Südtiroler Ordnungsdienst
polizeiähnliche Hilfstruppe in Südtirol
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Der Südtiroler Ordnungsdienst (ursprünglich Sicherungs- und Ordnungsdienst, Abkürzung SOD) war zwischen 1943 und 1944 eine nationalsozialistische Hilfspolizei in Südtirol während der Zeit der Operationszone Alpenvorland.

Vorgeschichte
Als sich im Sommer 1943 der Einmarsch deutscher Truppen in Norditalien abzeichnete (siehe Waffenstillstand von Cassibile, Fall Achse), formierte sich in Südtirol aus Kreisen der Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland ein illegaler freiwilliger Selbstschutzverband. Am 30. August 1943 wurde das Amt Ausland/Abwehr durch Keitel vom Oberkommando der Wehrmacht beauftragt, unter höchster Geheimhaltung Vorbereitungen für den Aufruf politisch zuverlässiger Männer als „Selbstschutz“ zu treffen. Am 9. September konnte der Südtiroler Volksgruppenführer Peter Hofer in Absprache mit der 44. Infanteriedivision ein Volksaufgebot von mehreren tausend Mann aufstellen. Es wurde am 12. September vom Kommandierenden General Erwin Rommel offiziell anerkannt.[1.1]
Geschichte

Der SOD half schon in der Nacht auf den 9. September den Wehrmachtsverbänden bei der Gefangennahme und Entwaffnung von Carabinieri, italienischen Offizieren und kleineren Heereseinheiten. Einige Kommandos der SOD suchten nach versprengten italienischen Soldaten, dabei wurden mehrere flüchtige Soldaten erschossen. Mit Säuberungsaktionen und der Beseitigung innerer Widerstände, der Verfolgung und Verhaftung führender „Dableiber“ und Optionsgegner (Josef Raffeiner, Friedrich Volgger) trug der SOD zur schnellen nationalsozialistischen Herrschaft in Südtirol bei. Seine Angehörigen waren vielfach Jugendliche, trugen zunächst Zivil oder Phantasieuniformen mit einer SOD-Armbinde und waren zumeist mit Karabinern aus italienischen Armeebeständen bewaffnet.[1] Franz Hofer, Oberster Kommissar der Operationszone Alpenvorland, ordnete im Oktober 1943 die Unterstellung unter den Kommandeur der Ordnungspolizei Bozen und damit dem Befehlshaber der Ordnungspolizei Italien als Hilfspolizei an.[1.2]
Mitglieder des SOD waren – entsprechend einer Anweisung von SS-Brigadeführer Karl Brunner – auch an der Verhaftung der in Meran verbliebenen Juden beteiligt.[2] Dasselbe galt für Bozen, wo unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch schon am 9. September 1943 von den SOD-Mitgliedern Josef Clementi und Paul Knapp Mitglieder der Familie Carpi denunziert und verhaftet wurden.[3]
Aufgaben des SOD waren: Gebäudeschutz, Überwachung der Einhaltung der Verdunkelung, Überwachung der Bahnanlagen, Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen etc.
Der SOD war anfangs eine aus Zivilisten bestehende Truppe von Freiwilligen. Ab November 1943 war es den Wehrpflichtigen möglich, statt zur Wehrmacht oder SS, beim SOD den Kriegsdienst zu leisten.[4] Die Mitgliederzahlen stiegen von 6.000 (Ende September 1943) bis auf 17.000 im Mai 1944. Mit Befehl vom 19. Juli 1944 wurde der SOD geschlossen in die Landwacht der Ordnungspolizei überführt.[1.3]
Literatur
- Margareth Lun: NS-Herrschaft in Südtirol. Die Operationszone Alpenvorland 1943–1945. (= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte. Band 22). Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2004, ISBN 3-7065-1830-9.
- Joachim Innerhofer, Sabine Mayr: Mörderische Heimat. Verdrängte Lebensgeschichten jüdischer Familien in Bozen und Meran. Edition Raetia, Bozen 2015, ISBN 978-88-7283-503-6.
- Sabine Mayr: The Annihilation of the Jewish Community of Meran. In: Georg Grote, Hannes Obermair (Hrsg.): A Land on the Threshold. South Tyrolean Transformations, 1915–2015. Peter Lang, Oxford u. a. 2017, ISBN 978-3-0343-2240-9, S. 53–75 (englisch).