Terje Rød-Larsen

norwegischer Diplomat und Soziologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Terje Rød-Larsen (* 22. November 1947 in Bergen) ist ein norwegischer Diplomat, Politiker (Arbeiderpartiet) und Soziologe.

Terje Rød-Larsen, 2017
Bill Gates, Terje Rød-Larsen, Jeffrey Epstein, Boris Nikolic und Thorbjørn Jagland, 5. März 2018

In den frühen 1990er Jahren erlangten er zusammen mit seiner Ehefrau Mona Juul Bekanntheit als Teil einer kleinen Gruppe von Diplomaten, die die Oslo-Abkommen von 1993–1995 vermittelten. Diese galten damals als Durchbruch israelisch-palästinensischen Konflikt, obwohl der Frieden weiterhin ausblieb.

Rød-Larsen war ein enger Vertrauter von Jeffrey Epstein und engagierte sich für die Stärkung der Kontakte zwischen der MAGA-Bewegung und der europäischen extremen Rechten.[1] Aus den im Januar 2026 veröffentlichten Epstein-Akten ging hervor, dass jedes von Rød-Larsens Kindern in Epsteins Testament 5 Millionen Dollar vermacht worden war. In den Akten bezeichnete Rød-Larsen Epstein als „meinen besten Freund“ und „einen durch und durch guten Menschen“.[2][3] Infolge des Epstein-Skandals ermittelte die norwegische Justiz gegen Rød-Larsen wegen des Verdachts schwerer Korruption. Seine Ehefrau Mona Juul, Chefdiplomatin Norwegens in Jordanien und im Irak, wurde suspendiert.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Rød-Larsen wuchs in Bergen auf. Er studierte Sozialwissenschaften und erwarb einen Ph.D. in Soziologie.

Karriere in Forschung und Lehre

Er lehrte an norwegischen Universitäten, bis er 1981 die Forschungseinrichtung Forskningsstiftelsen Fafo mitbegründete, die von Norwegens größter Gewerkschaftsdachverband Landsorganisasjonen i Norge mitfinanziert wird. FAFO hat seinen Hauptsitz in Oslo und eine Niederlassung in Peking.

Im Jahre 1989 zog Rød-Larsen nach Kairo, da seine Frau Mona Juul wegen ihrer Tätigkeit für das norwegische Außenministerium dorthin versetzt wurde. Er setzte seine Tätigkeit für FAFO fort, da die Organisation sich während der 1980er-Jahre verstärkt international orientierte. Er erstellte eine soziologische Studie über die Lebensbedingungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem.

Osloabkommen

Während dieser Arbeit knüpfte Rød-Larsen Kontakte, die sich während der Geheimverhandlungen zwischen Israel und der Dachorganisation Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) als hilfreich erwiesen. Seine Frau war in der Lage, einen Kontakt mit Außenminister Johan Jørgen Holst herzustellen, was 1993 zum Erreichen des Abkommens von Oslo führte. In dem Jahr wurde Rød-Larsen offiziell beim norwegischen Außenministerium als spezieller Berater für Angelegenheiten des Nahen Ostens angestellt. Als Verhandlungsort schlug er eine abgelegene Villa in Sarpsborg vor,[4] die maximale Diskretion für die Gespräche bot.

Arbeit für die Vereinten Nationen

Zwischen 1994 und 1996 diente er dem Generalsekretär der Vereinten Nationen Boutros Boutros-Ghali als Sonderkoordinator in den besetzten palästinensischen Gebieten.

1996 war er kurzzeitig Kabinettsminister in der Regierung von Thorbjørn Jagland, war aber dann wegen einer Steueraffäre zum Rücktritt gezwungen.

Im Jahre 1999 wurde er zum persönlichen Vertreter des Generalsekretärs Kofi Annan bei der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland und im Gazastreifen ernannt. Er war auch Sonderkoordinator der UN für Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Er gab diesen Posten 2004 auf, um Vorsitzender der International Peace Academy in New York zu werden.

Rød-Larsen wurde aber auch zum UN-Sondergesandten für die Umsetzung der Resolution 1559 des UN-Sicherheitsrates bestimmt, die Syrien zum Abzug aus dem Libanon und die schiitischen Hisbollah zur Entwaffnung der auffordert. Der syrische Truppenabzug hob die Stellung der Hisbollah als einzige libanesische Gruppierung hervor, die offen ihre Waffen behielt. Nach dem Libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 hatte sie ihre Waffen behalten dürfen, um gegen die israelische Besatzung im Süden des Libanon kämpfen zu können. Die Hisbollah erklärt, sie werde ihre Waffen nicht niederlegen. Die Hisbollah hatte breite Unterstützung im Libanon, wo die Partei Parlamentsabgeordnete stellte und Wohltätigkeitsorganisationen betrieb. Die USA erklärte aber, die Hisbollah bleibe so lange auf der Liste der Terrororganisationen, bis sie ihre Waffen abgebe.[5] Nach dem einstimmigen Beschluss des UN-Sicherheitsrats über die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates wurde er von Kofi Annan im August 2006 nach Israel und Libanon entsendet, um die Umsetzung des Waffenstillstandes im Israel-Libanon-Konflikt 2006 zu verfolgen.[6]

Im Januar 2004 wurden Anschuldigungen in der Knesset angehoben, die palästinensisch-israelischen Verhandlungen zwischen UN-Sonderdelegierter Rød-Larsen mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmad Qurai, Verhandlungsminister Saeb Erekat und Schimon Peres im Haus des norwegischen Botschafters in Herzliya seien abgehört worden.[7]

New Yorker Denkfabrik International Peace Institute

2005 wurde Rød-Larsen Präsident des International Peace Institute (IPI), eines auf Forschung zu UN-Friedenssicherungsmissionen spezialisierten New Yorker Denkfabrik.

Im Oktober 2020 trat er von diesem Posten zurück, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass das IPI 650.000 Euro Spenden von Stiftungen angenommen hatte, die mit dem des US-Multimillionärs und Kindersexhändlers Jeffrey Epstein in Verbindung standen. Epstein war 2008 wegen Anstiftung Minderjähriger zur Prostitution verurteilt und 2019 erneut festgenommen worden. Der Vorstand des IPIs, dem der ehemalige australische Premierminister Kevin Rudd vorstand, behauptet, von beidem nichts gewusst zu haben. Rød-Larsen gab außerdem bekannt, dass er 2013 von Epstein ein persönliches Darlehen erhalten und zurückgezahlt hatte.[8] Eine KPMG-Überprüfung ergab, dass das IPI zudem die Kosten für ein Mittagessen Rød-Larsens mit Epstein bezahlt hatte; die von Rød-Larsen ursprünglich zur Rückerstattung beim IPI eingereichten Kosten für Geburtstagsblumen für Epstein bezahlte Rød-Larsen schließlich selbst.[9]

Die norwegische Justiz ermittelte gegen Röd-Larsen wegen des Verdachts schwerer Korruption.[10]

Laut einem Bericht des Wall Street Journal soll Epstein 2013 Kontakt zwischen einem russischen Model und Rød-Larsen hergestellt haben, der sie daraufhin nach Norwegen einlud. Die Frau gab an, 2014 ein IPI-Team nach Kasachstan und Aserbaidschan begleitet zu haben.[11]

Commons: Terje Rød-Larsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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