Tagebau Scado

ehemaliger Braunkohleabbau in Sachsen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Tagebau Scado war ein Braunkohletagebau im Lausitzer Braunkohlerevier, der von 1939 bis 1977 im Bezirk Cottbus betrieben wurde. Er lag im Gebiet von Elsterheide. Im Zuge der Rekultivierung entstand als Bergbaufolgelandschaft der Partwitzer See.

Geografie

Der Tagebau Scado lag in der Niederlausitz im sogenannten Niederlausitzer Braunkohlerevier. Abgebaut wurde Braunkohle des Lausitzer Unterflözes (2. Lausitzer Flözhorizont), das durch pleistozäne Erosion des eiszeitlichen Schmelzwassers in eine Vielzahl von Feldern zerschnitten war.

Der Tagebau lag westlich der Gemeinde Klein Partwitz und nördlich von Laubusch im Gebiet der heutigen Gemeinde Elsterheide.

Geschichte

Vorkriegsgeschichte

Aufschluß von dem Tagebau Skado um 1937

Der steigende Kohlebedarf für das von der Grube Erika in Laubusch versorgte Kraftwerk Lauta während der Autarkiebestrebungen vor dem Zweiten Weltkrieg machte bei der Ilse Bergbau AG den Aufschluss eines zusätzlichen Tagebaues erforderlich. Der neue Tagebaubetrieb sollte die Gewinnung in einem rationellen Brückenbetrieb erzielen und wurde daraufhin wiederum mit einer Abraumförderbrücke geplant. Benannt wurde er nach den in unmittelbarer Nähe befindlichen Dorf Scado. Die Größe des Tagebaubetriebes umfasst eine Fläche von 1.300 ha, der Kohleinhalt wurde mit 135 Mio. t geschätzt.[1.1] Die in der Skizze angegebenen Zeiten haben sich durch Kriegseinwirkungen und Nachkriegswirren nach hinten hinausgezögert, das 1969 anvisierte Endfeld wurde erst um 1972, mit dem Reservefeld wurde erst um 1977 die absolute Endstellung erreicht.[2]

Der Aufschluss mit der Entwässerung begann im Jahr 1939. Diese musste wegen des Kriegsbeginn mit erhöhten Zeitdruck durchgeführt werden. Dabei hatte man den Vorteil, dass das Gebiet durch benachbarte Tagebaue bereits vorentwässert war.[1.2] Auf Grund der komplizierten Beschaffenheit des Abraumes mit Ton und Letten zog man es vor, die Abraumförderbrücke auf der Haldenseite auf der Kohle abzustützen. Das Verhältnis Abraum/Kohle betrug bei dem Tagebau ca. 3,5/1, als Kohlenflöz war nur das 2. Lausitzer Flötz abzubauen.

Nachdem die Entwässerungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde der Abraum mit Zugbetrieb abgetragen. Dabei wurden schon Teile der später bekannten Bahnstrecke Kausche–Lauta verwendet, der Abraum wurde in ausgekohlten Feldern der Grube Erika verkippt. Als im Aufschlußfeld die erste Kohle freigelegt wurde, die an die konzerneigene Brikettfabrik im nahegelegenen Laubusch und an andere Fabriken des Unternehmens geliefert wurde, konnte die neue Abraumförderbrücke aufgebaut werden und der Probebetrieb begann im Jahr 1944. Über Probearbeiten kam die Förderbrücke nicht hinaus, sie musste 1946 im Rahmen von Reparationsleistungen an die Sowjetunion abgegeben werden.[3.1]

Nachkriegsgeschichte

Die ersten Jahre nach Kriegsende waren geprägt durch Abraumbetrieb mit Zugförderung, um die fehlende Abraumförderbrücke zu ersetzen. Erst 1954 erfolgte die Fertigung einer weiteren Brücke, die ihrerseits die letzte individuell hergestellte Abraumförderbrücke in der Lausitz war und eine Spannweite von 150 m hatte. Sie diente als Vorbild für die 1959 aufgebaute Abraumförderbrücke F 34.[3.2] 1950 wurde noch eine Vorkriegs-Abraumförderbrücke zum Tagebau umgesetzt; nachdem im Tagebau Tröbitz die Abraumförderbrücke aus dem Jahr 1927 die Endstellung erreichte,[3.3] wurde sie demontiert und in Einzelheiten zu dem 50 km entfernten Tagebau Skado umgesetzt, wo sie nach Wiederherstellung ab 1957 noch weitere 20 Jahre im Einsatz war. Beide Brücken wurden im Gegensatz zur ersten Brücke auf beiden Stützen im Abraum abgestützt. Ab 1975 haben beide Brücken im als Reservefeld bezeichneten Ostfeld dann im Zweibrückenbetrieb auf einer Strosse gearbeitet,[4] die Abraumförderbrücke Hansa hatte dabei eine Stützweite von 130 m.[3.3]

