Suğla-Senke
Beckenlandschaft in der Südtürkei im Südwesten der Provinz Konya im südlichen Teil der Senkenzone Bozkır-Seydişehir-Beyşehir
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Die Suğla-Senke (türkisch: Suğla Ovası) ist eine intramontane Beckenlandschaft in der Südtürkei im Südwesten der Provinz Konya im südlichen Teil der Senkenzone Bozkır-Seydişehir-Beyşehir. Der Hauptort der dortigen Region ist die Kreisstadt Seydişehir (Provinz Konya). Die Senke enthält den Süßwassersee Suğla Gölü.
Zum Namen Suğla
Der Suğla Gölü (auch Karaviran-See; antiker Name: Trogitis[1]) in der Suğla Ovası ist ein temporärer See. In Trockenjahren sinkt sein Wasserspiegel, was nicht allein auf die schwankenden jährlichen Niederschläge zurückzuführen ist, sondern auch Ponore (Karstschwinden) an den Seeufern tragen dazu bei. Es gibt die Vermutung, dass der Name des Sees wahrscheinlich auf dieses Verhalten zurückzuführen ist: Im Türkischen bedeutet das Wort „suğulmak“ (auch soğulmak/suğalmak) so viel wie „Rückgang eines Flusses, eines Sees, einer Quelle oder eines Brunnens“. Zudem wird in der Region Konya mundartlich der Boden, der durch das periodische Zurückweichen des Wassers von Seen oder Sümpfen entsteht, von der Bevölkerung als „Suğla“ bezeichnet.[2]
Zur Lage

Die Suğla-Senke liegt in der inneranatolischen Provinz Konya 90 km südwestlich von Konya und gehört gemäß der regionalen Klassifizierung von 1941[3] zu einem Teil der Mittelmeerregion der Provinz Konya. Das Becken erstreckt sich in nordwest-südöstlicher Richtung innerhalb der Landkreise Seydişehir im Norden, Yalıhüyük im Südosten und Ahırlı im Süden. Der Suğla Gölü (seit 2004 ein Stausee) breitete sich bis 2003 (s. u.) in der Suğla-Senke auf einer Fläche von etwa 4000 Hektar aus, war durchschnittlich 4 m tief und maß an seiner tiefsten Stelle 10 m.[4] Die Suğla-Senke bildet einen Teil der nordwest-südöstlich verlaufenden Bozkır-Suğla-Beyşehir-Senkenzone (auch Beyşehir-Suğla-Senke) am nordöstlichen Rand des Westlichen Taurusgebirges in Südanatolien zwischen hohen Gebirgszügen mit zwei großen Süßwasserseen aus, dem Beyşehir-See (Beyşehir Gölü, 1110 m ü. M.) im Norden und dem Suğla Gölü (etwa 1040 m ü. M.) im Süden. Die gesamte ca. 150 km lange Beyşehir-Suğla-Senke ist im Allgemeinen etwa 25 km, an ihrer breitesten Stelle etwa 50 km weit und liegt in einer tektonischen Beckenfolge, die im Norden und Nordosten von den Sultan Dağları und im Südosten von vulkanischen Hochflächen mit Gipfeln zwischen 2200 und 2500 m über dem Meeresspiegel begrenzt wird, die die Beckenreihe von Beyşehir und Suğla von den trockenen zentralanatolischen Gebieten der Konya-Ebene und den Cihanbeyli-Hügeln trennen. Die Westseite der Senken wird vom zentralen Massiv des Westlichen Taurus gebildet, speziell von den Dedegöl Dağları (2992 m) bzw. vom Anamas Dağı (2395 m) und seiner südöstlichen Ausdehnung mit Gipfeln von fast 3000 m Höhe. Die beiden Seebecken sind unmittelbar südöstlich der Kreisstadt Beyşehir (Provinz Konya) durch eine breite 1200–1300 m hohe Hügelkette getrennt, die vom Beyşehir-Kanal (auch Çarşamba-Kanal; BSA-Kanal: Beyşehir-Suğla-Apa-Kanal), dem Abfluss des Beyşehir Gölü, durchschnitten wird. Die Suğla-Senke mit dem Suğla-See und der ausgedehnten Schwemmlandebene der Suğla Ovası - einschließlich des „Seydişehir-Bogens“ um den Ort Seydişehir nördlich davon - bilden darin den südlichen Teil.[5] Der Hauptort der Suğla-Senke ist die von Aluminium-Industrie geprägte Kreisstadt Seydişehir (Provinz Konya) etwa 16 km nordnordöstlich des Suğla-Sees mit 47138 Einwohnern (2022)[6] und den Koordinaten: 37° 25′ Nord, 31° 51′ Ost.
Geologisch-morphologische Aspekte


Dieses Suğla-Becken erstreckt sich grob in Nordwest-Südost-Richtung in einer tektonischen Senke von etwa 10–20 km Breite und umfasst ca. 180 km².[7] Im Nordosten wird die Ebene durch die Gevrekli-Ketenli-Akkise-Balıklava-Karayahya-Aufwölbungen begrenzt, die westlich von Akören aus mesozoischen neritischen und pelagischen Karbonaten bestehen, sowie durch die Vulkankegel entlang der Gökyurt-Yeşiltekke-Kayasu-Linie, die sich mit dem neogenen Vulkangebirge des Dedesivrisi Tepe (1919 m, Teil des 2310 m hohen Erenler Dağı) südöstlich vom neogenen Hauptvulkankegel des Erenler-Gebirges erstreckt.[8] Dieses Vulkangebirge ist relativ jung und besteht größtenteils aus Andesit und Andesittuffen, die das pliozäne Seebett deutlich überlagern, u. a. in der Nähe von Fasıllar, nordöstlich von Seydişehir. Der genaue Zeitraum des Vulkanismus ist unbekannt, erstreckt sich möglicherweise vom späten Pliozän bis weit ins Quartär. Sein Lavagestein wurde im Suğla-Becken seit mindestens der Jungsteinzeit häufig als Baumaterial verwendet, so z. B. am Gök Hüyük südlich von Seydişehir.[9] Im Osten grenzt die Suğla-Senke an die südlichen Ausläufer des Erenler Dağı (Aladağ 2252 m).

