Tataren-Lattich

Art der Gattung Lattiche (Lactuca) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Tataren-Lattich (Lactuca tatarica) ist eine in Osteuropa heimische, in Deutschland im 20. Jahrhundert eingebürgerte Pflanzenart aus der Gattung Lattich (Lactuca) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Tataren-Lattich

Tataren-Lattich (Lactuca tatarica)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Lattiche (Lactuca)
Art: Tataren-Lattich
Wissenschaftlicher Name
Lactuca tatarica
(L.) C.A.Mey.
Schließen

Beschreibung

Tataren-Lattich an der Ostsee in Polen
Habitus und Laubblätter
Weißer Milchsaft
Blütenkörbchen

Vegetative Merkmale

Der Tataren-Lattich ist eine ausdauernder krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 100 Zentimetern. Es werden unterirdische Ausläufer ausgebildet. Die aufrechten Stängel sind rundlich, fingerdick, ganz oder fast ganz kahl.[1]

Die grundständigen Laubblätter, die zur Blütezeit meist vertrocknet sind, sind bis 18 Zentimeter lang und bis zu 5,5 Zentimeter breit und in den Stiel verschmälert.[1] Ihre Blattspreiten sind schrotsägeförmig fiederspaltig mit großen, dreieckigen waagrecht abstehenden oder zurückgebogenen, fein gezähnelten Seitenabschnitten und langgezogenem Endabschnitt.[1] Die folgenden Laubblätter sind schwächer eingeschnitten und kürzer gestielt; die obersten sind nur lanzettlich und sitzend, selten rundlich bis spatelförmig.[1]

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht vom Juli bis August.[1] In einem rispigen Gesamtblütenstand sind die Blütenkörbchen angeordnet. Die Hüllblätter sind länglich-linealisch, weiß berandet und tragen purpurrote Striche und Flecken.[1] Die Körbchen enthalten nur etwa 20 Zungenblüten.[1] Die Blütenkronblätter sind blau, selten weiß.[1]

Die Achänen sind deutlich abgeflacht, geschnäbelt und rundum längsfurchig.[1] Der Fruchtschnabel ist dabei viel kürzer als die braun-grüne Frucht. Der Pappus ist stielartig hochgehoben und weiß.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, 16 oder 27.[2]

Ökologie

Beim Tataren-Lattich handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Der Tataren-Lattich entwickelt ein besonders langes Wurzelsystem. Bei Sprosshöhen von 23 Zentimetern wurde eine Wurzellänge von 25 Zentimetern, bei 11 Zentimeter Höhe sogar 15 Zentimeter Wurzellänge festgestellt.[1]

Blütenbesucher sind Käfer, Falter (Lycaena- und Vanessa-Arten) und Hummeln, besonders die Steinhummel (Bombus lapidarius).[1]

Verbreitung

Verbreitungsgebiete des Tataren-Lattichs liegen Asien und Osteuropa[3] und wenn die Unterart subsp. pulchella dazugerechnet wird auch Nordamerika. In Mitteleuropa und Nordeuropa[4] wurde er eingeschleppt. In Deutschland gilt er als eingebürgert (Neophyt) und dringt vor allem im Bereich von Nord- und Ostsee weiter vor. Er kommt in Deutschland zerstreut in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vor und selten in Berlin und Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In den Niederlanden kommt er auf der Insel Schiermonnikoog vor.[5] In Österreich ist er in Niederösterreich selten und unbeständig und wurde hier erst „in neuester Zeit eingeschleppt“.[6]

Der Tataren-Lattich kommt nur bis in die colline Höhenstufe vor. Er wächst in Strandheiden, Dünen, Spülsäumen, auf Schutt, Brachen und Bahnanlagen. Der Tataren-Lattich kommt auf feuchten bis mäßig trockenen, nährstoffreichen, auch salzhaltigen Böden vor. Er gedeiht in Pflanzengesellschaften der Verbände Elymo-Honkenyion peploidis und Agropyro-Rumicion, aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnung Cakiletalia maritimae.[7]

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1771 unter dem Namen (Basionym) Sonchus tataricus durch Carl von Linné in Mantissa Plantarum Altera, Seite 572. Die Neukombination zu Lactuca tatarica (L.) C.A.Mey. wurde 1831 von Carl Anton von Meyer in Verzeichniss der Pflanzen, welche während der in den Jahren 1829 und 1830 unternommenen Reise im Caucasus und in den Provinzen am westlichen Ufer des Caspischen Meeres gefunden und eingesammelt worden sind, Seite 56 veröffentlicht.

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten[3] oder sie gelten als eigene Arten:

  • Lactuca tatarica (L.) C.A.Mey. subsp. pulchella (Pursh) Stebbins (Syn.: Lactuca pulchella (Pursh) DC., Lactuca oblongifolia Nutt.): Sie kommt in Nordamerika vor.[3] Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[2] Sie wird auch als selbstständige Art angesehen und trägt dann den Namen Lactuca oblongifolia Nutt.
  • Lactuca tatarica (L.) C.A.Mey. subsp. tatarica: Sie kommt ursprünglich in Ost- und Südosteuropa, in West- und Zentralasien, in Pakistan und Indien, in Sibirien, im Kaukasusraum, in der Mongolei und in China vor.[3] In Nordeuropa, Mitteleuropa, im Baltikum und in Frankreich ist sie ein Neophyt.[3]

Einzelnachweise

Literatur

Related Articles

Wikiwand AI