Synagoge Castelo de Vide

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Die ehemalige Synagoge in Castelo de Vide stammt noch aus der Zeit vor der Vertreibung der Juden (1497) und ist eine der beiden erhaltenen mittelalterlichen Synagogen in Portugal. Das Gebäude aus dem späten 14. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz und beherbergt seit 2019 ein Jüdisches Museum.

Schnelle Fakten Daten, Besonderheiten ...
Synagoge Castelo de Vide
Die ehemalige Synagoge in Castelo de Vide (2010)

Die ehemalige Synagoge in Castelo de Vide (2010)

Daten
Ort Castelo de Vide
Bauherrin Jüdische Gemeinde Castelo de Vide
Baustil Gotik
Baujahr spätes 14. Jahrhundert
Grundfläche ca. 80 
Koordinaten 39° 25′ 3,1″ N,  27′ 24,3″ W
Synagoge Castelo de Vide (Portugal)
Synagoge Castelo de Vide (Portugal)
Besonderheiten
Gotischer Bau unter Denkmalschutz (Imóvel de Interesse Público)
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Lage

Im an der spanischen Grenze gelegenen Castelo de Vide befindet sich die Synagoge im Norden der Stadt im mittelalterlichen Judenviertel nahe der gleichnamigen Burg Castelo de Castelo de Vide. Dort liegt sie auf einem Eckgrundstück der Kreuzung von Rua da Judiaria und Rua da Fonte. Das Viertel gehört wie weite Teile des Stadtgebiets zur Freguesia Santa Maria da Devesa. Hier lebten die Juden zunächst nicht in einem Ghetto, sondern Seite an Seite mit den Christen.[1]

Geschichte

Zusammen mit der Synagoge von Tomar ist sie eine der beiden noch existierenden Synagogen aus der Zeit vor der Vertreibung der Juden aus Portugal. Tatsächlich war lange nicht eindeutig geklärt, ob das Gebäude wirklich eine Synagoge war: Beim Bau wurde darauf geachtet, bei Christen keine Aufmerksamkeit zu erregen oder diese zu beleidigen. So wirkt das Haus äußerlich wie ein Wohnhaus, unterscheidet sich aber durch seine Größe und das Fehlen von Schornsteinen von den umliegenden Gebäuden.[2]

Wie das Judenviertel stammt die Synagoge aus dem späten 14. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie bereits erwähnt, das Baudatum ist jedoch unbekannt.[3] Damit ist sie älter als die Synagoge von Tomar, die aus dem späten 15. Jahrhundert stammt.[4] Selbst nach der Vertreibung der portugiesischen Juden durch König Manuel von Portugal im Jahr 1496 nutzten Marranen die Synagoge noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts weiterhin als Gotteshaus und als Schule.[5]

Von Mitte des 16. Bis ins 18. Jahrhundert wurde zumindest das Untergeschoss nicht genutzt, und vermutlich war das gesamte Gebäude verlassen.[6] Ende des 18. Jahrhunderts fanden umfangreichen Renovierungsarbeiten statt, um es zu einem Wohnhaus umzubauen. Dabei wurden Schornsteine eingebaut und wahrscheinlich auch die Tür zwischen dem Männer- und dem ehemnaligen Frauenbereich eingefügt.[3] Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Untergeschoss als Stall genutzt.[7]

Bei der durch eine Privatperson finanzierten Restaurierung wurde 1972 eine bislang verborgene Struktur entdeckt, die als Toraschrein eingestuft wurde.[3][5] Von 1988 bis 1989 fanden im Untergeschoss archäologische Arbeiten statt.[8] Im Oktober 2000 stürzte der Fußboden neben dem Tabernakel teilweise ein.[3] Im Jahr 1989 besuchte der damalige portugiesische Staatspräsident Mário Soares die kleine Synagoge von Castelo de Vide und nutzte diesen Rahmen, um sich für Portugal bei Juden für die Verfolgungen während der Inquisition zu entschuldigen.[9]

Die Synagoge wurde am 21. Dezember 1974 als Gebäude von öffentlichem Interesse (Imóvel de Interesse Público) eingetragen und steht damit unter Denkmalschutz.[3] Erst in dieser Zeit erhielt die Synagoge den Namen Beit-ha-Midrasch-Sefardin.[5]

Beschreibung

Blick auf Hanglage der Synagoge

Das Eckgrundstück befindet sich in einer Hanglage und umfasst Synagoge sowie ein Nebengebäude mit Schule und Wohnbereich. Die Synagoge liegt in einer Ost-West-Ausrichtung. Der westliche, traufständige Gebäudeteil liegt mit Haupteingang mit drei Spitzbogentüren ebenerdig an der Rua da Judiaria, und der südliche Teil an der Rua da Fonte weist zusätzlich ein Untergeschoss mit einer weiteren Spitzbogentür auf. Das Gebäudegrundriss hat eine Fläche von knapp 80 Quadratmetern.[10]

Die zentrale Zugangstür im oberen Geschoss weist eine Vertiefung für eine Mesusa auf. Sie diente zur Aufbewahrung einer Schriftkapsel mit einer kleinen Schriftrolle, auf der einige Worte des Schma Jisrael, des grundlegenden jüdischen Gebets, niedergeschrieben waren. Im oberen Geschoss befand sich auch der zentrale Gebetsraum, in dem sich die Männer der Gemeinde trafen, während den Frauen ein separater Raum mit einem eigenen Zugang auf der rechten Seite vorbehalten war.[11][3]

Das Untergeschoss wurde lange Zeit als Wirtschaftsraum genutzt. Bis Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts befanden sich dort in den Boden eingelassene Silos, die vermutlich zur Lagerung von Getreide genutzt, aber aufgrund der hohen Bodenfeuchtigkeit, aufgegeben wurden. Die Vertiefungen im Kellerboden stammen eindeutig durch die Füllung der Silos. Diese Vertiefungen wurden ursprünglich als ehemaliger Brunnen einer Mikwe gedeutet. Das Vorhandensein einer Mikwe konnte eindeutig ausgeschlossen werden. Zudem befanden sich im Untergeschoss Wohnräume.[12]

Jüdisches Museum

Toraschrein der Synagoge im Museum

Seit April 2019 beherbergt das Gebäude ein kleines Museum, das der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Castelo de Vide gewidmet ist. Im Inneren können Besucher den originalen Toraschrein besichtigen, in dem die Torarollen aufbewahrt wurden. Eine kleine Ausstellung veranschaulicht das jüdische Leben in der Stadt.[13][10]

Literatur

  • Carmen Balesteros, Jorge de Oliveira: A Judiaria e a Sinagoga de Castelo de Vide. In: Ibn Maruán, Nr. 3, Marvão, 1993. S. 123–152. (Online-Version als PDF).
  • Diamantino Sanches Trindade: Castelo de Vide. Arquitectura Religiosa, vol. I. Câmara Municipal, Castelo de Vide 1989.
  • Luísa Trindade: Jewish Communities in Portuguese Late Medieval Cities: Space and Identity. In: Joaquim Carvalho (Hrsg.): Religion, ritual and mythology: aspects of identity formation in Europe. Edition Plus – Pisa University Press, Pisa 2006, ISBN 978-88-8492-404-9, S. 61–81. (Online-Version als PDF).
Commons: Sinagoga Medieval de Castelo de Vide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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