Im Westen und Südwesten wird das Becken von Teilen der Geyik Dağları umgeben, vom Büyüközet Dağı (2594 m), dem Gidengelmez Dağı (2321 m) und dem Haydardağı (2249 m).[10] Direkt am Rand der Ebene erheben sich mit oft steilen Hängen Gebirgszüge, wie der Esereyrek Dağı (2560 m), der Tınaz-Dağ (2006 m), der Yalıncak Dağı (2129 m) und der Küpe Dağı (2321 m), sowie weitere Höhen von über 2000 m. Sie bestehen, ebenso wie der weiter westlich gelegene Hochgebirgegürtel, vollständig aus einer mächtigen Abfolge reiner, gut geschichteter Kalksteine aus dem Jura und der Kreidezeit und zeigen, überlagert von einer Flysch-Serie aus dem Eozän, eine stark gefaltete und zerklüftete Struktur.[11][12][13] Das Alter des mesozoischen Kalksteins wird im Allgemeinen mit der Kreidezeit angegeben, obwohl seine Zeitspanne in einigen Gebieten von der Trias bis zum Eozän reicht.[14] Die dortige Deckstruktur zeugt nicht nur von intensiven Faltungsbewegungen in diesem Gebirgszug. Das westlich die Suğla-Ebene umgebende Kalkstein-Hochgebirge ist stark verfestigt und die gesamte Oberfläche von Dolinen, Uvalas und Poljen unterschiedlicher Größe bedeckt, die sich entlang tektonischer Verwerfungslinien gebildet haben.[15]

Dieser in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende „Steilabfall“, der den westlichen Rand der Suğla-Senke markiert, ist auffällig geradlinig und markant. Er weist stellenweise ein Relief von über 1000 m auf. Dabei handelt es sich zweifellos um eine Verwerfungsabbruchkante. Das Alter der Verwerfung lag wohl nach der Kreidezeit und vor dem Pliozän, da pliozäne Seeablagerungen die Senke ausfüllen. Wahrscheinlich ist ihr Alter mittel-tertiär, da eozäne und oligozäne (?) Schichten bei Faltungen an anderen Stellen im westlichen Taurus auftreten. Die westlich der Suğla-Senke aufragende Bergkette weist deutlich einen antiklinalen Hang auf, und dort an der Ostflanke der Tinaz-Antiklinale z. B. fallen die Kalksteinschichten zumeist in einem Winkel von 15°–30°nach Osten ein, der sich mit Annäherung an die Suğla-Ebene verstärkt und entlang ihres Randes zwischen Göyüzü und Bölme Burun zwischen 60°–90° variiert. Dies spricht für stufenförmige Verwerfungen bei der Bildung des Westrandes der Suğla Ovası und verdeutlicht zudem, dass sich die gesamte Ova in einem Senkungsbecken befindet. Nach dessen Entstehung war das Gebiet der gesamten Beyşehir-Suğla-Senke von einem ausgedehnten, flachen See aus dem Pliozän bedeckt. Überreste dieses Sees sind u. a. in den Ausläufern des Eşenler Dağı südöstlich des Suğla Gölü zu finden, wo sie in etwa einer Höhe um 1400 m vorkommen.[14] Darüber hinaus untermauert die ausgedehnte Bedeckung der Suğla Ovası und ihrer unmittelbaren Umgebung mit pliozänen Sedimenten die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gebiete während des Pliozäns innerhalb ihrer gebirgigen Umgebung Senken bildeten und mit Süßwasser- und Brackwasserseen bedeckt waren.[15] Das Westufer des einstigen Sees war felsig und steil, im Gegensatz zum flachen Ostufer. Dies deutet darauf hin, dass der See (auch die rezente Talsperre) auf einem Verwerfungsblock liegt, der nicht nur relativ zum Westufer abgesenkt, sondern auch rotiert wurde: Der westliche Rand des Blocks senkte sich stärker ab als der östliche.[14]




Im Norden der Senke, begrenzt im Westen von den Geyik Dağları mit dem Büyük Gözet Zirvesi (2529 m), erstreckt sich von Seydişehir nordwärts bis zum Becken des Beyşehir-Sees ein relativ niedriges, im Mittel 1200 m hohes Hügelgebiet der Kartalagac Tepeleri[16]. Dort weist die Suğla Ovası keine klar definierte morphologische Grenze auf. Die westlichen Teile dieses Hügelgebiets bestehen aus ordovizischen Schiefern, die östlichen aus pliozänen Mergel- und Kalkstein-Süßwassersedimenten, die zumeist horizontal liegen und stellenweise kaum gefaltet sind.[11] Dieser niedrige, breite Bergrücken, der heute die Region des Beyşehir Gölü vom Suğla Gölü trennt, wurde nach der Ablagerung der pliozänen Seebetten von einem Vorgänger des Beyşehir-Kanals und seinen Nebenflüssen, die im frühen Quartär im Wesentlichen in heutiger Form existierten, zerschnitten.[17] Dabei wurden dort offenbar alle pliozänen Ablagerungen vollständig abgetragen. Diese Phase der Tiefenerosion war nicht kontinuierlich und dürfte in Wirklichkeit komplex gewesen sein.[14] Der „Beyşehir-Kanal“ (BSA-Kanal), der den Abfluss des nördlichen Teils der Beyselıir-Suğla-Senke entwässert, floss noch bis vor einigen Jahrzehnten nach Süden in den Suğla Gölü, bevor der untere Teil seines Verlaufs erheblich verändert wurde: Dieser Drainagebach wird im Gebiet nördlich des Suğla-Sees auch als Kurukafa-Kanal bezeichnet und folgt heute einem künstlichen Kanal entlang der Ostseite des Suğla Gölü, wobei er den See vollständig umgeht. Er mündet beim Dorf Saray in den ursprünglichen Abfluss des Suğla Gölü und folgt von dort dem Balıklıavı-Kanal ostwärts zum Tal des Çarşamba Çayı und entwässert in dessen Canyon, wodurch das gesamte Wasser der Beyşehir-Suğla-Senke über die Hochwasserschutz-Talsperre der Apa Barajı des Çarşamba Çayı in die Konya-Ebene bei Çumra geleitet wird.[5]
