Tameryraptor
ausgestorbene Gattung der Carcharodontosaurid-Theropoden-Dinosaurier
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Tameryraptor ("Dieb aus dem geliebten Land") ist eine Gattung von theropoden Dinosauriern, die während der frühen Oberkreide (Cenomanium) im heutigen Ägypten lebte. Die einzig bekannte Art ist T. markgrafi, welche von einigen Schädelteilen, Wirbeln und Beinknochen bekannt ist. Ursprünglich wurde die Gattung Carcharodontosaurus zugeordnet. Aufgrund eines Bombenangriffs während des Zweiten Weltkriegs wurde der Holotyp zerstört. Tameryraptor ist einer der wenigen afrikanischen Carcharodontosauriden, bei denen Schädelreste erhalten waren.
| Tameryraptor | ||||||||||||
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Holotyp von Tameryraptor markgrafi (SNSB-BSPG 1922 X46). Foto des Exemplars vor April 1944 | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Cenomanium (Oberkreide) | ||||||||||||
| 100,5 bis 93,9 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
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Bahariya-Formation (Ägypten, Nordafrika) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Tameryraptor | ||||||||||||
| Kellermann, Cuesta & Rauhut, 2025 | ||||||||||||
| Art | ||||||||||||
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Entdeckung und Benennung

Im April 1914 fand der österreichische Paläontologe Richard Markgraf Fossilien eines Theropoden in Al-Bahariyya. Die Sedimente stammen aus der Bahariya-Formation, einer der vielen kreidezeitlichen Fundstellen in Nordafrika[1][2][3] Markgraf sammelte ausgiebig Skelette für seinen Auftraggeber, den deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach vom Paläontologischen Museum München. Das Skelett (SNSB-BSPG 1922 X 46) beinhaltete Teile des Schädels, Zähne und drei Halswirbel. Des Weiteren einen Schwanzwirbel, einen Teil des Beckens, beide Oberschenkelknochen sowie das linke Wadenbein.[4]

Aufgrund von politischen Spannungen zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem von Großbritannien besetzten Ägypten dauerte es Jahre, bis die Ausgrabungen nach Deutschland gelangten. Erst 1922 wurden die Knochen nach München transportiert, wo sie von Reichenbach 1931 beschrieb.[3] Dieser erkannte, dass die Zähne des Exemplars mit dem Gebiss übereinstimmten, das Depéret und Savornin 1925 für ihre neue Art „Megalosaurus“ saharicus beschrieben hatten. Er stellte eine neue Gattung für die Art auf, genannt Carcharodontosaurus. Im Zweiten Weltkrieg wurden der Holotyp und anderes Material während der Luftangriffe auf München, in der Nacht auf den 25. April 1944, zerstört.[5][6] Das einzig verbleibende Relikt ist ein Schädelausguss, welcher den Krieg überlebt hat.[2]
Anfang 2025 beschrieben Kellermann, Cuesta & Rauhut, basierend auf den fossilen Überresten, Tameryraptor markgrafi als eine neue Art in der Gruppe der Carcharodontosauriden. Da die Fossilien zerstört sind, war ihre Beschreibung nur auf Grundlage eines Archivfotos möglich. Der Name Tameryraptor verbindet das altägyptische Wort Ta-mery „geliebtes Land“ mit Raptor „Dieb“. Die Bezeichnung markgrafi ehrt Richard Markgraf, den Entdecker der Überreste.[4]
Beschreibung

