Tanz in der Weimarer Republik

Teil der deutschen Kultur in den Jahren von 1919 bis 1932 From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Tanz in der Weimarer Republik war ein wichtiger Teil der deutschen Kultur in den Jahren von 1919 bis 1933.

Tänzerinnen von Vera Skoronel, um 1926

Geschichte

Gesellschaftstänze
Tanztee im Hotel Esplanade in Berlin

Am 31. Dezember 1918 wurde das kriegsbedingte Tanzverbot in Deutschland aufgehoben, was eine große Tanzbegeisterung auslöste.

„Wie ein Rudel hungriger Wölfe stürzt sich das Volk auf die lang entbehrte Lust. Noch nie ist so viel, so rasend getanzt worden.“[1]

Es entstanden zahlreiche Tanzlokale, in den Dörfern wurde in Vereinslokalen getanzt. Die beliebtesten Tänze der frühen 1920er Jahre waren der Tango, der Walzer, sowie die amerikanischen Modetänze Foxtrott, Shimmy und besonders der Charleston (seit 1925).[2] Dabei wurde der gesamte Körper wild bewegt, Arme, Beine, Hüften, Oberkörper geschüttelt und herumgeworfen. Einige Schriftsteller wie Siegfried Kracauer und Klaus Mann sahen darin eine Flucht aus dem schwierigen Alltagsleben der Nachkriegszeit mit Inflation, Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit.[3]

Ende der 1920er Jahre nahm die Tanzbegeisterung etwas ab und die Tänze wurden ruhiger.

Tanzaufführungen

In den 1920er Jahren gab es zahlreiche Tanzaufführungen in Variétés, Revuen und anderen Bühnen. Diese waren exotisch, erotisch, abstrakt, sakral oder in anderer Weise expressiv. Zu den bekanntesten Tänzerinnen in dieser Zeit in Deutschland gehörten Anita Berber, Vera Skoronel, Tatjana Barbakoff, Valeska Gert, Charlotte Bara, sowie die US-Amerikanerin Joséphine Baker.[4]

Ausdruckstanz

Eine größere Verbreitung fanden verschiedene Formen des Ausdruckstanzes für Laien, der eine freie körperliche Bewegung lehrte. Dabei sollte der Körper inneren Gefühlen folgen und sich von Konventionen und Hemmungen lösen. Die wichtigsten Vorbilder waren der Franzose François Delsarte, der Schweizer Émile Jaques-Dalcroze und der Ungar Rudolf von Laban, zu den wichtigsten Tanzschulen der 1920er Jahre gehörten die von Mary Wigman und Gret Palucca in Dresden, sowie von Hertha Feist, Berthe Trümpy und Jutta Klamt in Berlin.[5] Verschiedene Formen des Ausdruckstanzes waren auch in der Arbeiterbewegung verbreitet.

Darstellungen in der Bildenden Kunst

Maler und Bildhauer wie Otto Dix, Georg Kolbe und Ernest Neuschul schufen Kunstwerke von Tänzerinnen und Tanzszenen, meist im expressionistischen Stil.

Literatur

  • Kate Elswit; Watching Weimar Dance. Oxford University Press, 2014 (Auszüge)

Einzelnachweise

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