Tektonisch-hydroklimatische Aspekte
Die Entstehung der Suğla-Ebene und auch des benachbarten Beyşehir-Seebeckens ist nach Nuri Güldalı auf tektonische Bewegungen im späten Pliozän bzw. frühen Quartär zurückzuführen.[18] Jüngere geotektonische Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass diese Senke wahrscheinlich bereits im mittleren Miozän durch ein transtensive Störung entstand, während einer Deformationsphase also, in der Dehnung (Extension) und Scherung (Strike-Slip/Blattverschiebung) gleichzeitig auftraten, die seit dem frühen Quartär primär von Dehnungstektonik beeinflusst wurde. Die heutige Senke besteht deshalb hauptsächlich aus Strukturen, die aus diesen tektonischen Phasen hervorgegangen sind. Demzufolge entwickelte sich das Suğla-Becken im mittleren Miozän zunächst unter einem feuchten und warmen Klima. Vom späten Miozän bis zum Pliozän war es dann von einem relativ trockeneren und zeitweise feuchteren Klima geprägt, ähnlich dem der zentralanatolischen Becken.[19]
Am Ende des Pliozäns wurde die Region um den heutigen Suğla-See in weiten Teilen durch vertikale Bewegungen auf seine gegenwärtige Höhe gehoben. Die rezenten Beckenteile mit dem Suğla-See hoben sich dabei allerdings nicht, sondern behielten ihre Position bei, möglicherweise sanken sie sogar teilweise ab. Der unter dem Grundwasserspiegel gebliebene Beckenboden füllte sie sich mit Wasser zu einem pliozänen See. Aufgrund des weitverbreiteten Vorkommens leicht erodier- und transportierbarer Materialien, wie vulkanische Tuffe und pliozäne Sedimente, in seiner unmittelbaren Umgebung füllte sich dieses alte Suğla-Seebecken während des folgenden Pleistozäns schnell auf, und die Mächtigkeit der alluvialen Deckschichten erreichte In den meisten Partien der Ebene 80–100 m, wobei das Becken während des gesamten Pleistozäns und des frühen Holozäns durchgehend von einem flachen Süßwassersee bedeckt gewesen zu sein scheint.[18] Jüngste Bohrungen des staatlichen türkischen Wasserwerks (Devlet Su İşleri / DSI) kamen im Zentrum der Senke sogar auf 185 m dicke Seesedimentschichten, eine mächtige Abfolge, die die ganzen Ablagerungen bis zum anstehenden Grundgebirge durchschneidet und wahrscheinlich die erste Sedimentaufzeichnung darstellt, die das gesamte Quartär umfasst. Die Ergebnisse deuten zudem auf ein flaches, bewachsenes und warmes Süßwassermilieu während dieser Zeit hin, obwohl in bestimmten Perioden mit sinkendem Seespiegel möglicherweise auch Brackwasserbedingungen vorherrschten.[20] Gemäß jüngerer Studien wird das Quartär des Suğla-Seebodens hauptsächlich durch fluviale und alluviale Fächerablagerungen repräsentiert. Die eingelagerten Ton-/Schlamm- und Kiesfolgen bedecken weitgehend den Flachboden. Andererseits enthalten die Tone auch bedeutende Torfschichten. Alle sedimentologischen Merkmale des Beckens deuten auf dynamische Ablagerungsmilieus hin, die unter wechselnden Klimabedingungen entstanden und möglicherweise durch Pluvial- und Interpluvialperioden beeinflusst wurden.[21]
Da die Gebirge am Westrand der Senke aus reinem Kreidekalkstein bestehen, konnten am Fuße der Gebirge karstische Lösungsprozesse durch den Suğla-See seit dem Pliozän wirksam werden, so dass der Westrand der Suğla-Ebene stark verkarstete. Diese Prozess war am stärksten in der Nähe von Dolinen und Quellen am Rand der Ebene, so dass der westliche Ova-Rand - im Gegensatz zum östlichen - ein stark gegliedertes Aussehen angenommen hat. Während sich im Norden, Süden und Osten Sandbänke und sandige Küstenstreifen bildeten oder sich lange, 4–5 m hohe und 25–30 m breite Terrassen aus dem Ebenengrund erheben, sind im Westen z. B. vor dem Dorf Susuz und in der Nähe des Mutlu-Plateaus rezent noch Reste von Hügel erkennbar, wo sich die Suğla-Ebene stellenweise auf Kosten der Gebirgskette um 200–300 m erosiv ausdehnen konnte. Diese horizontale Verkarstung setzt sich bis heute am westlichen Rand der Sugla-Ebene fort und hinterlässt dort bis in die Gegenwart steile Hänge.[18] Im Gegensatz zu einigen früheren Autoren (z. B. Lahn[17] und Erol[22]) war das Suğla-Becken seit seiner frühen Entwicklung kein geschlossenes Becken, und die Trockenperioden wirkten sich nicht in der gleichen Weise aus wie in den Becken von Konya und dem Tuz Gölü. Viele Merkmale deuten darauf hin, dass sich das Becken im mittleren Miozän unter feuchten Bedingungen entwickelte und anschließend von einem relativ trockenen Klima und erneut von einem feuchten Milieu geprägt war.[21]
