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Tannhäuser-Ballade

Volksballade From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Tannhäuser-Ballade oder das Tannhäuserlied ist eine frühneuzeitliche Volksballade, die in verschiedenen Fassungen die mittelalterliche Tannhäuser-Sage erzählt, deren Hauptfigur der Minnesänger Tannhäuser ist.

Der typische Aufbau dieser Ballade ist folgender: Es beginnt mit den Eingangstrophen, in denen Tannhäuser in den Venusberg zieht, gefolgt von dem als Dialog wiedergegebenen Streit zwischen Venus und Tannhäuser, der in die Welt zurückkehren will. Tannhäuser verlässt schließlich den Berg und zieht nach Rom, um vom Papst Vergebung zu erbitten. Der weist ihn aber ab, weist auf einen dürren Stecken und sagt, so wenig dieser je grünen wird, so wenig wird Tannhäuser jemals Vergebung finden. Niedergeschmettert zieht Tannhäuser zurück in den Venusberg. Nach 3 Tagen beginnt der Stab zu grünen, der Papst lässt Tannhäuser suchen, aber es ist zu spät.

Die von der Ballade verwendete Strophenform ist der kreuzgereimte Vierzeiler.

Text

Die folgende Textfassung stammt aus der von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegebenen Sammlung Des Knaben Wunderhorn von 1806.[1]

Nun will ich aber heben an,
Vom Tannhäuser wollen wir singen,
Und was er wunders hat gethan,
Mit Frau Venussinnen.
 
Der Tannhäuser war ein Ritter gut,
Er wollt groß Wunder schauen,
Da zog er in Frau Venus Berg,
Zu andern schönen Frauen.
 
„Herr Tannhäuser, Ihr seyd mir lieb,
Daran sollt Ihr gedenken,
Ihr habt mir einen Eid geschworen,
Ihr wollt nicht von mir wanken.“
 
„Frau Venus, ich hab’ es nicht gethan,
Ich will dem widersprechen,
Denn niemand spricht das mehr, als Ihr,
Gott helf mir zu den Rechten.“
 
„Herr Tannhäuser, wie saget ihr mir!
Ihr sollet bey uns bleiben,
Ich geb Euch meiner Gespielen ein,
Zu einem eh’lichen Weibe.“
 
„Nehme ich dann ein ander Weib,
Als ich hab in meinem Sinne,
So muß ich in der Höllen-Gluth,
Da ewiglich verbrennen.“
 
„Du sagst mir viel von der Höllengluth,
Du hast es doch nicht befunden,
Gedenk an meinen rothen Mund,
Der lacht zu allen Stunden.“
 
„Was hilft mich Euer rother Mund,
Er ist mir gar unmehre,
Nun gib mir Urlaub Frau Venus zart,
Durch aller Frauen Ehre.“
 
„Herr Tannhäuser, wollt Ihr Urlaub han,
Ich will Euch keinen geben,
Nun bleibet edler Tannhäuser zart,
Und frischet Euer Leben.“
 
„Mein Leben ist schon worden krank,
Ich kann nicht länger bleiben,
Gebt mir Urlaub Fraue zart,
Von Eurem stolzen Leibe.“
 
„Herr Tannhäuser nicht sprecht also,
Ihr seyd nicht wohl bey Sinnen,
Nun laßt uns in die Kammer gehn,
Und spielen der heimlichen Minnen.“
 
„Eure Minne ist mir worden leid,
Ich hab in meinem Sinne,
O Venus, edle Jungfrau zart,
Ihr seyd ein Teufelinne.“
 
„Tannhäuser ach, wie sprecht Ihr so,
Bestehet Ihr mich zu schelten?
Sollt ihr noch länger bei uns seyn,
Des Worts müßt Ihr entgelten.
 

Tannhäuser wollt Ihr Urlaub han,
Nehmt Urlaub von den Greisen,
Und wo Ihr in dem Land umbfahrt,
Mein Lob das sollt Ihr preisen.“

Der Tannhäuser zog wieder aus dem Berg,
In Jammer und in Reuen:
„Ich will gen Rom in die fromme Stadt,
All auf den Pabst vertrauen.
 
Nun fahr ich fröhlich auf die Bahn,
Gott muß es immer walten,
Zu einem Pabst, der heißt Urban,
Ob er mich wolle behalten.
 
Herr Pabst Ihr geistlicher Vater mein,
Ich klag Euch meine Sünde,
Die ich mein Tag begangen hab,
Als ich Euch will verkünden.
 
Ich bin gewesen ein ganzes Jahr,
Bey Venus einer Frauen,
Nun will ich Beicht und Buß empfahn,
Ob ich möcht Gott anschauen.“
 
Der Pabst hat einen Stecken weiß,
Der war vom dürren Zweige:
„Wann dieser Stecken Blätter trägt,
Sind dir deine Sünden verziehen.“
 
„Sollt ich leben nicht mehr denn ein Jahr,
Ein Jahr auf dieser Erden,
So wollt ich Reu und Buß empfahn,
Und Gottes Gnad erwerben.“
 
Da zog er wieder aus der Stadt,
In Jammer und in Leiden:
„Maria Mutter, reine Magd,
Muß ich mich von dir scheiden,
 
So zieh ich wieder in den Berg,
Ewiglich und ohn Ende,
Zu Venus meiner Frauen zart,
Wohin mich Gott will senden.“
 
„Seyd willkommen Tannhäuser gut,
Ich hab Euch lang entbehret,
Willkommen seyd mein liebster Herr,
Du Held, mir treu bekehret.“
 
Darnach wohl auf den dritten Tag,
Der Stecken hub an zu grünen,
Da sandt man Boten in alle Land,
Wohin der Tannhäuser kommen.
 
