Tall-e Mushki

archäologische Stätte aus dem Neolithikum From Wikipedia, the free encyclopedia

Karte: Iran
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Tall-e Mushki
Die Lage Tall-e Mushki in der Flussebene des Kur

Tall-e Mushki oder Tall-i Mushki (persisch تل مشکی Tall-e Moschki) ist eine archäologische Stätte aus dem Neolithikum. Sie liegt in der Flussebene des Kur im Nordwesten der iranischen Provinz Fars. Mit einer Datierung in die zweite Hälfte des 7. Jahrtausends v. Chr. ist Tall-e Mushki eine der frühesten landwirtschaftlichen Siedlungen in Fars.

Lage

Die archäologische Ausgrabungsstätte Tall-e Mushki liegt in der Ebene von Marvdascht, die Teil der Flussebene des Kur ist und sich im Nordwesten der iranischen Provinz Fars befindet. Tall-e Mushki liegt etwa 10 km südöstlich von Persepolis entfernt. In unmittelbarer Nähe befinden sich die prähistorischen Stätten Tall-e Jari (A und B), Tall-e Gap und Tall-i Bakun (A und B). Tall-e Mushki ist ein kleiner Hügel von 75 auf 70 m und hat eine maximalen Höhe von 2 m.[1.1][2.1]

Keramik

Die charakteristische Keramik für Tal-e Mushki ist die Red-Slipped Ware (deutsch rot-beschichtete Keramik),[3] die bereits in den ältesten Schichten vertreten ist. Die Keramik besteht aus einer gebranntem, rot-beschichteten Oberfläche, die gewöhnlich mit dunklen linearen Dekorationen bemalt ist. Der Lehm enthält Pflanzen (englisch plant-tempered). Die häufigste Gefäßform ist eine runde Basis mit nach innen geneigten Seitenwänden. Während der Stil und die Technik über den Zeitraum der fünf kulturellen Schichten von Tall-e Mushki wenig änderten, nimmt in den späteren Schichten der Anteil der Buff-Slipped Ware (deutsch gelbbraun-beschichtete Keramik)[3] zu. Die weniger verbreitete Buff-Slipped Ware mit bemalten Motiven auf einer Matte oder seltener auf gebrannten Oberflächen ist mit der Keramik von Tal-e Jari verbunden.[4.1][5]

Die Keramik von Tall-e Mushki und Tall-e Jari kann leicht über die verschiedenen Dekorationen unterschieden werden und die Belege können deshalb eindeutig der entsprechenden Periode zugewiesen werden.[6]

Chronologie

Tall-e Mushki ist eine archäologische Stätte, deren Keramik auf das Neolithikum datiert ist. Die ältesten Phasen der Produktion von Nahrungsbeschaffung in der Ebene von Marvdascht spiegeln sich in der frühen neolithischen Keramik. Deren Chronologie zu erstellen ist von großer Bedeutung für das Verständnis der neolithischen Gesellschaft und deren Entwicklung in Fars. Die chronologische Beziehung der am besten erforschten kulturellen Phasen - Mushki, die nach dem Fundort Tall-e Mushki definiert ist, und Jari, die nach dem Fundort Tall-e Jari definiert ist - wird seit den 1950er Jahren diskutiert. Erst in den letzten Jahren setzte sich die chronologische Reihenfolge der kulturellen Perioden durch, in der die Mushki Periode der Jari Periode vorausgeht und auf 6400 – 6050 v. Chr. datiert ist.[5][2.2]

Frühere kulturelle Perioden als diejenige in Tall-e Mushki sind in der Provinz Fars unklar definiert. Etwa ein Dutzend Stätten, die mit Tall-e Mushki Verbindungen zeigen, sind bisher bekannt. Gewöhnlich enthalten sie keine älteren Schichten. Eine Ausnahme stellt Rahmatabad dar, das etwa 40 km nordöstlich von Persepolis liegt. Dort wurde eine kulturelle Schicht ohne Nachweis von Keramik (i. e. akeramisch) entdeckt, die unter den Schichten der Kultur der Mushki lag.[7] Da die keramikfreie Schicht aus dem späten 8. und frühen 7. Jahrtausend v. Chr. stammt, bleibt eine chronologische Lücke vor der Mushki Periode bestehen.[5]