Rezente klimatische Aspekte
Rezent weist das Gebiet um die Suğla-Senke Übergangsbedingungen zwischen mediterranem und kontinentalem Klima auf und zeigt dabei überwiegend kontinentale Klimamerkmale.[23] Das Becken erhält jährlich 300 bis über 500 mm Niederschlag, die umliegenden Gebirgskämme bis zu 1000 mm, größtenteils in Form von Schnee. Laut Daten der Wetterstationen Seydişehir beträgt der durchschnittliche Jahresniederschlag dort zwischen 740,78[24] und 750,3 mm[25]. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 11,5 °C.[24] Obwohl die Niederschlagsmenge in der Region schwankt, wird das Feuchtgebiet auf natürliche Weise von Niederschlägen und saisonalen Bächen beeinflusst. Diese Situation führte dazu, dass der Wasserstand des Sees von Zeit zu Zeit vorrückte und zurückwich. 1963 waren an den oberen Hängen bei Seydişehir noch sehr kleine Schneefelder zu finden, was auf eine lokale Schneegrenze bei etwa 3000 Metern hindeutet. Moränenrücken an den oberen Hängen lassen auf eine pleistozäne Vergletscherung dieser Berge schließen, obwohl diese nicht näher untersucht wurden.[5]
Hydrologische Aspekte
In den leichten Senken im zentralen Teil der von einer sehr mächtigen Schwemmlandschicht gefüllten Suğla Ovası trat bis zur Anlage des Stausees ganzjährig der Grundwasserspiegel frei, so dass dort ein etwa 2700 Hektar großes Gebiet durchgehend mit Schilf und Binsen bewachsen war. Obwohl der Grundwasserspiegel in der Senke je nach Jahreszeit nur geringfügig schwankte, sank er zu den Rändern der Ebene hin mancherorts während der nahezu regenlosen Sommer- und Herbstmonate auf eine Tiefe von 10–12 m ab, obwohl das Grundwasser vom Beyşehir-Kanal aus den Beyşehir Gölü und über die Karstquellen von Alagöz, Beldibi und Kuğulu am nordwestlichen Rand der Ebene gespeist wurde, die ganzjährig Wasser liefern: Der Grundwasserspiegel des westlich angrenzenden Karstgebirges wies dabei deutlich stärkere saisonale Schwankungen auf, bewirkte aber selbst in den trockensten Jahreszeiten, Sommer und Herbst, das das Grundwasser in der Karstberglandzone nördlich der Alagöz-Quelle nicht unter das Niveau der Ebene sank. Südlich der Alagöz-Quelle nahm er dann kontinuierlich ab und erreichte bei Susuz 7–8 m, bei Fasi 8–10 m und weiter südlich im Gebiet Koca Düden (Büyük Düden) und der Ponore Enişdibi, Derin Koyak, Mutlu und Bahçekaya (um die Erhebung von Bölme Burun) 18–20 m. Nach Einsetzen der winterlichen Regenfälle gegen Ende November stieg der Karstwasserspiegel auch im Gebiet zwischen den Quellen von Alagöz und Fası bis auf das Niveau der Ebene wieder an. Sobald der Grundwasserspiegel das Niveau der Ebene erreichte, trat im Karstgebirge Wasser an zwölf Hauptstellen aus - ausgenommen Quellen entlang des stark zerklüfteten und vorspringenden Küstenstreifens, die nur sehr wenig Wasser führen.[26] Diese Situation hat sich mit der Umwandlung des Sees zu einer Talsperre partiell in mancherlei Hinsicht vor allem für die bäuerliche Bevölkerung deutlich verändert (s. u. unter „Rezente Situation“).
Historische Aspekte
Der Suğla-See und sein Umfeld werden seit der Jungsteinzeit bis heute von Menschen genutzt. So verzeichnet eine Übersichtsskizze im Maßstab 1:250000 bei Ralph S. Solecki[27] in der Suğla Ovası zwischen Akçalar im Norden und Arvana im Süden 13 neolithische Siedlungshügel (Höyüks) und 3 Höhlen. Bei einer der letzteren, der İnönü Mağara Kalksteinhöhle, 32 m über dem Niveau der Suğla-Ebene in einer Bucht des ehemaligen Suğla Gölü, fand man Hinweise, dass diese Höhle in prähistorischer Zeit bewohnt war.[28] Zudem verdeutlichen Keramikfragmente in den oberen Schichten der Küstensande und die Existenz von acht neolithischen und jüngeren Höyüks (Siedlungshügel) entlang der Küstenstreifen des Suğla Gölü, dass der See seine Charakteristik bis ins späte Neolithikum beibehielt. Die damaligen Bewohner der Höyüks konnten im Sugla-See fischen und die dahinterliegenden Felder bebauen.[29] Auffällig sind in diesem Zusammenhang markante, verlassene Strandpartien etwa 3 Meter über dem heutigen trockenen Seeboden an den Ost- und Südufern des Suğla Gölü in der Nähe von Ortakaraviran und Yalıhüyük. Bei Ortakaraviran wurden prähistorische Höyüks durch Wellenerosion eines höheren Seepegels angeschnitten. Es gab am Suğla Gölü während der Jungsteinzeit oder jünger offenbar einen steigenden Wasserspiegel, der an diesen Strandpartien seinen Höhepunkt erreichte. Mehrere der damaligen Siedlungen, so z. B. Suberde, Eskiköy und Kul Adası, lagen auf Inseln oder unmittelbar am Ufer (Yalıhüyük) bzw. auf Landzungen (bei Ortakaraviran, Yalıhüyük, Burun und Alan).[30] Der Suğla-See war dabei von der Antike bis in die Gegenwart immer wieder von Überschwemmungen betroffen, die auch einen erheblichen Teil der Konya-Ebene überfluteten.