Tannhäuser-Ballade
Volksballade
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Die Tannhäuser-Ballade oder das Tannhäuserlied ist eine frühneuzeitliche Volksballade, die in verschiedenen Fassungen die mittelalterliche Tannhäuser-Sage erzählt, deren Hauptfigur der Minnesänger Tannhäuser ist.
Der typische Aufbau dieser Ballade ist folgender: Es beginnt mit den Eingangstrophen, in denen Tannhäuser in den Venusberg zieht, gefolgt von dem als Dialog wiedergegebenen Streit zwischen Venus und Tannhäuser, der in die Welt zurückkehren will. Tannhäuser verlässt schließlich den Berg und zieht nach Rom, um vom Papst Vergebung zu erbitten. Der weist ihn aber ab, weist auf einen dürren Stecken und sagt, so wenig dieser je grünen wird, so wenig wird Tannhäuser jemals Vergebung finden. Niedergeschmettert zieht Tannhäuser zurück in den Venusberg. Nach 3 Tagen beginnt der Stab zu grünen, der Papst lässt Tannhäuser suchen, aber es ist zu spät.
Die von der Ballade verwendete Strophenform ist der kreuzgereimte Vierzeiler.
Text
Die folgende Textfassung stammt aus der von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegebenen Sammlung Des Knaben Wunderhorn von 1806.[1]
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Nun will ich aber heben an, |
Tannhäuser wollt Ihr Urlaub han, |
Überlieferung
Zur Entstehung der Sage, zur Stoffgeschichte und Adaptionen des Stoffes in Literatur, Musik und Bildender Kunst siehe Tannhäuser-Sage.

Die Tannhäuser-Ballade ist ab der Mitte des 15. Jahrhunderts sowohl in hoch- als auch niederdeutschen und niederländischen Fassungen in zahlreichen Handschriften und Drucken überliefert. Philip Stephan Barto druckt im Anhang seiner Tannhäuser-Monographie 32 dieser verschiedene Versionen ab, darunter auch einige nur thematisch verwandte.[2.1]
Burghart Wachinger ordnet im Verfasserlexikon die diversen Fassungen nach Sprache und Strophenzahl chronologisch in 4 Gruppen. Die Beispiele geben jeweils die erste Strophe eines der Zeugnisse wieder[3.1]:
- Fassung A
- Ältere niederdeutsche Fassung mit 23 Strophen. Beispiel: Essener Liederheft, vermutlich um 1450 vom Essener Stadtschreiber Johann von Horle verfasst.[4]
Aver wyl yck heven aen
van Danuser tho syngen
wat hye wunderss heyfft gedaen
myt (sy) hoefschen mynnen.
- Fassung B
- Hochdeutsche Fassung mit 26 Strophen. Beispiel: Flugblatt von 1515, Jobst Gutknecht, Nürnberg[2.2]
Nun wil ichs aber heben an
Von dem Danheuser zu singen
Vnd was er hat wunders gethan
Mit seiner fraw Venussinnen
- Fassung C
- Jüngere niederdeutsche Fassung mit 29 Strophen. Beispiel: Fliegendes Blatt, ca. 1550[2.3]
Aver wil ick heven an
van einem Danhüser singen
und wat he wunders hefft gedaen
mit Venus der duvelinnen.
- Fassung D
- Niederländische Fassung mit 21 Strophen, in denen der Held Herr Daniel heißt. Beispiel: Jan Roulans: Liedekens-Boeck. Antwerpen 1544.[2.4]
Wildi horen een goet nieu liet?
ende dat sal ic ons singhen,
wat heer Danielken is gheschiet
al met vrou Venus minne.
Neben diesen Gruppen mit kreuzreimendem Vierzeilern, gibt es weitere Beispiele von Überlieferungen mit abweichenden Strophenformen bzw. mehr oder minder stark abweichendem Inhalt.
Für die weitere Rezeption werden dann zwei Abdrucke wichtig, nämlich Heinrich Kornmanns Mons Veneris, Fraw Veneris Berg von 1644[5] und davon abhängig die Blockes-Berges Verrichtung des Johannes Praetorius von 1668.[6]

Von Praetorius wurde die Ballade 1806 in die Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano übernommen[7] und 1816 erschien der Inhalt der Tannhäuser-Ballade in Prosafassung in den Deutschen Sagen der Brüder Grimm.[8] 1837 hatte Heinrich Heine im zweiten Teil seiner Elementargeister die Frage behandelt, ob und wenn ja inwiefern Frau Venus eine Teufelin sei und dabei nicht nur den Text der Ballade wiedergegeben, sondern eine eigene, erweiterte und mit einem satirischen Schluss versehene Fassung geliefert.
Literatur
- Anton Anderluh: Kärntens Volksliedschaft, Band II/1, Klagenfurt 1966, Lied-Nr. 20.
- Deutsches Volksliedarchiv und einzelne Herausgeber: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien. Balladen [DVldr], Band 1, Berlin 1935, Nr. 15. – Vgl. Otto Holzapfel u. a.: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien: Balladen. Band 10. Peter Lang, Bern 1996 (zu DVldr Nr. 15 im Volksballaden-Index O 39).
- Gert Glaser: Die Kärntner Volksballade. Klagenfurt 1975, S. 149–167 (ausführliche Darstellung der Liedbelege aus Kärnten aufgrund der Edition von Anderluh; Melodie-Parallelen).
- Otto Holzapfel: Das große deutsche Volksballadenbuch. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2000, S. 343–346 (mit Kommentar).
- Otto Holzapfel: Liedverzeichnis. Band 1–2, Olms, Hildesheim 2006, ISBN 3-487-13100-5 (Eintrag zu „Nun will ich aber heben an...“ mit weiteren Hinweisen).
- Richard M. Meyer: Tannhäuser und Tannhäusersage. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 21 (1911), S. 1–31.
- Dietz-Rüdiger Moser: Die Tannhäuser-Legende. Eine Studie über Intentionalität und Rezeption katechetischer Volkserzählungen zum Buss-Sakrament. De Gruyter, Berlin und New York 1977, ISBN 3-11-005957-6.
- Hanno Rüther: Der Mythos von den Minnesängern. Die Entstehung der Moringer-, Tannhäuser- und Bremberger-Ballade (= Pictura et Poesis 23). Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-23906-0, S. 140–266.
- Burghart Wachinger: Tannhäuser-Ballade. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Verfasserlexikon. Band 9. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 1995, Sp. 611–616.
Weblinks
- Drei Textfassungen: Flugblatt von 1515, Des Knaben Wunderhorn und Grimms Deutsche Sagen
- Tannhäuser-Lied von einem Fliegenden Blatt, ca. 1520
- Otto Holzapfel Liedverzeichnis (Online-Version als PDF; hier Lieddatei unter „Nun will ich aber heben an…“ und Lexikon unter „Tannhauser“)