Thavonat von Thavon

Adelsgeschlecht From Wikipedia, the free encyclopedia

Thavnonat von Thavon (alternative Schreibweise: Tavon, bzw. Tavonati oder Thavonate)[1] ist der Name eines ursprünglich aus Welschtirol stammenden Uradelsgeschlecht,[2] das in den erblichen Ritter- und Freiherrenstand erhoben wurde. Im Laufe der Jahrhunderte teilte sich die Familie in viele Zweige, davon sollen Angehörige sechsmal in den Freiherrenstand erhoben worden sein.[3]

Wappen der Thavonat von Thavon (1726) im Österreichischen Staatsarchiv
Gedenktafel für Ferdinand von Thavonat im ehem. Thavonathof der Universität Wien
Grab des Oberst Richard von Thavon

Geschichte

Der Herkunftsort ist Tavon im mittleren Nonstal, das früher Terrtorial zum Hochstift Trient gehörte. Laut Ausserer ist die hier beschriebene Notarfamilie Tavon von anderen Geschlechtern dieses Namens zu unterscheiden, wie den Waldeggern, ebenfalls Notare, die bis Ende des 15. Jahrhunderts im Besitz von Tavon waren und sich danach auch nannten. Die spärlichen Mauerreste des alten Schlosses Tavon der Herren von Pergine[4] dienten als Steinbruch. Angaben nach dem 13. Jahrhundert bezogen sich deshalb nur auf den Burgberg und Zubehör von Tavon und auf kein Schloss im eigentlichen Sinne.[5]

Im 13. Jahrhundert besaß Mutius de Villa de Thavono ein Zehnt im Dorf Smarano auf dem Nonsberg. 1344 erlangte Michael de Tavon von Ludwig dem Brandenburger die Adelsfreiheit.[6] 1351 wurde letzterer mit dem Zehnten im Dorf Tavon belehnt, welches noch Anfang des 19. Jahrhunderts im Familienbesitz war. 1401 gewährte Herzog Leopold IV. der gesamten Familie die Adelsfreiheit.[7] Berthold und Johann sowie deren 1443 erwähnten Enkel Martin oder Marino und Bartholomäus stehen nicht im Lehensverband, erhielten jedoch die Bestätigung der Freiheiten ihres vermuteten Vorfahren Mutius. Am 13. Februar 1443 verlieh der spätere Kaiser Friedrich III. in Wiener Neustadt seinem „lieben getreuen Notar“ Michael und dessen Bruder Anton Thavon einen Wappenbrief.[8] Alle späteren Sprossen des Geschlechts stammen von dem von 1430 bis 1447 urkundlich erwähnten Anton Thavon ab. Von seinen Söhnen war 1512 Vigil oder Vigil Michael in Kaltern ansässig, Albert 1512 bis 1552 in Fondo, verheiratet mit Benevenuta de Siceriis aus Fondo, Bartholomäus 1512 bis zu seinem Tod 1555 in Tavon, sowie Andre von 1512 bis 1552 in Diensten des Fürstbischofs von Trient. Richardin Tavon 1512 Senior des gesamten Hauses, wurde Assessor vallium, daher oberster Richter des Nons- und Sulztales und heiratete die Erbentochter des Gervasius de Gentili, Eigentümer von Schloss Denno, welcher 1498 der Fürstbischof von Trient eine Wappenvereinigung mit denen der Denno, in deutsch Enn genehmigte. Am 20. Mai 1560 erhob Kaiser Ferdinand I. in Wien die Brüder Valentin, Johann und Heinrich Tavon in den rittermäßigen Adelsstand für das Reich und die Erblande.[9] 1580 lebte nobilius et magnificus Julius von Thavonat, dessen Erbe 1644 im Testament seines Verwandten, dem Richter von Castelfondo Albert Thavonat de Thavon gedacht wird. Franz Werner von Thavon erscheint 1685 als Hof- und Lehenrichter zu Sonnenburg sowie 1587 als Pfleger zu Rodeneck.[10]

Jakob Thavonat († 1665) zog von Tirol nach Wien. Dort diente der promovierte Jurist, Erzherzog Leopold Wilhelm als Geheimrat. 1659 betrug der Wert seines Güterbesitzes 80.000 Gulden. Folglich wurde er unter die Landstände Österreichs unter der Enns aufgenommen und starb als niederösterreichscher Regimentskanzler. Am 12. März 1686 erlangten seine Söhne, der Hofzahlmeister Ludwig Albert, Ignaz Ferdinand sowie der Hauptmann Jakob Leopold Thavonat den alten Ritterstand, das "privilegium denominandi" und eine Wappenbesserung.[11] Darauf wurde den Brüdern, den k. k. Hofkammerrat Ludwig Albert, Ignaz Ferdinand und dem kaiserlichen Oberstleutnant Jakob Leopold am 27. April 1691 der Freiherrenstand und eine weitere Wappenbesserung erteilt.[12] Ferdinand Thavonat von Thavon († 1726) agierte als k. k. Hofkammer- und Deputationsrat, der am 15. Februar 1720 in Wien ein Armen- und Invalidenhaus mit einem Kapital von 600.000 Gulden stiftete, des Weiteren laut seinem Testament vom 8. Dezember 1725 ein Familienfideikommiss, bestehend aus der Herrschaft Sachsengang bei Wien.[13] 1726 wurde in Wien der Thavonathof errichtet, heute ein Hof auf dem Campus der Universität Wien. Oberhaupt der reichsritterlichen Linie war Johann Thomas (* 28. September 1764), verheiratet mit Elisabeth von Bergamo (* 19. November 1774). Michael Thavonat († 1874 in Wien) agierte als Ehrenkaplan des Johanniterordens, der an der Seite Andreas Hofer an der Landesverteidigung Tirols mitwirkte.[14]