[31] Die Anwohner solcher Feuchtgebiete versuchten, sich vor diesen Überschwemmungen zu schützen, indem sie ihre Siedlungen in sanft abfallenden und höher gelegenen Gebieten errichteten.[32] Der deutsche Geomorphologe Ervin Lahn (auch Erwin Lahn, in der Türkei bekannt unter dem Namen Emin İlhan) berichtete in diesem Zusammenhang 1948, dass der See etwa alle zwölf Jahre vollständig verschwindet, entweder aufgrund klimatischer Schwankungen (Niederschlag) oder durch das abwechselnde Öffnen und Schließen seines unterirdischen Abflusses.[17] Ausgrabungen an den Siedlungshügeln rund um den See belegen, dass bereits in der Jungsteinzeit wirtschaftliche Aktivitäten in enger Verbindung mit dem See stattfanden.[33] Um 6000 v. Chr. nutzten die Bewohner der Siedlungen rund um das Feuchtgebiet den See für landwirtschaftliche Zwecke. Und um 50 v. Chr. wurde das Gebiet bereits von den Homonaden kultiviert, einem antiken, kriegerischen Volksstamm, der Im 1. Jahrhundert v. Chr. erheblichen Widerstand gegen die römische Expansion leistete,[34][35][36][37][38] und über die auch der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon aus Amaseia in Pontos (Amasya) bereits u. a. im Zusammenhang mit Alexander dem Großen in seinem Werk Geographica berichtet.[39]
Während bis zum Jahr 2020 prähistorische Siedlungen um den Suğla-See aus dem Neolithikum und/oder der Kupfersteinzeit nur in Suberde und Gökhöyük Bağları Höyük näher erforscht waren, brachten neuere Untersuchungen Kulturreste aus dieser Zeit in sechs weiteren Siedlungen in der Region ans Licht. Man geht davon aus, dass diese Plätze frühestens auf das Ende des 7. Jahrtausends v. Chr. und/oder den Beginn des 6. Jahrtausends v. Chr. datiert werden können. Die gemeinsamen Merkmale der dort gefundenen Bestände deuten auf eine homogene Kultur in der Region hin und belegen eine damalige intensive Besiedlung des Gebiets um den Suğla-See. Die im Zuge der Oberflächenuntersuchungen identifizierten Artefakte machen deutlich, dass ein Großteil der Hügel damals bewohnt war. Dabei zeigen Keramikfunde in Kesecik Höyük, Göktürk Höyük, Eski Köy Tepe Höyük, Gemili (Bağra) Höyük, Akkise/Yahyalı Höyük und Balıklava/Karayaka Höyük ähnliche Merkmale sowohl hinsichtlich des Tongehalts als auch der Form und Oberflächenmerkmale auf. Funde aus der Eisenzeit und der hellenistisch-römischen Zeit deuten darauf hin, dass der Besiedlungsprozess in der Region bis zum Ende des 1. Jahrtausends v. Chr. andauerte. Strabon erwähnt in seinem Werk "Geographica" auch den Suğla Gölü als See Trogitis in Lykaonien zusammen mit dem Beyşehir Gölü: "Es gibt auch zwei Seen: den größeren, den Koralis-See, und den kleineren, den Trogitis-See."[1] Bis 400 n. Chr. war die Region um den See als Agrargebiet Roms bekannt und später von Byzanz. Das Gebiet um den Suğla-See war offenbar seit der Jungsteinzeit durchgehend eine bedeutende Siedlungsregion. Und die kleinbäuerliche Viehhaltung, die heute immer noch einen Teil der Lebensgrundlage der Bevölkerung dort bilden, war bereits in der Eisenzeit von wirtschaftlicher Bedeutung,[40] wobei zooarchäologische Untersuchungen der Region belegen, dass die Schaf- und Ziegenhaltung im Beyşehir-Seydişehir-Seebecken auch bis in die Jungsteinzeit zurückreicht.[41]
Osmanische Zeit
Die agrarwirtschaftliche Bedeutung des Suğla-Sees und seiner Umgebung blieb auch während der osmanischen Zeit bestehen, obwohl auf älteren topographischen und geologischen Karten im Maßstab 1:800.000 und 1:500.000 (1930 und 1940) die gesamte Suğla-Ebene als See dargestellt ist. Auf den neuesten topografischen Karten im Maßstab 1:25.000 seit 1960 erscheint sie aber als Ebene mit Schilf und Binsen im Zentrum und zeigt damit deutlich die hydro-klimatische Variabilität des Suğla-Beckens. In manchen Jahren war die Suğla-Ebene sehr fruchtbar, wobei nur ihr Zentrum mit Schilf bewachsen war, während der Rest landwirtschaftlich genutzt wurde. Da das Becken mit Schwemmlandböden bedeckt ist, ist es mit Ausnahme des Schilfgebiets landwirtschaftlich sehr ertragreich. In der Ebene wird hauptsächlich Landwirtschaft betrieben, wobei früher Kichererbsen die am weitesten verbreiteten Kulturpflanzen waren. Da Überschwemmungsereignisse am Suğla-Sees offenbar häufig auftraten, liegen 12 Dörfer unterschiedlicher Größe am äußeren Ebenenrand und 8 Bergdörfer in der Nähe der Ebene, da sie wirtschaftlich von der Suğla-Ebene abhängig sind.[7] Dabei war die Suğla Ovası In der osmanischen Zeit eines der wichtigen landwirtschaftlichen Gebiete, denn in den Trockenperioden des Suğla-Sees standen große Landflächen zur Verfügung, die hohe Ernteerträge ermöglichten. Ein Teil der dortigen Mukataa-Einnahmen[42][43] floss an die Staatskasse, der Rest wurde für verschiedene Dienstleistungen verwendet.