Ernst Stromer von Reichenbach schätzte im Jahr 1931 die Größe des Exemplars zwischen 8 und 9 Metern, ähnlich der des Gorgosaurus.[3][7][8]
Schädel und Gebiss
Der entdeckte Schädel war unvollständig und beschädigt, allein das Nasenbein und ein Teil des linken Oberkiefers waren erhalten. Wie bei anderen Carcharodontosauriden sind die Nasenlöcher stark geriffelt. Außerdem zeigt sich ein hornartiger Vorsprung von 3 cm Höhe, welcher durch eine kleine Vertiefung dahinter hervorgehoben wird. Die Zähne des Oberkiefers sind deutlich symmetrischer und dreieckiger als die des Carcharodontosaurus. Sie zeigen eine Ähnlichkeit zu einem Zahnfragment, welches in der Kem Kem Gruppe gefunden wurde, sowie zu einem Zahn, der zu Mapusaurus gehört. Wie bei anderen Carcharodontosauriden besitzen die Zähne horizontale Zahnschmelzfurchen.[4]
Rumpf
Ursprünglich wurde der Holotyp als eines der vollständigsten postkranialen Exemplare von Carcharodontosaurus zugeordnet. Das Exemplar enthielt drei Halswirbel, welche stark verwittert waren, einen zweiten Halswirbel (Axis) sowie zwei vordere Halswirbel, die größer als der Axis sind. Ähnlich wie beim verwandten Giganotosaurus sind die Halswirbel von kleinen Dornfortsätzen gekrönt, welche mit robusten Querfortsätzen verbunden sind. Diese erstreckten sich über flache Vertiefungen an den Seiten der Wirbelkörper, die vermutlich pneumatische Luftsäcke enthielten, um die Wirbel leichter zu machen. Entlang der Unterseite sind die Wirbel mit Kielen versehen. Der Schwanzwirbel war unvollständig, da ein großer Teil des Dornfortsatzes fehlte. Dieser besaß jedoch seitliche Fortsätze, die mit den Chevronknochen verbunden gewesen wären. Diese besaßen ebenfalls flache Vertiefungen. Außerdem wurde bei diesem Exemplar der Hämalbogen geborgen.[3][4]

Das Becken war unvollständig und enthielt beide Schambeine sowie das linke Sitzbein. Dieses ist fast direkt horizontal ausgerichtet. Die Schambeine waren wahrscheinlich fast 1 Meter lang, mit dünnen Schäften an den vorderen Enden, wo sie miteinander verbunden waren und in der Vorderansicht eine V-Form bildeten. Mit 1,26 Metern gehören die beiden Oberschenkelknochen zu den größten, die bei Theropoden gefunden wurden. Der Trochanter major ist klein, besitzt jedoch einen deutlichen Vorsprung, an dem der M. caudofemoralis longus anknüpft. Das Wadenbein besaß eine Länge von 88 cm, was rund einem Drittel des Oberschenkelknochens entspricht. In der seitlichen Ansicht war das vordere Ende dreieckig, mit gewölbten Gelenkfortsätzen, während das hintere Ende abgerundet war.[3][4]
Klassifizierung

Nach Analysen von Kellermann, Cuesta & Rauhut im Jahr 2025 wurde Tameryraptor als nicht-carcharodontosaurines Mitglied unter den Carcharodontosauridae beschrieben. Stattdessen ergaben diese, dass Carcharodontosauridae und Metriacanthosauridae miteinander verwandt sind, wodurch sich eine neue Ordnung ergibt, die Carcharodontosauriformes. Die Ergebnisse sind im nachstehenden Kladogramm dargestellt:[4]
| Carcharodontosauriformes |
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Umwelt
Das kreidezeitliche Nordafrika grenzte während des Cenomanium (Oberkreide) an das Tethysmeer, wodurch sich die Umgebung in eine ausgedehnte, von Mangroven dominierte, Küstenlandschaft mit Wattflächen und Flüssen verwandelte.[9] Tameryraptor lebte in der Bahariya-Formation, damals ein Feuchtgebiet, unter anderem neben Spinosaurus; ebenfalls aus der Kem Kem Gruppe bekannt. Ebenso zeitgenössisch waren verschiedene Abelisauridae, welche sich von Landtieren ernährten.[10] Einige der bekannten Sauropoden aus der Region sind Paralititan und Aegyptosaurus.[11]