In den letzten Jahren wurde die Baschi Phase (vormals TMB Phase aus der Grabung von 1959 in Tall-e Mushki) eingeführt, die als Schnittstelle zwischen den Perioden von Mushki und Jari angesiedelt ist.[8] Die Baschi Phase ist eine kurze Übergangsphase zwischen den Mushki und Jari Phasen. Ihre Keramik zeigt Zwischenstufen zwischen den beiden gut definierten Keramiken von Tall-e Mushki und Tall-e Jari mit einem Entwicklungsmuster zur Keramik von Tall-e Jari. Die Datumsgrenze zwischen Tall-e Mushki und Tall-e Jari liegt etwa um 6050 v. Chr., die mit den ältesten Belegen der Baschi Phase übereinstimmt. Das Ende der Baschi Phase ist wegen fehlenden Daten aus der ältesten Phase von Tall-e Jari schwierig anzugeben und wird auf ungefähr 6000 v. Chr. angenommen.[2.3]

Gesellschaft

Tall-e Mushki ist eine der frühesten landwirtschaftlichen Siedlungen in der Provinz Fars. Die Stätte enthält fünf übereinander liegende Schichten von Besiedlungen, wobei die Gebäude im Gegensatz zu Tall-e Jari nicht direkt übereinander liegen. Die Architektur enthält rechteckige oder gekrümmte Strukturen aus Chineh (aufgetragenen Lehmschichten) die direkt auf dem Grund gebaut wurden. Die Verschiebung der Strukturen in den verschiedenen Schichten sowie die dünnen Wände deuten darauf hin, dass es sich um unregelmäßige Besiedlungen gehandelt hat.[5][2.1]

Neben Klingen, die oftmals zu Halbmonden geformt waren und als Widerhaken für Jagdwerkzeuge verwendet wurden, fand man Obsidian, der aus dem Norden importiert worden war, und Werkzeuge aus Kalk- und Sandstein, die zum Schleifen benutzt wurden. Im Weiteren fanden sich Knochennadeln und -sicheln, Kupferstifte, Tonobjekte, Schmuck aus Muscheln, die wahrscheinlich vom Golf von Oman stammten, und die von den Archäologen bezeichneten Ohrenstöpsel aus Stein oder Lehm, die etwa 400 Mal gefunden wurden und deren Zweck nicht geklärt ist. Es fanden sich Tierformen aus Lehm, die wahrscheinlich Ziegen darstellten.[5]

Die Bewohner von Tall-e Mushki bauten Weizen und Gerste an. Ihr Anteil an der Selbstversorgung ist unbekannt. Es wurde auch eine große Abhängigkeit von wilden Tieren, wie Esel, Bullen und Gazellen festgestellt. Der knappe Anteil an domestizierten Tieren ist auffällig.[5]

Der Übergang von der Mushki zur jüngeren Jari Phase war mit einer Reihe von sozialen und ökonomischen Veränderungen verbunden. Die bemerkenswerteste Neuerung fand im Bereich der Selbstversorgung statt, die sich von einer weniger sesshaften Lebensweise zu einer sesshafteren Beschäftigung entwickelte. Sie offenbart sich in den kurzfristig erstellen architektonischen Elementen in Tall-e Mushki gegenüber den soliden Behausungen in Tall-e Jari. Die weitläufigen Funde der Keramik von Tall-e Mushki in der Region von Fars steht im Gegensatz zum beschränkten Radius der Keramik von Tall-e Jari. Der Nachweis von mehreren nicht lokalen Materialien wie Metall, Obsidian und Muscheln in Tall-e Mushki und deren offensichtliche Abnahme in Tall-e Jari wird ebenfalls als Ausdruck vermehrter Sesshaftigkeit interpretiert. Die Dominanz der Jagd auf wildlebende Tiere in der Mushki Phase weicht einem dramatischen Anstieg in der Haltung von Ziegen und Schafen in der Jari Phase. Die zunehmende Sesshaftigkeit spiegelt sich auch in der Art der Werkzeuge, die sich von Jagdinstrumenten zu Elementen von Sicheln entwickelten. Als Ursache der veränderten Lebensweise werden die Auswirkungen der klimatischen Misox-Schwankung angenommen, die gegen Ende des 7. Jahrtausends v. Chr. stattfand.[2.4]