Der See konnte dennoch groß und tief genug werden, um ertragreiches Fischen zu ermöglichen, war sogar ein bedeutendes Fischereigebiet, besonders in Jahren mit Höchstwasserstand. Unter anderem war das Gebiet um den See ab 1501 vier Jahre lang überflutet.[44] In den 1620er Jahren, als Murad IV. seinen Feldzug gegen Bagdad unternahm, geschah das ebenfalls, so dass ein Dekret an die Provinz Karaman erlassen wurde, in dem die Trockenlegung der Suğla-Ebene als entscheidend für den Erfolg des Feldzugs angesehen wurde.[45] Während der osmanischen Zeit wurden 10 % der im See gefangenen Fische als Steuer an den Staat abgeführt. Der Fischreichtum des Sees wird auch in Katip Çelebis Werk „Cihânnümâ“ („Weltenspiegel“) aus dem 17. Jahrhundert (1648 ff) erwähnt. Der Verkauf der Fische sicherte der lokalen Bevölkerung ein gutes Einkommen. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1719 berichten von über 100.000 gefangenen Fischen, die für 75 Kuruş pro Oka[46] verkauft wurden.[47] Eine Studie der türkischen Historikerin Ayşe Değerli[42] an der Demokrasi Üniversitesi in İzmir weist darauf hin, dass Bemühungen zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzung des Suğla-Beckens weit zurückreichen. Weil Verstopfungen von Dolinen zu unerwünschten Seespiegelständen führten und in regenreichen Jahren die umliegenden Dörfer überschwemmten, gab es bereits in osmanischer Zeit erste Überlegungen, entsprechende Vorkommnisse über Trockenlegung des Suğlasees in der Suğla Ovası zu managen, und die Probleme der Anwohner veranlassten die lokalen Behörden Ende des 18. Jahrhunderts zum Handeln. So zählte es zu den Überlegungen des Sultans Selim III. während seiner Zeit in Konya Anfang des 19. Jahrhunderts, hinsichtlich der Probleme des Suğla-See einzugreifen.[48] In den 1820er Jahren versuchte der Gouverneur von Konya Çelik Mehmet Pascha, den Wasserspiegel des Suğla-Sees durch das Schließen der Dolinen und die Umleitung des Wassers in die Konya-Ebene zu managen. Dieser Versuch scheiterte, und das Schließen der Dolinen verursachte weitere Probleme. 1871 wurden die Dolinen auf Bitten der Dorfbewohner von Gouverneur İzzet Pascha wieder geöffnet.[49][50]
Zwischen 1850 und 1880 stieg die Zahl entsprechender Petitionen von Bewohnern der Seen Beyşehir und Suğla an das Verwaltungszentrum in Istanbul, und obwohl man seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Versuche unternahm den „Suğla-Sumpf“ zu säubern und trockenzulegen, blieben diese Initiativen zunächst erfolglos. Aus einem Schreiben des Großwesirats vom 1. September 1853[51] geht hervor, dass Pläne bestanden, das Wasser des Suğla-Gebiets zwischen Seydişehir und Bozkır abzuleiten und Kanäle in der Ebene anzulegen, um das überschüssige Wasser nach Konya zu bringen. Zu dieser Zeit war der Wasserstand des Sees vollständig zurückgegangen. In diesen Trockenjahren legte das zurückgehende Wasser eine Fläche von fast 200.000 Acres (etwa 810 km²) frei, die die Bewohner der umliegenden Dörfer bewirtschafteten und reiche Ernten einbrachten, die das Hundert- bis Hundertfünfzigfache der ursprünglichen Menge betrugen.[52] Über diese Fläche konnte der Staat z. B. unter Bedingungen der damaligen landwirtschaftlichen Praxis jährlichen Zehnteinnahmen von 10000 Kile erreichen.[53][54] Allerdings musste, um dies zu erreichen, zunächst der Suğla-See vollständig trockengelegt und durch die Umleitung des Abflusskanals sichergestellt werden, dass das Wasser des Beyşehir-Sees dauerhaft in die Ebene von Konya floss.[51] Allerdings konnten das gewünschte Ergebnis zunächst nicht auf Dauer erzielt werden, während die Bemühungen in diese Richtung über Jahre fortgesetzt wurden.[55][56]
Anfang des 20. Jahrhunderts gewann das Projekt zur Bekämpfung von Überschwemmungen in der Suğla Ovası an Dringlichkeit, als Ferit Pascha, der damalige Gouverneur von Konya und spätere Großwesir (1901), die Situation in Seydişehir, der Suğla-Ebene und den dortigen Seen erneut thematisierte. Damals war der Versuch eines Einheimischen namens „Kurukafa“ gescheitert, den Beyşehir-See in der Nähe des Suğla-Sees mit dem Çarşamba Çayı zu verbinden.[57] 1907 übernahm die Anatolisch-Osmanische Eisenbahngesellschaft (Société du Chemin de fer Ottoman d'Anatolie (CFOA)) die Arbeiten zur Hochwasserkontrolle und Bewässerung, und 1908 genehmigte Sultan Abdülhamid II. das Projekt. Die Annahme, dass die Trockenlegung des Sees Überschwemmungen und die damit verbundenen Schäden verhindern und die Ernteerträge während der natürlichen Rückgangsphase des Seebetts höher ausfallen würden, führte am 30. März 1913 zu dem Beschluss des Staatsrats, den See endgültig trockenzulegen[58] - auf folgendem Hintergrund:
1910/1911 hatten sich die größten bekannten Überschwemmungen am Suğla-See ereignet, als sich das mittlerweile begonnene Bewässerungsprojekt bei Çumra in der Konya-Ebene noch im Bau bzw. in der Planung befand. Hauptursache war die übermäßige Wasserführung des Beyşehir-Sees, so dass wegen fehlender Entwässerungs-Kanäle am Beyşehir-See die Fluten die Suğla-Ebene erreichten. Daraufhin forderte die Verwaltung von Seydişehir die vollständige Trockenlegung des Suğla-Sees, was aufgrund von Protesten aus der lokalen Bevölkerung mit der Begründung abgelehnt wurde, es sei „nicht richtig, ein Gebiet zu zerstören, um ein anderes zu sanieren“. Die Überschwemmungen rund um den Suğla-See nahmen jedoch zu. Die Dörfer Çiftlik, Kayacık, Erdoğan und Arasöğüt nördlich und nordwestlich des Bezirks Ahırlı wurden überflutet und beschädigt. Ähnlich verhielt es sich in Siedlungen, wie Susuz und Gölyüzü: Häuser wurden so weit überschwemmt, dass nur noch die Schornsteine sichtbar waren, und die Bewohner des Dorfes Gökhöyük zogen in Hütten, sogenannte „Cerke“, im Hochland. Materielle Verluste in den Siedlungen waren beträchtlich.[44]


