Tarique Rahman
bangladeschischer Politiker
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Tarique Rahman (bengalisch তারেক রহমান; * 20. November 1965 in Bogura, Ostpakistan, heute Bangladesch) ist ein bangladeschischer Politiker.[1][2][3] Er ist seit dem 9. Januar 2026 Vorsitzender der Bangladesh Nationalist Party (BNP) und seit dem 17. Februar 2026 Premierminister von Bangladesch.[4]

Biographie
Tarique Rahman entstammt einer prominenten bengalischen muslimischen Familie. Sein Vater war Ziaur Rahman, ein hoher bangladeschischer Militär und von 1977 bis zu seiner Ermordung 1981 Präsident bzw. Militärmachthaber von Bangladesch. Seine Mutter Khaleda Zia war von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006 Premierministerin von Bangladesch. Der Sohn besuchte zunächst das BAF Shaheen College in Dhaka und studierte anschließend Internationale Beziehungen an der Universität Dhaka, erwarb aber wohl keinen Abschluss. Während der Militärherrschaft des Generals Ershad 1983 bis 1990 wurde er genauso wie seine Mutter wegen oppositioneller Tätigkeiten mehrfach unter Hausarrest gestellt. Im Jahr 1988 wurde er im Alter von 22 Jahren im Distrikt Bogura für die Bangladesh Nationalist Party (BNP), die von seinem Vater gegründet worden war, politisch aktiv. Im Wahlkampf vor der Parlamentswahl 1991, die nach dem Sturz der Ershad-Diktatur abgehalten wurde, betätigte er sich für die BNP, trat aber in der anschließenden Dekade nicht mehr politisch in Erscheinung.
Am 3. Februar 1994 heiratete er Zubaida, die Tochter eines früheren Oberbefehlshabers der bangladeschischen Seestreitkräfte, mit der er eine Tochter bekam.[2][3]
Bei der Parlamentswahl 2001, die deutlich von der BNP gewonnen wurde, spielte er eine wesentliche Rolle. 2002 wurde er Generalsekretär der BNP. Rahman trat innerhalb der BNP insbesondere ab 2001 in der nationalen Öffentlichkeit deutlicher in Erscheinung, als er während der zweiten Amtszeit seiner Mutter Aufgaben in der Parteiorganisation übernahm.[4] Seine Beförderung in ein höheres Parteiamt 2002 wurde von politischen Gegnern als Ausdruck dynastischer Bevorzugung kritisiert.[4] Innerhalb der Partei wurde ihm in dieser Phase die Rolle eines harten Durchsetzers von Parteidisziplin zugeschrieben.[4]
Zur Zeit der Treuhänder-Regierung unter Fakhruddin Ahmed wurde Rahman vom 7. März 2007 bis 3. September 2008 inhaftiert. Rahman erklärte später, er sei während der Haft misshandelt bzw. gefoltert worden.[4] Kurz vor der Parlamentswahl 2008, die durch die rivalisierende Awami-Liga unter Hasina Wajed gewonnen wurde, begab sich Rahman am 12. September 2008 zur medizinischen Behandlung mit seiner Familie nach London. Zuvor hatte er alle Parteiämter niedergelegt.[5] Medienberichte deuteten damals darauf hin, dass er im Gegenzug für die Ausreise Zusagen gemacht habe, sich aus der Politik zurückzuziehen.[4] Er blieb die folgenden 17 Jahre in London.[2] Trotz des Exils blieb er ein zentraler Stratege der BNP und prägte deren Kurs aus London mit.[4] Unter der immer autoritär werdenden Herrschaft von Premierministerin Wajid verschlechterten sich Bedingungen für die BNP zunehmend. Beide Parteien – die regierende Awami-Liga und die oppositionelle BNP – beharrten kompromisslos auf ihren jeweiligen Standpunkten. Die folgenden drei Parlamentswahlen 2014, 2018 und 2024 waren nicht mehr frei und fair. Die BNP boykottierte die Wahlen 2014 und 2024 und gewann bei der Wahl 2018, bei der sie massiver Benachteiligung ausgesetzt war, nur eine geringe Zahl von Parlamentssitzen. Im Londoner Exil lebend wurde Rahman am 8. Dezember 2009 von der BNP-Parteiversammlung zum Vize-Parteivorsitzenden gewählt[6] und am 19. März 2016 in dieses Amt wiedergewählt.[7] Nachdem seine Mutter und die bisherige BNP-Parteivorsitzende Khaleda Zia unter dem Vorwurf der Korruption angeklagt und ab dem 8. Februar 2018 inhaftiert worden war (in einem Verfahren, das von vielen Beobachtern als weithin politisch motiviert angesehen wurde), übernahm Tarique Rahman vom Exil in London aus die BNP-Parteiführung.

Nach dem Kollaps der Awami-Liga-Regierung aufgrund der anhaltenden Studentenproteste in Bangladesch 2024 gewann Tarique Rahman zunehmend an politischer Statur. Seine vielfachen gerichtlichen Verurteilungen wurden nach und nach vollständig aufgehoben (s. u.). Bei seinem Besuch in London vom 10. bis 13. Juni 2025 führte Interims-Regierungschef Muhammad Yunus auch Gespräche mit dem immer noch dort lebenden Rahman. Dabei einigten sich die beiden auf die Terminierung der folgenden Parlamentswahl in Bangladesch im Februar 2026.[8] Am 25. Dezember 2025 kehrte Rahman aus seinem Londoner Exil nach Bangladesch zurück.[9] Fünf Tage nach seiner Rückkehr starb seine Mutter Khaleda Zia, und am 9. Januar 2026 übernahm er offiziell den Parteivorsitz der BNP.[4]
Die Parlamentswahl 2026 fand im Schatten der studentischen Revolution von 2024 statt, die grundlegende politische Reformen gefordert und den Sturz der Regierung Hasina Wajeds ausgelöst hatte.[10] Rahman präsentierte sich im Wahlkampf als Repräsentant eines Neuanfangs und versprach eine Stärkung der Demokratie, weniger Korruption und mehr wirtschaftliche Chancen.[10] Als Leitmotiv nutzte er den Slogan „Bangladesh before all“ („Bangladesch über allem“).[10] Die BNP griff in ihrem Manifest mehrere Forderungen der Protestbewegung auf, darunter die Stärkung des Rechtsstaats und eine größere Beteiligung von Frauen am politischen Leben.[10] Zugleich äußerten Teile der studentischen Bewegung die Sorge, dass sich die Macht erneut zwischen den beiden dominierenden politischen Dynastien des Landes verschiebe.[10] Die Awami-Liga war bei der Wahl 2026 nicht zugelassen, sodass die BNP vor allem gegen ein Bündnis um Jamaat-e-Islami antrat, dem auch eine von führenden Aktivisten der Proteste gegründete Jatiya Nagorik Party (National Citizen Party) angehörte.[10]
Mit ihm als Spitzenkandidaten gewann die BNP die Parlamentswahl in Bangladesch am 12. Februar 2026. Nach der Stimmabgabe erklärte Rahman, im Fall eines Wahlsiegs werde die Verbesserung von Sicherheit und öffentlicher Ordnung zu den ersten Prioritäten seiner Regierung gehören.[10] Analysten beschrieben seinen Aufstieg innerhalb der BNP angesichts der dominierenden Rolle der Zia-Familie als nahezu unvermeidlich.[4] Am 17. Februar 2026 wurde er als Premierminister vereidigt.[11]
Kontroversen
Tarique Rahman ist eine umstrittene Person. Er war in zahlreiche Korruptionsfälle verwickelt und wurde politischer Vergehen angeklagt, wobei im Einzelnen nicht sicher zu entscheiden ist, welche Anklagen auf einer realen Grundlage beruhen und welche von seinen politischen Gegnern lanciert wurden. Während der Zeit der Treuhänderregierung 2007 bis 2008 und verstärkt während der Awami-Liga-Regierung 2008 bis 2024 wurde er mit zahlreichen Gerichtsverfahren wegen vermeintlicher Korruption, Geldwäsche, Verschwörung, Aufwiegelung etc. überzogen und in zahlreichen Fällen in Abwesenheit zu Haft- und Geldstrafen verurteilt. Rahman wies die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe stets zurück; Unterstützer sahen ihn dagegen als politischen Sündenbock seiner Gegner.[4]
Im Rahmen der sogenannten „Hawa-Bhawan“-Affäre wurde Rahman der Korruption, Geldwäsche und Erpressung beschuldigt. Hawa Bhawan war eine Art Denkfabrik oder zentrales Parteibüro der BNP während der Zeit der BNP-Regierung mit Khaleda Zia als Premierministerin 2001 bis 2006. Tarique Rahman, der in diesem Büro eine zentrale Rolle spielte, wurde vorgeworfen, sich in dieser Zeit persönlich bereichert zu haben, indem er beispielsweise Bestechungsgelder für die Vergabe von Regierungsaufträgen annahm.[12]
Am 21. August 2004 ereignete sich bei einer politischen Veranstaltung ein Bombenanschlag auf die damalige Oppositionsführerin Hasina Wajed (Awami-Liga), der etwa 24 Todesopfer und 400 Verletzte forderte. Wajed selbst wurde nur leicht verletzt.[13] Untersuchungen während der Zeit der Interimsregierung 2007 bis 2008 ließen einen islamistischen Täterhintergrund vermuten, möglicherweise mit Verbindungen zu BNP-Politikern.[14] Spätere Untersuchungen zur Zeit von Premierministerin Hasina Wajed beschuldigten Rahman, in die Planung des Attentats involviert gewesen zu sein. Am 11. Oktober 2018 wurde er deswegen durch ein Gericht in Dhaka zusammen mit 18 weiteren Mitangeklagten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.[15]
Während der Zeit der Treuhänderregierung wurde auf Betreiben der Antikorruptionskommission im Jahr 2007 ein Verfahren gegen Rahman und seine Ehefrau wegen Steuerhinterziehung und unerklärter großer Vermögenswerte eingeleitet.[16] Am 2. August 2023 wurde Rahman durch ein Gericht in Dhaka in Abwesenheit zu neun Jahren Haft verurteilt. Seine Ehefrau erhielt drei Jahre.[17]
Nach dem Sturz der Awami-Liga-Regierung unter Hasina Wajed wurde Tarique Rahman von allen Anklagen freigesprochen bzw. die vorangegangenen Verurteilungen wurden aufgehoben.[18][19]