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Tanmono

Stoff für traditionelle japanische Kleidung From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Tanmono (japanisch 反物) ist ein Ballen eines traditionellen japanischen, schmal gewebten Stoffes. Er wird zur Herstellung von traditioneller japanischer Kleidung, textilen Raumteilern, Segeln und anderen traditionellen Stoffartikeln verwendet.

Aufgerollter Tanmono
Schnittmuster für einen Kimono von einem Tanmono

Ein Tan ist eine traditionelle Maßeinheit für Stoff, nämlich die Menge, die man für einen Kimono benötigt. Das entspricht etwa zwölf Metern[1][2][3]. Tanmono werden an einem Handwebstuhl mit Handschützen in schmalen Breiten (ca. 34–40 cm) gewebt.[1]

Geschichte und Fasern

Ein Tanmono kann aus einer Vielzahl von Fasern gewebt werden, darunter Seide, Wolle, Hanf, Leinen und Baumwolle. In neuerer Zeit sind auch Polyester oder Viskose beliebt, da diese Stoffe leicht zu waschen sind.[4][5]

In der Jomon-Zeit (8000–300 v. Chr.) stellten die Menschen gezwirnte Textilien aus den Bastfasern einer Vielzahl von Pflanzen her. Zwischen dem 2. und 3. Jahrhundert v. Chr. begannen Einwanderer vom Festland, die domestizierte Ramie-Pflanze zu nutzen. Zu dieser Zeit war auch Seide bekannt, wurde aber nur von der Oberschicht genutzt. Papier wurde im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. entwickelt, und Textilien, die Papierfasern enthielten, wurden wahrscheinlich ab dem 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. gewebt, allerdings gibt es dazu kaum Aufzeichnungen.

Im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. brachten Einwanderer aus der Tang-Dynastie neue Produktionstechniken für Textilien mit und die japanische Seidenweberei verbesserte sich. Seide wurde für edle Stoffe verwendet.[6]

Im 15. Jahrhundert wurde die Baumwolle aus Korea eingeführt. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts war Baumwolle in Japan nicht weit verbreitet; die einfachen Leute waren weiterhin auf wilde und kultivierte Bastfasern angewiesen. Die Stoffe der Arbeiter wurden meist aus Hanf oder Ramie hergestellt. Baumwolle war teurer, insbesondere außerhalb der westlichen Regionen Japans, wo sie nicht angebaut wurde. Gebrauchte Baumwollstoffe wurden jedoch auch an Bauern außerhalb dieser Gebiete verkauft und wegen ihrer Weichheit und Wärmespeicherung gegenüber Hanfstoffen bevorzugt. Die Weberei war weitgehend ein Heimgewerbe, bis in den 1870er Jahren in Japan erstmals Baumwollstoffe maschinell hergestellt wurden.[6] Tanmono werden nun oft maschinell gewebt.

Kamiko („Papierkind“) ist ein weiches, flexibles Papier, dessen Rückseite mit Baumwolle oder Seide verklebt ist. Es ist stark wärmeisolierend. Kimonos aus Kamiko wurden von den Armen der Edo-Zeit getragen; teurere Kamiko-Kimonos waren aufwändig verziert. Kamiko wurde auch für die Herstellung anderer Kleidungsstücke verwendet.[7]

Meisen, ein heller, glänzender, haltbarer Stoff, der maschinell aus Seide hergestellt wird, wurde erstmals im späten 19. Jahrhundert hergestellt und erfreute sich in den 1920er und 1930er Jahren großer Beliebtheit. Es ist eine glänzendere, maschinell hergestellte Version von Tsumugi (Stoff). Wolle, insbesondere Merinowolle, wurde in der gleichen Zeit eingeführt und war weit verbreitet.