Als Konsequenz wurde die Saray-Straße („Eski Saray Yolu“ = Alte Palaststraße) durch die Suğla Ovası für den Verkehr gesperrt.[59] Als Verbindungsstraße zwischen Ahırlı, Yalıhüyük und Seydişehir war sie Teil des Netzes anatolischer Seldschuken-Handelswege, eine Route, die von Zentralasien kommend über Konya und die Region Beyşehir/Seydişehir bis an die Ägäisküste führte. Dadurch wurde eine langfristige Lösung des Hochwasserproblems allerdings nicht erreicht. Die Bevölkerung begann entsprechend zu protestieren. Daraufhin wurde endlich der Entwässerungskanal „Saray Boğazı“ geöffnet[60], ein Regulierungskanal zur Bewirtschaftung des Suğla-Sees und der umliegenden Ebene, durch den Überschusswasser zum Apa-Stausee geleitet wird. Das Wassermanagement erfolgte seitdem über das Taşköprü-Regulierungsdammsystem, das mehr oder weniger gleichzeitig zwischen 1907 und 1914 errichtet wurde. Diese Anlage in Beyşehir dient als Hochwassersperre im Rahmen des Bewässerungsprojekts für die Konya/Çumra-Ebene und reguliert bis in die Gegenwart den Wasserabfluss des Beyşehir-Sees zum Çarşamba Çayı.[61]
Entwicklungen in der Republikzeit
Als 1918 in der Suğla Ovası aufgrund von Niedrig-Wasserstand des Suğla Gölü 160.000 Acres (647,50 km²) Land urbar gemacht, bestellt und geerntet wurden, scheiterten mancherorts Ernte, Transport und Vermarktung der Feldfrüchte am Mangel von Eselskarren, Transporttieren, Erntegeräten und Transportwegen. Der Schriftwechsel über die Umleitung des Suğla-Sees in die Konya-Ebene dauerte bis in die Republikzeit an. Noch in einem Schreiben vom 12. August 1923 wurde erklärt, der Seeablauf solle geändert und das Wasser nach Konya fließen.[62] 1963 war der Wasserstand des Suğla Gölü aufgrund ausbleibender Niederschläge so niedrig, dass weite Teile des ehemaligen Seebodens freilagen und die Uferlinie an der Nordostseite um ein bis zwei Kilometer und an der felsigen Westküste um mindestens einige hundert Meter zurückgewichen war.[63]
Rezente Situation
Die Trockenlegung des Sees dauerte bis Ende der 1990er Jahre an. Noch 1999 wurde ein Versuch unternommen, den See trockenzulegen, doch das Projekt, das 2003 abgeschlossen wurde, führte dazu, dass der See letztendlich vollständig künstlich angelegt ist. Die Wasserfläche, die ursprünglich 20.000 Hektar umfasste, wurde zunächst auf 2.500 Hektar verkleinert und nach Abschluss des Projekts im Jahr 2003 nochmals etwas vergrößert.[64] Seine Fläche, 1984 noch 89 km² groß, schrumpfte damit bis 2022 auf weniger als die Hälfte (38 km²). Wie anhand von Betonstrukturen auf Satellitenbildern erkennbar ist, wurde der neu angelegte Stausee etwas nordöstlich des alten Seegebietes errichtet.[65] Für die einzelnen von Hochwassergefahren "befreiten" Siedlungen rund um den Suğla-See zeigen die Daten des Türkischen Statistischen Instituts für das erste Viertel des 21. Jahrhunderts sehr unterschiedliche Einwohnerzahlen:
Wirtschaftliche Aspekte

Die Bevölkerung rund um den See lebt auch rezent noch hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehhaltung. Die Bewässerungslandwirtschaft ist direkt vom Wasserstand der neuen Suğla-Talsperre abhängig. Die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen erfolgt über Kanäle. Die Eignung der Oberflächenbeschaffenheit für den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen hat die Entwicklung der Landwirtschaft in der Region begünstigt. Aktuell wird ein Fünftel der Landfläche in Seydişehir und Yalıhüyük landwirtschaftlich genutzt. Eingriffe in den natürlichen Verlauf des Sees über viele Jahre hinweg hatten zur Vertiefung des Sees und seiner Einschließung durch einen Damm geführt, wobei Teile der fruchtbaren Flächen vollständig in Ackerland umgewandelt wurden. Rund um den Suğla-See werden unter anderem Weizen, Gerste, Kichererbsen, Zuckerrüben, Bohnen, Kürbiskerne, Mais und Mohn angebaut. Darüber hinaus werden auch Gemüsearten, wie Wassermelonen, Radieschen und Tomaten, sowie verschiedene Obstbäume, Äpfel, Sauerkirschen, Kirschen und Birnen, kultiviert. Eine Analyse der Agrarproduktion nach dem Jahr 2000 zeigt allerdings einen Wandel hin zum Getreideanbau auf Kosten der einstigen Kichererbsenkulturen, die nahezu verschwunden sind. Stattdessen belegten anno 2020 Kürbiskerne den fünften Platz.[67] Viehhaltung ist weiterhin eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung. Von den 60000 Rindern, die im Zentrum und den ländlichen Gebieten des Kreises Seydişehir gehalten werden, stammt etwa ein Viertel (16000) aus dem Einzugsgebiet des Suğla-Sees. Bienenzucht und Geflügelhaltung erfolgen eher im privaten Rahmen.[68][69]
