The Walther Collection
internationale Privatsammlung, die sich auf das Erforschen, Sammeln, Ausstellen und Publizieren moderner und zeitgenössischer Fotografie und Videokunst konzentriert
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The Walther Collection ist eine internationale private Kunstsammlung, die sich auf das Erforschen, Sammeln, Ausstellen und Publizieren moderner und zeitgenössischer Fotografie und Videokunst konzentriert. Die Sammlung wird von der gemeinnützigen Walther Family Foundation getragen und verfügte über zwei Ausstellungsstandorte: „The Walther Collection“ im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen und „The Walther Collection Project Space“ in New York City. Im Jahr 2025 übergab die Walther Collection den Großteil ihrer Sammlung dem New Yorker Metropolitan Museum of Art als Schenkung.[1][2]

Geschichte
Artur Walther (* 1948 in Ulm) war Investmentbanker bei Goldman Sachs in New York.[3] 1994 zog er sich aus dem Berufsleben zurück und widmet sich seither seinem Interesse an Architektur, Kunst und Design.[4]
Den Grundstein der Sammlung bildeten Arbeiten deutscher Fotografen der Neuen Sachlichkeit aus den 1920er Jahren, wie August Sanders Antlitz der Zeit und Karl Blossfeldts Urformen der Kunst. Später erweiterte sich die Sammlung über europäische und amerikanische Fotografie hinaus.
Am 12. Juni 2010 wurde der neue Ausstellungskomplex in Burlafingen, einem Stadtteil des bayerischen Neu-Ulm, eröffnet. Er besteht aus drei Häusern mit insgesamt 1000 m² Ausstellungsfläche. Der Walther Collection Project Space, eine Zweigstelle der Sammlung mit 160 m² Ausstellungsfläche, öffnete am 15. April 2011 im West Chelsea Arts Building in New York City seine Türen.
Im März 2025 ging in Burlafingen die letzte Ausstellung zu Ende, kurz darauf gab die Walther Collection bekannt, dass sie den Großteil ihrer Sammlung als Schenkung an das New Yorker Metropolitan Museum of Art übergibt. Als letzte große Ausstellung der Walther Collection in Europa gilt Into the Unseen in den Deichtorhallen Hamburg.[5]
Die Ausstellungsgebäude
Die Gebäude, in denen sich der Hauptsitz befand, stehen im Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen. Der Walther Collection Project Space wurde im West Chelsea Arts Building in New Yorks Stadtteil Chelsea eingerichtet.
In Burlafingen bildeten drei benachbarte Häuser den Ausstellungskomplex. Die Gebäude stehen weiterhin. Das Ensemble ist so organisiert, dass es sich unauffällig in die Nachbarschaft einfügt, nur der Neubau fällt aufgrund seiner Formstrenge ins Auge.
Weißer Kubus

Dies war das Hauptausstellungsgebäude und der einzige Neubau der Sammlung, der 2010 durch das Ulmer Büro Braunger Wörtz Architekten erstellt wurde. Ein dreigeschossiger weißer Kubus wirkt im oberirdischen Teil durch mehrere große quadratische Wandöffnungen sehr licht und transparent, im unterirdischen, von den Ausmaßen deutlich größeren Teil, standen 500 m² Ausstellungsfläche zur Verfügung, die teilweise auch vom Erdgeschoss aus einsehbar sind.
Grünes Haus
Das „Grüne Haus“ ist ein ortstypisches Zweifamilienhaus aus den Fünfzigerjahren, das außen mit Efeu bewachsen einen natürlich-grünen Farbeindruck bekommt. Im Inneren wurden die Räume entkernt und eigneten sich durch ihre kabinettartige Atmosphäre für die Präsentation kleinformatiger Fotografie.
Schwarzes Haus
Das „Schwarze Haus“ ist ein Fertigteilhaus, das sich zum Garten hin mit einer großen Fensterfront öffnet, während es gegenüber der Straßenseite fensterlos ist. Das Gebäude wurde außen komplett schwarz umgestaltet; es bot innen neben einem Privatbereich Räume für die Präsentation von seriellen Arbeiten.
Graues Haus
Das vierte Gebäude, in Grau gehalten, hatte keine Ausstellungsfunktion, sondern diente als Büro, Bibliothek und Gästewohnung.
The Walther Collection Project Space
2011 eröffnete The Walther Collection den Walther Collection Project Space in New York, in dem Ausstellungen realisiert und öffentliche Programme zur Kunstvermittlung angeboten wurden. Mit rund 160 m² Ausstellungsfläche liegt er in New Yorks Galerienviertel Chelsea. Die Ausstellungen des The Walther Collection Project Space wechselten vierteljährlich und ergänzten das längerfristige Ausstellungsprogramm des Museums in Neu-Ulm/Burlafingen.
