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Territorien des Schwäbischen Reichskreises

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Die Territorien des Schwäbischen Reichskreises setzte sich aus einer Vielzahl von Gebilden unterschiedlichen Charakters zusammen. Mit rund hundert Kreisständen war er der vielherrigste Kreis im vielherrigen Deutschland.[1] Der Schwäbische Reichskreis bestand vom 16. Jahrhundert[2] bis zum Ende des Alten Reiches 1806.

Kreisstände

Die Viertel des Schwäbischen Reichskreises

Der Kreis war in vier Viertel geteilt. Die Aufteilung in Kreisviertel wurde in der Kreisexekutionsordnung 1563 festgeschrieben.[3] Viertelsdirektoren waren I=Württemberg, II=Baden, III=Hochstift Konstanz, IV=Hochstift Augsburg.

Analog zum Reichstag waren die Kreisstände (Kreisstimmterritorien) nach Bänken gruppiert:[4]

In den folgenden Aufstellungen sind die Kreisstände den Verhältnissen des Jahres 1801 entsprechend angeordnet;[5] die Nummern geben die Rangfolge (Aufrufordnung) wieder.[6] Vor diesem Datum ausgeschiedene Stände sind unnummeriert am Ende der jeweiligen Bank angefügt. Ein „R“ in der Spalte „Zugehörigkeit zum Kreis“ bedeutet, dass der Stand in der Reichsmatrikel von 1521 aufgeführt ist.[7] Ein „r“ kennzeichnet durch spätere Aufteilung solcher Stände erzeugte zusätzliche Stimmen. In der Spalte „Bemerkungen“ ist das Kreisviertel (I, II, III oder IV) angegeben.

Geistliche Fürsten

Die verbliebenen geistlichen Fürstentümer wurden 1802/1803 säkularisiert.

Weitere Informationen Nr., Kreisstand ...
Nr.KreisstandStift/OrdenFürstZugehörigkeit
zum Kreis
Bemerkungen
1Hochstift KonstanzHochstiftFürstbischofRIII, Kreisausschreibender Fürst[8]
2Hochstift AugsburgHochstiftFürstbischofRIV
3Fürstabtei KemptenBenediktinerFürstabtRIII
4Fürstpropstei EllwangenSäkularkanonikerFürstpropstRI
Hochstift ChurHochstiftFürstbischofR[9]
Fürstabtei St. GallenBenediktinerFürstabtR[9]
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Prälaten

Die Reichsprälaturen wurden 1802/1803 säkularisiert.

Weitere Informationen Nr., Kreisstand ...
Nr.KreisstandOrdenPrälatZugehörigkeit
zum Kreis
Bemerkungen
1Salem (Salmannsweiler)ZisterzienserAbtRIII
2WeingartenBenediktinerAbtRIII
3OchsenhausenBenediktinerAbtRIII
4ElchingenBenediktinerAbtRI
5IrseeBenediktinerAbtRIV
6UrsbergPrämonstratenserAbtRIV
7Kaisheim (Kaisersheim)ZisterzienserAbtendgültig ab 1757[10]I
8RoggenburgPrämonstratenserAbtRIV
9RotPrämonstratenserAbtRIII
10WeißenauPrämonstratenserAbtRIII
11SchussenriedPrämonstratenserAbtRIII
12Obermarchtal (Marchtal)PrämonstratenserAbtRIII
13PetershausenBenediktinerAbtRIII
14WettenhausenAugustiner-ChorherrenPropstab 1566[11]IV
15ZwiefaltenBenediktinerAbtab 1750[12]
16GengenbachBenediktinerAbtR[13]II
17NeresheimBenediktinerAbtab 1767[14]
18HeggbachZisterzienserinnenÄbtissinRIII
19GutenzellZisterzienserinnenÄbtissinRIII
20RottenmünsterZisterzienserinnenÄbtissinRII
21BaindtZisterzienserinnenÄbtissinRIII
22SöflingenKlarissenÄbtissinab 1775[15]I
23St. Georg (Isny)BenediktinerAbtR, ab 1782[16]III
ReichenauBenediktinerAbtR, bis 1540[17]
St. BlasienBenediktinerAbt, ab 1746 FürstabtR[18]
St. PeterBenediktinerAbtR, bis 1526[19]
SchutternBenediktinerAbtR[20]
KönigsbronnZisterzienserAbtR[21]
MaulbronnZisterzienserAbtR[22]
Allerheiligen (Schaffhausen)BenediktinerAbtR[9][23]
DisentisBenediktinerAbtR[9]
EinsiedelnBenediktinerAbtR[9]
KreuzlingenAugustiner-ChorherrenAbtR[9][24]
PfäfersBenediktinerAbtR[9]
St. Johann (Toggenburg)BenediktinerAbtR[9][25]
Stein am Rhein (St. Georgen)BenediktinerAbtR[9][26]
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Weltliche Fürsten

Weitere Informationen Nr., Kreisstand ...
Nr.KreisstandInhaberZugehörigkeit
zum Kreis
Bemerkungen
ursprünglich
1Herzogtum Württemberg und TeckWürttembergRI, Kreisausschreibender Fürst[8]
2Markgrafschaft Baden (Baden-Baden)BadenRII
3Markgrafschaft Baden (Baden-Durlach)BadenrII
4Markgrafschaft Baden (Baden-Hochberg)[27]BadenrII
später hinzugekommen
5Hohenzollern-Hechingen[28]HohenzollernRII, 1623 gefürstet
6Hohenzollern-Sigmaringen[28]HohenzollernrIII, 1623 gefürstet
7*Stift Lindau[29]R, bis 1802III
8*Stift Buchau[29]R, bis 1802III
9Grafschaft TengenTengen bis 1522, ab 1663 AuerspergR, bis 1522?, neu ab 1665[30]III
10Grafschaft Heiligenberg[31]Werdenberg, ab 1534 Fürstenberg[32]RIII, 1664 gefürstet
11Grafschaft OettingenOettingen(-Oettingen)[33]RI, 1674 gefürstet
12Landgrafschaft Klettgau[34]Sulz, ab 1687 SchwarzenbergRII, 1698 gefürstet
13Fürstentum LiechtensteinLiechtensteinab 1707[35]III
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Grafen und Herren

Weitere Informationen Nr., Kreisstand ...
Nr.KreisstandInhaberZugehörigkeit
zum Kreis
Bemerkungen
1Ballei Elsass-Burgund
(Kommende Altshausen, Kommende Mainau, Kommende Rohr-Waldstetten)[36]
Deutscher OrdenRIII
2Landgrafschaft StühlingenLupfen bis 1582, ab 1605 Pappenheim, ab 1639 Fürstenberg[32]RIII
3Landgrafschaft BaarFürstenberg[32]RII
4Grafschaft WiesensteigHelfenstein, ab 1642/1752 Bayern[37]RI
5Herrschaft Hausen (Kinzigtal)Fürstenberg[32]rII
6MeßkirchZimmern, ab 1594 Helfenstein, ab 1627 Fürstenberg[32]RIII
7Tettnang und ArgenMontfort, ab 1780 Habsburg (Österreich)RIII
8OettingenOettingen(-Wallerstein)[33]rI
9Grafschaft Friedberg-Scheer[38]Waldburg, ab 1786 Thurn und TaxisrIII
10*Grafschaft Königsegg und Herrschaft AulendorfKönigsegg[39]RIII
11*Grafschaft Rothenfels und Herrschaft StaufenMontfort, ab 1565 KönigseggrIII
12Grafschaften Zeil und Trauchburg,
Herrschaften Wurzach und Marstetten
Waldburg[40]RIII
13Grafschaft Wolfegg und Herrschaft WaldseeWaldburgrIII
14Mindelheim und Schwabegg[41]Mindelheim: Frundsberg bis 1586, ab 1616 Bayern[37], 1705–15 Marlborough; Schwabegg: Bayernab ?IV
15GundelfingenGundelfingen, ab 1546 Helfenstein, ab 1627 Fürstenberg[32]RIII
16Grafschaft EbersteinEberstein, später Baden[42]RII
17Nordendorf und GlöttFugger (Linie Marx)ab 1563IV
18Kirchheim und MickhausenFugger (Linie Hans)ab 1563IV
19Babenhausen und BoosFugger (Linie Jakob)ab 1563IV
20Hohenems mit Reichshof LustenauHohenems bis 1759, ab 1765 Österreich[43]ab 1603?[44]III
21Justingenab 1497 Bubenhofen, ab 1530 Freyberg, ab 1751 WürttembergRIII
22Grafschaft BonndorfAbtei St. Blasienab 1662[45] III
23Eglofsab 1661 Abensperg und Traunab 1662III
24Thannhausen[46]Sinzendorf bis 1699, ab 1707 Stadionab 1677IV
25Hohengeroldseck[47]Geroldseck bis 1634, Kronberg, Baden-Durlach, ab 1697 von der LeyenRII
26Eglingen[48]Grafeneck, ab 1723 Thurn und Taxisab 1555I
27Sickingen[49]Sickingenab 1792
Löwenstein[50]R
Tübingen[51]R
Grafschaft Kirchberg[52]R
Brandis[53]R
Staufen[54]R
Falkenstein[55]R
Hewen[56]R
Baumgartner[57]1535 bis 1567?
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Städte

Mit Ausnahme Augsburgs, das erst 1806 bayerisch wurde, verloren alle verbliebenen schwäbischen Reichsstädte 1802/1803 ihre Souveränität.

