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TOS-1

Raketenwerfer auf Panzerlafette From Wikipedia, the free encyclopedia

TOS-1 „Buratino“ (russisch тос, тяжёлая огнемётная система; „Schweres Flammenwerfer­system“) ist ein gepanzerter Mehrfachraketenwerfer, der in der Sowjetunion entwickelt wurde. Die Waffenkennungsnummer der ABC-Abwehrtruppen Russlands lautet МО.1.01.00.

Schnelle Fakten
TOS-1 „Buratino“

TOS-1A auf der Messe Armija-2020.

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 Mann
Länge 9,5 m
Breite 3,6 m
Höhe 2,2 m
Masse 45,3 t
Stückpreis 6,5 bis 15 Mio. US-Dollar
Panzerung und Bewaffnung
Hauptbewaffnung 24–30 220-mm-Raketen
Sekundärbewaffnung -
Beweglichkeit
Antrieb V12-Dieselmotor W-84
630 kW (857 PS)
Federung Torsionsstab
Geschwindigkeit 60 km/h (Straße)
Leistung/Gewicht
Reichweite 550 km
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Entwicklung

Der TOS-1 „Buratino“ entstand ab 1971 bei Omsktransmasch in Omsk in Zusammenarbeit mit Forschungsinstitut NIIFP in Selenograd. 1980 wurde der TOS-1 in den Bestand der Chemietruppen der Sowjetarmee übernommen. Der Name stammt vom sowjetischen Buch Burattino, welches eine Adaption der Geschichte von Pinocchio ist. Über das Waffensystem war im Westen lange Zeit nur wenig bekannt. Erst 1999 wurde der TOS-1 auf einer Rüstungsmesse in Omsk der Öffentlichkeit präsentiert. Vom Ursprungsmodell TOS-1 „Buratino“ wurden lediglich rund 25 Fahrzeuge hergestellt, die Ende der 1990er-Jahre durch den TOS-1A „Solnzepjok“ ersetzt wurden.[1][2][3][4]

Technik

Fahrzeug

Das Fahrgestell des TOS-1 besteht aus der Wanne eines T-72. Das Fahrzeug wird als Objekt 634 bezeichnet und wiegt im feuerbereiten Zustand rund 46 Tonnen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h und die Reichweite mit einer Tankfüllung bei etwa 550 km. Die Besatzung des Fahrzeuges besteht aus Kommandant, Fahrer und Richtschütze. Diese sind unter Panzer- und ABC-Schutz in der Wanne untergebracht. Der Mehrfachraketenwerfer ist geländegängig. Die Bodenfreiheit des Fahrzeugs beträgt 47 cm, die Kletterfähigkeit 85 cm, Grabenüberschreitfähigkeit 2,6 m, die maximale Wattiefe 1,2 m und die maximale Steigfähigkeit 30 %. Auf dem gepanzerten Fahrzeug ist ein horizontal und vertikal schwenkbaren Werferrahmen verbaut. Dort sind 24 Abschussrohre des Kalibers 220 mm in vier Lagen angeordnet. Der Seitenrichtbereich des Werferrahmens beträgt in der Fahrtrichtung je Seite 100°. Der Höhenrichtbereich liegt bei 0° bis +60°. Das Richten des Werferrahmen geschieht hydraulisch, kann aber auch von Hand erfolgen. Für das Richten sind eine Feuerleitanlage mit Ballistikrechner, ein 1D14-Laserentfernungsmesser, ein Kollimator und ein Zielfernrohr vorhanden.[5][6][7]

Raketen

Die Raketen haben ein Kaliber von 220 mm und bestehen aus dem Raketentriebwerk sowie dem Gefechtskopf. Der Gefechtskopf befindet sich im vorderen Teil der Rakete, dahinter befindet sich das Feststoffraketentriebwerk mit zweibasigem Raketentreibstoff. Am Heck der Rakete sind vier Wickelleitwerke angebracht. Diese sind in einem Winkel von etwa 1° zur Längsachse montiert um die Rakete in Drall zu versetzen. Gestartet werden die Raketen elektrisch. Der TOS-1 und seine Nachfolger TOS-1A, TOS-2 und TOS-3 können verschiedene Raketentypen verschießen:

