Schloss Sonnenburg
Burg in Südtirol (Italien)
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Schloss Sonnenburg ist eine Burg und ein ehemaliges Kloster der Benediktinerinnen im Ortsteil Sonnenburg der Gemeinde St. Lorenzen in Südtirol (Italien).
| Schloss Sonnenburg | ||
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Ansicht der Ostseite | ||
| Alternativname(n) | Kloster Sonnenburg, Castel Badia | |
| Staat | Italien | |
| Ort | St. Lorenzen (Südtirol) | |
| Entstehungszeit | 11. Jahrhundert | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Geographische Lage | 46° 47′ N, 11° 53′ O | |
| Höhenlage | 810 m s.l.m. | |
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Geschichte
Vorgeschichte und archäologische Funde
Der Hügel, auf dem die Burg steht, ist seit etwa 1900 v. Chr. besiedelt. Archäologische Funde (Steinwerkzeuge der Bronzezeit, Römische Münzen und frühmittelalterliche Überreste) belegen eine kontinuierliche menschliche Präsenz bis ins Jahr 1000 n. Chr. Die Objekte sind heute im Südtiroler Archäologiemuseum und im Museum Mansio Sebatum in St. Lorenzen aufbewahrt. Überlagerte Schichten und Steinmauerwerke belegen die Bedeutung des Ortes als Siedlungs- und Durchgangspunkt im Talbereich.[1]
Gründung und Benediktinerinnenkloster
Die Burg wurde 1039 von Ottwin von Lurngau, Graf des Pustertals und des Lurngaus, als Verwaltungs- und Gerichtssitz des lokalen Gaus errichtet. Im Jahr 1022 erhielt Graf Volkhold, nach dem Tod seines Schwestermannes Aribo, die Burg „Suanapurc“ (suana = Sühne, Gericht) und übertrug sie mitsamt dazugehörigem Grundbesitz dem Benediktinerorden zur Errichtung eines Damenstifts. Dieses wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet, soweit aus der verworrenen und zum Großteil gefälschten Gründungsüberlieferung hervorgeht.[2] Erste Äbtissin wurde demnach – noch vor 1139 – Wichburg, Tochter Aribos und dessen Gemahlin Wichburg von Sonnenburg. Für 1090 ist eine Weihe des Stifts durch Bischof Altwin von Brixen belegt.[3] Fast achthundert Jahre lang waren die Benediktinerinnen von Sonnenburg die Grundherren des Gadertaler Gebietes. Sie übten in Enneberg die Gerichtsbarkeit aus.
Um die Mitte des 12. Jahrhunderts weihte Bischof Hartmann von Brixen die Sonnenburger St.-Gotthard-Kapelle („cappellen des heylign pischoff Sand Gothartz“), einen ursprünglich außerhalb des engeren Stiftsbereichs gelegenen Sakralbau, der mit dem 1977 ergrabenen Gebäude auf der Westspitze des Sonnenburger Hügels zu identifizieren ist.[4]
Aus dem Jahr 1296 datiert ein Sonnenburger Urbar,[5] das den weitgestreuten Güterbesitz des Klosters dokumentiert. Die Besitzverwaltung war organisiert in den einzelnen Ämtern Gadertal, Mühlwald, Eisacktal und Etschtal mit einem Außenposten am Nordufer des Gardasees. Bis längstens 1846[6] war ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes, auf Anordnung der Äbtissin Dietmuth gefertigtes Urbar in Gebrauch, wie eine Abschrift belegt.
Verena von Stuben und Nikolaus von Kues
Im 15. Jahrhundert kam es zum Konflikt zwischen Nikolaus von Kues (Nikolaus Cusanus), Bischof von Brixen, der den Konvent reformieren wollte, und der dies ablehnenden Äbtissin Verena von Stuben, die vom Tiroler Landesfürsten Herzog Siegmund unterstützt wurde. Der Konflikt führte zur päpstlichen Exkommunikation des Klosters und zu seiner Isolation vom lokalen Umfeld. Der Streit eskalierte bis zu einem bewaffneten Konflikt, der in der Schlacht bei Enneberg endete: Die Söldner des Klosters wurden besiegt, Verena von Stuben musste mit ihren Mitschwestern fliehen.
Die Geschichte inspirierte über Jahrhunderte Romane, Theaterstücke und historische Studien. Der Minnesänger Friedrich von Sonnenburg stammt vermutlich von hier. In der Spätzeit des Stiftes kurz vor der Aufhebung spielt der Roman „Die Nonne von Sonnenburg“ von Josef Weingartner.