Abraumförderbrücken des Tagebaues

Weitere Informationen Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Sedlitz, Typ ...
Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Sedlitz
TypEinsatzorteBetriebAbraumbewegungBemerkungen
Abraumförderbrücke Scado („Ilse II“)
AFB ScadoTagebau Scado1944–1946nicht bekanntReparationen in die UdSSR
Abraumförderbrücke Scado III
Typ F 32, Nr. 16Tagebau Scado1955–1977240 Mio. m³1977 demontiert für Betrieb im Tagebau Profen
Abraumförderbrücke Hansa
Typ F 32, Nr. 15Tagebau Scado1956–1977unbekanntgekommen 1957 vom Tagebau Tröbitz[3.3]
Schließen

Braunkohle

Mit der geförderten Braunkohle wurden die umliegenden Brikettfabriken und Kraftwerke der Ilse Bergbau AG in Laubusch und bei Senftenberg versorgt.

Insgesamt wurden 772,2 Mio. m³ Abraum und 139 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert.

Kohleverbindungsbahn

Henschel/SSW-Lokomotive für den Aufschlußbetrieb im Tagebau Skado

Die 1939 angelegte Kohleverbindungsbahn nach Laubusch war schon Bestandteil der späteren Bahnstrecke Kausche–Lauta im Bereich von Klein-Partwitz bis zur Brikettfabrik Laubusch. Gleichzeitig legte die Ilse BAG damals schon eine Kohleverbindungsbahn an, die von Kortitzmühle bis Sedlitz der Bahnstrecke Kortitzmühle–Meuro entsprach. Für den Abraumbetrieb wurden für den Aufschluß und der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gebrauchte Lokomotiven verwendet, für den Kohlefahrbetrieb verwendete man 6 neue Lokomotiven Henschel/SSW Bo Bo 48 t mit zusätzlichem Ballast für 55 t Gesamtmasse, die vom Hersteller für steile Ausfahrten konstruiert worden sind.[1.1] Nach 1945 ist die Fahrzeuglage noch nicht bekannt, ab den 1950er Jahren wurden verstärkt Neubaulokomotiven LEW EL 3 eingesetzt.

Orts- und Flächeninanspruchnahme

Der Tagebau nahm eine Fläche von 1.300 ha in Anspruch. 772,2 Mio. m³ Abraum wurden bewegt. Dabei wurde auch der Ort Groß Partwitz ab dem Jahr 1969 überbaggert, wofür 415 Einwohner umgesiedelt werden mussten.

Sanierung und touristische Nutzung

Partwitzer See

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sanierte das Gebiet des ehemaligen Tagebaus. Dabei wurden die gekippten Böschungen abgeflacht, ehemalige Deponien entfernt oder gesichert sowie Infrastruktur geschaffen und ehemalige Tagebauanlagen rückgebaut. Des Weiteren erfolgte eine Hebung und Reinigung des Tagebauwassers.

Als Bergbaufolgelandschaft entstand durch Flutung des Restloches von 2004 bis 2015 der Partwitzer See. Er ist über den Rosendorfer Kanal mit dem Sedlitzer See verbunden worden, der aus dem Tagebau Sedlitz entstand. Die zahlreichen Abbaubahnen um den See wurden als Fahrradwege gestalten. Die Bahnstrecke Kausche–Lauta ist auf dem Abschnitt von Kortitzmühle bis Bluno heute Bestandteil eines Fernradweges.[5]

Quellen und Literatur

  • Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952, S. 127–137
  • Siegfried Laumen und Thomas Suhr, Einhundert Jahre Abraumförderbrücken, die Geschichte einer Bergbaumaschine, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-910447-35-6
  • Landschaften im Wandel – Lausitzer Seenland. Informationsbroschüre der LMBV. 12/2007

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI