The war to end war

Bezeichnung für den Ersten Weltkrieg From Wikipedia, the free encyclopedia

The war to end war (deutsch: Der Krieg, um den Krieg zu beenden; heute auch The war to end all wars, Der Krieg, um alle Kriege zu beenden) ist eine ursprünglich idealistisch, heute vor allem sardonisch gebrauchte Bezeichnung für den Ersten Weltkrieg. Die Phrase geht auf den britischen Schriftsteller H. G. Wells und dessen Text The War That Will End War zurück und entwickelte sich noch während des Krieges zum geflügelten Wort.

Ursprung

Titelbild zu The War That Will End War von H. G. Wells (1914)

Wenige Tage nach Kriegsbeginn bezog der gesellschaftskritische Schriftsteller H. G. Wells mit mehreren Artikeln in Londoner Tageszeitungen Stellung zur Weltlage. In The War That Will End War (The Daily News and Leader, 14. August 1914) und Opportunity (The Nation, 15. August 1914) wandte er sich von seiner früheren pazifistischen Sichtweise auf internationale Konflikte ab, indem er die Armeen der Entente lobte und die Schuld am Ausbruch des Krieges ausschließlich bei den Mittelmächten sah. Neben dieser patriotischen Betrachtung gab er sich prophetisch und bewarb den großen Krieg als einmalige Gelegenheit, eine neue Weltordnung zu schaffen, die künftige Kriege verunmögliche. In diesem Sinne hätten Großbritannien, Frankreich und Menschen guten Willens weltweit die historische Mission dem Krieg für immer ein Ende zu setzen.[1][2]

Im September 1914 erschienen Wells Zeitungsbeiträge in Buchform zusammengefasst unter dem Titel The War That Will End War bei einem Londoner Verlagshaus. Wie der Autor vier Jahre später im Vorwort zu seiner Aufsatzsammlung In the Fourth Year. Anticipations of a World Peace festhielt, hatte sich die Phrase „The war to end war“, eine Kurzform seines Text- und Buchtitels, noch während des Krieges verbreitet.[3] Tatsächlich gilt der Ausdruck als eines der bekanntesten geflügelten Worte des Ersten Weltkrieges.[2]

Obwohl er den genauen Wortlaut nicht gebrauchte, wird die Phrase „The war to end all wars“ auch mit dem 28. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson, assoziiert.[4][5] Während seiner Rede an den Kongress am 2. April 1917 sprach er sinngemäß von der Beendigung des Krieges in Europa und nutzte diese als Argument für die vier Tage später erfolgte Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an das Deutsche Kaiserreich.[6]

Rezeption

Politik

Nachdem sich der „Krieg, um alle Kriege zu beenden“ als unerreichbares Ideal herausgestellt hatte, wurde die Phrase zunehmend mit der darauffolgenden Desillusionierung in Verbindung gebracht.[4] Der britische Feldmarschall und Vizekönig von Indien, Archibald Wavell, 1. Earl Wavell, etwa verkehrte den Slogan ins Gegenteil, um den Frieden von Versailles als „Peace to end peace“ zu verhöhnen.[7] Mit demselben Wortlaut kommentierte 1938 eine Schlagzeile in The Nation das Münchner Abkommen zwischen Neville Chamberlain und Adolf Hitler.[4]

1967 nannte der Journalist Walter Lippmann US-Außenminister Dean Rusk in der Zeitschrift Newsweek im Zuge des Vietnamkrieges einen der letzten Staatsmänner, der sich der „großen utopischen Täuschung“ hingebe, die von Propagandisten seit dem Ersten Weltkrieg angewandt wird. Er führte weiter aus:

„The delusion is that whatever war we are fighting is a war to end war. Anyone with experience and some thoughness of mind knows from the history of the past 50 years that these wars which are supposed to end wars have never, in fact, ended wars. The historical record is quite plain: on the crontary, each of the wars to end wars has set the stage for the next war.“

„Die Täuschung besteht darin, dass jeder Krieg, den wir führen, ein Krieg sei, der alle Kriege beenden soll. Jeder, der über Erfahrung und einen klaren Verstand verfügt, weiß aus der Geschichte der letzten 50 Jahre, dass diese Kriege, die eigentlich alle Kriege beenden sollten, in Wirklichkeit noch nie Kriege beendet haben. Die historischen Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Im Gegenteil, jeder dieser Kriege, die alle Kriege beenden sollten, hat den Boden für den nächsten Krieg bereitet.“[4]

In seiner „Silent-Majority“-Rede sagte US-Präsident Richard Nixon am 3. November 1969 wörtlich, der Krieg in Vietnam sei kein „war to end wars“ und versprach stattdessen, den Krieg in einer Weise zu beenden, die die USA dem Ziel von Woodrow Wilson und allen anderen Präsidenten, der Schaffung eines „gerechten und anhaltenden Friedens“, näherbringen würde.[4]

Literatur

Die Phrase wurde in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg immer wieder von anderen Schriftstellern, aber auch von Militärhistorikern und Journalisten wie Edward M. Coffman 1968 (The War to End All Wars. The American Military Experience in World War I) oder Adam Hochschild 2011 (To End All Wars: A Story of Loyalty and Rebellion, 1914–1918), aufgegriffen. George Bernard Shaw ließ bereits 1922 in seinem Parabelstück Back to Methuselah eine Figur den Satz „There was a war called the War to End War“ sprechen, um weiter auszuführen, dass ein zehn Jahre danach folgender Krieg mehrere europäische Hauptstädte von der Landkarte getilgt habe.[4] H. G. Wells bezog sich in seinem 1932 erschienenen, von C. G. Jung beeinflussten Roman The Bulpington of Blup selbstironisch auf die von ihm geprägte Phrase, indem er dem Protagonisten Theodore „Teddy“ Bulpington folgende Worte in den Mund legte:

“The War to end War – that’s the magic phrase that has befuddled Father (…) Let the wolves kill the tiger and then we’ll give up having beasts of prey. You won’t abolish cannibalism by eating cannibals. You’ll never end war by war because it’s the best war-maker wins, the oaf who takes war most seriously.”

„Der Krieg, um den Krieg zu beenden – das ist das Zauberwort, das Vater verwirrt hat (…) Sollen die Wölfe den Tiger reißen, und dann verzichten wir auf Raubtiere. Man schafft den Kannibalismus nicht ab, indem man Kannibalen verspeist. Man wird Kriege niemals durch Kriege beenden können, denn es gewinnt der beste Kriegstreiber, der Depp, der den Krieg am ernstesten nimmt.“[8]

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI