Taking a Chance on Chances

Musikalbum von Sun Ra & His Arkestra From Wikipedia, the free encyclopedia

Taking a Chance on Chances ist ein Musikalbum von Sun Ra & His Arkestra. Die 1977 entstandenen Aufnahmen erschienen 1977 als Langspielplatte auf El Saturn Records. 2018 wurde das Album in restaurierter und erweiterter Form von Enterplanetary Koncepts wiederveröffentlicht.

Veröffent-
lichung

1977, 2018

Aufnahme

1977

Label(s)

El Saturn Records, Enterplanetary Koncepts

Format(e)

LP, Download

Schnelle Fakten Livealbum von Sun Ra and His Arkestra, Veröffent-lichung ...
Taking A Chance on Chances
Livealbum von Sun Ra and His Arkestra

Veröffent-
lichung

1977, 2018

Aufnahme

1977

Label(s)

El Saturn Records, Enterplanetary Koncepts

Format(e)

LP, Download

Genre(s)

Jazz

Titel (Anzahl)

6/7

Länge

54:29 (Download)

Besetzung

  • Flöte, Fagott, Schlagzeug (Infinity-Drum): James Jacson
  • Congas: Atakatune
  • Perkussion: Eddie Thomas

Aufnahmeort(e)

The Jazz Showcase, Chicago

Chronologie
The Soul Vibrations of Man
(1977)
Taking A Chance on Chances Unity
(1978)
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Hintergrund

Historischer Kontext des Albums

Die Aufnahmen zu diesem Alben entstanden nach Sun Ras Italienaufenhalt Anfang 1977 und mehreren Soloalben des Pianisten (wie In Some Far Place – Roma ’77 und Piano Recital: Teatro La Fenice, Venezia), als er in der zweiten Jahreshälfte erneut mit dem Arkestra arbeitete und das Material für Alben wie Somewhere over the Rainbow, Some Blues but not the Kind That’s Blue, Unity und At the Showcase: Live in Chicago 1976–1977 entstand. Mitwirkende bei Taking a Chance on Chances sind Ahmed Abdullah, Michael Ray, Vincent Chancey, Marshall Allen, John Gilmore, Eloe Omoe, James Jacson, Danny Ray Thompson, Sun Ra (Orgel, Piano), Luqman Ali und Tommy Hunter (Bass), Atakatune (Congas) und Eddie Thomas (Perkussion).[1]

Taking a Chance on Chances (oder „… on Chancey“, wie manche typografische Cover-Gestaltung nahelegte) wurde 1977 im The Jazz Showcase in Chicago aufgenommen und im selben Jahr auf dem Musiker-eigenen Label Saturn als Langspielplatte veröffentlicht (Katalognummer 772).

Taking a Chance on Chances war ein Begleitalbum zu The Soul Vibrations of Man (Saturn 771), das etwa zur gleichen Zeit erschien. Beide Alben haben ähnliche Ursprünge, Besetzungen und eine vergleichbare Akustik. Beide Alben entstanden in der Alton-Abraham-Chicago-Abteilung von Saturn, einem Unternehmen, das zu dieser Zeit in Sun Ras Einflussbereich langsam dem Ende zuging. The Soul Vibrations of Man erschien mit einem aufwendig illustrierten Titelbild; Taking a Chance on Chances hingegen wurde mit verschiedenen Covern auf den Markt gebracht, von einem körnigen, unterbelichteten Schwarz-Weiß-Foto des mit ägyptischem Kopfschmuck gekrönten Ra bis hin zu schlichten Hüllen, die mit aufgeklebten Papierstreifen mit dem Titel und einem kleinen Foto verziert waren. Taking a Chance … erschien offenbar in einer sehr geringen Auflage, möglicherweise nur ein- oder zweihundert Exemplare; es sind nur sehr wenige Exemplare bekannt.

Problematik der Original-Saturn-LP von 1977 und dessen Restaurierung

Dabei gab es ein Problem: Laut dem maßgeblichen Werk „Earthly Recordings of Sun Ra“ von Robert L. Campbell und Christopher Trent (2. Auflage, 2000) weisen „alle bekannten Exemplare der Saturn LP 772 einen Pressfehler auf Seite A auf“, zitierten die Produzenten der Neuausgabe von Taking a Chance … (siehe zur Produktions- und Vertriebspraxis von Saturn Records auch Sun Ra/Diskografie#Einführung)

Was die Herstellungsfehler von Taking a Chance … angeht, meinte der Blogger Rodger Coleman:

„Der Pressfehler äußert sich in einer katastrophal unausgewogenen Stereowiedergabe und einem fast permanenten Überlagern von kratzigen Geräuschen und grauenhafter Verzerrung, die sich erst gegen Ende der Seite etwas bessert. Ätzend. Die Mono-Taste hilft etwas (falls vorhanden), aber nicht viel. Wie Hörer von Soul Vibration bereits wissen, sind diese Aufnahmen ohnehin nicht besonders gut; der Pressfehler macht sie fast unhörbar.“

Michael D. Anderson (Sun Ra Music Archive) und Irwin Chusid, die beiden Produzenten der Neuausgabe des Albums von 2018, bestätigen dies, da sie von Freddie Patterson eine versiegelte Saturn-Original-LP ausgeliehen hatten, in der Hoffnung, das weltweit einzige klanglich makellose Exemplar für eine erste Wiederveröffentlichung zu erhalten. Doch wurde diese Erwartung enttäuscht, da auf Seite A ebenfalls die von Coleman beschriebene „grauenhafte Verzerrung“ zu hören war. Jemand schlug vor, es wegen des „exotischen Mixes“ so zu veröffentlichen, doch Anderson und Chusid lehnten dies ab. Glücklicherweise entdeckte Michael D. Anderson 2016 eine Audiocassette, die sich als die bestmögliche Version erwies. Diese hatte zwar einige Mängel, aber im Vergleich zur Saturn-Pressung war es „von Rudy-Van-Gelder-Niveau“. „Zum ersten Mal können wir hören, wie Seite A ursprünglich klingen sollte. Die Aufnahmen fangen einige Nebengeräusche (neben Applaus) der Besucher ein, aber diese Störgeräusche vermitteln eine intime Clubatmosphäre und wirken nicht aufdringlich.“

Titelliste

  • Sun Ra and His Arkestra: Taking a Chance on Chances (El Saturn Records 772, Enterplanetary Koncepts)[2]
  1. Taking a Chance on Chances (Sun Ra) 6:27
  2. Medley: Lady Bird (Tadd Dameron) / Half Nelson (Miles Davis) 8:32
  3. Over the Rainbow (Yip Harburg, Harold Arlen) 5:20
  4. St Louis Blues (W. C. Handy) 5:09
  5. What’s New (Bob Haggart, Johnny Burke) 10:09
  6. Take the "A" Train (Billy Strayhorn, Duke Ellington) 09:50
  7. The Sound Mirror (live 1977, Bonus track) (Sun Ra) 9:02

Kommentar der Produzenten zur Restaurierung des Original-Albums

Die ersten drei Titel der digitalen Wiederveröffentlichung erschienen ursprünglich auf Seite A der LP. Hierzu gaben die Produzenten der Neuausgabe einige Anmerkungen: Zum ersten Stück des Albums, „Taking a Chance on Chances“, gleichzeitig der Albumtitel, gäbe es einige Spekulationen: Es kann möglicherweise ein Wortspiel von Ra mit dem Namen des beteiligten Hornisten Vincent Chancey sein. Hierzu schrieben Campbell/Trent: „Laut Chancey sollte der erste Titel auf Saturn LP 772 ‚Taking a Chance on Chancey‘ lauten, was durchaus Sinn ergibt: Das Stück ist ein improvisiertes Duett von Ra und Chancey“ für Orgel und Horn.

Tommy Potter, Charlie Parker, Max Roach (verdeckt), Miles Davis und Duke Jordan (von links nach rechts), ca. August 1947.
Fotografie von William P. Gottlieb.

Es folgt das Medley „Lady Bird“/„Half Nelson“, erstes ein Klassiker von Tadd Dameron, „Half Nelson“ wiederum ein Miles-Davis-Klassiker aus seiner Zeit bei Charlie Parker. „Unerklärlicherweise enthält das [aufgefundene] SRMA-Band eine andere Aufnahme des Medleys als die LP-Version. Es ist eine halbe Minute kürzer, aber das Arrangement ist identisch, die Soli sind vergleichbar, die Instrumentierung und die Besetzung klingen gleich, und es wurde wahrscheinlich am selben Ort, während desselben Auftritts, vielleicht sogar am selben Tag während eines anderen Sets aufgenommen. Das Trompetensolo auf der unhörbaren LP-Version ist über anderthalb Minuten länger; [John] Gilmores meisterhafte Saxophonsoli dauern sowohl auf der LP als auch auf Kassette drei Minuten. Der Mix ist bei den Ensemblepassagen unausgewogen, die Bläserstimmen gehen etwas durch Ras dominanter Yamaha YC-30 Combo-Orgel unter, die selbst während der Bläsersoli dicht bleibt, aber die kraftvollen Darbietungen kommen dennoch gut zur Geltung. Für eine spontane Live-Aufnahme von Sun Ra ist diese schlechter als einige andere, aber besser als die meisten.“

