Tennenbronn
Ortsteil von Schramberg, Baden-Württemberg, Deutschland. Ist ein Badisches Dorf
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Tennenbronn ist ein Stadtteil von Schramberg im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg.
Tennenbronn Stadt Schramberg | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 11′ N, 8° 21′ O |
| Höhe: | 675 m |
| Fläche: | 38,21 km² |
| Einwohner: | 3340 (30. Juni 2024)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 87 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Mai 2006 |
| Postleitzahl: | 78144 |
| Vorwahl: | 07729 |
Blick auf Tennenbronn | |
Bis zum 30. April 2006 war der Ort eigenständig; die Eingliederung nach Schramberg wurde Anfang 2006 per Bürgerentscheid beschlossen. Tennenbronn ist damit die erste Gemeinde im Land seit der Verwaltungsreform in den 1970er Jahren, die ihre Selbständigkeit aufgab.
Geographie
Geographische Lage
Tennenbronn liegt im Bernecktal südwestlich von Schramberg zwischen 460 und 943 m über dem Meeresspiegel. Die höchste Erhebung Tennenbronns und des Landkreises Rottweil ist die Brunnhölzer Höhe (943 m ü. M.). Der im Jahre 2006 zu Schramberg gekommene Ortsteil befindet sich am westlichen Zipfel des Landkreises Rottweil und grenzt – südlich – an den Schwarzwald-Baar-Kreis und westlich an den Ortenaukreis. Die Markungsfläche beträgt 3501 ha.
Nachbargemeinden
Die Nachbargemeinden von Tennenbronn sind im Norden die Gemeinde Lauterbach, im Osten die Gemeinde Hardt, im Süden die Gemeinde Königsfeld im Schwarzwald (Ortsteil Buchenberg), im Südwesten die Stadt St. Georgen im Schwarzwald (Stadtteil Langenschiltach) und im Westen die Stadt Hornberg (Stadtteil Reichenbach).
Geschichte
In einer päpstlichen Urkunde vom 26. März 1179 tritt erstmals „Tennenbronn mit der Kirche“ in der historischen Überlieferung auf. Dem Abt und den Mönchen des 1084/1085 gegründeten benediktinischen Reformklosters Sankt Georgen im Schwarzwald bestätigte Papst Alexander III. darin alle bisher erworbenen Rechte und Besitzungen. Neben der „römischen Freiheit“, der freien Abts- und Vogtwahl betraf dies insbesondere den Landbesitz und den Besitz von Kirchen und Klöstern an bestimmten Orten. Unter den aufgezählten Orten der Urkunde befindet sich auch Tennenbronn, das hier erstmals in schriftlichen Quellen erwähnt wird. Zum Ort Tennenbronn gehörte damals schon eine Pfarrkirche, Tennenbronn besaß also für sein Umland eine gewisse Mittelpunktsfunktion. Letzteres lässt darauf schließen, dass der Ort um einiges älter ist als die Ersterwähnung zu 1179 vermuten lässt.
Immer wieder wechselten im Mittelalter die Grundherren. So waren es schließlich vier Grundherrschaften, die sich die Besitzungen im heutigen Gemeindegebiet teilten: Die Herren von Falkenstein zu Falkenstein (im Wesentlichen der später zum württembergischen Oberamt Hornberg gehörende Teil), die Herren von Falkenstein zu Ramstein (im Wesentlichen der später zur Herrschaft Schramberg gehörende Teil), der Stab Krummenschiltach (Langenschiltach) des Klosters St. Georgen und das Kloster Rottenmünster bei Rottweil (zwei Höfe auf dem Langenberg). Zwischen 1444 und 1449 verkauften die Herren von Falkenstein zu Falkenstein ihren Besitz an Graf Ludwig von Württemberg und an Hans von Rechberg. Der nun württembergische Teil wurde verwaltungsmäßig dem Amt Hornberg zugeordnet. Der an Hans von Rechberg verkaufte Anteil kam an die von ihm begründete Herrschaft Schramberg und später unter vorderösterreichische Regierung. Das Kloster St. Georgen besaß etwa 1/4 des Gemeindegebietes und die Patronatsherrschaft über die Kirche „Unser Lieber Frauen“.