Walther Family Foundation
Die Walther Family Foundation ist eine US-amerikanische gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, das Interesse an zeitgenössischer Fotografie und Kunst zu fördern. Sie trägt die Ausstellungen und Programme der Walther Collection.
Ausstellungen
Die Ausstellungen sollen die Sammlung und Neuankäufe unter einem spezifischen thematischen Schwerpunkt präsentieren. Für ihre Konzeption werden internationale Kuratoren eingeladen.
Ausstellungsgeschichte
Seit 2010 widmet sich The Walther Collection einer mehrjährigen Untersuchung afrikanischer Fotografie und Videokunst im Hinblick auf die Themen Porträt, Landschaft und historisches Archiv. Die Eröffnungsausstellung Events of the Self. Portraiture and Social Identity, kuratiert von Okwui Enwezor, stellte drei Generationen afrikanischer Fotografen von den 1940er Jahren bis heute vor.
Appropriated Landscapes (2011–2013), kuratiert von Corinne Diserens, folgte den Spuren, die Kolonialismus, Krieg, Migration und Industrialisierung in der Landschaft Afrikas hinterlassen haben, und stellte die Frage, auf welche Weise Architektur und Raumplanung die soziale Ordnung und Ideologie der Apartheid in Südafrika bis heute widerspiegeln.
Distanz und Begehren. Begegnungen mit dem historischen Archiv (2013–2014), kuratiert von Tamar Garb, stellte einen Dialog zwischen ethnografischen Fotografien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und Werken zeitgenössischer afrikanischer Fotografen her, die sich mit diesem Bildarchiv auseinandersetzen. Die Ausstellung bildete den Höhepunkt einer mehrteiligen Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe, die 2012 im Walther Collection Project Space in New York begann. Sie wurde von einem internationalen Symposium begleitet, das The Walther Collection zusammen mit der New York University und dem University College London organisiert hatte.
Wichtige Werke der Sammlung
- Bernd und Hilla Becher: Typologien (Hochöfen, Kieswerke)
- J.D. ’Okhai Ojeikere: Hairstyles
- Seydou Keita: Portraits
- August Sander: Antlitz der Zeit – Menschen des 20. Jahrhunderts
- Samuel Fosso: Selbstportraits of the 70ies, African Spirits
- Zanele Muholi: Werkblöcke aus Faces and Phases, Beulahs, Only Half the Picture
- David Goldblatt: Werkblöcke aus Some Afrikaners Photographed, Soweto, In Boksburg, South Africa the Structures of Things then
- Santu Mofokeng: Werkblöcke aus Townships, Train Church, Bloemof, Chasing Shadows, Trauma Landscapes
- Jo Ractliffe: Werkblöcke aus As Terras do Fom do Mundo, Terreno Ocupado, Diana, Johannesburg-Inner City
- Guy Tillim: Arbeiten aus den Serien Avenue Patrice Lumumba, Jo’ burg
- Mikhael Subotzky: Arbeiten aus den Serien Die Vier Hoeke, Ponte City
Literatur
- Okwui Enwezor (Hrsg.): Momente des Selbst: Porträtfotografie und soziale Identität. Zeitgenössische afrikanische Fotografie aus der Walther Collection. Steidl, Göttingen 2010.
- Corinne Diserens (Hrsg.): Appropriated Landscapes. Zeitgenössische afrikanische Fotografie aus der Walther Collection.Steidl, Göttingen 2011.
- Claudia Fenkart-Njie und Ulrike Geist (Hrsg.): Private Art Collections in Baden-Württemberg, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-00-035835-7.
- Chantal Pontbriand (Hrsg.): Artur Walther: Beyond Form and History. Chantal Pontbriand im Gespräch mit Artur Walther. In: Mutation. Perspectives on Photography. Steidl, Göttingen 2011. ISBN 3-86930-356-5 (englisch)
- Rania Gaafar: Migrating Forms: Contemporary African photography at The Walther Collection. In: Third Text 25 (2), März 2011, S. 241–247 (englisch).
- Peter Kunitzky: Die Walther Collection – Ein neues Kapitel. in: EIKON, September 2010, S. 57–50.
- Kerstin Stremmel: Zeitgenössische afrikanische Fotografie aus der Walther Collection. In: Camera Austria Nr. 111/2010, S. 82f.
Weblinks
- Website The Walther Collection
- The Walther Collection von Artur Walther bei Studio5555 ( vom 2. Juli 2013 im Internet Archive)
- Barbara Kutscher: Der Wallstreet-Banker als Museumsdirektor. In: Handelsblatt online.