The Clock (2010)
Film von Christian Marclay
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The Clock ist ein Film des Videokünstlers Christian Marclay. Es handelt sich um einen 24-stündigen, in Endlosschleife laufenden Video-Supercut (eine Montage von Szenen aus Film und Fernsehen), in denen Uhren oder Zeitmesser zu sehen sind.[1] Das Kunstwerk selbst fungiert als Uhr: Seine Präsentation ist mit der jeweiligen Ortszeit synchronisiert, sodass die in einer Szene angezeigte Zeit der tatsächlichen Uhrzeit entspricht.

| Film | |
| Titel | The Clock |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Stab | |
| Regie | Christian Marclay |
Marclay entwickelte die Idee zu The Clock, während er an seinem Werk Screen Play aus dem Jahr 2005 arbeitete. Mit Unterstützung der in London ansässigen Galerie White Cube stellte er ein Team zusammen, das Filmmaterial recherchierte, welches er über einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Gesamtwerk montierte. Marclay präsentierte The Clock erstmals 2010 in White Cube. Das Werk erhielt große Anerkennung von der Kritik und wurde 2011 auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Die sechs Editionen wurden von bedeutenden Museen erworben, wodurch das Werk eine breite Öffentlichkeit erreichte. Im Jahr 2025 wurde The Clock zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.
Inhalt

Nach Mitternacht gehen die Figuren in Bars und trinken. Einige suchen Nähe, während andere verärgert darüber sind, durch einen Telefonanruf geweckt worden zu sein.[2] In den frühen Morgenstunden sind die Figuren meist allein oder schlafen.[3] Mehrere Traumsequenzen treten zwischen 3 und 5 Uhr morgens auf.[4] Gegen 7 Uhr werden die Figuren beim Aufwachen gezeigt.[5] Von 9 Uhr bis zum Mittag essen sie Frühstück und haben Sex.[6] Je näher der Mittag rückt, desto mehr steigert sich eine Abfolge von Actionszenen, die in läutenden Glocken aus High Noon gipfelt.[7] Unmittelbar nach dem Überschreiten der Mittagszeit verlangsamt sich das Tempo des Videos deutlich.[8]
Zwischen 16 und 17 Uhr wird der Transport wichtig, da die Figuren mit Flugzeugen, Zügen und Automobilen unterwegs sind.[9] Um 18 Uhr essen die Figuren zu Abend und liefern sich Schusswechsel.[10] Am Abend besuchen sie Partys.[11] Gegen 20 Uhr beginnen Orchester und Theater ihre Vorstellungen.[12] Je näher Mitternacht rückt, desto hektischer werden die Figuren: Sie bekommen Wutanfälle, einige sollen hingerichtet werden. Um Mitternacht wird Orson Welles in Die Spur des Fremden auf einem Uhrturm aufgespießt, und Big Ben – ein häufiges Motiv in The Clock – explodiert in V for Vendetta.[13]
Urheberrecht
Als Marclay begann, The Clock zu realisieren, ging er davon aus, dass das Urheberrecht kein wesentliches Hindernis darstellen würde. Er stellte die Theorie auf, dass man bei der Schaffung etwas Gutem oder Interessanten, was niemanden beleidigt, von den Urhebern gutgeheißen werde.[14] Er holte für keinen der verwendeten Filme urheberrechtliche Genehmigungen ein.[15] Er erklärte, dass seine Nutzung zwar nicht von den Rechteinhabern lizenziert sei, die meisten sie jedoch als Fair Use betrachten würden.[16] Aufgrund des urheberrechtlichen Status des Films haben Museen ihn im Rahmen des allgemeinen Eintrittspreises angeboten, anstatt separate, einzelne Tickets zu verlangen.[17]
Veröffentlichung
Marclay fertigte sechs Editionen von The Clock an, zusätzlich zu zwei Künstlerexemplaren.[18] Fünf Exemplare waren für den Verkauf an Institutionen zum Preis von jeweils 467.500 US-Dollar vorgesehen, jeweils unter der Bedingung, dass The Clock nicht gleichzeitig an mehr als einem Ort gezeigt werden darf.[19] Das letzte Exemplar wurde für einen nicht bekannt gegebenen Betrag an den Hedgefondsmanager Steven A. Cohen verkauft.[20] Bereits einen Tag nach der Premiere von The Clock erhielt White Cube zahlreiche Angebote von Museen, von denen einige Exemplare gemeinsam erwarben.[21] Der Verkauf wurde zu einem der größten Käufe von Videokunst und zu einem der teuersten Erwerbe auf dem Primärmarkt.[22] Das Werk im Besitz der New Yorker Sammler Jill und Peter Kraus ist als Schenkung an das Museum of Modern Art vorgesehen.[23] Im Jahr 2011 sagte Steve Tisch die benötigten Mittel zu, um das Werk für das Los Angeles County Museum of Art zu erwerben.[24] Einen Monat später gaben die National Gallery of Canada und das Museum of Fine Arts in Boston den Erwerb eines weiteren Exemplars bekannt.[25] Im Februar 2012 wurde eine weitere Version gemeinsam von der Tate in London, dem Centre Pompidou in Paris und dem Israel Museum in Jerusalem erworben.[26]
Ausstellungen