Die Teilung in einen Hornberger, Schramberger und einen St. Georgener Stab wirkte sich im Zeitalter der Reformation schicksalhaft aus. Über die Patronatsherrschaft über die Pfarrkirche konnte das Herzogtum Württemberg auch in seinen beiden Teilen von Tennenbronn die Reformation einführen. So spaltete sich Tennenbronn für Jahrhunderte in einen katholischen und einen evangelischen Teil auf. Es entstanden schließlich sogar zwei politisch getrennte Gemeinden mit jeweils eigenem Stabsvogt (Bürgermeister), eigener Verwaltung, eigener Schule und eigenem Friedhof. Die Kirche von 1453 stand fortan im evangelischen Bereich des Ortes, die Katholiken wurden den Pfarreien Mariazell und Lauterbach zugeteilt. Während des Dreißigjährigen Krieges musste die Bevölkerung mehrmals kurzfristig die Konfession wechseln. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 versuchte die Bevölkerung vergeblich, ein Simultaneum, also eine gemeinsame Benutzung der Kirche durch beide Konfessionen, einzuführen.
Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts bemühten sich die Tennenbronner Katholiken um die Einrichtung einer eigenen Pfarrei und wurden hierbei von der Regierung Vorderösterreichs unterstützt. 1786 wurden in der Herrschaft Schramberg die Pfarreien neu geordnet. Im Frühjahr 1788 kam mit Alois Neff der erste katholische Seelsorger nach Tennenbronn. Im Wiesenbauernhof wurde ein Raum für Gottesdienste eingerichtet und mit Objekten ausgestattet, die aus der geschlossenen Jesuitenkirche in Rottenburg und aus den Kapellen Hugswald und Falkenstein entfernt worden waren. Im April 1792 brannte der Wiesenbauernhof ab und am Platz, der eigentlich für den Bau einer neuen katholischen Kirche vorgesehen war, wurde eine hölzerne Notkirche errichtet.

Die napoleonischen Veränderungen ließen die zwei Tennenbronner Orte 1805 württembergisch, 1810 im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden badisch werden. Napoleon wollte bei seinen Heereszügen das Königreich Württemberg nicht durchqueren. Weil die Heeresstraße von Offenburg nach Konstanz auf der Benzebene die Gemarkung Tennenbronn streift, wurde Tennenbronn auf Befehl Napoleons dem Großherzogtum Baden zugeschlagen.
1816 wurde das Schulhaus gebaut, in dem ab 1817 katholische Gottesdienste gefeiert wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Katholiken Gastrecht in der evangelischen Kirche, da die katholischen Notkirche 1815 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Das neue Schulhaus wurde bereits 1834 wegen seines desolaten Zustandes wieder abgerissen.
1848 errichtete man dann die katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist.
Bei einem Dorfbrand wurde 1901 die alte evangelische Kirche zerstört. 1902 bis 1903 wurde eine neue Kirche im neugotischen Stil aus einheimischen Sandsteinen errichtet.[2]
Am 1. Oktober 1922 wurden Evangelisch- und Katholisch-Tennenbronn politisch zu einer Gemeinde vereinigt. Tennenbronn gehörte zum badischen Oberamt Hornberg, seit 1857 zum Oberamt Triberg, dann seit 1924 zum Bezirksamt bzw. Landkreis Villingen. Seit dem 19. Jahrhundert ist ein kräftiges Bevölkerungswachstum zu verzeichnen, mit Schwankungen von 1571 Personen im Jahr 1834 bis zu knapp 4000 Einwohnern heute.
