Tessanda

Handweberei in Santa Maria Val Müstair From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Tessanda (rätoromanisch für «Weberei») ist eine 1928 gegründete Handweberei in Santa Maria Val Müstair. Sie ist die älteste noch aktive Handweberei der Schweiz.[1]

Geschichte

1928 gründeten die Ramoscher Weblehrerin Floriana Andry und die Handarbeitslehrerin Fida Lori mit der Unterstützung des Dorfpfarrers Rudolf Filli die Handweberei Tessanda in Sta. Maria, um Münstertalerinnen eine Arbeitsstelle und die Möglichkeit einer anerkannten Fachausbildung als Handweberinnen zu bieten. Die Gründung der Tessanda erfolgt unter dem Patronat des seit 1910 existierenden gemeinnützigen Vereins «Società ütil public Val Müstair», der sich zur Aufgabe gemacht hat, Bedürftigen zu helfen und die Gemeinschaft und Bildung zu stärken. Parallel zum Aufbau der Tessanda gründete die «ütil public» auch die Berufsschule Sta. Maria.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg stagnierte der Absatz durch die Konkurrenz industriell hergestellter Textilien. 1955 wurde die Tessanda in eine eigenständige Stiftung nach Schweizer Recht überführt, die Stiftungsratsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Ab 1959 war die zuvor erworbene Liegenschaft an der Hauptstrasse in Sta. Maria Produktions- und Verkaufsstätte der Tessanda.

Zum 90-jährigen Jubiläum 2018 sagte Bundesrat Ignazio Cassis bei einem Besuch der Tessanda: «Schon in der Gründungszeit ging es darum, anspruchsvolle Erwerbsmöglichkeiten für Frauen im Münstertal zu schaffen. Es war eine Zeit, die vom Kampf um das tägliche Brot geprägt war. Tessanda produzierte qualitativ hochstehende Produkte, die den Absatz über den Ofenpass hinaus schafften. Das ist auch heute noch so. Und das soll auch in Zukunft so bleiben.»[3][4]

2024 nahm das Bundesamt für Kultur «Handweberei und Bündner Kreuzstich» in die Liste der lebendigen Traditionen auf. Die Tessanda wurde dabei als Trägerin dieser Tradition hervorgehoben.[5]

Aktivitäten

Nach der Jahrtausendwende entwickelte sich die Nachfrage mit dem zunehmenden Tourismus und verstärktem Interesse an hochwertigen handwerklichen Erzeugnissen. Mit einem Web-Shop wurde der Vertrieb über die Region hinaus erweitert.

Die Tessanda bietet die Ausbildung zur Gewebegestalterin (Handweberin) an und die Berufsfachschule in Sta. Maria führt die Blockkurse durch (3 × 2 Wochen pro Jahr) für alle Gewebegestalter-Auszubildenden in der Schweiz.[6]

2020 gewann die Tessanda den Publikumspreis Prix Montagne.[7][8]

2021 initiierte die Tessanda das Projekt «Wiederanbau von Flachs in der Val Müstair». Im Jahr 2023 fand erstmals nach Jahrzehnten wieder eine «Flachs-Brächete» bei der Tessanda statt.

Literatur

  • Elisabeth Bardill: An der Zukunft weben, Die Tessanda Val Mustair feiert Jubiläum, in: Terra Grischuna, Heft 5, 2023, S. 48–50
  • Manufactura Tessanda Val Müstair, Konzept und Redaktion: Maya Repele, Santa Maria: Stiftung Manufactura Tessanda Val Müstair, Juli 2018
  • Das Münstertal und seine «Stüva da Tessanda» (Webstube), in: Heimatwerk: Blätter für Volkskunst und Handwerk, Nr. 3, 1959
  • Alte Webkunst im fernen Bergtal: Stüva de tessanda Val Müstair, in: Heimatwerk, Jg. 2 (1937)

Einzelnachweise

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