Süddeutsche Erdgasleitung
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Die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) ist eine im Bau befindliche Erdgas- und zukünftige Wasserstoff-Pipeline in Baden-Württemberg.

Sie verläuft auf einer Länge von rund 250 km von Lampertheim in Hessen über Heidelberg, Heilbronn, Ludwigsburg, Esslingen am Neckar, Göppingen und Heidenheim an der Brenz bis nach Bissingen in Bayern.[1] Betreiber ist die Terranets BW GmbH. Die Leitung ist wasserstofftauglich („H2-ready“) ausgelegt und als Teil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes vorgesehen.[1]
Geschichte
Die SEL wurde ursprünglich Mitte der 2000er Jahre von E.ON Ruhrgas und Wingas (einem Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gazprom) geplant. Die ursprüngliche Trasse sollte von Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze über 500 km nach Lampertheim führen. Das Projekt wurde im November 2008 aus Wirtschaftlichkeitsgründen eingestellt.[2]
Das Vorhaben wurde unter neuer Trägerschaft und mit geänderter Route wiederbelebt. Die Planung wurde von Open Grid Europe (OGE, vormals E.ON Ruhrgas) und später von Terranets BW übernommen.[1]
Planfeststellung
Die SEL wird bedarfsorientiert in Abschnitten realisiert. Für den Abschnitt im Regierungsbezirk Karlsruhe (Mannheim bis Hüffenhardt) reichte Terranets BW im Juni 2023 den Planfeststellungsantrag ein.[3] Nach einem Beteiligungsverfahren mit zwölf Informationsveranstaltungen und rund 400 Besuchern erließ das Regierungspräsidium Karlsruhe den Planfeststellungsbeschluss am 18. März 2025.[4] Damit lagen für die gesamte SEL-Trasse gültige Baugenehmigungen vor.[5]
Trassenverlauf

Die SEL ist in fünf Abschnitte unterteilt:
| Abschnitt | Länge | Status |
|---|---|---|
| Lampertheim (Hessen) – Heidelberg-Grenzhof | 14 km | Bauvorbereitung (Inbetriebnahme frühestens 2030)[6] |
| Heidelberg-Grenzhof – Heilbronn-Kirchhausen | 61 km | Bau seit August 2025, Inbetriebnahme Ende 2026 geplant[7] |
| Heilbronn-Kirchhausen – Löchgau | 24 km | In Betrieb seit Dezember 2024[8] |
| Löchgau – Esslingen-Aichschieß | 43 km | Im Bau (seit Frühjahr 2025)[9] |
| Esslingen-Aichschieß – Bissingen (Bayern) | — | Baugenehmigung liegt vor[10] |
Technik

Die Leitung hat einen Durchmesser von DN 1000 bis DN 1200 (1000 bis 1200 mm). Der Arbeitsstreifen ist überwiegend 34 m breit, der spätere Schutzstreifen 10 m (5 m beiderseits der Leitungsachse). Die Mindestüberdeckung beträgt 1,2 m.[11]
Bau

Der Spatenstich erfolgte im März 2024 bei Lauffen am Neckar durch Energieministerin Thekla Walker sowie die Terranets-BW-Geschäftsführerin Katrin Flinspach und den EnBW-Vorstand Dirk Güsewell.[12] Der erste Abschnitt von Heilbronn bis Löchgau (24 km) ist seit Dezember 2024 in Betrieb.[5]
Der Bau des 61 km langen Abschnitts zwischen Heidelberg und Heilbronn begann im August 2025 mit einem offiziellen Auftakt in Hüffenhardt. Er wird in drei Etappen realisiert:[13]
- Hüffenhardt–Leimen (33 km): Baubeginn August 2025
- Siegelsbach–Heilbronn (13 km): Baubeginn März 2026
- Heidelberg-Rohrbach–Heidelberg-Grenzhof (12 km): Baubeginn Mai 2026
Zwischen Heidelberg und Leimen wird die Leitung auf drei Kilometern Länge mittels Tunnelbohrverfahren unter Weinbauflächen, landwirtschaftlichen Flächen, einem Steinbruch und einem Landschaftsschutzgebiet in mindestens vier Metern Tiefe verlegt. Drei parallele Tunnelbohrungen begannen im November 2025; die ersten zwei waren im Februar 2026 abgeschlossen, die dritte erreichte ihr Ziel Anfang Juni 2026. Der Rohreinzug durch die Tunnel läuft seit Mai 2026 und soll bis Oktober 2026 abgeschlossen sein.[14]
Zweck
Die SEL dient zunächst der Versorgung moderner Gaskraftwerke in Baden-Württemberg mit Erdgas und ermöglicht dadurch den Kohleausstieg in diesem Bundesland. Ab Anfang der 2030er Jahre soll die Leitung auf Wasserstoff umgestellt werden und als Teil des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes Baden-Württemberg an die nationale und europäische Wasserstoffinfrastruktur anbinden.[5][1]
Betreiber
Eigentümerin und Betreiberin der SEL ist die Terranets BW GmbH mit Sitz in Stuttgart. Mehrheitsgesellschafter ist die EnBW Energie Baden-Württemberg AG.[1]
Archäologische Maßnahmen
Aufgrund der großflächigen Bodeneingriffe ist die SEL auch ein Großprojekt der Archäologischen Denkmalpflege. Terranets BW beauftragte zwei Grabungsfirmen mit bauvorgreifenden und baubegleitenden archäologischen Ausgrabungen und Untersuchungen entlang der Bautrasse. In den Abschnitten SEL 1 und 2 verläuft diese Trasse in einer Breite von 30 m durch die fruchtbaren Lössgebiete Nord-Württembergs. Untersucht werden auch Begleitbaustellen wie Lagerstellen für Rohre.[15] Bisher ergaben sich eine Fülle an vorrangig neolithischen, bronzezeitlichen und eisenzeitlichen Funden und Befunden, römische und mittelalterliche Funde sind dagegen unterrepräsentiert, wobei wegen der idealen Siedlungsbedingungen kaum eine Fundstelle Befunde aus nur einer Zeitstellung aufweist.[16] Beispielhaft dafür ist die Grabung in Leingarten-Großgartach. In einem 1,7 km langen Geländeschnitt gab es beispielsweise Siedlungsspuren aus der Latènekultur (357–176 v. Chr.), Gruben aus der Urnenfelderzeit (HaB, 10./9. Jh. v. Chr.), Siedlungsabfälle aus der mittleren Bronzezeit (BC/D, Mitte 2. Jtsd. v. Chr.), Befunde aus dem Mittelneolithikum (5. Jtds. V. Chr.) mit Keramik der Großgartacher Kultur, Hausgrundrisse aus der bandkeramikschen Kultur und eisenzeitliche Vorratsgruben und Grubenhäuser.[17]