Eingemeindung nach Schramberg
Nachdem die Gemeinde zunehmend Schwierigkeiten hatte, die kommunale Infrastruktur zu finanzieren, wurde ab Sommer 2005 verstärkt die Aufgabe der kommunalen Selbständigkeit betrieben. Am 15. Januar 2006 stimmten die Bürger mit 61,61 % für die Eingemeindung nach Schramberg, die zum 1. Mai 2006 vollzogen wurde.[3] Aus dem konservativen Umfeld der Gemeinde gab es dagegen erheblichen Widerstand. Damit war Tennenbronn seit 1977 die erste Gemeinde in Baden-Württemberg, die freiwillig ihre Selbständigkeit aufgab. Auch Schramberg hatte ein großes Interesse daran, weil die Stadt dadurch wieder über die wichtige Schwelle von 20.000 Einwohnern kam.
Politik
Tennenbronn ist seit dem 1. Mai 2006 Stadtteil der Großen Kreisstadt Schramberg. Neben einem Gemeinderat, der für Schramberg und deren Stadtteile Politik betreibt, verfügt Tennenbronn auch über einen Ortschaftsrat, bestehend aus 11 Mitgliedern. Der Vorsitzende des Ortschaftsrats ist der Ortsvorsteher. Die Ortschaftsratswahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem Ergebnis:
- Freie Liste: 6 Sitze
- CDU: 3 Sitze
- BDU: 2 Sitze
Ortsvorsteher
Seit der Eingemeindung im Jahr 2006 bis zur Verabschiedung in den Ruhestand am 1. Januar 2017 war Klaus Köser Ortsvorsteher von Tennenbronn.[4]
Am 19. Oktober 2016 wurde Jürgen Heidemann zum neuen Ortsvorsteher der Ortschaft Tennenbronn gewählt und trat das Amt zum 1. Januar 2017 an. Er beantragte die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis und schied zum 31. August 2017 aus.
Am 1. Januar 2018 trat Lutz Strobel seinen Dienst als Ortsvorsteher an. Am 9. Juli 2019 entzog der Ortschaftsrat von Tennenbronn Ortsvorsteher Lutz Strobel das Vertrauen und wählte ihn mit 2 Ja-Stimmen und 8-Nein-Stimmen von insgesamt 10 Stimmen als Ortsvorsteher ab.[5]
Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat beschlossen, den Status vom hauptamtlichen zum ehrenamtlichen Ortsvorsteher für Tennenbronn zu ändern. Im Juni 2020 wurde der stellvertretende Ortsvorsteher (seit 2019) Manfred Moosmann zum Ortsvorsteher von Tennenbronn gewählt, er trat das Amt im Juli 2020 an.
Religion
In Tennenbronn gibt es eine katholische Pfarrkirche (St. Johann Baptist) und eine evangelische Kirche.
Kultur und Freizeit
Freibad
Tennenbronn betreibt ein beheiztes Freibad im Affentäle.
Vereine
Tennenbronn verfügt über ein reges Vereinsleben, neben zahlreichen Sportvereinen gibt es einige Musik- und Fasnachtsvereine.
Persönlichkeiten
- Christian Günter (* 1993), Fußballspieler
Literatur
- Michael Buhlmann: Die Urkunde Papst Alexanders III. für das Kloster St. Georgen. Verein für Heimatgeschichte, St. Georgen 2003 (=Vertex Alemanniae, H. 5)
- Matthias Fichter: Der Schnurrbart und Hemd in der Hose: Ein Revival. Heimatphantasien, Furtwangen 2015, ISBN 3868734503, Bd. 1, S. 15ff.
- Gerhard Taddey: Tennenbronn. In: Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 791.
- Der Landkreis Rottweil. 2 Bde. Hrsg. v. d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg. Thorbecke, Ostfildern 2003, ISBN 3-7995-1365-5, Bd. 2, S. 281–297.