Forschungsgeschichte

Der Hügel von Tall-e Mushki wurde erstmals durch Louis Vanden Berghe 1951 untersucht, deren Ergebnisse er 1952 veröffentlichte.[9] Er datierte Tall-e Mushki ins Neolithikum. Eine erste Test-Grabung führte die Universität Tokio 1959 unter der Leitung von Namio Egami durch. 1965 erfolgte die umfangreichste Grabung, die ebenfalls von Namio Egami geleitet wurde. 2004 wurden von Abbas Alizadeh weitere Sondierungen durchgeführt mit dem Ziel, zusätzliche Daten über die Lebensweise in der Jungsteinzeit zu erhalten.[10][5]

Die Stellung von Tall-e Mushki als älteste Besiedlung der Flussebene des Kur war lange Gegenstand von Kontroversen. Wichtige Beiträge zu den chronologischen Sequenzen stammen von Louis Vanden Berghe 1952,[9] dem japanischen Team unter der Leitung von Namio Egami 1973,[11] von William M. Sumner, der mehrere systematische Untersuchungen der Oberflächen in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren durchgeführt hatte,[12] von Akiyo Maeda von der Universität Tokio 1986,[13] von Abbas Alizadeh vom Oriental Institute of Chicago 2004[1] und von Yoshihiro Nishiaki von der Universität Tokio 2010.[2][5]

Die Ursache für die Schwierigkeiten, eine Chronologie für das Neolithikum in Fars zu erstellen, waren die mangelnde Verfügbarkeit von Daten aus der Radiokarbonmethode der japanischen Kampagnen an den Stätten Tall-e Mushki und Tall-e Jari B. Ein weiterer Grund lag in der Vorläufigkeit der Dokumentation über die Ergebnisse an der Stätte Tall-e Jari B. Neuere stratigraphischen Ergebnisse von Abbas Alizadeh stellten eine Verbesserung dar, aber dessen Daten stammen von zu kleinen Grabungen, um sie in Verbindung zu den japanischen Ergebnissen zu bringen.[2.5] Erst neuere zusätzliche Untersuchungen aus den alten Proben der japanischen Exkursion bestätigten die Chronologie, nach der Tall-e Mushki älter als Tall-e Jari ist.[5]

Literatur

  • Shinji Fukai, Kiyoharu Horiuchi, Toshio Matsutani: Marv-Dasht: III: The Excavation at Tall-i-Mushki, 1965. The Tokyo University Iran–Iraq archaeological expedition, Report 14, University of Tokyo, Tokyo 1973.
  • Abbas Alizadeh, Mohsen Zeidi, Alireza Askari, Lili Niakan, Ali Atabaki: Excavations at Tall-e Bakun A and B, Jari A and B, and Mushki: Reconstruction of the Prehistoric Environment in Marvdasht. Iranian Prehistoric Project. Oriental Institute 2003–2004 Annual Report, Chicago 2004, S. 95–107. (isac.uchicago.edu)
  • Yoshihiro Nishiaki: A radiocarbon chronology for the neolithic settlement of Tall-i Mushki, Marv Dasht Plain, Fars, Iran. In: Iran. Band 48, Taylor & Francis, London 2010, S. 1–10. (jstor.org)
  • Yoshihiro Nishiaki: MUSHKI, TALL-E. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica. 10. Januar 2014 (englisch, iranicaonline.org [abgerufen am 9. Dezember 2025] mit Literaturangaben).

Einzelnachweise

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