Tanele Maseko

Menschenrechtsaktivistin in Eswatini (bl. 2023) From Wikipedia, the free encyclopedia

Tanele Maseko ist eine Menschenrechtsaktivistin und die Witwe des prominenten Menschenrechtsanwalts und Demokratie-Aktivisten Thulani Maseko. Seit der Ermordung ihres Ehemannes 2023 engagiert sich Maseko stark für die Fortführung seines Wirkens und die Förderung demokratischer Reformen in Eswatini. Zudem fordert sie eine unabhängige Untersuchung seines Todes, wofür sie von den swasiländischen Behörden schikaniert und eingeschüchtert wird.

Leben

Maseko wurde in KaLuhleko, Bhunya, Manzini, geboren.[1] Maseko heiratete Thulani Maseko 2008. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder und lebten in Luyengo, in der Nähe von Mbabane.[2][3][4]

Aktivismus

Masekos Ehemann Thulani erlangte Bekanntheit als Demokratieaktivist und als Anwalt für Minderheiten und benachteiligte Gruppen in Eswatini. Thulani war vom 18. März 2014 bis zum 30. Juli 2015 wegen Missachtung des Gerichts inhaftiert, nachdem er in der Zeitung „The Nation“ einen Artikel veröffentlicht hatte, in dem er Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit und Integrität der Justiz in Eswatini äußerte. Während der Haft ihres Mannes schrieb Maseko einen Artikel für Amnesty International über ihre Erfahrungen als Ehefrau eines politischen Gefangenen (prisoner of conscience, POC).[2]

Am 21. Januar 2023 wurde Thulani Maseko von Unbekannten ermordet, während er mit Maseko und den beiden Kindern zu Hause fernsah. Masekos Tod ereignete sich nur wenige Stunden, nachdem König Mswati III. von Eswatini Menschenrechtsaktivisten im Land öffentlich davor gewarnt hatte, „Tränen zu vergießen“, weil „Söldner sie töten“ („not to shed tears… mercenaries killing them“).[3][4][5] Nach dem Tod ihres Mannes erlangte Maseko größere Bekanntheit und wurde zum Gesicht der Kampagne „Gerechtigkeit für Thulani“. Im Juli 2023 erklärte sie, seit unmittelbar nach Thulanis Ermordung keine Informationen von der Polizei erhalten zu haben, und warf ihr vor, die Ermittlungen als ungelösten Fall zu behandeln.[6]

Maseko gründete die Thulani-Maseko-Stiftung, um das Vermächtnis ihres Mannes fortzuführen. Dazu gehört ihr Engagement für demokratische Reformen in Eswatini und den Übergang von der absoluten Monarchie. Maseko wurde außerdem stellvertretende Direktorin der Southern Defenders, eines regionalen Menschenrechtsnetzwerks im südlichen Afrika.[4][7] Maseko äußerte sich öffentlich kritisch über Mswati III. Im Oktober 2023 kritisierte sie während eines Gesprächs mit dem Oslo Freedom Forum in Taipeh die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen für ihren Staatsbesuch in Eswatini und die Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen zur swasiländischen Regierung trotz deren Unterdrückung der Bevölkerung.[8]

Belästigungskampagne und Verhaftung

Im Dezember 2023, als sie in London den Magnitsky Human Rights Awards posthum für ihren Mann entgegennahm, beschuldigte sie Mswati III., ein Diktator zu sein, der die Ermordung ihres Mannes aufgrund seines Engagements für Menschenrechte angeordnet habe.[9] Lokale unabhängige Medien in Eswatini berichteten, dass Maseko von staatlichen Behörden ins Visier genommen und überwacht werde und ihr Leben möglicherweise in Gefahr sei.[10] Am 29. Dezember 2023 veröffentlichte der Regierungssprecher von Eswatini, Alpheous Nxumalo, eine Erklärung auf X, in welcher er die Berichte zurückwies und gleichzeitig abfällige Bemerkungen über Maseko machte. Unter anderem warf er ihr vor, an einer „globalen Farce“ („a global charade to cash in on her husband’s death“) teilzunehmen, um aus dem Tod ihres Mannes Profit zu schlagen, den Tatort unmittelbar nach Thulanis Tod verunreinigt und Äußerungen von Mswati III. zu seiner Haltung gegenüber Menschenrechtsaktivisten falsch dargestellt zu haben.[11] Nxumalos Äußerungen wurden von Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten, darunter der Human Rights Foundation, dem Southern Africa Human Rights Defenders Network, dem Swaziland Multi-Stakeholder Forum und Maxwell Nkambule verurteilt.[9]

Am 27. März 2024 wurden Maseko und ihre Kinder an der Grenze zwischen Südafrika und Eswatini, zwischen Oshoek und Ngwenya, festgesetzt, als sie versuchten, nach Eswatini zurückzukehren. Beamte der Einwanderungsbehörde gaben an, dass Masekos Pass als der einer gesuchten Person gekennzeichnet war. Daraufhin beschlagnahmten örtliche Polizeibeamte Masekos Pass und Handy und verhörten sie vier Stunden lang im Polizeipräsidium der Region Manzini, bevor sie bis zu einer weiteren Vernehmung am folgenden Tag in Mbabane freigelassen wurde. Zunächst hieß es, Masekos Fahndungsstatus stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Tod ihres Ehemannes.[4][10][12]

Am 28. März wurde Masekos Vernehmung durch die Polizei in Mbabane abgebrochen, nachdem ihre Anwälte die Rechtmäßigkeit der Verweigerung ihrer Anwesenheit durch die Polizei angefochten hatten. Während ihrer Zeit auf der Polizeiwache protestierten Aktivistinnen der Swaziland Rural Women’s Assembly vor dem Gebäude gegen Masekos Verhaftung.[12][1] Bis zum 29. März 2024 hatte die Polizei keine Informationen darüber veröffentlicht, warum Maseko von den Behörden als gesuchte Person eingestuft wurde.[12] Lydia Dlamini, die amtierende Polizeipräsidentin von Eswatini, erklärte, Maseko müsse vernommen werden, da sie die einzige Zeugin des Mordes an ihrem Ehemann sei, und warf ihr mangelnde Kooperation mit der Polizei vor.[13]

Regionale und internationale Menschenrechtsorganisationen, darunter African Defenders, das Southern Africa Litigation Centre, das Zentrum für Menschenrechte der Universität Pretoria (Centre for Human Rights at the University of Pretoria), Human Rights Watch und Amnesty International, verurteilten die gezielte Verfolgung und Inhaftierung von Maseko und forderten die Regierung von Swasiland auf, eine unabhängige und transparente Untersuchung des Todes von Thulani Maseko durchzuführen. Human Rights Watch beschrieb die Schikanierung Masekos durch die swasiländischen Behörden als Versuch, sie davon abzuhalten, für den Mord an ihrem Ehemann „Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht“ („justice and accountability“) einzufordern, während Amnesty International der Regierung vorwarf, das Strafrechtssystem zu instrumentalisieren, um Maseko ins Visier zu nehmen.[4][12][14][15][16]

Einzelnachweise

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