Teschenit

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Teschenit ist ein ultramafisches bis mafisches, relativ gleichkörniges magmatisches Gestein mit der Zusammensetzung eines Analcim-führenden alkalischen Gabbros oder Dolerits.

Etymologie und Erstbeschreibung

Teschenitgang an der Red Rocks Gorge des Murrumbidgee River in Südostaustralien

Das Wort Teschenit leitet sich von seiner Typlokalität, der Stadt Teschen in Österreichisch-Schlesien, ab, die nach dem Ersten Weltkrieg in das tschechische Český Těšín und das polnische Cieszyn geteilt wurde. Das Gestein wurde erstmals von Ludwig Hohenegger im Jahre 1861 wissenschaftlich unter der Bezeichnung Teschinit beschrieben.[1] Ferdinand Zirkel führte 1866 die heute gebräuchliche Bezeichnung ein.[2]

Definition

Gemäß dem Klassifizierungsschema magmatischer Gesteine von Roger LeMaitre (2002) würden plutonische Varietäten des Teschenits als Olivingabbro und vulkanische Varietäten als Pikrit oder Pikrobasalt eingestuft werden. Um jedoch ihre Eigenständigkeit aufrechtzuerhalten, definieren Gibb und Henderson (2006) Teschenite wie folgt:

„Teschenite sind mittel- bis feinkörnige magmatische Gesteine, die aus Plagioklas und Klinopyroxen sowie untergeordnetem Analcim bestehen. Olivinteschenite können bis zu 20 Volumenprozent Olivin enthalten.“

[3]

Auftreten

Die mesokraten (Farbzahl M' = 35 bis 65), mittel- bis grobkörnigen, hypidiomorphen, dunkelgrün bis schwarz gefärbten Teschenite treten neben ihrer plutonischen Erscheinung (als Lakkolith) vorwiegend hypabyssisch als subvulkanische Ganggesteine (Gänge und Lagergänge) auf. Untermeerische Extrusionen unter Bildung von Kissenlava sowie Laven und Pyroklastika sind ebenfalls bekannt.

Petrologie

Petrographie

Teschenit aus Polen

Der Teschenit führt als Phänokristalle 0,2 bis 2 Millimeter großen Olivin, bis 15 Millimeter großen, violettbraunen, titanhaltigen, gelegentlich zonierten Augit (mit pyramidaler Sektorenzonierung), manchmal auch Diopsid oder Ägirinaugit, bis 4,5 Millimeter großen, tafelförmigen und manchmal radialstrahlig angeordneten Plagioklas (Andesin bis Labradorit), bis 6 Millimeter große, titanreiche rotbraune Biotittafeln, 0,5 Millimeter großen, Zwickel füllenden Analcim, Eisen-Titan-Oxide (1,0 bis 2,5 Millimeter großen Titanomagnetit, Magnetit und Ilmenit) und 0,2 bis 0,8 Millimeter lange Fluorapatitnadeln.

Die Gehalte an Nephelin sind im Unterschied zum Theralith gering. In Gängen kann brauner Kaersutit (Amphibol bzw. Hornblende) oder Barkevikit (Amphibol) hinzutreten.

Die Grundmasse enthält Alkalifeldspate (Albit, Sanidin, Anorthoklas), Plagioklas, Amphibol, Biotit, Analcim, Apatit, Titanit und/oder Eisen-Titan-Oxide. Sie kann glasig oder auch sehr analcimreich ausgebildet sein. Sekundärminerale sind Calcit, Chlorit, Epidot, Goethit, sehr seltener Hibschit (ein Hydrogranat) sowie die Zeolithe Natrolith, Prehnit und faseriger Thomsonit.

Modal zeigen Teschenite in etwa folgende Mineralogie:

  • Titanaugit – 45 Volumenprozent
  • Plagioklas – 30 Volumenprozent
  • Olivin – 10 bis 15 Volumenprozent
  • Barkevikit – unter 5 Volumenprozent
  • Akzessorien: Apatit (bis 1,2 Volumenprozent), Ilmenit, Pyrit, Titanomagnetit

Das Gefüge von Tescheniten ist ophitisch, subophitisch oder pegmatoid.

Varietäten und Synonyme

Deutlich Olivin-betonte Varietäten werden als Olivinteschenit bezeichnet. Cuyamit ist eine Olivin-freie bzw. Olivin-arme Teschenitvarietät. Crinanit ist mittelkörnig und der Begriff wird oft auch synonym verwendet. Lugarit, benannt nach dem Lagergang des Lugar Sill in Schottland, ist eine weitere Teschenitvarietät, die sich durch eine Vorherrschaft von Titanaugit- und Kaersutit-Phänokristallen auszeichnet, im Gegenzug aber nur wenig Labradorit und Analcim enthält. Olivin ist anwesend. Bogusit ist ein weiteres Synonym für Teschenit. Sich an Theralite annähernder Teschenit wird als theralitischer Teschenit (mit Anorthit-reichem Plagioklas), unter ansteigendem Alkalifeldspatgehalt mit Tendenz hin zu Monzonit als Monzoteschenit und weiter zu Syenit als Syenoteschenit bezeichnet.