  • MO.1.01.04: Länge 3,3 m, Gewicht 173 kg. Mit thermobarer Wirkladung. Dieses besteht aus Hexogen, Isopropylnitrat sowie Aluminium- und Magnesiumpulver. Die minimale Schussdistanz liegt bei 400 m und die maximale Bekämpfungsreichweite bei rund 2,8 km.[8][9][10]
  • MO.1.01.04D: Länge 3,3 m. Mit Nebel-Gefechtskopf mit einer Füllung aus Rotem Phosphor und Passivierungsmitteln. Bei der Zündung erzeugt die Rakete eine dichte Rauchwand aus künstlichem Nebel. Die minimale Schussdistanz liegt bei 400 m und die maximale bei rund 3,5 km.[8]
  • MO.1.01.04OP: Länge 3,3 m, Gewicht 186 kg. Mit einem Brandgefechtskopf mit einer Füllung aus Napalm oder Triethylaluminium. Die minimale Schussdistanz liegt bei 400 m und die maximale bei rund 3,5 km.[6]
  • MO.1.01.04M: Länge 3,7 m, Gewicht 217 kg, Brennschlussgeschwindigkeit 375 m/s. Seit 2015 Einsatzbereit. Mit thermobarer Wirkladung. Dieses besteht aus Hexogen, Aluminiumpulver, Ammoniumperchlorat und einem Bindemittel. Die minimale Schussdistanz liegt bei 600 m und die maximale Bekämpfungsreichweite bei rund 6 km.[11][12]
  • MO.1.01.04M.OP: Länge 3,7 m, Gewicht 204 kg, Brennschlussgeschwindigkeit 375 m/s. Seit Anfang der 2000er-Jahre Einsatzbereit. Mit einem Brandgefechtskopf mit einer Füllung aus Napalm oder Triethylaluminium. Die minimale Schussdistanz liegt bei 600 m und die maximale Bekämpfungsreichweite bei rund 6,7 km.[6]
  • MO.1.01.04M2: Seit 2020 Einsatzbereit. Mit thermobarer Wirkladung. Die minimale Schussdistanz liegt bei 1,6 km und die maximale bei 10–12 km.[13]
  • MO.1.01.04M3: Dieser Raketentyp wurde erstmals 2024 im Zusammenhang mit dem TOS-3 „Drakon“ erwähnt. Auch hier wird eine thermobare Wirkladung verwendet. Die maximale Schussdistanz soll bei rund 20 km liegen.

Varianten

TOS-3 „Drakon“, 2024

TOS-1 „Buratino“

Die Ursprungsversion TOS-1 „Buratino“ wurde 1980 bei der Sowjetarmee eingeführt. Basierte auf dem Fahrgestell des T-72. Er verwendete einen Werferbehälter für 30 MO.1.01.04-Raketen mit einer maximalen Schussdistanz von 2,8–3,5 km. Vom TOS-1 wurden nur etwa 25 Stück hergestellt.[4][8]

TOS-1A „Solnzepjok“

Im Jahr 2001 wurde die Version TOS-1A „Solnzepjok“ (Sonnenhitze) bei den Streitkräften Russlands eingeführt. Das auf der Wanne des T-90 aufgebaute Werferfahrzeug trägt die Bezeichnung BM-1 (Objekt 634B). Das Werferfahrzeug hat einen elektrisch gerichteten Werferbehälter für 24 Raketen. Weiter existiert unter der Bezeichnung TSM-T (russisch Транспортно-заряжающая машина, ТЗМ-Т) ein Versorgungs- und Nachladefahrzeug (Objekt 563). Die verbesserten MO.1.01.04M-Raketen haben eine maximale Schussdistanz von 6–6,7 km. Die seit 2020 verwendeten MO.1.01.04M2-Raketen haben eine maximale Schussdistanz von 10–12 km.[12][14][15][16]

