Grube Erika

Braunkohletagebau im Lausitzer Braunkohlerevier From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Grube Erika war ein Braunkohletagebau im Lausitzer Braunkohlerevier, der von 1914 von der Ilse Bergbau AG und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1962 im Energiebezirk Cottbus betrieben wurde. Er lag im Gebiet von Lauta. Im Zuge der Rekultivierung entstand als Bergbaufolgelandschaft der Erikasee.

Schnelle Fakten
Grube Erika
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
AbbautechnikTagebau
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende GesellschaftIlse Bergbau AG
n. 1945 VEB Braunkohlenwerk Glückauf Knappenrode
Betriebsbeginn1914
Betriebsende1962
Geförderte Rohstoffe
Abbau vonBraunkohle
Geographische Lage
Koordinaten51° 28′ 19″ N, 14° 8′ 17″ O
Grube Erika (Sachsen)
Grube Erika (Sachsen)
Lage Grube Erika
ehemals: Kreis Hoyerswerda, Landkreis Kamenz, Deutschland (NUTS3)heute: Landkreis Bautzen
LandFreistaat Sachsen
StaatDeutschland
RevierLausitzer Braunkohlerevier
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Geografie

Die Grube Erika lag in der Niederlausitz im sogenannten Niederlausitzer Braunkohlerevier. Abgebaut wurde Braunkohle des Lausitzer Unterflözes (2. Lausitzer Flözhorizont), das durch pleistozäne Erosion des eiszeitlichen Schmelzwassers in eine Vielzahl von Feldern zerschnitten war.

Der Tagebau lag westlich der Gemeinde Nardt, südlich von Tätzschwitz und nördlich von Schwarzkollm sowie Lauta.

Geschichte

Vorkriegsgeschichte

Aufschluss von dem Tagebau Skado um 1937 mit Darstellung von dem Kohlefeld Grube Erika

Die Grube Laubusch wurde um 1913 beim damals zuständigen Bergamt angemeldet. Zweck der Kohlegrube war die Versorgung des im Aufbau befindlichen Lautawerkes mit Kohle. Das Aufschlussgebiet lag im südlichsten Feld des Tagebaugebietes, ungefähr im Bereich neben dem Gelände des Lautawerkes. Außerdem war es das südöstlichste Gebiet von der Ilse BAG, die mit Probebohrungen zu der Zeit ein abbauwürdiges Braunkohlefeld über mehrere Jahrzehnte mit einer Mächtigkeit von 10 Metern entdeckt hatte.[1] Der Aufschluss musste auf Grund des Ersten Weltkriegs mehrere Jahre unterbrochen werden, doch um 1916 konnten die Arbeiten weitergeführt werden.[2.1] Die vom Aufschlussgebiet der Grube beanspruchten Flächen wurden später als Hochkippen für die späteren Abbaugebiete weiterverwendet. Außer Braunkohle wurde in dem Gebiet der Grube Erika auch Quarzsand gefördert, er war dem für die Glasherstellung benötigten völlig ebenbürtig.

Über die Entwässerungsarbeiten liegen keine Informationen vor. 1917 wurde gleichfalls die Brikettfabrik Laubusch gebaut, deren Eröffnung im Jahr 1919 erfolgen konnte.[3] Erste zeitlich datierte Abbauschritte existierten erst ab 1918, als das Förderungsgeschehen bereits rechts von der heutigen Straße Schwarzkollm–Laubusch lag.[2.1] Um 1928, als das Abbaufeld schon östlich der heutigen Gemeinde Laubusch auf Höhe der Brikettfabrik Laubusch lag, wurde auch die Abraumförderbrücke Erika in Betrieb genommen. Das Abbaugebiet wanderte nun nördlich bis fast an das Gebiet der Kortitzmühle heran. In diesem Bereich ereignete sich auch die größte Havarie der Förderbrücke; im Jahr 1937 wurde sie durch ein herabfalledes Gewicht des angeschlossenen Eimerkettenbagger, der um 180° schwenkbar war und im Tief- sowie dem Hochschnitt eingesetzt werden konnte, zerstört und konnte erst nach einem Jahr Reparatur wieder eingesetzt werden.[4.1] Verletzte gab es unter den Bergleuten damals nicht. Trotz der nicht mehr funktionierenden Förderbrücke konnte die Kohleförderung weiterbetrieben werden.