Viskose (Jinken) wurde ab den 1920er Jahren in großem Umfang verwendet; früher wurde Viskose nach dem Cupro-Verfahren hergestellt, das auch heute noch in einer Fabrik in Japan eingesetzt wird (Stand 2020).[8] Obwohl die Haltbarkeit von Zellwolle durch Verbesserungen im Produktionsprozess Ende des 20. Jahrhunderts erheblich verbessert wurde, sind die frühen japanischen Zellwollgewebe für ihre geringere Haltbarkeit bekannt, da sie anfälliger für altersbedingten Abbau sind und da die Fasern bei Kontakt mit Wasser geschwächt werden.[9][10] Die meiste Viskose wird heute nach dem Viskoseverfahren hergestellt, bei dem giftiger Schwefelkohlenstoff verwendet wird.[11] Die Schwefelkohlenstoffemissionen sind bei in Japan hergestellter Zellwolle rückläufig, aber in den anderen asiatischen Herstellerländern werden sie nicht kontrolliert (Stand 2004)[12] oder sind nicht bekannt,[13][14] genauso wenig wie die negativen Gesundheitsfolgen.[15][16]

Liste von Fasern

Gewebe

Für Tanmono werden in der Regel vier Gewebe-Arten verwendet.[17]

  • Hira-ori, ein einfarbiges Gewebe, ist einfach, strapazierfähig und weit verbreitet. Aya-ori oder Shamon-ori ist eine Köperbindung, die weiche, fließende Stoffe ergibt.
  • Shusu-ori ist eine Satinbindung; sie ist dick und glänzend und hat einen schweren Fall,[17][18] Aber die langen Schlingen führen dazu, dass der Stoff sich leicht verfängt. Schwarze Shusu-Seide wurde früher häufig als Rückseite für den Chūya Obi verwendet.
  • Mojiri-ori ist eine Kategorie von Gazegeweben, die für Sha-, Ro- und Ra-Gaze verwendet werden.[17]
  • Mon-ori (Musterweben) umfasst die Musterung durch Variation der Bindung und die Musterung durch Weben mit unterschiedlich gefärbten Fäden. Zu den gewebten Mustern gehören aya (gemusterter Köper), donsu (Satin-Damast), rinzu (gemusterte Seide) und mon-chirimen (gemusterter Crepe).[17]

Webtechnik, Maße und Verwendung

Historischer japanischer Handwebstuhl (izaribata oder jibata, ein Rückengurtwebstuhl);[19] Diese wurden später weitgehend durch Takahata (Flachwebstühle) ersetzt,[20] dann durch mechanisierte Webstühle.

Tanmono werden schmal gewebt. Breiten um 40 cm sind üblich, da diese auf einem Rückengurtwebstuhl ergonomisch am einfachsten zu weben waren.[1]

Handgesponnene und handgewebte Tanmono werden in Japan immer noch hergestellt, aber sie sind sehr teuer und das Handwerk ist im Niedergang begriffen. Während in früheren Jahrzehnten bis zu 20.000 Handwerker an der Herstellung von Ōshima tsumugi beteiligt waren, gab es 2017 nur noch 500 Handwerker.[21] Einige Tanmono-Varianten, die früher aus der Not heraus von der Unterschicht und der Arbeiterklasse hergestellt wurden, werden heute als Hobby und von Kunsthandwerkern wegen ihrer rustikalen Ausstrahlung hergestellt. Saki-ori zum Beispiel wurde früher aus alten Kimonos gewebt, die in 1 Zentimeter breite Streifen geschnitten wurden, wobei für einen Obi etwa drei alte Kimonos benötigt wurden.[22] Die traditionell aus Sparsamkeit gefertigten Sakiori obi sind heute teure, informelle Kleidungsstücke, die aufgrund ihrer begrenzten Produktion und ihrer handwerklichen Qualität geschätzt werden.

