Tesla Autopilot
Fahrassistenzsystem in Fahrzeugen von Tesla
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Der Tesla Autopilot ist ein Fahrerassistenzsystem des US-amerikanischen Unternehmens Tesla, das seit Oktober 2014 in alle vom Unternehmen hergestellten Fahrzeuge einbaut wird. Es ermöglicht teilautomatisiertes Fahren nach der SAE-Stufe 2 in den verkauften Fahrzeugen („Full Self-Driving Supervised“) und autonomes Fahren (AD) in Robotaxis („Full Self-Driving“).


Tesla bezeichnet das Gesamtsystem als Full Self-Driving (FSD). Es besteht aus mehreren Geräten, die im Auto verteilt sind und miteinander kommunizieren. Die zugrunde liegende Technologie stammt aus den Bereichen Automobilelektronik und Computerelektronik. FSD setzt (Stand 2025) vollständig auf Kameratechnologie (Eigenbezeichnung „Tesla Vision“) auf.[2] Radar- und Ultraschallsensoren wurden laut Tesla entfernt.
Ziel des FSD ist es, auf nahezu allen Strecken ein autonomes Fahren zu ermöglichen. Das Erreichen der „vollen Autonomie“ war ursprünglich für das Jahr 2018 geplant und stellte sich als zu ambitioniert heraus.[3] Es ist derzeit (Stand 2025) nach wie vor nicht absehbar, wann diese Fähigkeit erreicht wird.
Systembeschreibung
Die Hardware- und Softwarearchitekturen des Full Self-Driving (FSD)-Systems sind neuartig, da in vielen gewöhnlichen Fahrzeugen bis zu diesem Zeitpunkt nur Motorsteuergeräte verbaut waren. Nun kommen jedoch auch Computerhardware wie hochentwickelte Mikroprozessoren oder Halbleiterspeicher zum Einsatz.
Grundlegend besteht das FSD aus verschiedenen Sensortechnologien (Detektion) und einer zentralen Steuereinheit, der sogenannten Autopilot Unit (APU) oder auch abgekürzt AP oder APE für Autopilot ECU.[4] Letztere stellt die Rechnerkapazitäten für die Sensordatenfusion bereit und führt sie aus. Die Aktorik umfasst eine Vielzahl von Fahrfunktionen, die verschiedene Stufen der Norm SAE J3016 erfüllen.
Die APU bildet zusammen mit dem Infortainment-Steuergerät, der Media Control Unit (MCU), den sogenannten (offizielle Bezeichnung) „Car Computer“ oder (seit 2026) dem „KI-Computer“.[5] Der Car Computer integriert also die APU und MCU. Es handelt sich bei der APU und MCU um ein komplexes eingebettetes System, das als vollintegriertes Elektronikgerät die Kontrolle, Steuerung und Regelung in Echtzeit ausführt.
Über Over-the-Air-Updates (OTA) per eine WLAN-Schnittstelle (und auch Mobilfunk) wird die im Fahrzeug installierte Software mehrfach im Jahr auch für bereits ausgelieferte Fahrzeuge auf den neusten Stand gebracht, wodurch sich die Fähigkeiten des Autopiloten in den ausgelieferten Fahrzeugen kontinuierlich verbessern können.[6] Die Fahrdaten der Fahrzeuge werden im realen Verkehr aufgezeichnet und bei Zustimmung des Fahrers an Tesla übermittelt. Tesla nutzt diese Fahrdaten für die Weiterentwicklung seiner Produkte, speziell der Fähigkeiten des Autopilot-Systems.
Systemelemente
Zur Sensorik oder Peripherie des Systems zählten ursprünglich Kameras, Radargeräte und Ultraschallsensoren. Hinzu kommt eine umfangreiche Ausstattung an Kommunikationsschnittstellen, die von Fahrzeugbussystemen über Mobilfunk bis zur Nutzung des Global Positioning Systems (GPS) reicht.
Die Konfiguration des FSD-Systems hat sich im Laufe der letzten Jahre jedoch mehrfach verändert. Tesla setzte nie auf Lidar-Geräte, aber zeitweise auf Radargeräte. Letztere stammten von Bosch oder Continental.[7]
Ab dem Jahr 2021 stellte Tesla die Konfiguration um.[8] Die Radarsensoren wurden entfernt und durch die neuen Fähigkeiten des Tesla Vision-Systems ersetzt. Im Jahr 2022 wurden zusätzlich die Ultraschallsensoren (USS) entfernt. Das (Stand 2025) FSD basiert daher nur auf Kameratechnologie („Tesla Vision“).[8]
Entwicklungsgeschichte
Das Full Self-Driving (FSD)-System ist eine umfangreiche elektronische Infrastruktur verschiedener Technologien, die seit 2014 weiterentwickelt wurden. Die Hardware und Software wird von Tesla entwickelt, die Steuergeräte werden an verschiedenen Standorten aus einzelnen Teilen oder vorgefertigten Baugruppen zu einem Gesamtgerät integriert. Ab 2016 entwarf Tesla seine eigene Rechnerarchitektur (Chipsysteme). Zuvor kamen fertige Chipsysteme von anderen Herstellern, speziell Nvidia, zum Einsatz.