Weitere Informationen Nr., Kreisstand ...
Nr.KreisstandZugehörigkeit
zum Kreis
KonfessionBemerkungen
1AugsburgRmixtiert[58]IV
2UlmRevangelischI
3EsslingenRevangelischI
4ReutlingenRevangelischI
5NördlingenRevangelischI
6HallRevangelischI
7ÜberlingenRkatholischIII
8RottweilRkatholischII
9HeilbronnRevangelischI
10GmündRkatholischI
11MemmingenRevangelischIV
12LindauRevangelischIII
13DinkelsbühlRmixtiert[58]I
14BiberachRmixtiert[58]III
15RavensburgRmixtiert[58]III
16KemptenRevangelischIII
17KaufbeurenRevangelischIV
18WeilRkatholischI
19WangenRkatholischIII
20IsnyRevangelischIII
21LeutkirchRevangelischIII
22WimpfenRevangelischI
23GiengenRevangelischI
24PfullendorfRkatholischIII
25BuchhornRkatholischIII
26AalenRevangelischI
27BopfingenRevangelischI
28BuchauRkatholischIII
29OffenburgRkatholischII
30GengenbachRkatholischII
31Zell am HarmersbachRkatholischII
KonstanzR, bis 1548[59](evangelisch bis 1548)
DonauwörthR, bis 1607[60](evangelisch bis 1607)I
SchaffhausenR[9]
St. GallenR[9]
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Nichtkreisständische Mitglieder

Es gab einige reichsunmittelbare Territorien, die Matrikularbeiträge an den Schwäbischen Kreis zahlten, teils sogar Truppen zum Kreiskorps stellten, aber kein Stimmrecht auf Kreistagen besaßen. Der Kreis führte sie als nichtkreisständische Mitglieder.

Weitere Informationen Name, Bemerkungen ...
NameBemerkungen
St. Ulrich und Afra zu AugsburgBenediktinerabtei
OttobeurenBenediktinerabtei
MuriBenediktinerabteiwegen Herrschaft Dettensee
St. Gallengefürstete Benediktinerabteiwegen Herrschaft Neuravensburg
BuxheimKartauseverwirrende Rechtsverhältnisse
Rehlingenwegen Herrschaft Bettenreute
Deuring1649–1764, wegen Herrschaft Althaus, Neuhaus, Bitzenhofen
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Sonderfälle

Weitere Informationen Name, Bemerkungen ...
NameBemerkungen
Dorf MünsterIm Besitz des Klosters Heilig Kreuz zu Donauwörth, galt als uneingekreistes Territorium; das Kloster selbst war nicht unmittelbar, es steuerte aber wegen des Dorfs zum schwäbischen Kreis.
RechbergDie Herren, seit 1607 Grafen von Rechberg zählten traditionell zur schwäbischen Ritterschaft. 1613 erfolgte die Aufnahme ins Schwäbische Reichsgrafenkollegium, zunächst als Personalist. 1630 wurden die rechbergischen Herrschaften Hohenrechberg und Illereichen in den Schwäbischen Kreis aufgenommen, wogegen die Ritterschaft protestierte und sich vor dem Reichshofrat durchsetzte.
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Entwicklung nach 1801

Angesichts Artikel VII des Friedens von Lunéville waren drastische Veränderungen der politischen Landkarte zu erwarten. Noch bevor die mit der Verteilung der Entschädigungsmasse betraute Reichsdeputation ihre Arbeit aufgenommen hatte, begannen die großen Reichsstände mit der Inbesitznahme der ihnen vorab zugesicherten Gebiete. In dieser ersten Welle der Umschichtung verloren die geistlichen Territorien ihre Souveränität, ebenso alle schwäbischen Reichsstädte mit Ausnahme Augsburgs. Als der Reichsdeputationshauptschluss die genaue Verteilung geregelt hatte, waren von den schwäbischen Kreisständen nur 28 übrig geblieben:

Fürsten
Grafen
Städte
  • Augsburg

Durch den Reichsdeputationshauptschluss erhielten folgende Häuser Besitz im Schwäbischen Kreis als Entschädigung für verlorene rheinische oder westfälische Gebiete:

Fürsten
Grafen

Damit hätte der Kreis 41 Stände umfasst. Allerdings kam es in rascher Folge zu weiteren Verschiebungen. 1804 berief Württemberg einen (letzten) Kreistag nach Esslingen ein, der bereits an Fragen der Stimmrechtsverteilung und Sitzordnung scheiterte. Nach der mit der Gründung des Rheinbundes abgeschlossenen zweiten Phase der Umgestaltung bestanden nur noch die Mittelstaaten Bayern, Württemberg und Baden sowie die (nach modernen Maßstäben gemessen) Zwergstaaten Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen, Liechtenstein und Von der Leyen. Artikel 2 der Rheinbundakte setzte alle deutschen Reichsgesetze, damit auch die Reichskreisverfassung, außer Kraft.

Anmerkungen und Einzelnachweise

Literatur

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