TOS-2 „Tosotschka“

Im Jahr 2020 wurde die Ausführung TOS-2 „Tosotschka“ vorgestellt. Der Mehrfachraketenwerfer ist auf einem 6×6-Lkw vom Typ Ural-63706-0120 installiert. Das Fahrzeug hat eine Besatzung von 3 Mann und einen Werferrahmen mit 18 Raketen. Verwendet werden die MO.1.01.04M- und MO.1.01.04M2-Raketen mit einer maximalen Schussdistanz von 10–12 km.[17][18]

TOS-3 „Drakon“

Die Ausführung TOS-3 „Drakon“ wurde im Jahr 2025 vorgestellt. Verwendet wird die Wanne des T-72, T-80, T-90 oder T-14. Das Fahrzeug verwendet einen neuen Werferrahmen an dem eine Käfigpanzerung angebracht werden kann. Der Werferrahmen kann 15 Raketen der Typen MO.1.01.04M, MO.1.01.04M2 oder MO.1.01.04M3 aufnehmen. Letztere soll einen maximale Schussdistanz von rund 20 km haben.[19][20][21][22][23]

Funktion & Einsatz

Feuernde TOS-1A, 2011

Der TOS-1 wird zum Beschuss von Stellungen, Feldbefestigungen, Bunkern, Gebäudestrukturen, Panzerfahrzeugen sowie brennbarem Material verwendet. Der Einsatz kann z. B. im Rahmen der Feuerunterstützung oder um das Durchbrechen feindlicher Linien vorzubereiten erfolgen. Durch die große Flächen- und Druckwirkung eignet sich das System auch zum Räumen von großen Minenfeldern. Ursprünglich wurden nur die Chemietruppen der Sowjetarmee, welche traditionell für Brandwaffen zuständig waren, mit dem TOS-1 ausgerüstet. In den Streitkräften Russlands gehören die TOS-1A zu den ABC-Abwehrtruppen Russlands. Jeder ABC-Schutzbrigade ist eine Abteilung mit 3 TOS-1A-Batterien zugeteilt. Eine solche Batterie verfügt über 3-4 TOS-1A-Mehrfachraketenwerfer. Seit den 2010er-Jahren befindet sich der TOS-1A auch in anderen Teilstreitkräften der Streitkräfte Russlands.[24][25][26]

Um den TOS-1A feuerbereit zu machen, werden in einer vorgängig eingemessenen Feuerstellung rund 3 Minuten benötigt. Für den Abschuss der Raketen muss die Besatzung das Panzerfahrzeug nicht verlassen. Nach Beendigung des Feuerauftrages kann der TOS-1A innerhalb von rund 30 Sekunden die Stellung wieder verlassen. Die Raketen werden einzeln, paarweise oder in einem Zeitintervall von 0,25 Sekunden abgefeuert. So können innerhalb von 6 Sekunden alle 24 Raketen abgefeuert werden. Im praktischen Einsatz wird aber eine Feuerfolge von 15 Sekunden für alle 24 Raketen angewendet. Eine Salve eines TOS-1A-Werferfahrzeuges mit 24 Raketen bestreicht eine ovale Fläche von 95 × 135 m (rund 40.000 m²). Eine Batterie mit 4 TOS-1A deckt mit insgesamt 96 Raketen eine Zielfläche von rund 160 Hektaren ein. Dabei wird durch die schnelle Feuerfolge eine sehr hohe Belegungsdichte im Zielgebiet erreicht. Bei der Detonation der thermobaren Gefechtsköpfe entsteht ein großer Feuerball mit einer großen Thermische Energie. Die langanhaltende Detonationswelle und der darauffolgende Unterdruck fügt lebenden Zielen schwere inneren Schäden, Verbrennungen und Barotraumata zu. Nach dem Abfeuern der Raketen wird der leere Werferrahmen von einem TSM-T-Versorgungsfahrzeug nachgeladen. Dies dauert rund 18 Minuten. Zur Not kann der leergeschossenen Werferrahmen auch von Hand mit neuen Raketen beladen werden.[6][27][28][29][30]

