Technetium-99m-Generator

Radionukleotidgenerator zur Extraxtion von Technetium-99m From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Technetium-99m-Generator ist ein Radionuklidgenerator zur Extraktion des metastabilen Isotops Technetium-99m aus einer Quelle, die zerfallendes Molybdän-99 enthält. Technetium-99m wird für eine Vielzahl von Anwendungen in der Nuklearmedizin benötigt.

Fünf Technetium-99m-Generatoren
Schematische Darstellung eines Nuklidgenerators
Ausbeute eines Technetium-99m-Generators gegen die Zeit

99Mo hat eine Halbwertszeit von 66 Stunden und kann über größere Entfernungen zu Krankenhäusern und Praxen gebracht werden, wo das Zerfallsprodukt Technetium-99m (mit der für den Transport sehr ungünstigen Halbwertszeit von nur 6 Stunden) extrahiert wird. In der Nuklearmedizin wird die geringe Halbwertszeit, die günstige Strahlenqualität (Gammastrahler) sowie die günstige Strahlenenergie (140,1 und 140,6 keV) des Technetium-99m sehr geschätzt.

Mechanismus

Die Halbwertszeit des Mutternuklids 99Mo ist mit 66 Stunden viel größer als die des Tochternuklids 99mTc mit 6 Stunden. 50 % der Gleichgewichtsaktivität wird innerhalb einer Halbwertszeit des Tochternuklids erreicht, 75 % innerhalb von zwei Halbwertszeiten des Tochternuklids. Daher ist das Entfernen des Tochternuklids (Elutionsprozess) aus dem Generator („Melken“ des Generators) sinnvollerweise etwa alle 6–12 Stunden durchzuführen.[1]

Die meisten kommerziellen 99Mo/99mTc-Generatoren benutzen 99mTc-Chromatographie-Säulen, in denen 99Mo auf saurem Aluminiumoxid aufgebracht ist. Wenn man eine normale Salzlösung durch die Säulen mit immobilisiertem 99Mo und löslichem 99mTc drückt, entsteht eine Salzlösung, die 99mTc enthält, zu der dann das für das jeweilige Organ spezifische Pharmazeutikum in entsprechender Konzentration gegeben wird. Das Isotop kann auch ohne pharmazeutische Markierung für bestimmte Zwecke, die reines 99mTc als primäres Radiopharmakon verlangen (z. B. Schilddrüsenszintigrafie), verwendet werden.

Die nutzbare Lebensdauer eines 99Mo/99mTc-Generators beträgt etwa drei Halbwertszeiten des Molybdäns, also etwa eine Woche. Danach ist der Gehalt an 99Mo zu gering. Somit kauft eine Klinik oder Praxis für Nuklearmedizin mindestens einen solchen Generator pro Woche oder mehrere in gestaffelter Form.

Radiopharmaka

Technetium-99m ist seit vielen Jahrzehnten das weltweit am häufigsten verwendete Radionuklid für bildgebende Verfahren in der diagnostischen Nuklearmedizin. Es wurden zahlreiche 99mTc-Radiopharmaka entwickelt, z. B. für

  • die Herzbildgebung 99mTc-MIBI (Methoxyisobutylisonitril),
  • die Knochenbildgebung 99mTc-MDP (Methyldiphosphonat),
  • die Leukozytenbildgebung 99mTc-HMPAO (Hexamethylpropylenaminoxim),
  • die Nierenbildgebung 99mTc-MAG3 (Mercaptoacetyltriglycin) und
  • die Leberbildgebung 99mTc-Mebrofenin.[2]

Während 99mTc für die Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie-Bildgebung verwendet wird, wurde angesichts der breiten Palette verfügbarer Technetium-Radiopharmaka auch die Verwendung von 94mTc (Beta-Plus-Zerfall, Halbwertszeit 53 m) für die Positronen-Emissions-Tomographie-Bildgebung untersucht.[2]

Molybdän-99 oder Technetium-99m herstellen

99Mo kann durch neutroneninduzierte Kernspaltung von Kernen des Nuklids 235U gewonnen werden. Molybdän ist ein Spaltprodukt. Dies kann in einem Kernreaktor, speziell einem Forschungsreaktor, erfolgen. Der Großteil der heutigen Produktion von 99Mo wird jedoch durch die neutroneninduzierte Kernspaltung, aber von hochangereichertem 235U (englisch highly enriched uranium – HEU) erzeugt.[3] Die Neutronen werden an Deuteronen- und Protonenbeschleunigern durch (d,n)- und (p,n)-Reaktionen an schweren Targets generiert.[4]

99Mo kann aber auch durch Neutroneneinfang von 98Mo produziert werden:

Eine andere Methode verwendet die Reaktion mit 100Mo als Targetnuklid:

Hochenergetische Gammastrahlung für diese Reaktion wird durch die Bestrahlung schwerer Targets mit hochenergetischen Elektronen erzeugt, die in einem Linearbeschleuniger beschleunigt wurden.[5]

Es ist aber auch möglich, 99mTc an einem Zyklotron durch Bestrahlung von angereichertem 100Mo in der Kernreaktion

oder von 98Mo in der Kernreaktion

herzustellen.[2]

Zerfallsprozess

Zerfallskette von 99Mo über 99Tc zum stabilen 99Ru und vereinfachtes Niveauschema von 99Tc

Die Grafik zeigt die Zerfallskette von 99Mo über 99Tc zum stabilen 99Ru sowie ein vereinfachtes Niveauschema von 99Tc. Die Beta-Minus-Zerfälle sind blau, die Gamma-Zerfälle rot dargestellt. Der metastabile Zustand 99mTc ist mit grüner Farbe besonders hervorgehoben. Beim Betazerfall von 99Mo sind nur die drei wichtigsten Zweige mit einem Verzweigungsanteil von jeweils über 1 % dargestellt. Auch das Niveauschema des 99Tc wurde hinsichtlich der hier relevanten Übergänge vereinfacht. Die Kerndaten stammen aus dem Evaluated Nuclear Structure Data File (ENSDF) und basieren auf der Dateneinschätzung vom Juli 2017.[6]

Der in einem Technetium-Generator ablaufende Zerfallsprozess kann wie folgt beschrieben werden:

Hierbei zerfällt das 99Mo mit 65,9 Stunden Halbwertszeit in angeregte Zustände des 99Tc. Rund 14 % des 99Mo zerfallen mittels Beta-Minus-Zerfall in den Grundzustand des 99Tc und ca. 86 % in den metastabilen Zustand 99mTc. Dieser hat wiederum eine Anregungsenergie von 143 keV und zerfällt durch Gammaemission und innere Konversion mit einer Halbwertszeit von 6,007 Stunden in den instabilen Grundzustand des 99Tc.[7]

Der Grundzustand von 99Tc geht mit einer Halbwertszeit von 211.100 Jahren durch Beta-Minus-Zerfall in das stabile 99Ru über.

Siehe auch

Literatur

  • H. Krieger: Grundlagen der Strahlungsphysik und des Strahlenschutzes BG Teubner Verlag, 2007, ISBN 3-519-00487-9.

Einzelnachweise

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