Den Kriegsende erlebte die Grube Erika ohne nennenswerte Zerstörungen. Auch Stromausfälle hat es nur unbedeutende gegeben, wodurch sich das Vollaufen der Grube in Grenzen hielt. Mitte April 1945 wurde der Betrieb vorläufig beendet, doch schon am Ende des Monates April 1945 konnte das Kraftwerk der Brikettfabrik Laubusch wieder seinen Betrieb aufnehmen.[2.2]

Nachkriegsgeschichte

Ansicht der Brikettfabrik Laubusch, der Kohleverbindungsbahn zum Lautawerk und der schwarzen Brücke zur Brikettfabrik um 1938

Bei der Grube Erika hatte man das Glück, dass sie bereits um 1946 in Volkseigentum überführt werden konnte, wahrscheinlich erkannte man zeitig die Bedeutung des benachbarten Lautawerkes mit denen ein Fördervertrag von 1917 über 50 Jahre Braunkohlelieferung bestand.[1] Auch von nennenswerten Reparationen blieb die Grube verschont. Nur in der Brikettfabrik wurden die Anlagen zur Briketterstellung in die UdSSR abgebaut und mussten danach wieder aufgebaut werden.[2.3] Der Name der Grube änderte sich in Tagebau Laubusch. Die Bedeutung des Werkes wuchs mit den nun angeschlossenen Kohleverbindungsbahnen Bahnstrecke Kausche–Lauta und Bahnstrecke Knappenrode–Laubusch, wodurch auch ein Anschluss zur Versorgung weiterer entfernter Werke hergerichtet wurde. Außerdem wurden einige Maßnahmen zur Leistungssteigerung an der Abraumförderbrücke wie Anbringung eines weiteren Eimerkettenbaggers vollzogen.[2.2] Um 1962 war die Kohlegrube ausgekohlt. Im August desselben Jahres endete die letzte Schicht auf der Brücke.[2.2] Der Restbereich der Grube wurde nicht wieder gefüllt, daraus entstand dann der Erikasee.

Die Brikettfabrik Laubusch wurde daraufhin über die Kohleverbindungsbahnen weiter mit Rohbraunkohle versorgt Der ständige Betrieb an der Leistungsgrenze führte allerdings auch zu bedeuteten Verschleißerscheinungen, besonders an den Kohlepressen und der als schwarze Brücke genannten Bunkerbrücke zur Brikettfabrik.[5] Durch den gesunkenen Bedarf an Braunkohlenbriketts wurde das Ende der Brikettfabrik auf das Jahr 1994 festgelegt. Ein größerer Brand im Nassdienst, der sich nicht mehr wirtschaftlich beheben ließ, machte das Ende bereits am 27. November 1993 nötig.[3]

Abraumförderbrücken des Tagebaues

Blick auf die Grube Erika mit Abraumförderbrücke aus der Zeit um 1938
Weitere Informationen Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Erika, Typ ...
Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Erika
TypEinsatzorteBetriebAbraumbewegungBemerkungen
Abraumförderbrücke Erika
AFB ErikaGrube Erika1928–1962nicht bekanntnach Auskohlung des Tagebaues verschrottet
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Braunkohle

Mit der geförderten Braunkohle wurde zuerst die Energieversorgung des Lautawerkes sichergestellt und durch die Brikettfabrik der Bedarf der umliegenden Gemeinden um Laubusch sowie bei Hoyerswerda sichergestellt. Außerdem wurde über eine Verbindungsbahn, der sogenannten Trattendorfbahn,[6] das damalige Kraftwerk Trattendorf versorgt. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg gab es über eine Verbindungsbahn, aus der später die Bahnstrecke Kortitzmühle–Meuro wurde, eine Verbindung zu den übrigen Fertigungsstätten und zum Stammsitz der Ilse BAG.