Geochemische Zusammensetzung

Folgende geochemisch Analysen sollen die Zusammensetzung von Tescheniten veranschaulichen:

Hauptelemente

Weitere Informationen Oxid Gew. %, Samtskhe Georgien ...
Oxid
Gew. %
Samtskhe
Georgien
Guria
Georgien
Shiant IslesSilesikum
28 Analysen
Olivinteschenit
Polen
Teschenit
Polen
Syenoteschenit
12 Analysen
Mallorca
6 Analysen
Whangārei
Neuseeland
SiO246,8249,4643,0141,4239,7443,4443,1343,9445,08
TiO21,691,301,482,663,883,262,473,012,56
Al2O317,6014,3216,1814,1111,8915,1815,8716,4312,44
Fe2O38,9610,7012,0411,5810,4111,4212,3110,3410,20
MgO5,229,369,376,2111,435,154,064,718,06
MnO0,150,160,190,170,150,180,180,170,29
CaO10,119,099,8713,2512,2912,339,758,7210,43
Na2O4,223,782,382,753,743,173,633,423,53
K2O4,151,460,202,081,662,762,753,750,80
P2O51,120,360,120,710,540,671,090,850,52
S0,600,010,540,10
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Das Auftauchen von Feldspatvertretern in Tescheniten wie Analcim oder gelegentlich auch etwas Nephelin belegt die an Silizium untersättigte Natur der Gesteine.

Spurenelemente

Weitere Informationen Spurenelemente ppm, Samtskhe ...
Spurenelemente
ppm
SamtskheGuriaShiant IslesMallorcaBludoviczePuncówSwietoszowka
Cr1412167415,27,1420
V243144305
Co153972
Ni1513224622,48215239
Cu1407615227
Zn69698784,2
Rb45144,1180,4208726
Sr2152890167411777782002765
Zr20014287293132171184
Ba1680264469383661359704
Pb2371,237,8
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Isotopenverhältnisse

Sr-Nd-Isotopendiagramm mit Position der Teschenite (grüne Kreuze, umrandet mit gelbem Kreis) im Vergleich zu anderen europäischen Magmatiten. Der Pfeil markiert den Differenzierungstrend in Richtung Anreicherung von 87Sr/86Sr

Folgende Isotopenverhältnisse wurden an Tescheniten ermittelt:

Weitere Informationen Isotopenverhältnis, Bludovicze ...
IsotopenverhältnisBludoviczePuncówSwietoszowka
143Nd/144Nd0,512900,512870,51288
87Sr/86Sr0,705690,704250,70305
εNd5,815,596,11
εSr17,12- 4,57- 20,94
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Die vorhandenen Sr-Nd-Isotopenverhältnisse zeigen relativ hohe und konstante Neodymwerte (um + 6), die sich der abgereicherten DMM-Komponente (+ 10) annähern. Primitive Endglieder liegen im oder in Nähe des Mantle Array. Differenzierte Teschenite entfernen sich jedoch vom Mantle Array und entwickeln sich hin zu hohen Strontiumverhältnissen, die eine Kontamination des ursprünglichen Mantelmagmas entweder durch AFC-Prozesse (Assimilation und fraktionierte Kristallisation) oder durch metasomatische Fluide zu erkennen geben. Die primitiveren Glieder sind verwandt mit Magmatiten des französischen Zentralmassivs, kreidezeitlichen Lamprophyren aus den Pyrenäen und den Ehrwalditen, die tektonisch und zeitlich eine vergleichbare Stellung einnehmen. Eine nahezu identische Entwicklung manifestieren Magmatite aus dem Mecsek in Ungarn (Pannonisches Becken).[4]

Umwandlungen

Teschenite können starken Umwandlungserscheinungen durch hydrothermale Metasomatose wie beispielsweise Chloritisierung, Serpentinisierung, Iddingsitisierung, Saussuritisierung, Karbonatisierung, Silifizierung und Zeolithisierung unterliegen.

Vorkommen

Table Cape in Tasmanien, ein Teschenit-Lakkolith
Teschenit-Steinbruch bei Rudów, Polen

Die Typlokalität bildet Teil einer Teschenit-Pikrit-Assoziation mit zahllosen kleineren Vorkommen im äußeren Karpatenbogen (Unterbeskidische Flyschzone), die sich vom nordwestlichen Mähren bis nach Südpolen aneinanderreihen. Ihr Intrusionsalter wird mit 128 bis 120 Millionen Jahre BP eingestuft (Unterkreide – Barremium bis Aptium), neuerdings auch etwas jünger mit 122 bis 110 Millionen Jahre BP (Aptium bis Albium).

Einzelnachweise

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