Persönlichkeiten

  • Ignaz Ferdinand Thavonat von Thavon († 1726), k. k. Hofkammer- und Deputationsrat, Wohltäter
  • Jakob Thavonat († 1665), österreichischer Jurist, Rektor an der Universität Wien,[15] Geheimrat, niederösterreichischer Regimentskanzler
  • Johann Michael Franz Xaver Tavon (1673–1732), Augustinerchorherr im Kloster Neustift, Priester[16]
  • Johann Philipp von Tavon († 1772), Priester, Kanoniker in Innichen, Kurat in Kartitsch[17]
  • Joseph Anton Karl von Tavon (1699–1747), Zisterzienser im Kloster Stams, Priester[18]
  • Ludwig Albert Thavonath von Tavon (1639–1719), k. k. Hofkammerrat, Zahlmeister, Kammergraf der ungarischen Bergstädte, Geheimrat
  • Michael von Thavonat († 1874), Kriegsveteran, Ehrenkaplan des Johanniterordens

Wappen

Blasonierung des Stammwappens (1443)
In Blau auf silbernem Boden ein rechtsgewendeter Sperber. Der Helm mit rechts blau-silbernen, links blau-goldenen Helmdecken trägt ein blaues Kissen mit goldenen Quasten, darauf der Sperber auffliegend.
Blasonierung des Wappens von 1686
Geviert mit gekrönten rotem Herzschild, darin ein silberner Balken. Felder 1 und 4 in Blau der Spritzsperber einwärtsgewendet; Felder 2 und 3 ein einwärtsgekehrter goldener Löwe. Zwei gekrönte Helme: I. mit blau-silbernen Decken der Sperber zwischen einem offenen blau-silbern übereck geteilten Flug; II. mit rot-silbernen Decken der Löwe wachsend zwischen einem offenen rot-silbern übereck geteilten Flug.
Blasonierung des Wappens von 1691
Geviert mit gekröntem, blauen Herzschild, darin auf silbernen Boden der Sperber. Felder 1 und 4 schwarz-golden geteilt mit einem silbernen Turm mit offenem schwarzen Tor, fünf (3:2) runden Schießscharten und halbgesenktem silbernen Fallgitter, an jeder Seite der Zinnen drei goldene Piken mit silbernen Fähnlein; Felder 2 und 3 von Silber und Rot geteilt mit einem einwärtsgewendeten geteilten deoppelschwänzigen Greifen von gewechselten Farben (Carlshofen). Drei gekrönte Helme mit rechts blau-silbernen und links rot-silbernen Decken: I. auf einem blauen Kissen mit goldenen Quasten der Sperber auffliegend; II. einen Pfauenstutz zwischen sechs silbernen Fähnlein; III. den rot-silbern geteilten Greif wachsend zwischen einem offenen von Silber und Rot übereck geteilten Flug.
Blasonierung des Wappens von 1726
Wie 1443 (siehe oben), aber mit einer Krone auf dem Helm.
Blasonierung des Wappens von 1747
Geviert mit einem blauen Herzschild, darin auf einem silbernen Hügel der Sperber. Felder 1 und 4 in Gold ein mit den Sachsen einwärts gewendeter blauer Adlerflügel, im 1. Feld schräglinks, im 4. Feld schrägrechts mit einem goldenen Balken belegt; Felder 2 und 3 in rot ein silberner Turm mit offenem schwarzen Tor, fünf ins Schrägkreuz gestellten runden Schießscharten/Fenstern und halb aufgezogenem silbernem Fallgitter, oben besteckt an heder Seiter der drei Sinnen mit drei Piken mit silbern-blau und blau-silbern abwechselnd geteilten Fähnlein, von welchen drei rechts und drei links wehen. Drei gekrönte Helme mit rechts blau-goldenen und links rot-silbernen Decken: I. der Flügel aus dem 4. Feld; II. der Sperber auffliegend; III. der silberne Turm mit Fähnlein.
Blasonierung des Wappens von 1862
Wie 1747, aber der Sperber auf einem silbernen Dreiberg. Auf dem Schild die Freiherrenkrone.

Siehe auch

Literatur

Commons: Thavonat_family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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