- 15. Oktober – 13. November 2010: White Cube, London, Vereinigtes Königreich[27]
- 9. Dezember 2010 – 13. Februar 2011: Leeum, Samsung Museum of Art, Seoul, Südkorea[28]
- 21. Januar – 19. Februar 2011: Paula Cooper Gallery, New York City, New York, USA[29]
- 16. Februar – 17. April 2011: Hayward Gallery, London, Vereinigtes Königreich[30]
- 24. Februar – 25. April 2011: Garage Center for Contemporary Art, Moskau, Russland[31]
- 20. Mai – 31. Juli 2011: Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, Kalifornien, USA[32]
- 4. Juni – 27. November 2011: Corderie dell’Arsenale, Biennale di Venezia, Italien[33]
- 6. August – 6. November 2011: Yokohama Museum of Art, Yokohama, Japan[34]
- 23. August – 22. Oktober 2011: Israel Museum, Jerusalem, Israel[35]
- 3. – 5. September 2011: Centre Pompidou, Paris, Frankreich[36]
- 16. September – 31. Dezember 2011: Museum of Fine Arts, Boston, Massachusetts, USA[37]
- 30. März – 6. August 2012: Musée des Beaux-Arts du Canada/National Gallery of Canada, Ottawa, Ontario, Kanada[38]
- 29. März – 3. Juni 2012: Museum of Contemporary Art, Sydney, Australien[39]
- 13. Juli – 1. August 2012: Lincoln Center, New York, USA[40]
- 24. August – 9. September 2012: Kunsthaus Zürich, Zürich, Schweiz[41][42]
- 21. September – 25. November 2012: Power Plant Contemporary Art Centre, Toronto, Ontario, Kanada[43]
- 21. Dezember 2012 – 21. Januar 2013: MoMA, New York, New York, USA[44]
- 27. Januar – 7. April 2013: Wexner Center for the Arts, Columbus, Ohio, USA[45]
- 6. April – 2. Juni 2013: San Francisco Museum of Modern Art, San Francisco, Kalifornien, USA[46]
- 23. Juli – 19. Oktober 2013: Israel Museum, Jerusalem, Israel[47]
- 11. Oktober 2013 – 5. Januar 2014: Winnipeg Art Gallery, Winnipeg, Manitoba, Kanada[48]
- 22. Februar – 20. April 2014: Musée d’art contemporain de Montréal, Montreal, Quebec, Kanada[49]
- 6. März – 18. Mai 2014: Guggenheim Museum Bilbao, Bilbao, Spanien[50]
- 9. – 25. Mai 2014: SALT Beyoğlu, Istanbul, Türkei[51]
- 14. Juni – 25. August 2014: Walker Art Center, Minneapolis, Minnesota, USA[52]
- 13. Februar – 12. April 2015: Art Gallery of Alberta, Edmonton, Alberta, Kanada[53]
- 5. März – 19. April 2015: Cultural Centre of Belém, Lissabon, Portugal[54]
- 5. Juli – 7. September 2015: Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, Kalifornien, USA[55]
- 17. September 2016 – 29. Januar 2017: Museum of Fine Arts, Boston, Massachusetts, USA[56]
- 10. November 2016 – 4. Dezember 2016: Contemporary Arts Center, New Orleans, Louisiana, USA[57]
- 1. Juni – 3. September 2017: Copenhagen Contemporary, Kopenhagen, Dänemark[58]
- 20. September – 19. November 2017: Instituto Moreira Salles, São Paulo, Brasilien[59]
- 20. Februar – 30. Juni 2018: Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv, Israel[60]
- 14. September 2018 – 20. Januar 2019: Tate Modern, London, Vereinigtes Königreich[61]
- 23. Januar – 10. März 2019: Australian Centre for the Moving Image, Melbourne, Australien[62]
- 5 Juli – 22. September 2019: The Polygon Gallery, North Vancouver, Kanada[63]
- 25. Juni – 18. Juli 2021: Le Plaza, Geneva, Schweiz[64]
- 26. Juni 2021 – 20. März 2022: LUMA Arles, Arles, Frankreich[65][66]
- 8. November 2024 – 11. Mai 2025: MoMA, New York, New York, USA
- 14. März – 25. Mai 2025: Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart, Deutschland[67]
- 2. Mai – 22. Juni 2025: Listasafn Íslands, Reykjavik, Island
- 11. November 2025 – 25. Januar 2026: Neue Nationalgalerie, Berlin, Deutschland[68]
Weblinks
- The Clock bei IMDb
- The Clock in der Online-Filmdatenbank
- The Clock in The Movie Database