Kriegseinsätze

Afghanistan

Zwei TOS-1 wurden von 1988 bis 1989 im Krieg in Afghanistan (1979–1989) eingesetzt. Dort wurden sie im Rahmen der „Operation Taifun“ im Tscharikar-Tal sowie im Pandschschir-Tal gegen die Mudschaheddin eingesetzt.[1][4][31]

Tschetschenien

Im Zweiten Tschetschenienkrieg wurde der TOS-1 zum Räumen großer Minenfelder eingesetzt sowie im Kampf um Grosny, wodurch Teile der Hauptstadt verwüstet wurden.[4][32][33]

Irak

2014/2015 exportierte Russland den TOS-1A in den Irak. Irakische Soldaten wurden während drei Monaten ausgebildet, um den TOS-1A bedienen zu können. Danach wurde der Raketenwerfer im Kampf mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verwendet.[24][34] Weiter wurde der Raketenwerfer 2016/2017 bei der Schlacht um Mossul gegen IS-Stellungen eingesetzt.[35]

Syrien

Der International Business Times zufolge, die sich auf Fotos auf Twitter bezieht, wurde ein TOS-1A im Oktober 2015 in Syrien beobachtet.[36][37] Nach Angaben der Sunday Times soll ein TOS-1A am 25. September 2016 auch in Aleppo eingesetzt worden sein.[38]

Bergkarabachkonflikt 2020

Während dem Krieg um Bergkarabach 2020 setzten sowohl Aserbaidschan wie auch Armenien den TOS-1A gegen Ziele in Bergkarabach ein.

Russischer Überfall auf die Ukraine 2022

Die OSZE stellte am 25. September 2015 ein TOS-1A auf einem Übungsplatz 31 km südwestlich von Luhansk im Besitz pro-russischer Separatisten fest.[39]

Beim russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wurden TOS-1A im russischen Grenzgebiet zur Ukraine nahe Belgorod gesichtet. Zeugen berichteten von einer massiven Explosion in der Oblast Tscherkassy in der Ukraine, welche in der Nacht des 27. Februars 2022 von einem TOS-1A-System ausgegangen sein soll. Westliche Nachrichtendienste zweifeln zunächst daran, dass die Ursache eine Rakete des TOS-1A bzw. eine andere thermobare Waffe war. Im weiteren Kriegsverlauf setzten die Streitkräfte Russlands wiederholt TOS-1A und TOS-2 ein. Die Mehrfachraketenwerfer werden für den Beschuss von Stellungen oder Gebäuden genutzt. Angesichts der Bedrohungen durch FPV-Drohnen wurden TOS-1A-Systeme mit Käfigpanzerung ausgestattet.[40][41]

Bis zum Januar 2026 gelang es den ukrainischen Streitkräften, mindestens 25 TOS-1A zu zerstören und weitere 3 zu erbeuten, wozu noch 5 zerstörte und 4 erbeutete TSM-T-Versorgungsfahrzeuge kommen.[42]

Nutzerstaaten

Galerie

Literatur

  • Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 2011–2012. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2011, ISBN 978-0-7106-2960-9.
  • Nikolay Spasskiy: Russia's Arms & Technologies The XXI Century Encyclopedia Vol. 12 - Ordnance and Munitions. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2006, ISBN 978-5-93799-023-5.
  • Nikolay Svertilov: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 2 - Rocket and Artillery Armament of Ground Forces. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2001, ISBN 5-93799-002-1.

Einzelnachweise

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