Kohleverbindungsbahn

Henschel/SSW-Lokomotive für den Kohlefahrbetrieb in der Grube Erika

Für die Versorgung des Kraftwerkes des Lautawerkes wurde eine Werkbahn der Ilse Bergbau-A.G. von der Braunkohlengrube Erika in Laubusch mit der dortigen Brikettfabrik zum Lautawerk gebaut. Dabei entstanden als Zufahrten zu den Kohlebunkern zwei Förderbrücken, die sogenannte Weiße Brücke in Lauta[7] als Spannbetonbrücke und die Schwarze Brücke als Zufahrt zur Brikettfabrik Laubusch als Stahlbrücke in Spurweite 900 mm.[5] Auf diesen beiden Bauwerken konnten später keine umgespurten Gleise verlegt werden. Außerdem gab es aus der Anfangszeit der Grube Erika noch eine Verbindungsbahn in Normalspur, die sogenannte Trattendorfbahn.[8.1][6] 1939 wurde eine weitere Kohlebahnverbindung zum neu aufgeschlossenen Tagebau Scado mit Anschluss zum Firmensitz der Ilse BAG Richtung Sedlitz angelegt der späteren Bahnstrecke Kortitzmühle–Meuro.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Teilnetze in Spurweite 900 mm verbunden, sodass ein Transport von Braunkohle bis zur Brikettfabrik Knappenrode oder Lauchhammer möglich war. Organisiert war der Kohlefahrbetrieb bei Laubusch dann vom VEB Braunkohlenwerk Glückauf Knappenrode.[8.2] Dadurch war eine Belieferung des Lautawerkes und der Brikettfabrik Laubusch auch nach dem Auskohlen des Tagebau Laubusch über weitere Jahrzehnte möglich. Ende 1993 wurde der Förderbetrieb der Brikettfabrik Laubusch beendet und damit auch der Transportbetrieb der Bahnlinien.

Um 1915 wurde der Förderbetrieb bei der Grube Erika mit elektrischen Lokomotiven vom Typ Borsig/SSW Typ ELA aufgenommen.[8.3] Für eine Steigerung der Kohleförderung wurde noch in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg für den Steigungsbetrieb prädestinierte Lokomotiven vom Henschel/SSW Typ Regis beschafft, die in der Grube die Bezeichnungen 54 bis 57 trugen.[9] Nach dem Krieg wurden dann nach Verfügbarkeit Lokomotiven vom Typ LEW EL 3 eingesetzt, mit diesen Fahrzeugen wurde die Belieferung der Werke um Laubusch bis zum Ende durchgeführt.

Orts- und Flächeninanspruchnahme

Der Tagebau war seiner Zeit ein wichtiger Energielieferant, verlangte allerdings auch bedeutende Eingriffe in die Natur und erforderte auch zum Abbruch zahlreicher Siedlungen der Region incl. der Umsiedlung der dort wohnenden Menschen.

Die wichtigste Regulierung von Flüssen war die Schwarze Elster, die ursprünglich von Hoyerswerda zum alten Dorf Laubusch führte und um den Tagebau herumgelegt werden musste.

An Ortschaften wurden abgebrochen Neu-Laubusch, dort mussten 125 Menschen umgesiedelt werden, weiter betraf es das alte Laubusch (250 Einwohner), die Kolonie Biervoschitz bei Lauta (20 Einwohner) und die Kolonie Buschmühle bei Lauta (15 Einwohner). Von der Ortschaft Hammermühle bei Nardt existieren keine Angaben.[2.4] Die heute existierende Gemeinde Laubusch ist die um die Grube nach dem 1. Weltkrieg angelegte Bergarbeitergemeinde der ehemaligen Beschäftigten, die sich zwischenzeitlich sehr vergrößert hat.[1]

Sanierung und touristische Nutzung

Erikasee

Mit der Sanierung des Tagebaues wurde schon gleich nach Auskohlung der Grube begonnen. Im ehemalige Tagebaugebiet mussten auf einer Fläche von ca. 1000 ha besonders die Böschungsbereiche stabilisiert und gegen Rutschung gesichert werden. Von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) mussten die nicht mehr benötigen Förderbahnabschnitte abgetragen werden und besonders die Brikettfabrik Laubusch abgerissen werden. Ursprünglich war geplant, das Verwaltungshaus sowie das Turbinenhaus als technisches Denkmal zu erhalten. Letzteres brannte 1998 aus und musste daraufhin abgerissen werden.[2.5] Das Verwaltungsgebäude ist heute (2026) noch gut erhalten vorhanden.

Als Bergbaufolgelandschaft entstand durch Flutung des Restloches der Erikasee.

Quellen und Literatur

  • Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH: Erika/Laubusch, Unternehmenskommunikation, Knappenstraße 1, 01968 Senftenberg, www.lmbv.de
  • Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen, Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952, S. 127–137
  • Siegfried Laumen und Thomas Suhr, Einhundert Jahre Abraumförderbrücken, die Geschichte einer Bergbaumaschine, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-910447-35-6
  • Norbert Jurk: Unterwegs mit Ilse, Marga, Renate-Eva, Eva und Anna-Mathilde durch das Lausitzer Braunkohlenrevier, Glück-Auf-Buchhandlung, Senftenberg 2013, ISBN 978-3-944316-08-6
  • Andreas Schild: Die Geschichte der Eisenbahn im Braunkohlenrevier der Lausitz. Selbstverlag Andreas Schild, Cottbus, 2010.

Einzelnachweise

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