Ab 2014 wurde die erste Hardware (HW1) der Autopilot Unit (APU) mit einem SoC der frühen EyeQ-Serie des israelischen Unternehmens Mobileye ausgestattet. Das Gerät war integriert mit einer Frontkamera zusammen und an der Frontscheibe montiert. Nachdem es zu einem tödlichen Unfall gekommen war, beendete Mobileye die Zusammenarbeit mit Tesla und Tesla entschloss sich, ein eigenes System zu entwickeln.[9] Die HW1 wurde ab Herbst 2016 von der Hardware 2 (HW2) abgelöst (dies war ein eigenständiges Gerät, noch nicht[10] Teil des „Car Computer“ zusammen mit der Media Control Unit (MCU)), welche wiederum von der Hardware 3 (HW3) und dann Hardware 4 (HW4) abgelöst wurde. Siehe dazu die Übersicht im Artikel Media Control Unit (MCU).
Forschungsprojekt Tesla Dojo
Unabhängig von dem FSD wurde im Juli 2023 ein eigener „Fahrzeugsupercomputer“ names Tesla Dojo aufgebaut, um das Maschinelle Lernen (ML) oder Deep Learning (DL) für das autonome Fahren (AD) zu nutzen, bzw. das FSD-System dazu zu befähigen (vgl. „KI-Beschleuniger“). Dojo sollte dabei Daten von Tesla-Fahrzeugen verarbeiten bzw. damit trainiert werden.[11] Das Projekt wurde im August 2025 eingestellt und wird nicht mehr als FSD-Plattform für autonomes Fahren dienen.[12][13]
FSD-Freigaben
Der Tesla Autopilot bzw. der Full Self-Driving (FSD)-Modus von Tesla kann in Gebieten, in denen dies erlaubt ist, genutzt werden. Der Fahrer muss das Auto jedoch weiterhin überwachen, aber nur noch selten eingreifen.[14] Die Regulierung und Freigabe erfolgt durch das Department of Transportation (DOT) und die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA).[15] Die NHTSA gibt seit 2021 vor, dass alle Unfälle im Zusammenhang mit Fahrerassistenzsystemen (ADAS) nach SAE Stufe 2 und autonome Systeme (ADS) nach SAE Stufe 3–5 berichtet werden müssen.[16] Außerdem werden umfangreiche Vorgaben (Policies) erarbeitet, die ADS innerhalb der Bundesstaaten harmonisieren und regulieren sollen.[17] Laufende Überprüfungen der Technologie und damit auch Fahrzeughersteller wie Tesla sind Teil der Aktivitäten.[18] Die Anforderungen für die Freigabe werden laufend aktualisiert.[19]
Entwicklungen
Im Februar 2025 führte Tesla über ein online Update den FSD-Modus in China ein. Europa soll in wenigen Monaten folgen.[20]
Am 10. April 2026 erteilte die niederländische Kraftfahrzeugbehörde RDW die erste Zulassung für das FSD-System in Europa.[21][22] Die überwachte Version von FSD entspricht dem SAE-Level 2 und übernimmt die meisten Fahraufgaben auf Autobahnen und im Stadtverkehr, wobei der Fahrer jederzeit die Kontrolle übernehmen muss.[22][23] FSD ist zunächst nur in den Niederlanden zugelassen, und Fahrzeuge müssen das System bei einem Grenzübertritt deaktivieren, da es in anderen europäischen Ländern noch keine harmonisierten Vorschriften gibt.[21] Vor der Zulassung warnten Kritiker, dass die Technik bei schwierigen Sichtbedingungen problematisch sein könnte, da Tesla ausschließlich auf Kameras anstelle zusätzlicher Sensoren setzt, was in den USA bereits zu Sicherheitsbedenken und laufenden Untersuchungen geführt hat.[23][24] Tesla strebt weitere Zulassungen in anderen europäischen Ländern an.[21][22]
Kontroversen
Das Landgericht München I entschied im Juli 2020 (Az.: 33 O 12041/19), dass Tesla mit dem Begriff „Autopilot“ irreführende Werbung betreibe, da sie den Eindruck erwecken könnten, das Fahrzeug fahre tatsächlich autonom – was nicht der Fall sei.[25] Das Urteil ist rechtskräftig.
Im Jahr 2020 wurde ein Big Brother Award von digitalcourage in der Kategorie „Mobilität“ an Tesla verliehen. Dieser Negativpreis kritisiert die erhebliche Datenaufzeichnung bzw. -erfassung in den Autos.[26]
Im Jahr 2025 wurde Tesla in einer Untersuchung der Bundesbehörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) wegen Auffälligkeiten bei der verzögerten Berichterstattung beanstandet. Laut NHTSA ist diese seit 2021 verpflichtend (siehe auch der Abschnitt FSD-Freigaben).[27]
Im Jahr 2026 kam es zu einer weiteren Untersuchung die 2,9 Mio. Fahrzeuge betrifft.[18] Laut NHTSA Untersuchung missachtet das FSD rote Ampeln und fährt entgegen der Fahrtrichtung. Ebenfalls geht es um Unfälle im Zusammenhang mit einer Funktion, die es Nutzern ermöglicht, ihre Autos per Fernsteuerung zu bedienen.