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São Frutuoso de Montélios

Kapelle in dem Vorort Real der Stadt Braga in Portugal From Wikipedia, the free encyclopedia

São Frutuoso de Montélios ist ein kleiner westgotischer Sakralbau aus dem 7. Jahrhundert in Real bei Braga in Portugal. Er wird über eine angebaute Franziskuskirche (18. Jahrhundert) betreten. Seit 1944 gehört das Gebäude zum Nationalerbe Portugals.[1][2]

São Frutuoso de Montélios (Luftaufnahme von 2018)
Grundriss des Sakralbaus
Blick über die Vierung zur Ostapsis

Geschichte

Der spätwestgotische Sakralbau ist nach dem heiligen Fructuosus benannt, der sich etwa 653 in Dume, nördlich von Braga, niederließ. Bis zu seinem Tode im Jahre 665 war er als Nachfolger des heiligen Martin Abtbischof des örtlichen Klosters und ab 656 zugleich Metropolit des Bezirks Braga.

Die mit 665 datierte Kapelle ist wahrscheinlich sein Mausoleum. Fructuosus Biographie weist ihn als Gründer eines (neben Dume) weiteren Konvents aus, wo er auch bestattet worden sei. Im 9. Jahrhundert ist das von ihm gegründete Kloster als San Salvador de Montélios belegt.Ref?

Architektur

Der Bau gehört zu einer Gruppe der ibero-visigotischen Quaderarchitekturen, einer für Westgoten typischen, aber nur auf der Iberischen Halbinsel angewandten Bauweise, in diesem Fall augenscheinlich mit Bruchsteinfüllung. Er ist, gemeinsam mit drei nordspanischen Kirchen, von architekturgeschichtlich herausragender Bedeutung, obwohl er ab 1931 einer vielleicht zu weitgehenden Restaurierung unterworfen war.[3] Die Verwandtschaft seiner Raumgestaltung mit dem Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna, einem Ziegelbau des 5. Jahrhunderts, ist deutlich. Genauso gleichen die Bogenstellungen im Innern denen von San Vitale (ebenfalls in Ravenna). Große Unterschiede bestehen jedoch hinsichtlich der Innengestaltung und des Materials. Der durchdachte, in sich geschlossene Bau ist keine Kopie einer der beiden Vorbilder und auch nicht deren unmotivierte Vermischung, sondern ein originelles Werk von Steinmetzen.[4]

Äußere Gestalt

Der auf eine Grundfläche von nur etwa 14 × 14 Meter gestellte, kleine, für Gottesdienste wenig geeignete Bau, hat einen für Memorialbauten typischen Grundriss. Er besteht aus fünf ungefähr quadratischen Teilen, die ein griechisches Kreuz mit gleichförmigen Armen bilden. Bis zum First der Satteldächer gemessen wirken sie nahezu würfelförmig. Ihre Giebel muten durch ihr umlaufendes Gesims antik an (Tympana). Ein das Gesims begleitender schmaler Schmuckfries (restauriert) mit Palmetten über einem Taustab läuft um das gesamte Gebäude sowie um die Vierung auf Höhe der Fensterunterkanten und wiederholt sich innen in den Apsiden. Die heute auf Trompen überkuppelte Vierung unter dem Zeltdach war ursprünglich mit einem Kreuzgewölbe überspannt, deren Auflager sich noch im Mauerwerk befinden.[4]

Die Außenwände haben eine profiliert abgesetzte Basis, die Arme jeweils mittig ein Portal oder eine Fensteröffnung. Ihre Fassaden werden durch Lisenen jeweils dreigeteilt, die abwechselnd in Giebeln und Rundbögen münden; ihre Scheitel sind in die oberste Quaderreihe eingeschnitten. Eine Quaderreihe unter deren Ansatz verläuft ein weiterer schmaler Taustab um das Gebäude. Akzente setzen auch die Dach- und Giebelgesimse der Vierung, sowie darunter ein lombardischer Blendbogen-Fries, der zwischen spitzgiebelig und (je zweimal) hufeisenförmig alterniert. Die jeweils mittigen Hufeisenbogenpaare bilden gleichzeitig die Bögen von Zwillingsfenstern (arab. ajimez).

In der nördlichen Außenwand des Ostarmes befindet sich eine Bestattungsnische (Arkosolium) mit Rundbogen, in der Fructuosus seine letzte Ruhe gefunden haben müsste, wenn der Bau für liturgische Zwecke genutzt wurde, da Beisetzungen im Kircheninneren damals untersagt waren.

Innenraum

Drei, innen apsidenartig rund abschließende Arme und die ebenso große Vierung als Hauptraum werden durch einen rechtwinkligen Vorraum im Westen erschlossen.

In allen Apsiden gab es eingestellte Säulen, sechs im Osten, je vier in den Querarmen<! die –vermutlich– kleinere Kuppeln trugen. Ref?-->; nur die Säulenbasen sind erhalten. Von einem Blendbogen überfangene Arkaden mit je zwei Säulen und drei Hufeisenbögen trennen die Arme von der überkuppelten Vierung. Bei diesen Stützen handelt es sich zum Teil um antike Spolien (aus Marmor). Die Kapitelle sind allerdings westgotisch. Sie sind von korintischer Ordnung abgeleitet und zeigen etwa zur Ostapsis zwei zueinander versetzte Arkanthusblattkränze, doch darüber, statt diagonal von innen zu den Ecken, sind die Blattvolutenpaare quer in V-Form dargestellt. Der Abakus ist konkav, doch mittig ist die Knospe nicht klar als solche zu identifizieren. Maßstäblich etwas vergrößert und oben in gleicher Höhe abschließend bekrönt diese Darstellungsart der Arkanthusblätter als Fries auch die Pilaster der Vierung. Von der Friesunterkante aus zieht sich das schmale Gesimsfries von außen (Palmetten über Taustab) um die Wände der Apsiden. Die anderen Kapitelle sind ähnliche Derivate des korinthischen. Der gesamte Bauschmuck in weissem Kalkstein aus Coimbra bildet einen Kontrast zu den Granitquadern des Gemäuers.[2]

Außenansichten

Innenansichten

Literatur

  • André Corboz: Frühes Mittelalter (= Henri Stierlin [Hrsg.]: Architektur der Welt. Band 14). Office du Livre, Fribourg 1971, S. 15 f., Abb. S. 13/14, 20–25.
  • Anja Eckermann (Hrsg.): Sâo Fructuoso de Montélios – Bauzeitliche Substanz und moderne Rekonstruktion (= Ines Käflein, Jochen Staebel, Matthias Untermann (Hrsg.): Im Schnittpunkt der Kulturen: Architektur und ihre Ausstattung auf der Iberischen Halbinsel im 6.–10./11. Jahrhundert = Cruce de culturas: arquitectura y su decoración en la Península Ibérica del siglo VI al X-XI. Bd. 19). Vervuert/Iberoamericana, Madrid 2016. ISBN 978-84-8489-871-9, S. 391–413.
  • Thomas G. Schattner (Hrsg.): Archäologischer Wegweiser durch Portugal (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Bd. 74). Philipp von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2313-1, S. 65.
Commons: São Frutuoso de Montélios – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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