Obwohl moderne Tanmono zumeist maschinell gewebt werden, ist die schmale Breite der meisten Tanmono nach wie vor ein Standard in der Produktion. Moderne westliche Stoffe und traditionelle Stoffe, die auf automatischen Webstühlen hergestellt werden, sind in der Regel viel breiter; sie werden seltener für die Kimonoherstellung verwendet. Manchmal findet man jedoch ungewöhnlich breite Tanmono, die für die Verwendung als Altartuch oder für Maru Obi bestimmt sind. Breitere Tanmono, und noch häufiger längere Tanmono, werden gelegentlich auch für die Kimonoherstellung verkauft; einige von ihnen werden größer gewebt, um größeren Menschen Platz zu bieten, wobei längere Tanmono typischerweise für die Herstellung eines abgestimmten Sets aus Kimono und Jacke (Haori) verwendet werden.[2][9] Es werden auch kürzere Längen für Kleidungsstücke gewebt, für die weniger Stoff benötigt wird; ein Hajaku ist beispielsweise eine kürzere Länge, die für einen Haori gewebt wird (eine Länge, die für einen Kimono gewebt wird, heißt Kijaku).[23]

Historisch wurden die Ballen auf Bestellung gewebt, so dass die Länge an die Größe des Trägers angepasst werden konnte. Die Standardbreite von Tanmono für Männer und Frauen betrug jedoch bis spät in das 17. Jahrhundert etwa 40–45 Zentimeter. Der Kosode, der direkte Vorgänger des Kimonos, hatte also breitere Proportionen als der heutige Kimono.[24] Etwa in der Meiji-Zeit (1868–1912) wurde die Stoffbahnlänge für Kimonos standardisiert. Überschüssige Länge wurde und wird mit einer Biesennaht über den Rücken angepasst sowie, bei Frauen, durch schoppen in der Taille.[25] Bis zum 20. Jahrhundert betrug die Standardbreite des Tanmono für Frauen etwa 35 Zentimeter, während der Tanmono für Männer mit etwa 40–45 Zentimetern breiter gewebt wurde.

Die Nahtbreite des Kleidungsstücks wird so angepasst, dass das fertige Kleidungsstück der Person passt, anstatt den Stoff schmaler zu schneiden.[2][24] Der Überschuss wird umgeschlagen, nicht abgeschnitten.[26][5.1]

Ein aus einem Tanmono hergestelltes Kleidungsstück kann zur Reinigung (arai-hari, typischerweise für teurere oder formelle Kimonos), zum Umfärben und für Reparaturen zerlegt werden[2]; es kann auch zerlegt werden, um die Teile für eine gleichmäßigere Abnutzung zu drehen,[9] oder um die Größe zu ändern. Wenn der Stoff abgenutzt ist, kann er als Stoff für kleinere Gegenstände oder zur Herstellung von Boroboro (Patchwork)-Futons oder -Kleidungsstücken verwendet werden. Die Tatsache, dass die Teile eines Kimonos aus Rechtecken und nicht aus komplexen Formen bestehen, erleichtert die Wiederverwendung für andere Gegenstände oder Kleidungsstücke. Patchwork-Kleidungsstücke waren in den 1500er Jahren sehr beliebt und werden traditionell von buddhistischen Mönchen als Kutte getragen.[24]

Dekoration

A man hand-dyes a length of white cloth with a floral design, painting in individual flowers in different colours.
Bemalung von Hand

Tanmono werden mit einer Vielzahl von Techniken verziert, entweder beim Weben, durch Stickerei, Färben, eine Kombination von Techniken oder andere, wie z. B. Appliqué.

Die Dekorationstechnik, die eingesetzt wird, hängt im Allgemeinen von der Nutzung ab. Werden Fasern und Garne vor dem Weben gefärbt – einfarbig oder Ikat-gemustert – werden daraus erstellte Kimonos zu informellen Anlässen getragen. Für einen formellen Kimono wird der Stoff nach dem Weben gefärbt oder bestickt. Für Obi hingegen gelten gewebte Muster als die formellsten; die verwendete Webtechnik (Brokat) ist besonders aufwendig. Obi mit eingefärbten und gestickten Mustern werden mit weniger formellen Kimonos kombiniert.

Ist ein Tanmono für einen formellen Kimono vorgesehen, wie etwa Hōmongi, Tsukesage, Irotomesode oder Kurotomesode, werden die Teile zusammengeheftet (kari-eba), damit das Muster über die Nähte hinweg aufgebracht werden kann. Für einen weniger formellen Kimono werden die Muster auf den Stoff aufgebracht, bevor er geschnitten und genäht wird.[2] Tsukesage-Kimonos verwenden Muster, die sich nicht über Nähte hinweg fortsetzen.

