte sich ein weitgehend harmonisches Dreiecksverhältnis. Sie blieb seine Geliebte und wurde Mutter des Sohnes Allar Perrottet (später André Perrottet von Laban). Perrottet zog 1915 mit Laban, seiner Frau Maja Lederer, deren zwei Kindern und Sohn Allar gemeinsam nach Hombrechtikon bei Zürich. Dort lebten sie in Armut ähnlich wie auf dem Monte Verità, indem sie Lebensmittel selbst anbauten, handwerkliche Arbeiten ausführten und ihre Kleidung selbst nähten.
Werk
1910 folgte Perrottet Jaques-Dalcroze an die Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus in Hellerau. Dort unterrichtete sie unter anderen Mary Wigman, Marie Rambert und Gustav Güldenstein. 1912/13 ging sie nach Wien, um Kurse in der Methode Jaques-Dalcroze zu geben. 1913 schloss sie sich Laban und wurde seine wichtigste Mitarbeiterin neben Mary Wigman und Katja Wulff, auf dem Monte Verità und in Zürich.[1] Suzanne Perrottet, Rudolf von Laban, Mary Wigmann und anderen entwickelten den Neuen Tanz um Disharmonie von Körper, Seele und Geist in der modernen Industriegesellschaft entgegenwirken. In der freien und ausdrucksvollen Bewegung sah man die Möglichkeit, die natürliche, ganzheitliche Harmonie des Menschen zurückzugewinnen. Perrottet entwickelte passend zu Reform-Gedanken bequeme Kleidung für Alltagsarbeit und Tanz.
1916–1917 nahm sie an Dada-Abenden im Cabaret Voltaire teil, indem sie am Klavier aktuelle Kompositionen unterschiedlicher Komponisten (u. a. Arnold Schönberg), eigene Werke und Improvisationen spielte.[2]
1918 übernahm Perrottet die ca. 1915 von Laban in Zürich gegründete Schule für Bewegungskunst. Den Schulnamen änderte sie mehrfach. Sie entwickelte ihr tanzpädagogisches Konzept eigenständig weiter und unterrichtete in ihrer Schule bis 1979.[3]
Ärzte wie Max Bircher-Benner und Carl Gustav Jung schickten ihre Patienten zu Perrottet, auch Lehrer, Architekten und Schauspieler besuchten ihre Schule. 1936 erhielt sie einen Lehrauftrag an der ETH Zürich für Rhythmische Gymnastik, Ausdrucksbewegung und Anleitung zu musikalischer Begleitung. Am Zürcher Bühnenstudio wurde Perrottet Lehrerin für Pantomime, Gymnastik und Tanz. In 1939 war sie Mitbegründerin und bis 1955 Vorstandsmitglied des Schweizerischen Berufsverbandes für Tanz und Gymnastik (SBTG).
Die Bibliothek des Kunsthauses Zürich übernahm 1990 den Nachlass Suzanne Perrottets als Schenkung von ihren Erben.[4]
Archiv
- Fonds documentaire Giorgio Wolfensberger: Suzanne Perrottet, Interviewaufzeichnung, A-1067, (Online bei Stiftung SAPA, Bern)
Literatur
- Ursula Pellaton: Suzanne Perrottet. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Ursula Pellaton: Suzanne Perrottet. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1394.
- Horst Koegler, Helmut Günther: Reclams Ballettlexikon. Reclam-Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-15-010328-2.
- Giorgio Wolfensberger (Hrsg.): Suzanne Perrottet – ein bewegtes Leben. Quadriga Verlag, Weinheim, Berlin 1995, ISBN 3-88679-246-3.
- Giorgio Wolfensberger (Hrsg.): Bewegungen. Aus dem Bildarchiv der Tänzerin Suzanne Perrottet. Frey Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-905929-50-8.
- Giorgio Wolfensberger und Margarete Berg (Hrsg.): Suzanne Perrottet – Die Befreiung des Körpers. Erinnerungen. Nimbus Kunst und Bücher, Wädenswil 2014, ISBN 978-3-03850-002-5.[2]
Weblinks
- Publikationen von und über Suzanne Perrottet im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Edith Wolf Perez: Suzanne Perrottet: «Die Befreiung des Körpers. Erinnerungen». In: tanz.at. 8. Januar 2016 (Rezension)
- Gisela Sonnenburg: Entdeckung einer stillen Revoluzzerin. In: Ballett-Journal. 31. Juli 2015 (Rezension des Buches Suzanne Perrottet: Die Befreiung des Körpers. Erinnerungen)