Da war er wieder in den Berg,
Darinnen sollt er nun bleiben,
So lang bis an den jüngsten Tag,
Wo ihn Gott will hinweisen.
 
Das soll nimmer kein Priester thun,
Dem Menschen Mistrost geben,
Will er denn Buß und Reu empfahn,
Die Sünde sey ihm vergeben.

Überlieferung

Zur Entstehung der Sage, zur Stoffgeschichte und Adaptionen des Stoffes in Literatur, Musik und Bildender Kunst siehe Tannhäuser-Sage.

Tannhäuserlied aus dem Essener Liederheft (um 1450)

Die Tannhäuser-Ballade ist ab der Mitte des 15. Jahrhunderts sowohl in hoch- als auch niederdeutschen und niederländischen Fassungen in zahlreichen Handschriften und Drucken überliefert. Philip Stephan Barto druckt im Anhang seiner Tannhäuser-Monographie 32 dieser verschiedene Versionen ab, darunter auch einige nur thematisch verwandte.[2.1]

Burghart Wachinger ordnet im Verfasserlexikon die diversen Fassungen nach Sprache und Strophenzahl chronologisch in 4 Gruppen. Die Beispiele geben jeweils die erste Strophe eines der Zeugnisse wieder[3.1]:

Fassung A
Ältere niederdeutsche Fassung mit 23 Strophen. Beispiel: Essener Liederheft, vermutlich um 1450 vom Essener Stadtschreiber Johann von Horle verfasst.[4]

Aver wyl yck heven aen
van Danuser tho syngen
wat hye wunderss heyfft gedaen
myt (sy) hoefschen mynnen.

Fassung B
Hochdeutsche Fassung mit 26 Strophen. Beispiel: Flugblatt von 1515, Jobst Gutknecht, Nürnberg[2.2]

Nun wil ichs aber heben an
Von dem Danheuser zu singen
Vnd was er hat wunders gethan
Mit seiner fraw Venussinnen

Fassung C
Jüngere niederdeutsche Fassung mit 29 Strophen. Beispiel: Fliegendes Blatt, ca. 1550[2.3]

Aver wil ick heven an
van einem Danhüser singen
und wat he wunders hefft gedaen
mit Venus der duvelinnen.

Fassung D
Niederländische Fassung mit 21 Strophen, in denen der Held Herr Daniel heißt. Beispiel: Jan Roulans: Liedekens-Boeck. Antwerpen 1544.[2.4]

Wildi horen een goet nieu liet?
ende dat sal ic ons singhen,
wat heer Danielken is gheschiet
al met vrou Venus minne.

Neben diesen Gruppen mit kreuzreimendem Vierzeilern, gibt es weitere Beispiele von Überlieferungen mit abweichenden Strophenformen bzw. mehr oder minder stark abweichendem Inhalt.

Für die weitere Rezeption werden dann zwei Abdrucke wichtig, nämlich Heinrich Kornmanns Mons Veneris, Fraw Veneris Berg von 1644[5] und davon abhängig die Blockes-Berges Verrichtung des Johannes Praetorius von 1668.[6]

Der Tannhäuser in der Sagensammlung der Brüder Grimm (1816)

Von Praetorius wurde die Ballade 1806 in die Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano übernommen[7] und 1816 erschien der Inhalt der Tannhäuser-Ballade in Prosafassung in den Deutschen Sagen der Brüder Grimm.[8] 1837 hatte Heinrich Heine im zweiten Teil seiner Elementargeister die Frage behandelt, ob und wenn ja inwiefern Frau Venus eine Teufelin sei und dabei nicht nur den Text der Ballade wiedergegeben, sondern eine eigene, erweiterte und mit einem satirischen Schluss versehene Fassung geliefert.

Literatur

  • Anton Anderluh: Kärntens Volksliedschaft, Band II/1, Klagenfurt 1966, Lied-Nr. 20.
  • Deutsches Volksliedarchiv und einzelne Herausgeber: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien. Balladen [DVldr], Band 1, Berlin 1935, Nr. 15. – Vgl. Otto Holzapfel u. a.: Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien: Balladen. Band 10. Peter Lang, Bern 1996 (zu DVldr Nr. 15 im Volksballaden-Index O 39).
  • Gert Glaser: Die Kärntner Volksballade. Klagenfurt 1975, S. 149–167 (ausführliche Darstellung der Liedbelege aus Kärnten aufgrund der Edition von Anderluh; Melodie-Parallelen).
  • Otto Holzapfel: Das große deutsche Volksballadenbuch. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2000, S. 343–346 (mit Kommentar).
  • Otto Holzapfel: Liedverzeichnis. Band 1–2, Olms, Hildesheim 2006, ISBN 3-487-13100-5 (Eintrag zu „Nun will ich aber heben an...“ mit weiteren Hinweisen).
  • Richard M. Meyer: Tannhäuser und Tannhäusersage. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 21 (1911), S. 1–31.
  • Dietz-Rüdiger Moser: Die Tannhäuser-Legende. Eine Studie über Intentionalität und Rezeption katechetischer Volkserzählungen zum Buss-Sakrament. De Gruyter, Berlin und New York 1977, ISBN 3-11-005957-6.
  • Hanno Rüther: Der Mythos von den Minnesängern. Die Entstehung der Moringer-, Tannhäuser- und Bremberger-Ballade (= Pictura et Poesis 23). Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-23906-0, S. 140–266.
  • Burghart Wachinger: Tannhäuser-Ballade. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Verfasserlexikon. Band 9. 2. Auflage. De Gruyter, Berlin 1995, Sp. 611–616.

Einzelnachweise

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