Traditionell wurden Tanmono individuell im Auftrag gefärbt oder gewebt; obwohl Kimono immer noch auf Auftrag hergestellt werden, werden heutzutage Tanmono eher fertig gekauft und später genäht.

Kasuri

Einfaches Karusi-Muster

Die meisten ikat-gewebten, indigo-gefärbten Baumwollstoffe – Kasuri genannt – sind historisch handgewebt von Arbeitern, die die Garne und Stoffe für die Herstellung ihrer eigenen Kleidung sponnen und webten, bis billigere Kleidung von der Stange verfügbar war.[27] Sakiori-obi haben oft ein ikat-gefärbtes Muster aus Streifen, Karos und Pfeilen in indigoblau.[28]

Rinzu

Rinzu ist ein Seidenstoff, dessen figürliche oder geometrische Motive durch Variation der Webart entstehen, z. B. durch Damast-Musterung. Er kann zusätzlich mit gefärbten oder gestickten Mustern verziert werden.

Reserve-Färbungen

Dieses edo-komon-Stoffmuster ist schablonengefärbt. Die feinen Linien werden von Hand in Yūzen-Technik aufgetragen.

Reservefärbungen umfassen Techniken, bei denen Teile des Stoffes durch aufgetragene Reservepaste (z. B. bei Yūzen) oder Abbinden von Teilen des Stoffes (shibori) vor dem Färbesud geschützt werden, so dass sie weiß bleiben.

Für sich wiederholende Muster, die einen großen Bereich des Grundgewebes abdecken, wird das Reservefärben in der Regel mit einer Schablone angewendet, eine Technik, die als Katazome bekannt ist.[29]

Andere Arten von Reispasten-Reservetechnik wurden von Hand aufgetragen, eine Technik, die als Tsutsugaki bekannt ist und häufig sowohl bei hochwertigen, teuren Kimonos als auch bei auf dem Land produzierten Kimonos, Noren-Vorhängen und anderen Haushaltswaren zu sehen ist. Bei hochwertigen Kimonos wird die Reserve in detaillierten Mustern von Hand aufgetragen, damit verschiedene Farbtöne von Hand in den verbleibenden Freiflächen aufgetragen werden können. Bei ländlichen Stoffen hingegen wurde die Reserve is einfachen, goben Mustern aufgetragen und mit Indigo gefäbt, was zu dem ikonischen Aussehen von weiß-indigofarbener Landkleidung führte, wobei Reispaste manchmal auf zuvor offene Bereiche aufgetragen wurde, um hellere Blaubereiche auf einem dunkleren indigoblauen Hintergrund zu erzeugen.

Fadengebundener Shibori, fertig zum Färben und nach dem Färben

Eine andere Reserve-Technik ist Shibori, eine Form von Färben mit Bindetechnik, die von den einfachsten Falt-und-Klemmtechniken bis zu den aufwändigsten des Kanoko Shibori, bei denen es Jahre dauern kann, bis sie fertig sind. Muster werden durch eine Reihe verschiedener Techniken erzeugt, bei denen der Stoff gebunden wird, entweder mit Holzformen, die vor dem Färben auf den Stoff geklemmt werden, mit Fäden, die um winzige Stoffkneifen gewickelt werden, oder mit Stoffabschnitten, die mit Faden zusammengezogen und dann mit widerstandsfähigen Materialien wie Kunststoff oder (traditionell) den Hüllen der Pflanze Phyllostachys bambusoides (in Japan entweder als Kashirodake oder Madak bekannt) verschlossen werden. Der für Shibori vorbereitete Stoff wird meist von Hand gefärbt, wobei das reservierte Muster sichtbar wird, wenn die Einbände vom Stoff entfernt werden.

Siehe auch

  • Ittan-Momen, ein von Geistern besessener, belebter Tanmono, der vor allem nachts durch die Luft fliegt.

Einzelnachweise

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