Aufgrund der Umwandlung des Suğla-Sees 2003 in einen Stausee[70] und der Zerstörung des Schilfs im See haben sich die dort lebenden aquatischen Arten verringert und sich die Fischereiwirtschaft negativ entwickelt. Dennoch ist der Suğla-See auch heute noch ein wichtiger Fischereistandort. Rund 70 registrierte Fischer nutzen den See für diesen Zweck, mehr als zwei Drittel von ihnen leben dort, und ein Drittel von ihnen bestreitet den Lebensunterhalt ausschließlich mit der Fischerei, die übrigen betreiben sie als Nebenerwerb. Derzeit werden im See Fischarten wie Samtfische, Hechte, Graskarpfen, Barsche, Felchen und Flusskrebse gefangen. Allerdings ist der Verkauf von im See gefangenem Fisch außerhalb der mittlerweile gegründeten Genossenschaft verboten, wodurch die Dorfbewohner gezwungen sind, ihren Fisch zu den von der Genossenschaft festgelegten Preisen zu verkaufen, die deutlich unter den Marktpreisen liegen.[71]


Die Wirtschaft der Suğla Ovası außerhalb von Landwirtschaft und Fischerei wird maßgeblich durch die Industrie der Aluminiumwerke in Seydişehir und den Bauxit-Berbau in den Gidengelmez Dağları bei Madenli (Seydişehir, Provinz Konya) geprägt. Das Aluminiumwerk in Seydişehir ist die einzige Aluminium-Produktionsstätte in der Türkei, die Roh-Bauxiterz verarbeitet, ist ein zentraler Pfeiler der lokalen Wirtschaft, wichtigster dortiger Arbeitgeber und industrielles Zentrum der Region. Nach der Entdeckung von Bauxitlagerstätten im Gebiet zwischen Seydişehir und Akseki im Jahr 1962 begann man nach einem Abkommen mit der UdSSR am 13. Oktober 1969 das Projekt der Aluminiumindustrie in Seydişehir mit dem Bau des Werks. Im März 1973 nahm man den Betrieb auf und begann mit der Produktion im Jahr 1974. Das Werk wurde 2005 von der Cengiz Holding[72] übernommen, einem der führenden türkischen Mischkonzerne in den Bereichen Bau, Energie, Bergbau, Tourismus und Hafenbetrieb, der nach wie vor der einzige Aluminiumproduzent in der Türkei ist, der den gesamten Prozess vom Erzabbau bis zum Endprodukt abdeckt.[73][74]


Die beiden größten entsprechenden Lagerstätten des Bauxit-Gebietes von Seydişehir befinden sich im Grenzbereich der Landkreise Akseki (Provinz Antalya) und Seydişehir (Provinz Konya) südöstlich von Madenli (ehemals Keçili bzw. Elmasut) in den Gidengelmez Dağları (Taurusgebirge). Die wichtigste ist Mortaş oberhalb der Stadt Seydişehir. Es handelt sich um Diskordanz-Lagerstätten im Karst, wo das Erz auf einer durch Verwerfungen geprägten Karstfläche der cenomanen Kalksteinabfolge abgelagert und von 5 bis 10 cm mächtigem santonischem Kalkstein überlagert wurde. Die Bauxitminerale sind braun bis rot, massiv und weisen eine oolithisch-pisolithische Textur auf. Die Mineralisierungen bildeten sich auf dem Kamm des Taurusgebirges in über 1500 m Höhe, verlaufen annähernd in Nord-Süd-Richtung mit einer Mächtigkeit von 1 bis 40 m und werden häufig von verschiedenen Normalverwerfungen durchschnitten. Die Lagerstätte Mortaş zählt zu den bedeutendsten Bauxitminen der Türkei. Die von 1970 bis 1980 durchgeführten Explorationsstudien ergaben, dass Mortaş 10,9 Millionen Tonnen Erz mit einem Al₂O₃-Gehalt von ca. 50 % aufweist. Bis 1999 wurden sechs Millionen Tonnen Erz abgebaut, sodass noch Reserven von etwa fünf Millionen Tonnen verblieben. Die 2 km südwestlich gelegene Bauxitlagerstätte Doğankuzu verfügt über 14,9 Millionen Tonnen Erz mit einem Al₂O₃-Gehalt von ca. 61 %. Weitere 14 weniger bedeutende Vorkommen befinden sich im Umfeld dieser beiden Linsen. Die übrigen 40 Deposite, darunter 9 größere, sind auf ein Gebiet von 25 × 50 km in meist schwer zugänglichem Hochgebirgsbereiche verstreut.[75][76]
Literatur (chronologisch)
- William R. F. Ferrand: Geology and physiography of the Beyşehir-Suğla depression, Western Taurus Lake District, Turkey. In: Türk Arkeoloji Dergisi 13, 1965, S. 149–154.
- Nuri Güldalı: Suğla Ovasının Karsthidrojeolojisi ve Suğla Gölü Sorunu. - Karsthydrogeologie of Suğla Plain and Suğla Lake problem. In: Jeomorfoloji Dergisi 10, 1981, S. 33–57.
- Ayşe Değerli: Osmanlı Dönemi’nde Suğla Gölü’nü Islah Çalışmaları ve Suğla Mukataası / Rehabilitation of Lake Suğla in the Ottoman Era and Mukataa Suğla. In: Tarih Okulu Dergisi (TOD) / Journal of History School 7, 18, Bornova-İzmir 2014, S. 319–336.
- Ramazan Gündüz: Suğla Gölü Çevresi Prehistorik Dönem Yüzey Araştırması 2020 Yılı Çalışmaları. In: Selçuk Üniversitesi'nin Edebiyat Fakültesi Dergisi (SEFAD) 46, 2021; S. 215–236.
- Alper Gürbüz, Nizamettin Kazancı, H. Yavuz Hakyemez, Suzanne A. G. Leroy, Neil Roberts, Gerçek Saraç, Zeynep Ergun, Sonay Boyraz‑Arslan, Esra Gürbüz, Koray Koç, Özgür Yedek, Tahsin Onur Yücel: Geological evolution of a tectonic and climatic transition zone: the Beyşehir‑Suğla basin, lake district of Turkey. In: International Journal of Earth Sciences 110, 2021, S. 1077–1107.
- Mücahit Coşkun, Duygu Minaz: Suğla Gölü (Konya) alansal değişiminin (1984/2022) uzaktan algılama Mücahit ve CBS teknikleriyle analizleri. - Analysis of Suğla Lake (Konya) Spatial Change (1984-2022) with Remote Sensing and GIS Techniques. In: International Journal of Geography and Geography Education 52, 2024, S. 141–158.
- Mustafa Hasbek, Ali Yiğit: “Gölümüz var ama suyumuz yok”: Suğla gölü'nün (Konya) kültürel ekolojisi. In: Uludağ Üniversitesi Fen-Edebiyat Fakültesi Sosyal Bilimler Dergisi 26, Ausgabe 48, Bursa 2025, S. 149–177.