Der Schlachtort ist durch ein Gedenkmal gekennzeichnet und auf einer Wanderung von Saalen nach Enneberg noch heute zugänglich.[1]
Auflösung und spätere Nutzung

1598 verursachte ein Blitzschlag einen schweren Brand, der große Teile der Anlage zerstörte. Der um 1600 begonnene Wiederaufbau prägte einige noch heute erhaltene Räume, darunter den Äbtissinnensaal, in dem gotische und Renaissanceelemente nebeneinander bestehen.[1]
1785 wurde das Kloster durch Kaiser Joseph II. im Zuge des nach ihm benannten Josephinismus (Säkularisation) aufgehoben. Dabei wurden auch die Bibliotheks- und Archivbestände verstreut, deren Überreste sich heute an verschiedenen Standorten (Innsbruck, München, Bozen, Nürnberg) befinden.[7]
Während der Tiroler Freiheitskämpfe (1797–1813) diente das Schloss als Militärhospital, später als Armenwohnheim. Die Bewohner des „Versorgungshauses Kloster Sonnenburg“, in dem auch alte, kranke und pflegebedürftige Menschen untergebracht waren, wurden 1940 im Rahmen der Option meist ohne ihr Zutun in entsprechende Einrichtungen in das Deutsche Reich „umgesiedelt“. Dort erwartete sie im Zuge der Nationalsozialistischen Rassenhygiene ein ungewisses Schicksal.[8]
Das Schloss als Hotel
1965 erwarb der Starnberger Kulturreferent Karl Knötig die Anlage und begann eine umfangreiche Restaurierungsarbeit, die 35 Jahre in Anspruch nehmen sollte. Gebäude und Kunstwerke wurden restauriert, die Mauern gesichert, archäologische Forschungen und Ausgrabungen durchgeführt sowie die Krypta und die Kirche freigelegt. Parallel dazu wurde der Hotelbetrieb aufgenommen.[1] Für den Ausbau der Pustertaler Staatsstraße wurde ein Tunnel unter dem Schloss gegraben. Die Arbeiten waren 2009 vorübergehend eingestellt worden, da durch die Sprengungen unter anderem in der Krypta Schäden an einem romanischen Fresko entstanden waren. Der Tunnel wurde daraufhin ohne Sprengungen[9] weitergebaut und Anfang Dezember 2010 eröffnet.
Ab Dezember 2025 hat das Schloss unter neuer Führung als Hotel wiedereröffnet, unter dem Namen „Castel Badia“. Die Leitung liegt bei Gunther Knötig gemeinsam mit der Familie Gasser, der Kronplatz Holding und dem Hotelier Aldo Melpignano. Die Restaurierung, die in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege der Autonomen Provinz Bozen durchgeführt wurde, dauerte rund zwei Jahre.[10]
Das Architekturprojekt wurde von einem lokalen Büro betreut, mit Maßnahmen zur Erhaltung der Fresken, der originalen Putze und der bestehenden historischen Strukturen. Zu den wiederhergestellten Originalelementen zählen: die Krypta aus dem Jahr 1030, die Apsis der alten Kirche, die Grundmauern der St.-Vigilius-Kapelle, die alten Klosterzellen in den Untergeschossen (heute Sitz des Spa) sowie der Apothekergarten. Im Bereich der Grundmauern der St.-Gotthard-Kapelle aus dem 12. Jahrhundert wurde ein Kunstwerk des Duos SCHWARZENFELD installiert, mit dem Titel „… und immer wieder geht die Sonne auf.“[11]
Literatur
- Michael Wolf: Sonnenburg. In: Magdalena Hörmann-Weingartner (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. IX. Band: Pustertal. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2003, ISBN 978-88-8266-163-2, S. 115–124.
- Wilhelm Baum: Sonnenburg. In: Ulrich Faust, Waltraud Krassnig (Bearb.): Germania Benedictina III/1–3. St. Ottilien 2002, S. 604–702.
- Karl Knötig: Die Sonnenburg im Pustertal. 3. Auflage. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2001, ISBN 88-7014-351-1.
- Karl Wolfsgruber: Die ältesten Urbare des Benediktinerinnenstiftes Sonnenburg im Pustertal (= Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Bistums Brixen. Band 1). Böhlau, Wien 1968.
- Josef Weingartner: Sonnenburg. In: Der Schlern. 3, 1923, S. 41–50 (digital.tessmann.it).
- Josef Weingartner: Das religiöse Leben des Stiftes Sonnenburg im 18. Jahrhundert. In: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Band 8, 1928, S. 247–286 (zobodat.at [PDF]).
- Martin Zeiller: Sonnenburg. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Provinciarum Austriacarum. Austria, Styria, Carinthia, Carniolia, Tyrolis … (= Topographia Germaniae. Band 10). 3. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1679, S. 38 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Eintrag im Monumentbrowser auf der Website des Südtiroler Landesdenkmalamts
- Informationen zur Sonnenburg (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive) auf der Website der Gemeinde St. Lorenzen
- Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun (Vorlage findet das Ziel nicht, bitte Vorlage durch direkten Link ersetzen!)
- Die Stifterfamilie von Sonnenburg