In „Over the Rainbow“ (5:21, Mono) würde Sun Ra für ein im Wesentlichen ausgelassenes Solo zum Piano wechseln, mit einer etwas zurückhaltenden Schlagzeugbegleitung von Tommy Hunter oder Luqman Ali (beide werden als Mitwirkende genannt). Auf den Originalpressungen (Saturn 772) war die B-Seite „die gute Seite“. Ironischerweise sei Seite B durch die klanglichen Verbesserungen der A-Seite der LP zu einem schrillen Durcheinander degradiert. Die schlechte Audioqualität sei kein Pressfehler, sondern auf ein miserables Aufnahme-Setup im Club zurückzuführen. Verzerrungen, ein eingeschränktes Frequenzspektrum, eine unpraktische Mikrofonierung und Umgebungsgeräusche würden zusammen eine jener Lo-Fi-Aufnahmen ergeben, die jedem eingefleischten Sun-Ra-Fan bekannt sind und die im Allgemeinen nur die treuesten Anhänger anspreche. Nichtsdestotrotz würden die Aufnahmen Charme und archivwürdige Bedeutung besitzen, so die Produzenten.

Im folgenden „St. Louis Blues“ (5:09, Mono) spielt Sun Ra weiterhin Klavier, begleitet von Schlagzeug. Richard Williams am Bass komplettiert diese Trio-Interpretation des W.C.-Handy-Klassikers (mit einer kurzen Hommage an George Gershwin bei 4:43). Die Titel seien auf Kassette und LP identisch, doch die LP „klingt furchtbar – Tempo und Tonhöhe stimmen nicht, und das Mastering ist katastrophal.“ Die Klangqualität der Kassette sei hingegen im Vergleich exzellent (im relativen Maßstab); sie sei tonrein, schneller und biete eine höhere Klarheit.

John Gilmore (1986)

Der Song „What’s New“ (10:09, Mono), 1939 ein Hit für Bing Crosby, der zahlreiche Aufführungen und Aufnahmen durch Sun Ra zwischen den Jahren 1962 bis 1991 [etwa auf Cosmo Earth Fantasy von 1974]. Der Grund, warum sich Sun Ra genötigt sah, diese schlecht aufgenommene Version zu veröffentlichen, dürfte das mitreißende, ausgedehnte Tenorsaxophon-Solo von John Gilmore sein, „der hier fünf atemberaubende Minuten lang sein ganzes Können zeigt.“ Die letzten anderthalb Minuten seien ein regelrechtes Solo, in dem das Arkestra und der Bandleader beiseite träten, während Gilmore sich in sein Solo vertieft. Anschließend würde die Band für ein Trompetensolo von Ahmed Abdullah zurückkehren, das nach Gilmores meisterhaftem Spiel wie ein nachträglicher Einfall wirke.

„Take the 'A' Train“ (9:51, Mono) sei – klanglich ähnlich wie „What's New“ – eine weitere Audioaufnahme mit Staub, Knicken, Verfärbungen und abgenutzten Kanten. Doch Gilmores Beitrag würde überzeugen. Für die Neuausgabe wurde ein Bonustrack hinzugefügt: „The Sound Mirror“ (9:03, Stereo). Dies sei eine bisher unveröffentlichte Aufnahme des Stücks. Eine leider in schlechter Qualität befindliche, 14-minütige Version erschien 1978 als Titeltrack auf Sound Mirror (Saturn 19782). Diese Aufnahme wiederum, die vermutlich Ende 1977 oder Anfang 1978 entstand, zeichne sich durch ein präziseres Arrangement und eine höhere Klangklarheit aus. Zu hören ist hier auch Sun Ras langjährige Bandvokalistin June Tyson.[3] „The Sound Mirror“ erschien auch in der restaurierten und erweiterten Neuausgabe von Omniverse (2021).

Weblinks/Quellen

Einzelnachweise

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