Tarkan (Comic)
Comicfigur der gleichnamigen Comicserie von Sezgin Burak
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Die Entstehung der Figur
Während Burak 1965 in Mailand bei Studio D'Ami arbeitete, erfand er die Figuren El Cougar und Colosso. Während dieser Arbeiten plante er, eine türkische Comicfigur zu zeichnen und begann über die Hunnen nachzulesen, die laut der türkischen offiziellen Geschichtsthese die Urtürken sind, sowie über ihren legendären Führer Attila.[1] In den 1940er Jahren wurden in türkischen Kinderzeitschriften bereits zwei Comicserien über Attila veröffentlicht, die von Şahap Ayhan und Ayhan Erer gezeichnet wurden. Tarkan war eine Figur, die ursprünglich in diesen Serien erschien. Burak hat diese Figur weiterbearbeitet und stellt sie als einen Krieger und Botschafter dar, der im riesigen Hunnenreich mit seinem treuen Wolf die Kommunikation zwischen verschiedenen Völkern vermittelt.
Weitere wichtige Figuren der Serie, neben Tarkan und seinem Wolf, sind Attila, Bige (eine Hunnin), Kulke (ein kleiner Krieger), Tan (der Bruder Tarkans), Altar (der Vater Tarkans), Kostok (der Hauptfeind Tarkans), Goscha (eine wunderschöne und gefährliche Hexe), Azuk (ein nördlicher Krieger), Ursula (eine Wikingerkriegerprinzessin), Orso der Riese (der Diener von Ursula), Mario (ein Franke), Kombo (ein dunkelhäutiger Gladiator), Evdoksia und Valentinianus (ein römischer Kaiser und seine Frau), Kandilis der Pirat (ein mazedonischer Pirat), Tora der Wikinger (der böse König der Wikinger), Karsen der Kater (ein nördlicher Barbar), Kuzmo (Scharfrichter der Vandalenkönigin), Burta (eine Nomadin), Prinzessin Honoria (die Verlobte von Attila) und Yao-Chang (der böse chinesische König).[2]
Veröffentlichung und Rezeption
Die Serie erschien erstmals am 21. Juli 1967 als Tagesstreifen in Schwarzweiß in der Tageszeitung „Hürriyet“, zunächst in einer südostanatolischen Regionalausgabe und danach landesweit. Neue Abenteuer von „Tarkan“ wurden in Zeitschriftenmärkten und an Zeitungsständen mit Plakaten und Postern beworben. Im Jahr 1969 brach die „Hürriyet“ mit einer Auflage von über einer Million den nationalen Rekord. Zudem erschien der Comic ab dem Jahr 1970 auch als wöchentliche Heftreihe, vergrößert und koloriert, zur Beilage der Tageszeitung „Günaydın“.[3] Ab 1973 wurde der Comic, in einer von der Originalserie abweichenden Reihenfolge, auch in deutsch-, englisch- und französischsprachiger Übersetzung in verschiedenen europäischen Ländern, Australien und Neuseeland herausgegeben. Allerdings wurden die fremdsprachigen Heftreihen nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder eingestellt. In Deutschland erschienen 21 Hefte mit insgesamt 15 Abenteuern von März 1973 bis Februar 1975. Die Hefte waren mit einem Preis von 50 bzw. 60 Pfennig um die Hälfte billiger als die meisten Titel zu dieser Zeit an den bundesdeutschen Kiosken. Nachdem der Comic oftmals wegen Darstellungen von Gewalt und Sexualität zensiert und vereinzelt indiziert worden war, wurde er von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften ab Nr. 81 dauerindiziert. In Österreich und der Schweiz durfte „Tarkan“ noch bis Nr. 100 verkauft werden.[4] Die Indizierungen wurden 2002 durch Gesetzesänderung automatisch aufgehoben.[5]
In der Türkei erreichte Tarkan eine so große Popularität, dass er zum volkstümlichen Helden und im Jahr 1972 sogar beliebtesten türkischen Vornamen wurde. Ein bekanntes Beispiel ist der Rapper Tarkan Tevetoğlu, der 1972 im rheinländischen Alzey geboren wurde.
Die Figur Tarkan ist in der Türkei nach wie vor sehr beliebt. Im Freizeitpark Harikalar Diyarı (deutsch: Wunderland) im Bezirk Sincan in Ankara gibt es zum Beispiel Statuen von Tarkan und seinem treuen Wolf. Die beiden Figuren stehen auf künstlichen Felsformationen im Bereich der Masal Adası (Märcheninsel), einem speziellen, rund 25.000 Quadratmeter großen Themenareal für Kinder innerhalb des Parks.[6]
Verfilmungen
„Tarkan“ wurde bis 1973 fünfmal offiziell realverfilmt und war eine beliebte Figur im türkischen Kino. Burak schrieb die ersten drei Drehbücher selbst. Der erste Film war Tarkan, der Steppenfalke (Bozkırlar Şahini Tark-Han, 1968, Mehmet Aslan).
Ab 1969 wurde eine Serie der Filme gedreht, deren Drehbücher von Burak verfasst wurden:
- Tarkan – Der Monsterturm (Tarkan, Canavarlı Kule, 1969, Regie: Cavit Yürüklü)
- Tarkan – Das Schwert von Mars (Tarkan, Mars’ın Kılıcı, 1969, Regie: Tunç Başaran)
- Tarkan gegen Dschamoka (Tarkan Camoka’ya Karşı, 1969, Regie: T. Fikret Uçak)
- Tarkan – Der silberne Sattel (Tarkan, Gümüş Eyer, 1970, Regie: Mehmet Aslan)
- Tarkan – Wikingerblut (Tarkan, Viking Kanı, 1971, Regie: Mehmet Aslan)
- Tarkan – Das goldene Medaillon (Tarkan, Altın Madalyon, 1972, Regie: Mehmet Aslan)
- Tarkan – Der kräftige Held (Tarkan, Güçlü Kahraman, 1972, Regie: Mehmet Aslan)
- Tarkan – Der kräftige Held gegen den armlosen Helden (Tarkan Güçlü Kahraman Kolsuz Kahramana Karşı, 1973, Regie: Mehmet Aslan)
In den meisten Tarkan-Verfilmungen spielte Kartal Tibet die Rolle des Tarkan. Costar in mehreren Tarkan-Filmen war die aus Schweden stammende Schauspielerin Eva Bender, die die Zauberin Gosha verkörperte.
